20. Februar 2026
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Guten Tag,
der Winter hat Norddeutschland fest im Griff: Mit ihm stockt auch eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für die Region. Die Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin verzögert sich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Statt wie geplant Anfang Mai wieder in Betrieb zu gehen, gibt es nun keinen neuen Termin. Vereiste Kabelkanäle, gefrorener Boden und seit Wochen ausgesetzte Bauarbeiten verhindern, dass Signal- und Stellwerkstechnik installiert werden kann. Ein neuer Zeitplan soll erst im März vorliegen.
<div id="steady_newsletter_signup_embed" style="display: none;"></div>Was nach einem technischen Problem auf einer Fernstrecke klingt, trifft Schwerin besonders spürbar. Seit Monaten läuft der Schienenersatzverkehr, Wege nach Hamburg bleiben umständlich und zeitaufwendig. Nach Angaben der Stadt sind mehr als 1.400 Schwerinerinnen und Schweriner direkt betroffen. Sie pendeln regelmäßig in Richtung Metropole. Die Bahn relativiert diese Zahl zwar und verweist darauf, dass sie alle Verkehrsträger umfasst – für viele Pendler macht das im Alltag jedoch kaum einen Unterschied.
Der Unmut wächst (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Schwerins stellvertretender Oberbürgermeister Bernd Nottebaum fordert einen verbindlichen Zeitplan, damit Menschen und Unternehmen endlich planen können. Die Bundestagsabgeordnete Ina Latendorf spricht von einer „Katastrophe für alle Fahrkunden“ und verlangt, Baustellen künftig so zu organisieren, dass Verbindungen zumindest eingeschränkt bestehen bleiben. Auch die Wirtschaft warnt vor einem Standortnachteil: Eine verlässliche morgendliche Verbindung nach Hamburg sei für Schwerin entscheidend.
Seit August 2025 ist die Strecke gesperrt – und für Mecklenburg-Vorpommern bleibt vor allem die Achse Rostock–Schwerin–Hamburg von zentraler Bedeutung. Für viele hier heißt das weiterhin: umsteigen, mehr Zeit einplanen und hoffen, dass aus Ankündigungen bald wieder ein Fahrplan wird.
Infrastruktur ist selten Thema, bis sie fehlt. Dann bestimmt sie plötzlich den Alltag einer ganzen Stadt.
Heute im KURS-Brief:
Unerfüllbarer Traum: Warum Schwerin beim Wohneigentum systematisch abgehängt wird
Stadtpräsident verteidigt Spendenaktion
Sanierung “Alte Post” verzögert sich
Besondere Immobilien aus MV kommen unter den Hammer
Wirtschaftslage in Westmecklenburg bleibt angespannt
🟠THEMA DER WOCHE
Unerfüllbarer Traum: Warum Schwerin beim Wohneigentum systematisch abgehängt wird
In Schwerin wird immer wieder viel über soziale Gerechtigkeit debattiert. Doch eine neue Datenauswertung des Pestel-Instituts, das der KURS-Redaktion vorliegt, in Kombination mit historischen Förderzahlen offenbart ein tiefgreifendes Strukturproblem: Die Landeshauptstadt Schwerin ist mit einer Eigentumsquote von nur 18,7 Prozent (Bundesschnitt lt. Pestel: 43,5 Prozent) fast vollständig von der privaten Vermögensbildung durch Immobilien abgehängt. Zum Vergleich: Für Rostock, der größten Stadt in MV, hat das Institut, wie die “Ostsee-Zeitung” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)berichtet, eine Wohneigentumsquote von 15,7 Prozent ermittelt.
Hinter dieser Zahl für Schwerin verbirgt sich eine Entwicklung, die nicht auf mangelndes Interesse der Schweriner zurückzuführen ist, sondern auf das Ende einer Ära staatlicher Unterstützung und eine ökonomische Barriere, die für Normalverdiener unüberwindbar geworden ist.
