wer ich nochmal bin, frage ich mich häufig sogar selbst. Also, es war so: Du hast irgendwann meinen Newsletter abonniert, den ich so lange nicht geschrieben habe, dass du mich vielleicht schon vergessen hast. Oder du stehst gerade mit in die Hüften gestemmten Händen vor mir und fragst: “Wo WARST du denn die ganze Zeit???” Das kann ich dir sagen. Meistens am Arsch, denn: Angst- und Schlafstörung mit Perimenopausesetreuseln aus Blei. Die Energie, die ich nicht für Sorgen, Ängstigen und Katastrophisieren verbraucht habe, ging lange für Familie, Alltag und Bezahlarbeit drauf.
Inzwischen habe ich mich ganz gut gefangen und gefunden, gerade ist es meistens gut und es ist so eine Erleichterung, statt Angst wieder Lust auf ‘Einfach Machen’ zu haben. Was da so bei rauskommt, zeige ich dir in diesem letzten Newsletter.
Letzter? Ja. Ich habe meine Domain www.infemme.com (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von 2001(!) defibrilliert. Dort werde ich wie vor 20 Jahren wieder bloggen, ganz frei und einfach so. Und wie toll wäre es, wenn du dort vorbeigucken würdest? Ich sags dir: Sehr toll!
Ich freu mich, dass ich wieder schreiben und machen mag und hoffe, wir sehen uns auf meinem Blog.
Deine Rike
Gelesen: Weird Girls
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dieses Buch im Kompletto-Leo-Look sieht aus, als wäre es für Leute, die eine dekorative Extraeinladung zum Lesen brauchen. Dabei geht es weder um Leoparden themselves, noch um Punkrock oder freche Yoga-Leggings.
Es geht um drei Freundinnen, die mal zu viert waren. Die vierte hat mit einer Scheissaktion für ein Zerwürfnis gesorgt und ist dann gestorben, bevor sich die drei hätten wieder annähern können.
Die Handlung beginnt ein Jahr nach dem Tod. Maggie, Harley und Róise sind um die Dreißig, waren in ihren Zwanzigern wilde Feierbiester (vielleicht deshalb der Leo-Print), merken, dass das alles gar nicht mehr so lustig ist mit dem vielen Koks und dem Alkohol und den sexuellen Eskapaden, hören aber trotzdem nicht damit auf. Passend dazu ist das Haus, in dem sie wohnen, anscheinend ebenfalls erschöpft vom Leben und geht immer kaputter.
Wir Lesenden stecken also mit den drei Freundinnen in diesem Zwischenstadium. Sie haben ihr Studium beendet, aber noch keine richtigen Jobs. Sie daten, aber alles stets unverbindlich (mal von ihnen, mal von den anderen aus), sie wollen gesünder leben, aber dann finden sie auf dem Weg zur den Laufschuhen doch ein Tütchen Koks. Sie wollen nicht mehr so richtig, aber können irgendwie auch nicht anders. Dieses typische "Eigentlich müssten wir erwachsen werden" in diesem Alter wird in Weird Girls gut beschrieben, ich konnte das Verkatertsein ebenso fühlen wie die schwindende Faszination von wilden Leben, den verwirrenden Wunsch nach einem Ankommen, obwohl die Angekommenen doch irgendwie alle kacke sind und Leo-Leggings zum Yoga tragen. Ebenso widersprüchlich gehen die drei Frauen mit der Trauer um ihre beste Freundin um. Sie fühlen sie, wollen aber meistens doch nicht, versuchen mit roten Augen über jedes Gefühl hinwegzufeiern, aber dann kommt es klaro in einem unpassenden Moment oder einem unpassenden Verhalten um die Ecke. Wie sie mit sich selbst und mit ihrer Freundschaft umgehen, darum geht's. Dazu hat das Buch dann auch ein passendes Ende, das an dieser Stelle aber natürlich nichts verloren hat.
Also: Ich mochte das Buch gern lesen, darüber hinaus hatte ich Spaß, beim Googeln der korrekten Aussprache irischer Namen und habe vor allem wieder mal meinen übergroßen Wunsch gespürt, dass alle Frauen bittebitte sehr lieb zu sich sind.
Gelesen: Anxietyland

