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Ostern wird gesammelt – Altentreptow verteilt fremde Eier

Sonderausgabe vom Ostermontag, 06 April 2026 zu Ehren der Stadt– Heute nur für meine treue Leserschaft ♥️

Wenn das Amt plötzlich entdeckt, dass es Ostern gibt

Erna saß in ihrem Lesesessel, in jener österlichen Stimmung, die sich nicht ankündigt, sondern einfach da ist, wie ein Sonnenstrahl auf dem Teppich, der sich für wichtig hält. Neben ihr lag Baron Tollensius, halb wach, halb wachsam, mit dem Blick eines Wesens, das alles gesehen hat und trotzdem bereit ist, sich über ein gekochtes Ei zu freuen. Auf dem kleinen Tisch stand eine Tasse, selbstverständlich mitgebracht, denn man lernt ja dazu im Leben, und daneben ein Teller mit Dingen, die nach Ostern aussehen wollten, ohne sich allzu sehr anzustrengen.

Draußen bewegte sich der Wind durch die Straßen, als würde er prüfen, ob noch alles an seinem Platz war. Erna nahm einen Schluck, lehnte sich zurück und ließ den Blick durch den Raum wandern, der an solchen Tagen immer ein wenig größer wirkt als sonst. Es sind diese stillen Momente, in denen man glaubt, die Welt sei für einen Augenblick sortiert. Keine Anträge, keine Sitzungen, kein leises Rascheln von Formularen im Hintergrund. Nur Licht, ein Hund, der atmet, und das Gefühl, dass jetzt eigentlich nichts mehr passieren müsste.

Und genau in diesem Moment griff sie zum Telefon. Man sollte vorsichtig sein mit solchen Momenten. Sie halten selten lange.

Es gibt Orte, da wird Ostern vorbereitet. Da werden Eier gefärbt, Hefezöpfe gebacken und Veranstaltungen geplant, als hinge das seelische Gleichgewicht der gesamten Region davon ab. Und dann gibt es Altentreptow. Hier wird Ostern gesammelt. Nicht gestaltet, nicht organisiert, nicht verantwortet – gesammelt. Wie Pilze im Herbst, nur dass die Pilze in diesem Fall aus Feuerwehr, Kirche und Reisebüro bestehen und das Amt Tollense-Tüddel-Treff mit einem Körbchen daneben steht und sagt: „Ach, das nehmen wir noch mit, das sieht ja hübsch aus.“

„Ostern in unserer Stadt“, stand da, mit diesem warmen Ton, als hätte man selbst den Osterhasen persönlich eingewiesen und ihm noch schnell den Dienstplan unterschoben. Darunter eine Liste von Veranstaltungen, die alle eines gemeinsam haben: Sie stammen nicht von der Stadt. Die Feuerwehr macht das Feuer. Die Kirche macht das Frühstück. Eine einzelne Frau organisiert den Lauf. Und das Amt macht den Beitrag. Das muss man auch erst einmal können.

Die hohe Schule des gepflegten Dabeistehens

Es gibt Menschen, die bauen etwas auf. Und es gibt Menschen, die stehen daneben und halten das Schild. In Altentreptow hat man diese zweite Disziplin inzwischen perfektioniert wie andere Leute das Brotbacken oder das passive-aggressive Grüßen im Treppenhaus. Man könnte fast meinen, es gäbe im Amt Tollense-Tüddel-Treff eine eigene Abteilung dafür, zuständig für das Zusammenstellen von Dingen, die andere Menschen auf die Beine stellen, und das anschließende Verpacken in warme Worte, die so weich sind, dass man beinahe vergisst, wer eigentlich gearbeitet hat.

„Da ist für jede und jeden etwas dabei!“ – das ist korrekt. Nur nicht von denen, die es schreiben. Erna stellte sich kurz vor, wie das im Amt abläuft, wie man zusammensitzt, vielleicht bei Kaffee, vielleicht noch leicht erschöpft von der letzten Veranstaltung, bei der niemand mehr bereit war, seine eigene Tasse mitzubringen. Ein Ereignis, das offenbar mehr Eindruck hinterlassen hat als man zugeben möchte.

Und dann sagt jemand: „Wir müssen zu Ostern was machen.“ Es folgt eine Stille, die sich anfühlt wie ein leerer Sitzungspunkt. Dann hebt jemand den Blick und sagt vorsichtig: „Machen wir doch einen Post.“ Und plötzlich ist alles wieder gut. Man hat etwas gemacht. Ohne etwas zu machen.

Die Tasse, an der alles zerbrach

Erna erinnert sich noch gut an den Frauentag. Es war einer dieser Abende, an denen man merkt, dass Engagement ein empfindliches Pflänzchen ist. Vor allem, wenn es davon abhängt, dass Menschen ihre eigene Tasse mitbringen. Niemand brachte sie mit. Und so wurde aus einer kleinen organisatorischen Bitte ein stilles Lehrstück über Erwartungen und Wirklichkeit.

Seitdem ist man vorsichtig geworden mit eigenen Veranstaltungen. Menschen sind unberechenbar. Sie kommen, sie kommen nicht, sie bringen Tassen, sie bringen keine Tassen. Wer soll da noch planen? Da ist es doch viel sicherer, sich an Dinge zu hängen, die bereits existieren. Die Feuerwehr brennt sowieso. Die Kirche frühstückt sowieso. Der Lauf läuft sowieso. Warum also das Risiko eingehen, selbst etwas zu organisieren, wenn man es auch einfach sammeln kann?

