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WAS IST NEU?

Erdbeeren

Alle regen sich über den Benzinpreis auf. Der steigt und steigt. Irgendwie helfen die unbeholfenen Versuche der Regierung auch nicht so recht, dass er endlich mal wieder richtig runtergeht. Mineralölkonzerne freuen sich. Die Aufregung um den Sprit kann ich verstehen, aber niemand redet über den gestiegenen Erdbeerpreis. Ich habe gerade bei einem netten Obstladen in Berlin-Schöneberg 11 Euro für ein mittelgroßes Schächtelchen Erdbeeren bezahlt. Die Erdbeeren schmecken total lecker, kein Vergleich zu den in Plastik eingepackten, traurigen, hellroten Erdbeeren aus dem Supermarkt, aber ELF Euro! Herr Merz, tun Sie endlich was! Vielleicht ist es aber auch meine Schuld. Ich checke eigentlich nie so richtig die Preisschilder. Bei den Erdbeeren stand was von 5,99 auf dem hangeschriebenen Pappschild. Oder 8,99? Pro Kilo oder pro Gramm? Pro Schale? Pro Stück? Auch im Supermarkt interessiert mich das Kleingedruckte unter dem Preis nicht. Bio-Mango heute für 1,99. OK. Das klingt gut. Und dann war es pro Milligramm. Trotzdem: 11 Euro. Ich würde mal sagen, das waren 400 Gramm. Also kostet, sagen wir, ein Kilo Erdbeeren 25 Euro. Das ist ja schon ein halber Tank! Aber irgendwie zahle ich gern. Diese Erdbeeren mussten gepflanzt werden, in einem schönen Glashaus wahrscheinlich, irgendwo in Holland, das von teuren Deichen gegen die Klimakatastrophe geschützt werden muss. Was steckt noch alles in diesen Erdbeeren? Sie mussten gewässert, gedüngt, gepflückt, auf Laster geladen, nach Berlin-Schöneberg befördert und von einem Mitarbeiter des Obstladens vorsichtig, Erdbeere für Erdbeere, in eine schöne Pappschale umgefüllt werden. So viel Arbeit, was sind da schon 25 Euro? Wenn ich das nächste Mal an der Tankstelle stehe, werde ich mir auch vorstellen, was in diesem Liter Benzin alles drinsteckt: Es musste aus der Tiefe eines Schurkenstaates geholt und irgendwie bearbeitet werden - was weiß ich, wie aus Rohöl E5 oder E10 wird - und mit einem Tanker über die Weltmeere und Wasserstraßen nach Rotterdam gebracht werden. Schon wieder Holland. Irgendwas ist mit diesem Land! Und dann ein Laster, der nach Deutschland fährt, ein Tankwart, der mit einer kleinen Gießkanne das Benzin Liter um Liter in eine Zapfsäule füllt. Von irgendwas müssen doch die armen Ölkonzerne auch leben. Ach, ich esse jetzt erstmal eine dieser kostbaren Erdbeeren. Sie schmecken süß nach Frühling und Hoffnung. Das Auto lasse ich heute mal stehen.

DAS VIDEO

Bei dieser Folge von Fun Facts (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) durfte ich mitschreiben. Toll moderiert von Timo Wopp.

https://www.youtube.com/watch?v=w0xCQbinYFw (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

GARTENFREUDEN

Der Rasen

"Auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner." Ich glaube, dieses Sprichwort stammt aus England, dem Mutterland des perfekten Rasens. Das Problem ist mir bestens bekannt. Das Gras im Nachbargarten schimmert so satt grün wie ein Wahlplakat der gleichnamigen Partei. Außerdem ist es bedeutend kürzer als bei uns. Das Nachbargras sieht aus wie das Center Court in Wimbledon bevor der erste Tennisspieler des Turniers den Rasen betritt. Wie machen die Nachbarn das?

"Harte Arbeit", meint meine Freundin und Co-Gärtnerin. "Das kennst du halt nicht."

Okay, ich gebe zu, ich liege lieber im Gras, als es zu mähen. Doch die Vorraussetzungen waren nicht gerade optimal, als wir den Garten übernahmen. Jahrelang hatte ihn wohl niemand mehr gemäht. Das Gras war so hoch, dass sich ein ausgewachsenes Reh in ihm verstecken konnte. Es sah mich erschrocken an, als ich mit der Sense eine Schneise in die Wiese schlug. Dann mähte ich stundenlang. Ich bin schlimmer Allergiker und schwoll während des Mähen am ganzen Körper rot an und musste permanent niesen. Arbeit an der frischen Luft soll gesund sein? Für einen verweichlichten Städter wie mich bestimmt nicht, ich brauchte sieben Antihistamin-Tabletten, um überhaupt wieder atmen zu können.

Was nach dem Mähen übrig blieb, glich der Kopfbehaarung von Friedrich Merz. Weitestgehend kahl, mit wenigen Inseln. Das lange Gras hatte das nur überdeckt. Wir säten und gossen und mähten. Langsam näherte sich die lückenhafte Wiese wieder so etwas an wie einer Rasenfläche an.

Inzwischen mähe ich sogar ganz gern. Ich mag, dass danach gleich der ganze Garten besser und aufgeräumter aussieht. Nicht so wahnsinnig viel Aufwand, jedoch maximale Verbesserung. Vielleicht mähen deswegen die Deutschen so gern ihren Rasen. Von wegen harte Arbeit. Das geht mit so einem modernen Rasenmäher doch fast von alleine.  Aber es sieht nach Arbeit aus. Und alles hat danach wieder seine Ordnung, jedenfalls scheinbar. Rasenmähen ist das Äquivalent zum Staubsaugen in der Wohnung. Wirkt alles schon sauberer, auch wenn das Bad nicht geputzt ist und sich das Geschirr in der Spüle stapelt. So wie es eine gefühlte Temperatur gibt, und seit neustem auch gefühlte Sicherheit - so existiert auch gefühlte Sauberkeit und gefühlte Ordnung.

Ich liege also entspannt auf meinem "Rasen" und übersehe gekonnt das Unkraut im Blumenbeet. Alles ist in Ordnung. So wie im ganzen Land.

Foto: Dan Petermann

SONGS FOR THE LEFTOVERS -

Lieder, die ich gerade höre.

Jan Plewka: Rauch steigt auf (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Ich kenne Jan Plewka noch aus den 90er Jahren als Sänger der Band Selig. Die klangen für eine deutsche Band überraschend nach Grunge und Neil Young. Jedenfalls konnte man sich das einreden. Sie hatten ein paar große Hits damals und die waren für so einen Mainstream-Act eigentlich erstaunlich gut. In guten Momenten klingt Plewka ein klein wenig nach Rio Reiser. Vor ein paar Monaten kam sein Soloalbum heraus, das ich so naja finde. Doch der erste Song auf der Platte ist der Hammer. Melancholisch, aber geht nach vorne. Gut gesungen, tolles Klavier. Text schön rätselhaft, trotzdem nicht kitschig. “Dass ich das alles schonmal geträumt hab…”

WAS STEHT AN?

Die Sommerpause naht. Noch ein paar Termine, dann wird es erst mal ruhig. Aber während der Sommermonate stehen drei Open Air Shows an. Alles sehr tolle Locations: Kremmen in Brandenburg am 30.5. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Gengenbach in Baden am 17.7. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Baienfurt bei Ravensburg Oberschwaben am 13.8. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Kommt vorbei!

Alle Ticketlinks für die Auftritt im Herbst auf: www.sebastianlehmann.net (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

VIELEN DANK FÜRS LESEN.

Bis in zwei Wochen! Dein Sebastian.

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