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DEUTSCHE LAICHEN

Allianzen bilden

Ox-Interview von Salvador Oberhaus

Torsun Burkhardt schickte mir 2019 einen Soundfile mit dem Hinweis, dass die Band mir gefallen würde. Es waren Songs des Debütalbums von DEUTSCHE LAICHEN. Torsun irrte nicht und so freute ich mich über die Gelegenheit, anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Albums der Berliner Band mit Axxxe und Bi sprechen zu können.

Bandmitglieder von DEUTSCHE LAICHEN
Foto: Lior Neumeister

Eure aktuelle Platte heißt „Punk ist scheiße, Punk ist geil“ und wurde als Bestandsaufnahme von Punk als Szene, Community, Haltung und Projektionsfläche angekündigt. Wie ist die ausgefallen?

Bi: Ich fange mal mit der Projektionsfläche an. Man kann es sich in der Szene bequem machen. Im Punk entsteht oft der Eindruck, man sei on the same page, was progressive Ideen und emanzipatorische Wünsche betrifft. Uns fällt aber auf, dass im Gegenteil Regeln darüber, wie Punk zu sein hat, eine große Rolle spielen. Es sind immer dieselben Leute, die diese Regeln aufstellen. Punk ist dadurch auch sehr starr. Das haben wir immer versucht herauszufordern, seitdem wir vor zehn Jahren die Band gegründet haben. Als FLINTA*-Band, die Dinge anders macht, waren wir immer auch Projektionsfläche – im Guten wie im Schlechten. Uns wurde am Anfang attestiert, wir seien nicht Punk genug, so als müsse man sich erst beweisen. Das sollte es im Punk nicht geben. Und somit gelangen wir mit den Themen der neuen Platte eigentlich wieder zum Anfang zurück: „Punk ist scheiße, Punk ist geil“.

Axxxe: Wir waren auch auch erfolgreich dadurch, dass wir Punk herausgefordert haben und Räume, beispielsweise für FLINTA* mitgestaltet haben. Punk hat das Potenzial, eine subversive Kultur zu sein und Missstände anzuprangern, aber das bedeutet Arbeit und kontinuierliche Selbstkritik. Für wen sind die Punk-Bühnen und -Räume gemacht? Wer verdient eigentlich Geld in der Szene? Wer wird erfolgreich? Es gibt Personen, die erfolgreich sind, aber das sind immer noch Cis-Männer und meistens keine marginalisierten Personen. Dieses Spannungsverhältnis von Anspruch und Realität versuchen wir im Albumtitel mit euch zu teilen. Auch deshalb haben wir beim neuen Album mit Künstler:innen aus anderen Genres zusammengearbeitet, um zu stretchen, was Punk ist. Dass Punk auch so etwas Dogmatisches haben kann, ist sicherlich auch ein Grund, warum weniger junge Leute sich mit der Punk-Szene identifizieren können oder für DIY engagieren.

DEUTSCHE LAICHEN sind eine queere Band ...

Axxxe: Wir sind eine queerfeministische Band, das heißt Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechterdiversität sowie die Vielfalt der Perspektiven sind unser Fokus. Sowie gängige Normen anzugreifen.

Wie nehmt ihr das wahr, wie hat sich die Akzeptanz von und der Umgang mit Queerness in den letzten zehn Jahren in der Szene verändert? Gibt es im Sinne von Selbstermächtigung so etwas wie einen queerfeministischen Aufbruch?

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