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Während wir das Gefühl haben, unsere Hauskatzen wären beste Freunde und schon als Kinder Dokumentationen über die sozialen Strukturen in einem Löwenrudel gesehen haben, galten Haie lange als einsame Einzelgänger, die auf der Suche nach Beute durch das unendliche Blau des Ozeans zu schwimmen. Doch mit fortschreitender Neugier und Technologie blicken wir Menschen immer häufiger unter die Wasseroberfläche und hinterfragen nach und nach all das, was wir so lang vermutet haben. Mittlerweile ist bekannt, dass es Haiarten gibt, die sich in großen Gruppen sammeln, sowohl dauerhaft als auch saisonal. Doch sind all das zufällige Begegnungen? Und ist unser Bild vom großen, verschlossenen Weißen Hai noch aktuell? Lasst uns also eintauchen in die Frage, ob Haie Freundschaften pflegen.
Eine 2020 veröffentliche Studie [1] hat sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Ein Forschungsteam rund um Yannis Papastamatiou von der Florida International University stattete 41 Graue Riffhaie am Palmyra-Atoll im Südwesten Hawaiis mit akustischen Sendern aus. Über die nächsten vier Jahre konnten sie nun die Bewegungen und Interaktionen beobachten und stellten fest, dass sich mehrere Gruppen bildeten, die im Laufe des Tages größer wurden. Gegen Abend lösten sie sich größtenteils wieder auf - die Haie waren auf der Jagd. Am nächsten Morgen kamen sie zum gleichen Ort zurück und schlossen sich erneut den gleichen Artgenossen an. Graue Riffhaie bilden also räumlich verteilte soziale Gemeinschaften mit festen Verbindungen zwischen einzelnen Individuen. Die Studie zeigte, dass diese “Freundschaften” über mehrere Jahre bestehen können. Hierfür kann es mehrere Gründe geben. Der gemeinsame Aufenthalt in Ruhephasen kann ein Schutz vor größeren Prädatoren sein während das gemeinsame Jagen die Chancen auf Beute erhöht. Eine Studie aus 2021 hat außerdem gezeigt, wie Graue Riffhaie Energie sparen, indem sie als große Gruppen Strömungen zur energieefizienten Forbewegung nutzen. [2] Bestimmt ist es auch von Vorteil, nicht erst ein ganzes Meer durchqueren zu müssen, ob potentielle Partner*innen für die Fortpflanzung zu finden. Es gibt wohl sogar Beweise dafür, dass Schwarzspitzenriffhaie, die einmal in einem Fischereinetz landeten aber wieder frei gelassen wurden fortan Fischereiboot meiden - und auch ihre Artgenossen auf eine für uns bisher unsichtbare Art der Kommunikation vor der Gefahr warnen. [3] Haie sind also oft nicht so isoliert, wie wir glaubten. Doch erklärt all das nicht, warum sich manche Haie immer wieder mit den gleichen Individuen umgeben.

Auch Weiße Haie wurden bereits häufiger dabei beobachtet, gemeinsam am selben Ort zu sein. Das Nahrungsangebot in der Nähe von großen Robbenkolonien ist häufig ein Grund dafür, dass sich an der Küster Weiße Haie enger zusammenfinden als im offenen Meer. Im Jahr 2019 veröffentlichten Forschende der Flinders University die Ergebnisse jahrelanger Fotoidentifikation von Weißen Haien an der Südküste Australiens. Anhand der Bilder konnten sie einzelne Haie identifizieren und stellten zu ihrer Überraschung fest, dass viele von ihnen viel häufiger in der Nähe bestimmter anderer Haie gesehen wurden, als es der Zufall erlaubt hätte. [4] Und zwar auch dann, wenn die Population der Beutetiere nicht auf dem Höchststand war, die Nahrung war hier also nicht der vordergründige Grund für ein Treffen mit alten Freund*innen. Forschungen in anderen Meeren stützen diese Erkenntnisse: dank wissenschaftlicher Trackingprogramme wurde herausgefunden, dass manche Weiße Haie manchmal als festes Paar zusammen unterwegs sind. Im Dezember 2022 wurden zwei männliche Weiße Haie, Simon und Jekyll, markiert und dabei beobachtet, wie sie bis zum Juli 2023 gemeinsam über 4.000 Meilen entlang der Atlantikküste zogen.

Wir können weiterhin nicht in die Köpfe der Tiere schauen und bis ins kleinste Detail herausfinden, warum sie tun, was sie tun. Aber all diese Forschungen beweisen, dass wir offener gegenüber dem sein sollten, was wir Tieren an Eigenschaften zuteilen. Jede neue Studie und jede neue Erkenntnis gibt uns ein weiteres Puzzleteil im Verständnis für einzelne Arten und große Zusammenhänge im Ökosystem Meer. Und das ist wichtig, um all das erhalten zu können. Denn wir schützen oft nur das, was wir kennen.

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Quellen
[1] Studie über Graue Riffhaie : Yannis P. Papastamatiou, et. al, “Multiyear social stability and social information use in reef sharks with diel fission–fusion dynamics" (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
[2]Yannis P. Papastamatiou, et. al, “Sharks surf the slope: Current updrafts reduce energy expenditure for aggregating marine predators” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
[3] 2025, Daniel C. Abel & Sophie A. Maycock “Shark - The Illustrated Beiography”, S.154
[4] Flinders University “White sharks hang with their buddies” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)