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Lux aeterna

Guten Abend,

am vergangenen Wochenende war Ostern, ein Fest, das mir dieses Jahr näher gegangen ist als sonst, weil es in meinem Umfeld in den letzten Jahren mehrere Trauerfälle gab.

Die Ostertage widmen sich der menschlichen Endlichkeit und dem, was am Ende überdauert. In beidem zusammen ergibt dieses Fest für mich Sinn. Und erst in beidem zusammen ergibt es Sinn, denke ich, Ostern jedes Jahr wieder zu feiern, um, wenn man so will, die Osterbotschaft erneut zu bekräftigen.

Nach dem Osterfest ist vor dem Osterfest, jedenfalls im christlichen Kontext. Manchmal wirkt eben vielleicht die Stimmung der Karwoche noch nach, wenn laut Kalender schon Osterfreude herrscht.

Neu im Blog: ein Text zu Tschaikowskis »Pathétique«

Um auf meinen Blog regelmäßig einen neuen Text veröffentlichen zu können, muss ich mich rechtzeitig vorher entscheiden, worüber ich schreibe. Sonst wird es am Ende alles zu knapp. Für den aktuellen Text hatte ich verschiedene Stücke in der engeren Wahl. Es ist ein Text zu Tschaikowskis sechster Symphonie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geworden. Dass man dieses Stück mit seinem tragischen Ende in einen Bezug zu Ostern setzen kann, ist mir erst aufgefallen, als die Entscheidung schon getroffen und ich dabei war, über den Text nachzudenken.

Es gibt gute Gründe, warum diese Symphonie mit ihrem langsamen Schlusssatz als eine schicksalhafte Auseinandersetzung mit dem Tod gilt, als Psychogramm in denkbar dunklen Farben; Tschaikowski, der im Oktober 1893 die Uraufführung dirigierte, starb überraschend neun Tage später. Aber ich denke, das ist nur die eine Seite der Medaille. Ich habe versucht, darüber in meinem neuesten Blogtext zu schreiben.

Musik fürs Gemüt: Elgars Variation »Nimrod«

Hier im Newsletter gibt's Musik fürs Gemüt, dieses Mal: die Variation mit dem Titel »Nimrod« aus Edward Elgars Enigma-Variationen.

Eines Abends im Oktober 1898, es war wohl der 21., kam Edward Elgar nach Hause und er war müde, weil er wieder den ganzen Tag Geige unterrichtet hatte. Nach dem Abendessen setzte er sich ans Klavier und spielte zur Entspannung ein bisschen vor sich hin. Wahrscheinlich nicht ganz bei der Sache produzierte er dabei eher zufällig eine Melodie, die er auf Nachfrage seiner Frau, der sie gefiel, gleich angeregt weiter verarbeitete.

Die sich auf das Thema beziehenden Variationen entstanden anschließend als musikalische Charakterisierungen von Menschen aus Elgars Umfeld, darunter Elgars Frau Alice (Var. 1), Freunde Elgars, aber auch Elgar selbst (Var. 14).

Die Enigma-Variationen gehören zu Elgars beliebtesten Kompositionen. Ein Grund dafür ist der wohlwollend humorvolle Blick, mit dem Elgar die Menschen zeichnet, denen er sich mit seiner Musik widmet. Das wirkt nicht parodistisch, auch nicht unfreundlich, sondern feinsinnig, zugewandt und vertraut genug, dass Elgar sich gegenüber den Portraitierten solche gutmütig augenzwinkernden Charakterbilder erlauben konnte.

Die neunte Variation ist die bekannteste der Enigma-Variationen. Sie ist Elgars engem Freund August Jaeger gewidmet und führt ihren Namen nach der Nimrod-Figur, über die es in der Bibel heißt, Nimrod sei »ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn«.

Die Variation wird in Großbritannien häufig im Rahmen von Trauer- oder Gedächtnisfeiern gespielt. Hier ist eine Version des Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons im Gedenken an den 2019 verstorbenen Musiker Sir André Previn; Nelsons ist hier sehr schön visuell eingefangen, die rhythmischen Impulse, die er gibt, die Gesten seiner Hände und Arme, und ganz am Schluss seine Blicke:

https://www.youtube.com/watch?v=sWm7HYzO-Lg&list=RDsWm7HYzO-Lg (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Beim Nachdenken über diesen Newsletter bin ich vor Kurzem überraschend wieder auf eine Version dieser Variation gestoßen, die das Gesangsensemble Voces8 auf den Text des »Lux aeterna« (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) eingesungen hat; sie ist sehr schön, auch die Kommentare dazu auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=hKgUxqXoc9M&list=RDhKgUxqXoc9M (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Dass man Nimrod auch zur Feier eines 90. Geburtstags dirigieren kann, beweist Sir Neville Marriner kraftvoll hier:

https://www.youtube.com/watch?v=Cn9oXU8k5qE&list=RDCn9oXU8k5qE (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Eine Version für Orgel gibt es auch:

https://www.youtube.com/watch?v=AF5q-T2JR2g&list=RDAF5q-T2JR2g (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Das Enigma, also das Rätsel, das Elgars Variationen im Titel tragen, bezieht sich übrigens nicht darauf, welche Person in welcher Variation portraitiert wird. Dieses Rätsel ist weitgehend gelöst. Bis auf den heutigen Tag nicht geklärt ist, was genau Elgar wohl damit meinte, als er andeutete, dass sich durch die ganze Komposition ein anderes Rätsel ziehe, das aber gar nicht gespielt wird.

Ich würde gerne einmal eine gute Detektivserie dazu sehen, wie jemand dieses Rätsel löst. Wer macht’s?

Eine Theorie besagt, dass Elgar im Thema seiner Variationen auf den Beginn des zweiten Satzes von Beethovens Klaviersonate mit dem Beinamen »Pathétique« angespielt hat. Und das mag schon sein.

Hier ein Clip mit einer Version des Satzes, wie das Janoska Ensemble ihn spielt; die relevante Stelle, an die sich auch der Beginn von Elgars Nimrod anlehnt, kommt zum ersten Mal zwischen min 0:21 und 0:33; vielleicht muss man es ein paar Mal hören, um die Verwandtschaft zu erkennen, zu Beginn eher in den oberen Tönen, dann in einem aufsteigenden Sextakkord:

https://www.youtube.com/watch?v=Rfs3yhVa5mw&list=RDRfs3yhVa5mw (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Herzliche Grüße aus Bamberg 👋🏻

Michael 🎧☕️☀️

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