Liebe Politikinteressierte
Die meisten von euch dürften die englische Redewendung “Slow and steady wins the race” kennen, was man frei mit “Eile mit Weile” übersetzen könnte. Um ein Ziel erreichen zu können, muss es nicht immer der grosse Wurf sein. Manchmal reichen auch kleine Schritte – oft sind die kleineren Projekte eher umsetzbar und die grossen Visionen verschwinden in irgendeiner Amtsschublade.

Vielleicht ist darum die Idee der Stadtzürcher FDP-Gemeinderäte Emanuel Tschannen, Flurin Capaul und Roger Suter etwas zu gross gedacht. Sie wollen nichts weniger, als die Überdeckung des Gleisfelds zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Altstetten sowie die Überdachung der Gleise zwischen dem HB und dem Bahnhof Wiedikon – damit Häuser oder Parks gebaut werden können. Zwar dürfte ein auf nationaler Ebene eingereichter Vorstoss dem FDP-Anliegen Rückenwind geben. Wir haben bei Flurin Capaul trotzdem nachgefragt, was er zu kleiner gebackenen Brötchen meint. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Das führt uns zu unserem nächsten Thema: Heute ist die Schweiz für ihren Finanzplatz, ihre Technik und den Tourismus weltweit bekannt. Anfang des 19. Jahrhunderts war sie allerdings ein unbedeutender Kleinstaat. Aus heutiger Sicht fast unglaublich ist, dass es in Zürich damals keine Möglichkeit gab, nach der Volksschule eine weiterführende technische oder naturwissenschaftliche Schule zu besuchen. Als die Technische Gesellschaft Zürich – kurz TGZ – 1825 gegründet wurde, hatte sie darum eine Priorität: Die Bildung im technischen Bereich sollte verbessert werden. Und das gelang. Schon weniger als ein Jahr nach der Gründung der TGZ wurde 1826 das Technische Institut in Zürich eröffnet, wie ein neues Buch zeigt. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Zu guter Letzt haben wir uns mit einer Politikerin der Alternativen Liste (AL) getroffen. Kantonsrätin Gianna Berger ist Pflegefachfrau und interessiert sich berufsbedingt für das Gesundheitssystem sowie für Menschen, die weniger Chancen haben als andere. Während die AL in der Stadt Zürich darum kämpft, zwischen SP und Grünen ein eigenes Profil zu wahren, überzeugt sie im mehrheitlich bürgerlichen Kantonsrat gerade durch ihre Minderheitenrolle. „Ich sehe eine unserer Rollen darin, Probleme klar zu benennen, damit darüber diskutiert wird“, sagt die Zürcher Politikerin in unserem Porträt. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Gianna Berger hat nach einem Jahr Parlamentsarbeit eine klare Erkenntnis gewonnen. Debatten? Nur Show für die Medien.
Wir wünschen ein schönes Wochenende.
Lorenz Steinmann und Pascal Turin
PS: Am Sonntag erscheint Folge 19 des Rathuus-Podcasts. Wer die anderen Folgen verpasst hat, findet hier eine Übersicht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Der Podcast ist exklusiv für Abonnentinnen und Abonnenten zugänglich. Ein weiterer Grund also für ein Abo!