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Newsletter EINS

Okay, das ist die erste Ausgabe meines Newsletters. Schön, dass Du ihn abonniert hast. Ab jetzt versuche ich jede Woche einen zu verschicken. Jede Woche! - Das ist ja fast schon richtige Arbeit, würde mein Vater sagen.

Und was steht drin?

Das weiß ich selbst noch nicht genau. Was mir gerade so durch den Kopf geht. Mal witzig, mal  nachdenklich, immer unterhaltsam. Das klingt wie ein Werbeslogan für das neue Buch von Thomas Gottschalk. Na ja, meine Haare habe ich immerhin noch nicht blond gefärbt.

Ich habe mir jedenfalls ein paar Rubriken ausgedacht, die nicht jedes Mal, aber immer wieder auftauchen sollen. Außerdem gibt's Musik- und Buchempfehlungen.

Dazu kommen Geschichten und Telefonate (mit den Eltern, mit der Kita...), die ich neu geschrieben habe - und auch ein paar Klassiker.

Und es beginnt immer mit der Rubrik: "WAS IST NEU?" Meine Gedanken zu einem halbwegs aktuellen Thema.

Das ist der Plan. Ich freue mich darauf.

WAS IST NEU?

Robert Habeck scheidet aus dem Bundestag aus.

Dazu hat er der taz (das ist so ein linksextremes Medium, habe ich gehört...) ein Interview (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gegeben. Interessant finde ich vor allem seine Beschreibung der "Kulturkämpfe". Exemplarisch erklärt am Streit um die Regenbogenfahnen auf dem Reichstag, die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verboten hat. Wahrscheinlich, so Habeck, sind nur wenige in Deutschland gegen die Ehe für Alle. Und der CSD ist ebenfalls keine hoch umstrittene politische Demonstration. Doch wegen der Entscheidung Klöckners, berichteten die Medien ein paar Tage lang über kaum etwas Anderes. Das suggeriert: Aha, da muss ich entweder dafür oder dagegen sein. So etwas spaltet die Gesellschaft noch weiter.

Das Interview ist auch ziemlich lustig: Habeck sagt, er tritt nach einer verlorenen Wahl lieber zurück, als den "Klingbeil zu machen". 

Den "Klingbeil machen". Super. Das bedeutet in etwa auf mein Leben übertragen: "Das ist nicht meine Schuld, dass ich gerade mein Auto zu Schrott gefahren habe. Man kommt auch auf drei Rädern nach Hause. Und jetzt werde ich Fahrlehrer!"

Politikernamen eignen sich einfach perfekt für neue Ausdrücke:

"Du klöcknerst heute aber wieder ganz schön." - Das heißt: Du vergleichst Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben: "Ja, ich habe dich betrogen. Aber du hast den Abwasch nicht gemacht."

"Ein Merz" - Maßeinheit für Selbstverliebtheit. Donald Trump sind 500 Merz. Mutter Theresa war 0,01 Merz.

"Habecken." - Denken, dass man besser als die Anderen ist. Und es tatsächlich sein. Allerdings sind die Anderen meistens auch echt schlecht.

VATERFREUDEN

Ich habe einen Sohn. Er ist drei Jahre alt. Ich weiß nicht, wie man ein Kind erzieht. Bis jetzt habe ich keine Erfahrung als Vater. Sondern nur als Kind. Trotzdem gebe ich natürlich sehr gern Ratschläge. Zum Beispiel: Lass dein Kind alles selber machen.

Ich will für meinen Sohn einen Papierflieger basteln.

"Nein", ruft er. "Ich will selber."

Er ist in dem Alter, in dem er alles selbst machen möchte, aber es oft noch nicht so richtig schafft. Dann wird er wütend. Wenn ich allerdings den Task für ihn erledige, steigert sich seine Wut noch. Also gebe ich ihm das Blatt Papier.

"Danke, Alter", sagt er. Er ist ein höfliches Kind.

Lange schaut er das Blatt an. Schließlich zerknüllt er es zu einer Kugel.

"So fliegt das aber nicht", sage ich.

"Doch", ruft er und wirft den Papierball aus dem Zimmer. "Fliegt."

Er hat recht. Fliegt sogar besser als meine aufwendig gefalteten Papier-Düsenjets.

Ein Ball fliegt übrigens auch. Beweist er mir gerade. Der Ball trifft eine Blumenvase. Warum steht in unserer Wohnung noch eine Blumenvase? Eigentlich müssten wir die ganze Wohnung mit Gummi auskleiden.

Auch ein Apfel fliegt gut. Gegen meinen Kopf zum Beispiel.

Ich verschanze mich hinter dem Sofa und werfe mit Kissen zurück.

Er holt sich einen Kürbis aus der Küche.

Als eine halbe Stunde später meine Freundin von der Arbeit zurückkommt, sieht die Wohnung aus als hätte Loriot ein Bild geraderücken wollen.

"Aufräumen!", ruft meine Freundin streng.

"Willst du das auch selber machen?", frage ich meinen Sohn.

"Papa darf", sagt er großzügig.

Er ist wirklich sehr höflich.

SONGS FOR THE LEFTOVERS - Lieder, die ich gerade höre.

Blixa Bargeld, Nikko Weidermann - "Helden"

Der Sänger der Einstürzenden Neubeuten, eine Ikone der 80er Jahre in Berlin, covert David Bowies "Heroes". Auf deutsch. Es gibt nämlich von Bowie auch eine deutsche Version. Sehr lustig, sein  Akzent. Bei Blixa Bargeld klingt es dann eher wie eine Predigt. Und es ist einfach schön: "Doch wir küssen, als ob nichts passiert."

BUCHEMPFEHLUNG

Richard Powers: Das große Spiel (Original: Playground), Herbst 2024 erschienen.

Es ist wahnsinnig, worum es in diesem Roman alles geht: Freundschaft, Soziale Netzwerke, Schach, Spieltheorie, das Meer, Inseln im Pazifik, Tauchen, dysfunktionale Familien, Rassismus, Kolonialismus und Künstliche Intelligenz. Und weil Richard Powers ein unterhaltsamer Erzähler ist, wie man sie so oft in der amerikanischen Literatur antrifft, und weil er lebendige Figuren erschaffen kann, ist sein Roman trotzdem leicht und spannend geschrieben, dazu berührend und witzig und abgefahren - außerdem sind seine Sätze selten so lang und holprig wieder dieser. Man merkt gar nicht, was man alles lernt, während man atemlos dem Ende entgegenfiebert. Das ist dann todtraurig und zugleich ein bisschen hoffnungsvoll. Was will man mehr? (Selber so ein Buch schreiben zum Beispiel! Jaja, ich weiß, das war nur eine rhetorische Frage.)

WAS STEHT AN?

Die letzten Auftritte mit meinem aktuellen Programm KINDERZEIT. Außerdem gibt's auch ein paar Best-Of-Shows.

Alle Termine findet Ihr hier: www.sebastianlehmann.net (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

VIELEN DANK FÜRS LESEN.

Bis nächste Woche. Dein Sebastian.

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