Gemma Correll kann supergut menschliche Zustände in lustigen Illustrationen zusammenfassen. Auf Instagram macht sie das zum Glück schon lange (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), aber noch mehr zum Glück hat sie jetzt auch ein Buch gemacht: In ihren Mental Health-Memoiren fasst sie ihre eigenen menschlichen Zustände in lustigen Illustrationen zusammen UND, was dieses Buch so besonders toll macht, sie erzählt ihre eigene Geschichte mit Depressionen und Ängsten.
Bücher dieser Art sagen ja schnell mal "Hey, es ging mir soooooooo schlecht, aber jetzt kann ich glücklich durch mein Leben gehen, nein SCHLENDERN, und alles ist so toll, dass ich mich zwingen muss, nicht andauernd zu hüpfen" oder "Ich habe diesdasjenes gemacht, das hilft auf jeden Fall, mach das jetzt SOFORT auch". Beides finde ich nicht besonders hilfreich. Gemma Correll erzählt ihre Geschichte weder als dauergrinsende Anxiety-Survivorin noch als Inhaberin des einzig wahren Geheimrezepts. Sie erzählt einfach nur ihre Geschichte. Wie sie ihre ersten Panikattacken hatte, ihr Umgang damit, die Scham, die Ratlosigkeit, ihre nicht so gute Idee, viel Alkohol zu trinken, und zwischendurch fasst sie immer wieder ihren persönlichen menschlichen Zustand in einer lustigen allgemeingültigen Illustration zusammen.

Anxietyland bietet weder Hilfe noch Heilversprechen. Es zeigt und erzählt, wie es ist mit psychischen Erkrankungen und nimmt sie, wenn es geht, mit Humor. Ansonsten nimmt das Buch einfach in den Arm und sagt dabei in Gedanken: "Ich versteh dich, das ist einfach kacke, aber du bist nicht allein damit."
Und wenn Ihr Euch fragt, wo Anxietyland überhaupt liegt: auf meinem Nachttisch. Dort zeigt es beruhigende Präsenz wie ein verständnisvolles Nicken, eine Umarmung, die keine Worte braucht und zum Glück so viele hat.
Anxietyland von Gemma Correll. 24,70€ bei Hugendubel z.B.
Gefreut: ‘Hört mal’ ist nominiert!
Das dritte Buch ist meins. Es ist keine Neuerscheinung, dafür aber nominiert. Hört mal! ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Und alles, was Leute in solchen Situation mit zitternder Stimme sagen, von “Das hätte ich mir nie träumen lassen, obwohl ich immer davon geträumt habe!” über “Ich glaube das immer noch nicht!!” bis zu “Mit diesem großartigen Menschen in einer Kategorie nominiert zu sein, frittiert mein Hirn!!!” stimmt.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Und ich war noch nicht fertig mit Freuen, da schneite schon die nächste gute Nachricht rein: Hört mal! gehört zu den Lyrik-Empfehlungen für Kinder 2026 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Das ist eine Riesenehre, auch und besonders, weil Susanne Straßer das hier geschrieben hat:

