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Meer-Montag #47 - Der Übergang ist fließend

Bei dem Gedanken an Lebewesen aus dem Meer denken wir schnell an Fische, Kraken oder Haie. Also jene, die ihr gesamtes Leben unter der Wasseroberfläche verbringen und perfekt an dieses Ökosystem angepasst sind. Sie haben Kiemen entwickelt, um unter Wasser zu atmen, besitzen spezielle Haut und eine Sinneswahrnehmung, die zu den Eigenschaften des Wasser um sie herum passt. Wenn wir weiterdenken an Wale und Delfine, dann kommen wir den Tieren, die wir an Land kennen, schon etwas näher: Sie müssen zum Atmen auftauchen und nutzen somit Ressourcen aus beiden Welten, über und unter Wasser. Auch Meeresschildkröten sind auf beide Lebensräume angewiesen, da sie nicht nur an der Oberfläche atmen, sondern sogar zur Eiablage einen Strand benötigen. Es gibt in der Tierwelt also nicht nur ein Entweder-Oder, der Übergang vom Land zum Wasser ist keine klare Grenze und ich möchte euch heute ein paar weitere Beispiele näher bringen. Es gibt jede Menge Tiere, deren Beziehung zum Ozean erst auf den zweiten Blick von Bedeutung zu sein scheint Gleichzeitig sind sie ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig die Meere für unsere gesamte Welt sind. Sie verbringen nicht ihren Großteil des Lebens im oder unter Wasser und sind trotzdem davon abhängig, dass der Ozean ein gesundes und intaktes Ökosystem bleibt.

Der Eisbär

Er lebt in den polaren Regionen rund um den Nordpol und hält im Gegensatz zu seinen nahen Verwandten keine Winterruhe, die sich bei den Braunbären durch das geringe Nahrungsangebot im Winter ergibt. Einen Großteil der Nahrung des Eisbären besteht nämlich aus Robben, die er im Winter auf dem arktischen Meereis jagt. Lediglich trächtige Weibchen ziehen sich ab Oktober oder November in eine Höhle zurück. Hier sinken Atemfrequenz und Herzschlag deutlich, während die Körpertemperatur nur leicht herabgesetzt wird. Im nächsten Frühjahr verlässt die Bärenmutter die Höhle mit ihren etwa drei Monate alten Jungtieren die Höhle und bringt ihnen in den nächsten 1,5 bis 2,5 Jahren alles bei, was ein Eisbär wissen muss. Durch die Klimakrise schwindet das Eis in der Arktis und die Eisbären unternehmen immer weitere Wanderungen, um Nahrung zu finden. Eine Studie, die zwischen 2004 und 2009 von Forschenden des Alaska Science Center in Anchorage am Rand der Beaufortsee durchgeführt wurde, zeigte, dass weibliche Eisbären bis zu 150km pro Tag durch offenes Wasser schwimmen. Dabei verlieren sie deutlich mehr Energie und somit auch Gewicht, als wenn sie über das Eis laufen würden. [1]

Das Genom der Eisbären zeigt Mutationen in Genen, die den Fettstoffwechsel regulieren. Diese Anpassung ermöglicht es, dass sie große Mengen Fett (aus Robbenblubber) fressen können, ohne an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden, wie es bei Menschen mit ähnlicher Ernährung der Fall wäre. [2]

Der Küstenwolf

Als Küstenwolf wird eine Unterart des Timberwolfes bezeichnet, die an der kanadischen Pazifikküste in British Columbia vorkommt. Im Gegensatz zu seinem grauen Wolfsverwandten ist der Küstenwolf etwas kleiner und hat ein rötlich gefärbtes Fell. Er ist an das Leben in der Küstenregion angepasst, denn er jagt nicht nur an Land, sondern frisst auch Meerestiere wie Muscheln, Krebse und Aas z.B von gestrandeten Walen. Zu seinem Revier gehören manchmal mehrere Inseln, sodass er die Entfernungen schwimmend zurück legt. Seine Beute trägt er nicht selten in den an die Küste angrenzenden Wald. Zurückgelassene Reste sowie Kot und Urin der Wölfe ernähren hier andere Organismen und düngen das Ökosystem Küstenwald.

