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Für alle, die sich fragen: Was bleibt vom Christentum, wenn wir wirklich rausgehen aus der alten Phase? Antwort: Mehr, als man denkt – aber ganz anders als bisher, halt eben: Theologie for runaways… (Theologie für Weitüberdenhorizontläufer:innen). -
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Luther, Calvin, Bregman & Co. – Was bleibt vom Christentum in der Metamoderne?
Willkommen zu einer weiteren Folge von „Humor am Rande des Erdbeerfelds“ – dem Podcast, in dem wir uns mit Witz, Tiefgang und einer Prise Theologie aus dem alten Christentumsparadigma ins verheißungsvolle Neuland des Transchristentums aufmachen. Diesmal nehmen Ann-Christin Reuter (Prädikantin und Erdbeerfeld-Philosophin) und Helge Seekamp (Ruhe-geprägter Theologe mit Calvin- und Luther-Background) euch mit auf eine Reise durch 1700 Jahre Kirchengeschichte – und fragen: Was davon taugt noch für die Zukunft? Was darf ins neue Zeitalter der Metamoderne mitkommen – und was kann getrost im Museum der Nach-Konstantinischen Phase bleiben?
Kleine Warnung vorab: Es wird theologisch, aber nicht trocken. Es gibt Luther und Calvin, aber auch Calvin & Maja Göpel. Und es gibt die große Frage: Ist der Mensch eigentlich gut? (Spoiler: Die Antwort ist, wie immer, ambivalent.)
Was bisher geschah: Mensch, du bist gut – oder?
Nach einer Runde durch die Bestseller der Evolutionsbiologie und Sozialwissenschaften (u.a. Rutger Bregman, Michel & van Schaik) stehen wir vor der Gretchenfrage: Ist der Mensch im Grunde gut? Oder doch eher ein hoffnungsloser Fall – wie Luther und Calvin es vermuten?
Wir rekapitulieren:
Luther – der depressive Mönch, für den der Mensch immer Sünder bleibt und Gnade von außen braucht.
Calvin – der humanistisch gebildete Jurist, der immerhin an Transformation glaubt, aber auch an göttliche Erwählung (und an eine gewisse Disziplin).
Bregman & Co. – die Evolutionsoptimisten, die sagen: Der Mensch ist kooperativ, wenn die Strukturen stimmen!
Michel & van Schaik – die uns zeigen, wie viel von unserer „zweiten Natur“ (Kultur, Besitz, Institutionen) eigentlich auf Schieflagen und Fehlkopplungen beruht.
Humor am Rande der Dogmatik: Lutheraner im schwarzen Loch, Calvinisten im Burnout
Mit einem Augenzwinkern nehmen wir die beiden großen Player der Reformation auseinander:
Lutheraner: Meister der radikalen Ehrlichkeit („Ich bin halt Sünder, kann nix machen…“), aber auch Spezialisten für depressive Grundstimmung, die er manchmal aggressiv auslebt, wenn er apokalyptisch predigt :-)
Calvinisten: Hoffnung auf Veränderung, aber mit der Gefahr, im Leistungsdruck und Moralismus zu landen („Du musst dich halt mehr anstrengen, sonst bist – aka: „wirkst”– du nicht erwählt!“).
Beide haben ihre Stärken:
Luther bringt die Ehrlichkeit über menschliche Grenzen ein und ist anschlussfähig an heutige Traumata (und ist damit erstaunlich modern, Stichwort: Tiefenpsychologie, Trauma, Unbewusstes).
Calvin bringt die Hoffnung auf Veränderung und die menschliche Fähigkeit zur Transformation mit ins Bild (heutige Stichworte: neuronale Plastizität, Coaching, positive Psychologie).
Aber beide haben auch ihre Schwächen:
Luther(aber) lassen wenig Raum für Optimismus und Entwicklung. Krieche täglich in die Taufe, sag ich nur!
Calvin(ismus) kann schnell zur Burnout-Maschine werden, wenn Transformation zum Beweis-Zwang von Segen wird.
Metamoderne Theologie: Die liegende Acht als neues Glaubensbekenntnis
Wir schlagen vor:
Radikale Ehrlichkeit (Luther) trifft auf Transformationskraft (Calvin).
Die liegende Acht (∞) als Symbol für Ambivalenzfähigkeit: Wir pendeln zwischen Grenzen und Möglichkeiten, zwischen Annahme und Veränderung.
Wir nehmen Abschied von der alten, nach-konstantinischen Kirche (Grüße an Klaus Peter Jörns!) und bauen uns eine Theologie, die Trauma, Grenzen, aber auch Hoffnung und Wandel ernst nimmt.
Sünde? – Systemische Fehlkopplung, nicht individuelles Totalversagen. WICHtiG (wird in meinem kommenden Buch “Lachen gegen die Metakrise praktisch ausgeführt).
Gnade? – Resilienz- und Transformationsressource, die auch in uns selbst wohnt (nicht nur von außen kommt).
Heiligung? – Kulturelle Entwicklungsfähigkeit: Wir können als Gesellschaft und Individuen wirklich etwas verändern – wenn wir die Strukturen mitdenken.
Fazit: Was nehmen wir mit ins Transchristentum?
Die radikale Ehrlichkeit, dass es Grenzen und Wunden gibt (Luther).
Die Hoffnung auf Veränderung, die in Gemeinschaft und neuen Strukturen möglich ist (Calvin, Bregman, Michel & van Schaik).
Die Bereitschaft, Ambivalenz auszuhalten und die „liegende Acht“ zu leben.
Die Einsicht, dass es nicht nur um individuelle, sondern auch um strukturelle Transformation geht – und dass wir die großen Themen (Patriarchat, Klima, Wirtschaft) mutig anpacken müssen.
Zum Weiterhören:
Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich das Lied „Allein deine Gnade genügt“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nochmal mit metamoderner Brille anhören – und sich fragen: Ist das noch Luther, schon Calvin oder vielleicht sogar Transchristentum?
In diesem Sinne:
Wir predigen weiter, bis auch die letzte Erdbeere verstanden hat, dass der Mensch im Grunde gut ist – und dass da noch was geht.
Adele & Tschüssi!