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Rückblick LBM: Spaß, Learnings und so viel Wut

Heute ist mein Besuch auf der Leipziger Buchmesse genau zwei Wochen her. Vielleicht ist es deswegen schon etwas spät, aber gleichzeitig finde ich: Es ist ein guter Moment, um noch einmal kurz zurück zu blicken. Meine persönliche Retrospektive fällt positiv aus, denn die LBM hat sich für mich ziemlich schön und erfolgreich angefühlt. Gleichzeitig war es aber auch trubelig und im Nachhinein sogar Grund für ganz viel Wut. Aber fangen wir von vorne an …

Nur für einen Tag zu einer Messe zu fahren, die 3 Stunden entfernt von mir stattfindet, war … sportlich. Nicht nur, was die An- und Abreise angeht (die ich ohne meinen wundervollen Mr Penn nicht gewagt hätte), sondern auch in Hinblick auf die abgezählten Stunden, die ich dazwischen tatsächlich vor Ort sein würde. Damit ich alle interessanten Stände besuchen und alle liebgewonnenen Kolleg*innen treffen konnte, musste ich tatsächlich eine Checklist und einen Zeitplan anfertigen.

Und ich dachte ehrlicherweise, das würde mir den Spaß an der Sache nehmen. Eigentlich finde ich es nämlich schöner, wenn ich mich bei solchen Events auch mal ein wenig treiben lassen kann … Am 30. März war das aber schlicht nicht möglich. Schon um den Messetag um meine eigenen Termine (eine Podiumsrunde zum Thema Sensitivity Reading und ein Meet & Greet) herum zu arrangieren, musste ich planvoll vorgehen.

Die Überraschung: Es hat mir total gut getan, genau zu wissen, wo ich als nächstes sein muss, wen ich wo antreffen werde, an welcher Stelle sich Zeit zum Updaten (z. B. meiner Instagram-Story) ergibt und wann ich eine Pause einlegen kann. Alles in allem hat es sich wie ein anstrengender, aber wirklich cooler und gut strukturierter Arbeitstag angefühlt - weil es auch genau das war! Seit Jahren fahre ich nun schon als Autorin, nicht mehr ausschließlich als Leserin, zu den großen Buchmessen und immer gibt es für mich dort auch “Business-Termine”. Trotzdem habe ich es selten so sehr als eine Dienstreise wahrgenommen wie an diesem einen Tag in Leipzig. Das macht mich auf eine ganz eigene Art stolz, denn es zeigt mir, wie weit ich in diesem Autorinnending schon gekommen bin und wie sehr ich mich in den letzten sechs Jahren professionalisiert habe.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an dich, an die Person, die jetzt diese Zeilen hier liest. Es sind Leser*innen wie du, die mich an diesen Punkt gebracht haben. Ich könnte nicht tun, was ich tue, ohne die Menschen, die meine Geschichten (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) lesen. Es ginge nicht, wenn es da nicht Leute gäbe, die sich für meinen Autorinnenalltag interessieren und ihn über die verschiedensten Kanäle mitverfolgen. Ich würde oft ganz schön in die Röhre schauen, wenn ich hier bei Steady keine Mitglieder (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hätte, die mich auch zwischen Buch-Releases und Verkaufshighs durch die eher ruhigen Zeiten tragen. Jeder Schritt des Weges ist mit Support gepflastert und gerade auf der Messe, zwischen all den Büchern und all den Menschen, die damit zu tun haben, ist mir das wieder bewusst geworden.

Umso härter hat es mich getroffen im Nachhinein die Berichterstattung über die Leipziger Buchmesse zu lesen. Wenn du auch in der Buch-Bubble unterwegs bist, hast du bestimmt die Verrisse des Feuilletons wahrgenommen, die nach der LBM durch die Medien gingen. Es wurde wieder ausgeteilt. Die Aggressoren waren, wie bereits in den Jahren zuvor, (mittel)alte, weiße Literaturkritiker und Kulturredakteure, die mit einer Sache überhaupt nicht klarkommen: Dass junge Frauen in der Buchwelt Raum einnehmen.