Puh. Zum Glück habe ich eine Angststörung, sonst würde mir das jetzt vielleicht zu Kopf steigen.
Besucht: Ben Kweller
Dass Ben Kweller kein Superstar ist, verstehe ich noch weniger als den Geschmack von Fenchel. Wenn ich seine Musik höre, habe ich meistens das Gefühl, ich fahre in einem sehr coolen (umweltfreundlichen) Auto durch sehr sehr weite Natur, ohne Verantwortung, aber dafür mit der Person, mit der ich verantwortungslos einfach Rumfahren will. Nach 20 Jahren Fandom bin ich beim Hören inzwischen auch traurig, weil Ben Kwellers neues Album von dem Tod seines Sohnes handelt. Der hat für viel Stille im Hause Kweller gesorgt, erzählt Ben Kweller auf dem Konzert im Bahnhof Pauli, aber dann konnte er dieses tragische Ereignis in Musik verarbeiten, und die ist so ehrlich und so schön, dass ich auf dem Konzert bei diesem Lied geweint habe, ohne mich zu schämen.
https://www.youtube.com/watch?v=fXH-EbA5dOQ&list=RDfXH-EbA5dOQ&start_radio=1 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gelacht habe ich auch. Und geklatscht. Und gestaunt. So viele Genres, so gut, auch oder besonders sogar live, weil auch die Band super ist. Was ist er für ein musikalischer und menschlicher Supertyp!Und dass ich nach dem Konzert, starstruck as hell, Ben Kweller noch mit Komplimenten vollstottern durfte, werde ich nie vergessen (er hoffentlich sehr schnell).

Fazit: Hasst gern alle Fenchel, aber liebt bitte unbedingt alle Ben Kweller.
Gemacht: Alles mögliche
Seit ich beschlossen habe, auch Dinge zu tun, bei denen ich nicht die ganze Zeit denken muss, bin ich so erleichtert! Ich habe Ideen und statt zu denken, dass ich zum Schreiben verdammt bin, weil ich nichts anderes kann, mache ich einfach, was ich will. Gerade sind es Sticker (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Wandteller (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und mosaikte Memes (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Hier kannst du ein paar angucken und in meinem ko-fi-Shop (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)kannst du alle kaufen.
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(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gegessen: Blumen
So wie Menschen in Flugzeugen Tomatensaft trinken, esse ich auf jeder Zugfahrt eine Brezel mit Butter und Schnittlauch. Zuhause habe ich das nie gemacht. Bis meine liebe Nachbarin mir eine Blume unter die Nase hielt und forderte: Iss mal. Und lila Schnittlauchblüten sind richtig lecker und sehen auf Laugengebäck so schön aus.

Gedichte über Wichte Nr. 1
Der Ehemann von Sharon Stone
Er sitzt mit seiner Frau beim Arzt,
der ernst und traurig guckt.
„Es sieht nicht gut aus, Sharon Stone“
Worauf sie ängstlich schluckt.
„Der Tumor in der linken Brust
ist höchstwahrscheinlich Krebs
Wie geht es Ihnen mit dem Schock?“
„Gefasst bin ich. Halbwegs.
Ich weiß, ich bin viel mehr als nur
ein Körper mit zwei Brüsten.
Drum sag ich Ihnen ganz genau
was sie im Krebsfall müssten.
Denken Sie jetzt bitte nicht, ich
neige zu Extremen:
doch bitt ich Sie, ist es denn Krebs,
die Brüste abzunehmen.“
„Richtig gut, dass Sie auf Nummer
Sicher gehen wollen.“
Der Doktor lobt sie sehr, aber
ihr Mann fängt an zu Schmollen.
Stinksauer springt er auf und vor
dem Mund bildet sich Schaum
Er brüllt: „Wie albern, lächerlich!“
Und sprintet aus dem Raum.
„Ich glaub, es hackt!“, ruft Sharon Stone.
„Guckt, wie vor Wut ich bebe.
Für den zählt meine Schönheit mehr
als dass ich überlebe.
Wie schäbig kann man bitte sein?
die Ehe ist vorbei!
Da hab ich lieber keinen Mann.
Und Brüste null bis zwei.“
Am Ende war es doch kein Krebs
die Brüste blieben dran.
Entfernt hat sie dann trotzdem was
und zwar den miesen Mann.
Ob dieser Kerl nen Namen hat?
wen interessiert das schon!
Er ist einfach ein Arschgesicht
der Ex von Sharon Stone.
Danke für die Aufmerksamkeit und auch sonst alles. Du kannst mir auch heute einen ko-fi spendier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)en. Oder du kaufst in meinem ko-fi-shop (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ein, das geht auch.
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)