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Wer schützt die Demokratie? NGOs zwischen Angriff, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung.

Folge 2: Demokratie leben! Wohin fließen Millionen wirklich?

#Senfkuchen

von Stefan Hünl

Wer schützt die Demokratie?
NGOs zwischen Angriff, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung. 
Folge 2.
Über die Serie

Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Sie braucht Menschen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Strukturen, die sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und autoritäre Ideologien stellen.

Genau diese Arbeit leisten in Deutschland zahlreiche Vereine, Initiativen und Bildungsprojekte. Sie tun dies oft unter schwierigen Bedingungen, werden häufig angegriffen von rechts und leiden zunehmend unter politischen Druck.

Während die AfD demokratische Institutionen delegitimiert, Teile der Union nach rechts rücken und wirtschaftliche Eliten sozialen Zusammenhalt systematisch untergraben, geraten ausgerechnet jene Organisationen ins Visier, die sich für Demokratie, Aufklärung und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.

Diese Serie fragt: Wer sind diese NGOs wirklich? Was leisten sie konkret? Wie werden sie finanziert? Welche Kritik ist berechtigt? Und welche ist Teil einer rechten Strategie zur Schwächung der Zivilgesellschaft?

Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern eine Gefahr. Wer Demokratie schwächt, stärkt ihre Feinde.

Folge 2

Demokratie leben!

Wohin fließen Millionen wirklich?

Logo »Demokratie leben!« (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Es ist ein Reizwort in den Debatten rechter Talkshows und parlamentarischer Anfragen:

»Demokratie leben!«

Das Bundesprogramm des Familienministeriums (BMFSFJ) wird oft als "Geldquelle für linke Aktivisten" oder als "Staats-Antifa" diffamiert. Doch hinter dem abstrakten Titel verbirgt sich eines der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Förderinstrumente der Bundesrepublik, um die demokratische Substanz dort zu schützen, wo sie am stärksten bedroht ist: im Alltag vor Ort.

Steuergeld für Aktivismus oder notwendige Prävention?

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen. Für das Jahr 2024 stehen dem Programm rund 180 Millionen Euro zur Verfügung. Das klingt nach viel, entspricht aber gerade einmal etwa 0,04% des Bundeshaushalts.

Die Frage ist also nicht nur, wie viel fließt, sondern wo es ankommt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Drei Säulen der »Demokratie leben!«

»Demokratie leben!« ist kein zentralistischer Verteilungsapparat, sondern stützt sich auf drei Säulen:

  • Partnerschaften für Demokratie: Mehr als 300 Kommunen (Städte, Landkreise) erhalten Mittel, um eigene Strategien gegen Extremismus zu entwickeln. Hier entscheiden lokale Gremien, oft unter Beteiligung von Bürgern, Vereinen und Kirchen, welche Projekte vor Ort nötig sind.

  • Landes-Demokratiezentren & Kompetenznetzwerke: Diese bündeln Fachwissen zu spezifischen Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit. Sie beraten Institutionen und bilden Fachkräfte aus.

  • Modellprojekte: Hier werden neue Ansätze der Prävention erprobt, etwa in der digitalen Bildung oder im Umgang mit Verschwörungserzählungen in sozialen Medien.

Prävention: Warum sie schwer messbar, aber unverzichtbar ist

Die Kritik der Rechten zielt oft darauf ab, dass die Wirkung des Geldes "nicht messbar" sei. Das ist ein methodischer Trugschluss, denn Prävention zeigt sich oft gerade darin, dass Eskalationen ausbleiben.

Wie misst man die Radikalisierung, die nicht stattgefunden hat?

Extremismus Prävention, besonders bei Jugendlichen, ist essenziell.
Extremismus Prävention, besonders bei Jugendlichen, ist essenziell.

Wie zählt man die Jugendlichen, die nicht in die Neonazi-Szene abgerutscht sind, weil ein Jugendzentrum durch das Programm gestärkt wurde?

Evaluationen des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen deutliche positive Effekte bei Vernetzung und Präventionsarbeit. Das Programm erreicht bundesweit eine Vielzahl von Menschen, stärkt die Resilienz von Schulen und Kommunen und bietet Ausstiegshilfen für jene, die den Weg aus dem Extremismus suchen.

Was Kürzungen bedeuten würden

Wenn Mittel für »Demokratie leben!« gekürzt werden, wie es in Haushaltsdebatten oft gefordert wird, trifft das nicht "Berlin-Mitte", sondern vor allem den ländlichen Raum. Es trifft die mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt, die Bildungsarbeit in strukturschwachen Regionen und die kleinen Vereine, die das einzige Bollwerk gegen die Normalisierung rechtsextremer Rhetorik in ihrer Gemeinde sind.

Ein Rückzug des Staates aus der Demokratieförderung ist keine "Sparmaßnahme", sondern ein Konjunkturprogramm für jene, die den Staat abschaffen wollen.

Fazit-Katzen

Transparenz statt Propaganda

Die Forderung nach Transparenz ist legitim. Jedes Projekt muss Verwendungsnachweise erbringen und wird geprüft. Die Behauptung jedoch, hier werde "ideologische Einseitigkeit" finanziert, verkennt die Realität.

Die Projekte verteidigen die Grundwerte unseres Grundgesetzes. Wer das als "einseitig" empfindet, hat ein Problem mit der Demokratie selbst, nicht mit der Finanzierung.

Quellenangaben

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Programmbeschreibung und Haushalt »Demokratie leben!« (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Deutsches Jugendinstitut (DJI): Evaluation des Bundesprogramms (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Dossier zur politischen Bildung und Demokratieförderung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bundeshaushalt 2024 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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