„Wir sammeln alles für euch.“ Das klingt fürsorglich. Fast liebevoll. Als würde jemand eine Decke über die Stadt legen und sagen: Ihr macht das schon, wir schauen zu.

Der stille Wettbewerb

Man muss dem Amt eines lassen: Die Texte sind schön. Warm, verbindlich, einladend. Man bekommt beim Lesen fast das Gefühl, die Stadt habe Ostern persönlich arrangiert. Dabei hat man vor allem eines gemacht: Copy & Paste mit Haltung. Das ist keine Nachlässigkeit, das ist Methode. Und Erna erkennt darin eine erstaunliche Professionalität, eine leise Fähigkeit, sich in den Glanz anderer zu stellen, ohne dabei sichtbar zu werden.

Besonders deutlich wird das beim Osterlauf. Organisiert und initiiert von einer einzelnen Person, klar benannt, und doch eingebettet in ein großes „unsere Stadt“. Das ist wie ein Staffellauf, bei dem einer die gesamte Strecke rennt und am Ende jemand anderes mit erhobenem Arm durchs Ziel geht und sagt: „Wir haben das geschafft.“ Während draußen jemand die Strecke abläuft, organisiert, absperrt und dafür sorgt, dass alles funktioniert, wird drinnen überlegt, ob ein kleines Häschen im Text nicht noch freundlicher wirkt.

So entsteht ein stiller Wettbewerb, den niemand ausschreibt und doch jeder spürt. Wer macht die Dinge – und wer erzählt davon? Die einen stehen früh auf und kümmern sich, die anderen formulieren, bündeln und veröffentlichen. Und manchmal verschwimmen die Grenzen so elegant, dass am Ende nicht mehr ganz klar ist, wer eigentlich was gemacht hat. Erna nennt das eine kommunikative Umarmung. Man legt den Arm um fremde Arbeit und sagt: Das gehört jetzt zu uns.

Das eigentliche Osterwunder

Am schönsten ist jedoch der letzte Satz: „Fehlt noch eine Veranstaltung? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare. Wir sammeln alles für euch.“ Das ist der Moment, in dem sich das System vollendet. Man organisiert nichts. Man sammelt. Und wenn noch etwas fehlt, bittet man darum, dass es jemand anderes organisiert und dann meldet.

Das ist Kreislaufwirtschaft auf kommunaler Ebene. Der Bürger produziert, das Amt recycelt, und am Ende entsteht ein Gesamtbild, das aussieht wie Engagement und sich anfühlt wie Delegation. Vielleicht ist das eigentliche Wunder dieses Osterfestes nicht das Feuer, nicht das Frühstück und nicht der Lauf, sondern die Fähigkeit, aus fremder Arbeit ein so geschlossenes Bild zu formen, dass man fast glauben könnte, es sei aus einer Hand entstanden.

Erna hebt ihre Tasse, die sie übrigens selbst mitgebracht hat, und schaut hinaus. Altentreptow kann vieles. Vor allem kann es zeigen, was andere tun. Und das ist, wenn man ehrlich ist, auch eine Form von Begabung. Nur eine sehr stille. Und manchmal fragt sie sich, wie es wäre, wenn man diese Begabung einmal umdrehen würde. Wenn man nicht nur sammeln würde. Sondern anfangen.

Wer nach diesem Beschluss noch Orientierung sucht: Die Stadt freut sich bestimmt über Rückmeldungen. Google kennt den Weg.

Ihre Meinung ist gefragt

Erna lehnt sich ein wenig zurück, schaut über den Rand ihrer Tasse und denkt, dass solche Geschichten selten allein kommen. Meist sitzen sie irgendwo schon in der nächsten Straße, warten auf ihren Einsatz und hoffen, dass jemand hinsieht.

Welche „Asphalt-Perle“ haben Sie zuletzt erlebt? Stecken Sie auch im bürokratischen Warteschleifen-Labyrinth fest, während unter Ihnen der Boden leise nachgibt? Dann schreiben Sie es mir. Nicht für die Akte. Für die Wahrheit zwischen den Zeilen.

Ausblick auf Mittwoch

Am Mittwoch wird es feucht, eigensinnig und leicht nussig. Falko Federling, der selbsternannte Amtschimmel-Flüsterer, steht bereit und beobachtet ein Schauspiel, das selbst erfahrene Uferbewohner kurz innehalten lässt.

Für alle, die mehr wollen als warme Worte

Erna stellt die Tasse ab, rückt die Brille zurecht und denkt, dass Gegenwind eine feine Sache ist. Er hält wach. Er sorgt dafür, dass man nicht einschläft zwischen Formularen und freundlichen Formulierungen.

Wenn Sie möchten, dass diese Texte weiter geschrieben werden, dass jemand hinschaut, wo andere längst weitergegangen sind, dann werden Sie Teil davon. Nicht laut, nicht aufgeregt, sondern mit der ruhigen Gewissheit, dass eine spitze Feder manchmal mehr bewegt als ein ganzer Stapel Papier.

Der Club ist kein Ort für Beifall. Eher für Klarheit. Und für ein Butterbrot, das so ordentlich belegt ist, dass man damit notfalls auch durch einen dicken Aktenstapel kommt.

Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen und Ihren Familien frohe Ostern.

Mit Amtswitz und Aufpassblick
Ihre Erna Schippel
Norddeutsch, nüchtern – aber nie ganz ohne Hoffnung.

Altentreptow, Ostermontag 06. April 2026 - © Erna Schippel 2026 – Alle Texte/Personen sind frei erfunden und urheberrechtlich geschützt.

Sujet Satire aus Altentreptow

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