Die historische Demontage: Der Staat zieht sich zurück
Der Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass Wohneigentum früher ein Kernpfeiler staatlicher Sozialpolitik war. In den 1950er- und 60er-Jahren wurden jährlich rund 110.000 Eigentumsbildner gefördert. In der „alten“ Bundesrepublik entstanden so bis 1990 knapp 3,2 Millionen Eigenheime über den sozialen Wohnungsbau. Etwa 40 Prozent der Mittel für den sozialen Wohnungsbau flossen damals direkt in die Eigentumsförderung.
Heute ist diese Förderung fast vollständig zum Erliegen gekommen:
Im Jahr 2024 wurden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus bundesweit nur noch knapp 11.600 Maßnahmen gefördert – davon lediglich 2.100 Neubauten.
Zum Vergleich: Das sind deutlich weniger Förderfälle als zum bisherigen Tiefpunkt in den Jahren 1987/88 (ca. 16.000 Fälle).
Seit der Abschaffung der Eigenheimzulage (2006) und dem Ende des Baukindergeldes (2021) existiert laut Experten keine wirksame Wohneigentumsförderung mehr. In Schwerin trifft dieser Förderstopp auf eine Stadt, die ohnehin eine der niedrigsten Quoten Deutschlands aufweist.
Das Eigenkapital-Paradoxon: Ein Rechenbeispiel aus Schwerin
Warum scheitern so viele Schweriner beim Versuch, sich den Traum von einem eigenen Heim zu erfüllen? Ein Rechenbeispiel für eine durchschnittliche 90-m²-Wohnung in Schwerin (Preis: ca. 250.000 Euro) macht die finanziellen Herausforderungen fassbar.
Bevor der erste Euro Kredit fließt, müssen Käufer die Kaufnebenkosten decken. Diese werden von Banken meistens nicht mitfinanziert:
Grunderwerbsteuer (5 %): 12.500 Euro
Notar & Grundbuch (ca. 2 %): 5.000 Euro
Maklercourtage (ca. 3,57 %): 8.925 Euro
Das heißt 26.425 Euro müssen erst einmal auf der hohen Kante liegen. Für einen Kredit bei der Bank reicht das Geld aber noch lange nicht. Als Voraussetzung für die Finanzierung möchte die Bank mehr Eigenkapital sehen. Auf der Website der Sparkasse (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)lautet die Empfehlung mindestens 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten. “Besser sogar noch mehr”, schreibt die Bank. Eine Schweriner Familie benötigte also für den Kauf der Wohnung zwischen rund 50.000 und 75.000 Euro (die Kaufnebenkosten sind hier einberechnet) an flüssigen Mitteln, um überhaupt kaufberechtigt zu sein.
Bei einer durchschnittlichen Sparquote, laut dem Statistischen Amt MV (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in Mecklenburg-Vorpommern bei 6,7 Prozent (Bundesdurchschnitt 11,1 Prozent), kann ein junges Paar in Schwerin bei einem Bruttodurchschnittseinkommen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von 3.360 Euro (Statistisches Amt MV), je nach Ausgabelast, zwischen 225 und 450 Euro zurücklegen. Die Familie müsste also zwischen 12 und 18 Jahre sparen. Vorausgesetzt: Das Geld wird ausschließlich für den Erwerb der Eigentumswohnung zurückgelegt und die Immobilienpreise steigen nicht.
Für die 18.000 Schweriner zwischen 25 und 40 Jahren ist dieses Ziel damit biologisch und ökonomisch kaum noch erreichbar.
Die Altersarmuts-Falle: Wenn die Miete die Rente frisst
Die Konsequenz dieser Hürden ist fatal. Die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter hat sich bundesweit von 343.000 (2005) auf 739.000 (2024) mehr als verdoppelt.