Die Seevögel

Ich habe sie euch schon oft im einzelnen vorgestellt, da sie mich so sehr begeistern: Seevögel. Tordalken (“Tord-Alken”), Eisenten (“Eis-Enten”), Pinguine und viele mehr hatten bereits ihren Auftritt hier beim Meer-Montag und zeigen, wie sehr ein großer Teil der Avifauna mit dem Meer verwoben ist. Tatsächlich gibt es mehr als 250 Arten, die in ihrer Lebensweise eng mit dem Ozean in Verbindung stehen. Manche von ihnen haben vergrößerte Nasenlöcher und die Fähigkeit, dadurch überschüssiges Salz, die sie mit der Nahrung aufnehmen, auszuscheiden. Andere haben einen Körperbau, der es ihnen ermöglicht, den Großteil ihres Lebens in der Luft über dem Meer zu verbringen und nur zum Brüten an die Küsten zurück zu kehren. Sie ernähren sich von Fisch, den sie von der Meeresoberfläche oder aber von weit oben in der Luft erspähen und durch einen Sturzflug mit anschließendem Eintauchen ins Wasser jagen. Dabei können viele von ihnen tauchen und wirken auf Videoaufnahmen, als würden sie einfach unter Wasser weiter fliegen.

Tordalken verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem offenen Meer und kommen nur zum Brüten an Land.

Die Tangfliege

Nach den großen Räubern wollen wir auch den Fokus auf die Kleinen legen: Tangfliegen, wie z.B. die Art Coelopa frigida leben typischerweise in Spülsäumen, wo Algen und Seetang am Übergang zum Wasser zurückbleiben. Indem die Tiere abgestorbenen Seetang fressen, tragen sie wesentlich zur Zersetzung organischen Materials bei und helfen dabei, Nährstoffe in die Strandökosysteme zurückzuführen. Außerdem sind sie Nahrung für Vögel und andere Lebewesen an der Küste und somit ein wichtiger Bestandteil im Nahrungsnetz.

Die Meerechse

Die Meerechse kommt endemisch auf den Galápagos-Inseln vor und gehört zu den Leguanen. Sie ist die einzige Echsenart, die im Meer auf Nahrungssuche nach Algen und Tang geht. Dabei kann sie bis zu einer halben Stunde und 15 Meter tief tauchen. Doch dabei kühlt sie schnell aus und muss sich anschließend aufwärmen. Deshalb sieht man Meerechsen häufig auf den Felsen an der Küste in der Sonne liegen, ihre sehr dunkle Farbe hilft ihnen dabei, die Wärme schnell und effektiv aufzunehmen. Mittlerweile wurden 11 Unterarten der Meeresechse klassifiziert und eine hat einen Namen, der ihrem Aussehen angemessen ist: Amblyrhynchus cristatus godzilla.

Die Meerechse wird Teil vom "Malbuch der Meerestiere", das ich im nächsten Jahr in meinem Shop anbieten werde.

Das Meer verbindet mehr, als wir denken. Viele Nahrungsketten haben ihren Ursprung im Wasser, wie wir an den Eisbären oder Küstenwölfen sehen und an den Küsten, also dort, wo sich Meer und Land treffen, finden wir eine enorm hohe Biodiversität. Damit wird deutlich, dass das Meer ein grundlegender Faktor für die Lebensräume und ökologischen Prozesse an Land ist. Darum sollten wir das Meer schützen und mit ihm auch das Leben an Land bewahren.

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Quellen & Weiterlesen

[1] Studie “Long-distance swimming by polar bears (Ursus maritimus) of the southern Beaufort Sea during years of extensive open water” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), A.M. Pagano, G.M. Durner, S.C. Amstrup, K.S. Simac, and G.S. York, 2012

[2] UC Berkeley Research: Robert Sanders, “Polar bear genome gives new insight into adaptations to high-fat diet” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), 2014

Mehr zum Küstenwolf: CHWolf.org (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Mehr zu Meerechsen: Galapagos-Pro (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Sujet Meer-Montag

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