Gerade erleben wir in der Branche eine Primetime des Romance-Genres. Liebesromane aller Couleur erobern sich die Bestsellerlisten. Das sollte gerade Brancheninsider nicht verwundern, denn neben Thrillern und Krimis sind Liebesromane in der Unterhaltungsliteratur schon immer ganz weit vorne. Romantik wird viel und gerne gelesen - und das nicht erst seit ein paar Jahren. Neu ist der Hype darum. Neu ist, dass Leserinnen sich vor allem in den sozialen Medien zu riesigen Buchclubs zusammentun. (Stichwort: BookTok.) Neu ist, dass weniger ein elitärer Kritiker, sondern eher eine populäre Bloggerin die Lesetrends der Saison vorgibt. Neu ist, dass Frauen und Mädchen in ungeahnten Massen die Buchmessehallen füllen, dass sie in scheinbar endlos langen Schlangen anstehen, um ein neues Buch oder eine Signatur der Autorin zu ergattern. Ich gendere an dieser Stelle bewusst nicht, denn neu ist auch, dass weibliche Schreibende gerade sehr viel Relevanz haben. Wir sind nämlich eigentlich in der Unterzahl, aktuell machen Autorinnen nur knapp 40 % der Zunft aus. In der Vergangenheit war der Anteil der Frauen noch geringer und sie wurden größtenteils konsequent übersehen, wenn es um “Klassiker der Weltliteratur” oder “100 Bücher, die man gelesen haben sollte” ging. Aber jetzt sind wir da. Wir sind als Verfasserinnen erfolgreich und als Konsumentinnen kaufkräftig und wir schreiben und lesen genau das, was wir wollen.

“Sprachliche Nullqualität”, “moderne Groschenromane”, “seichte Frauenliteratur”, “Softp*rno” - das sind nur ein paar der charmanten Umschreibungen, die das Feuilleton für die romantischen Bücher findet, die gerade eine vornehmlich weibliche Leserschaft begeistern. Und, ja, über Geschmack lässt sich streiten und im literarischen Kontext existiert auch keine Einigkeit, was genau nun einen guten Stil oder eine hohe Qualität ausmacht. Aber bei allem Respekt: Geht's noch? Es wäre lustig, wenn es nicht so ermüdend und schlichtweg beleidigend wäre, wie die Herren der hochtrabenden Wortspiele von oben herab urteilen. Und es klingt stark nach Misogynie, wenn die moralische Keule geschwungen und gerade die Darstellung erotischer Szenen aus weiblicher Perspektive gerügt und als Legitimierung einer schlechten Kritik herangezogen wird. Wie viel phalluszentriertes Geknutsche und Gerammel habe ich zwischen Goethe, Wedekind und Murakami schon gelesen und ich erinnere mich nicht daran, dass es auch nur in einem einzigen Fall zur Abwertung des ganzen Werkes geführt hätte! Wir haben ein Sexismusproblem in der Welt der Literatur und es war selten so offensichtlich und giftig wie in den Tagen nach der Buchmesse.

Ich bin ganz ehrlich: Diese Wut hat mir einen Teil der Freude über das tolle Event in Leipzig genommen. Und dann dachte ich mir: Warum lasse ich das zu? Alles, was diese selbsternannten Buchhoheiten wollen, ist Menschen wie mir und dir den Spaß zu verderben. Den Gefallen tue ich ihnen nicht!

Voller Motivation - okay - voller Trotz, habe ich mich also nach der Messe wieder an die Arbeit und an den Schreibtisch gemacht. Mein Nantucket-Projekt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) wächst weiter und geht langsam vom Mittelteil in das Ende über. Es ist eine knifflige Stelle, an der ich mich gerade befinde, aber es ist keine Stelle, an der ich aufgebe. Und während ich mich Zeile für Zeile durch den Plot arbeite, nehmen schon andere Dinge rund um meine nächste Veröffentlichung Form an. Am kommenden Dienstag (15. April), gewähre ich allen Steady-Mitgliedern Einblicke in den kreativen Prozess rund um die Covergestaltung. Wie klären Autor*innen und Designer*innen überhaupt, wie so ein Cover aussehen soll? Was ist eine Cover-Recherche? Und was genau schwebt mir für meinen nächsten Release vor? Wer schon Mitglied ist, darf gespannt sein und wer noch keine Mitgliedschaft hat, kann sich unverbindlich meine Pakete anschauen:

Danke, dass du bis hierhin gelesen hast!

Bis zum nächsten Mal!

Phillippa

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