Wer heute zum Mindestlohn in Vollzeit arbeitet (45 Jahre lang), erreicht eine Rente lediglich auf dem Niveau der Grundsicherung. In Schwerin, wo die Mieten laut aktuellem Mietspiegel 2026/27 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) bei zwischen 9 - 10 Euro/m² bei Neuvermietung stetig steigen, wird die Miete im Alter zum unkalkulierbaren Armutsrisiko. Matthias Günther vom Pestel-Institut warnt: „Wohnarmut im Alter ist vor allem Mieterarmut.“
Systematische Benachteiligung: Selbstnutzer vs. Investoren
Während Familien in Schwerin an der Grunderwerbsteuer und den Zinsen ersticken, werden Kapitalanleger steuerlich belohnt. Wer eine Wohnung kauft, um sie zu vermieten, kann Schuldzinsen und Abschreibungen (AfA) steuerlich geltend machen. Der Selbstnutzer hingegen zahlt alles aus versteuertem Einkommen. Dies führt dazu, dass Deutschland (mit der Schweiz) das Schlusslicht der Eigentumsbildung in Europa bildet.

Fazit der Recherche
Die Quote von 18,7 Prozent in Schwerin ist kein Zufallsprodukt des Marktes, sondern das Ergebnis einer staatlichen Förderabstinenz. Wenn die Politik nicht mit unbürokratischen Zuschüssen, einer Reform der Grunderwerbsteuer oder kommunalen Modellen (wie Erbpacht) gegensteuert, wird Wohneigentum in Schwerin zum Privileg derer, die bereits besitzen oder erben. Für den Rest bleibt die lebenslange Miete und ein unsicherer Lebensabend.
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🟠KURZ & KLEIN
+++ Nach Kritik am Spendenaufruf für den Spielplatz in Lankow (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) räumt Stadtpräsident Sebastian Ehlers einen Kommunikationsfehler ein, weist politische Vorwürfe jedoch zurück. Zugleich wirbt er weiter für Unterstützung bei der geplanten Aufwertung der Anlage.
+++ Die Sanierung der „Alten Post“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in Schwerin verzögert sich weiter, nachdem sich das Land vom bisherigen Generalplaner getrennt hat. Ein neuer Fertigstellungstermin für das rund 50-Millionen-Euro-Projekt ist derzeit offen.
+++ Bei der Frühjahrsauktion der Norddeutsche Grundstücksauktionen AG (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) am 5. März in Hamburg kommen mehrere außergewöhnliche Immobilien aus Mecklenburg-Vorpommern unter den Hammer. Dazu zählen unter anderem ein Traditionslokal, ein Ferienhaus und ein historischer Feuerwehrturm.
+++ Der SSC Palmberg Schwerin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat das Champions-League-Play-off-Hinspiel gegen Zeren Spor Ankara mit 1:3 verloren, zeigte dabei aber über weite Strecken eine starke Leistung. Die Entscheidung über das Weiterkommen fällt nun im Rückspiel.
+++ Nach einer Einbruchserie in einer Kleingartenanlage (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) an der Wittenburger Straße hat die Polizei zwei Tatverdächtige auf frischer Tat festgenommen. Rund 20 Lauben wurden angegriffen, die Ermittlungen zu Schaden und möglichem Diebesgut laufen.

Haben Sie eine Information für uns, von der Sie denken, sie sollte öffentlich werden? Dann nutzen Sie gerne unseren Briefkasten. Sie können uns über diesen Weg auch anonym Fotos oder Dokumente schicken.
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🟠EIN-SATZ-ZENTRALE
+++ Im Norden bleibt das Wetter wechselhaft mit Regen, Glatteisgefahr und teils frostigen Temperaturen, bevor es am Wochenende etwas milder wird.. (Welt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
+++ Wegen anhaltenden Frosts dürfen Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern Pflegearbeiten auf gefördertem Dauergrünland ausnahmsweise bis zum 15. März fortsetzen, betroffen sind mehr als 68.000 Hektar.. (Nordkurier) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
+++ Eine Forsa-Umfrage sieht die AfD in Mecklenburg-Vorpommern sieben Monate vor der Landtagswahl bei 37 Prozent deutlich vorn, vor der SPD mit 23 und der CDU mit 13 Prozent. (Die Zeit) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
+++ Innenminister Christian Pegel hat in Schwerin 25 neue Funkstreifenwagen an die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern übergeben, die nun im allgemeinen Streifendienst eingesetzt werden sollen. (Welt) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
+++ Eine NDR-Reportage zeigt den Schweriner Marienplatz als sicherheitspolitischen Brennpunkt mit mehr Kameras und Polizeipräsenz, wobei Bürger die Lage zwischen mehr Sicherheit und Gefühl ständiger Überwachung unterschiedlich bewerten. (Schwerin Lokal | SNO) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
+++ Laut aktuellem Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin bleibt die Wirtschaft in Westmecklenburg angespannt, viele Unternehmen halten Investitionen und Neueinstellungen weiterhin zurück. (IHK zu Schwerin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))
🟠DRINNEN & DRAUSSEN
Wir haben heute für Sie in den Kalender geschaut und einige Veranstaltungstipps für Schwerin zusammengestellt:
+++ Die Show Cornamusa – World of Pipe Rock and Irish Dance gastiert am 21. Februar 2026 um 20 Uhr mit Liveband, Irish Dance und aufwendiger Bühnenstory; Tickets (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) sind über den jeweiligen Veranstalter erhältlich ab 55 Euro.
+++ Comedian Martin Fromme präsentiert sein neues Programm „ARMleuchter“ am 27. Februar 2026 um 20 Uhr; eine bissige Mix-Show aus Comedy, Kabarett und Satire über Inklusion und Alltagsabsurditäten. Tickets hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ab 23 Eur.
+++ Der Männerkammerchor ffortissibros eröffnet seine Konzertsaison am 1. März 2026 um 19 Uhr in der Schelfkirche Schwerin; der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.
+++ Zum 10-jährigen Jubiläum wird der Naturfilm Irgendwo in Mecklenburg von Michael Paasch am Montag, 23. Februar 2026, um 19 Uhr im EinFlussReich Medienraum gezeigt; der 45-minütige Film über Flora und Fauna der Region wird vom Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe präsentiert, der Eintritt ist kostenfrei.
+++ Die Masken- & Kostümparty „Disco Incognito“ von Brot.Lose.Kunst e.V. steigt am Samstag, 28. Februar 2026, ab 21 Uhr im bus-stop (Bernhard-Schwentner-Straße 18, Schwerin) mit Disco-, Funk- und Dance-Sounds von FranFine, Disco Pommes und Acid; Einlass nur mit Maske/Kostüm, Tickets kosten 12 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse.
+++ Die Band Kraftklub kommt mit der „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ Tour 2026 am 3. März 2026 um 19 Uhr auf die Bühne und präsentiert Songs aus dem gleichnamigen Album. Tickets hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)erhältlich.
🟠PS
Die Stadtvertretung Schwerin soll über einen Nachtragshaushalt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) entscheiden. Am kommenden Donnerstag berät darüber erst einmal der Finanzausschuss. Klingt trocken, ist es auch – bis man die Zahl liest: mindestens 110 Millionen Euro. So viel braucht es als haushaltsrechtliche Ermächtigung, um den Neubau des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums Gesundheit und Sozialwesen auf den Weg zu bringen. Das Projekt steckt im Genehmigungsverfahren, Fördermittel sind in Aussicht, ein Finanzierungskonzept ist abgestimmt. Damit am Ende nicht die Zeit davonläuft – bis 2029 muss alles abgerechnet sein – soll ein Generalübernehmer ran. Dafür braucht es die Verpflichtungsermächtigung im Haushalt, sonst darf kein Vertrag unterschrieben werden
Die Alternative wäre, es nicht zu tun. Dann drohen Verzögerungen, Fördermittelrisiken und ein Weiterwursteln an drei dezentralen Standorten mit eher mäßigen Lernbedingungen. Mit Nachtrag gäbe es einen modernen Neubau in Neu Zippendorf, bessere Bedingungen für angehende Fachkräfte und ein Bauprojekt, das auch klimapolitisch zeitgemäß sein soll. Kurz: viel Geld, viel Papier, viel Verantwortung. Und die Hoffnung, dass am Ende nicht nur der Haushalt, sondern auch das Bildungsangebot ein gutes Stück solider dasteht.
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