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Große Gemeinden und kleine Kreise

Der Sinnfragen-Newsletter vom 24. Februar 2026


Liebe Sinnfragen-Leserinnen und -Leser,

herzlich willkommen zu meinem Newsletter mit frischen Glaubensgeschichten aus Sachsen. Schön, dass Sie wieder mit dabei sind. Heute geht es um große Reformpläne für die evangelischen Gemeinden in Sachsen – und eine ganz kleine und alte Form, den Glauben zu leben, die vielleicht eine große Zukunft hat. Viel Freude beim Lesen!

Von Göda aus regt sich Protest gegen die Kirchenreform.

Liegt die Zukunft der Kirche in großen Verbünden, in kleinen Gemeinden – oder geht beides zusammen?

Hört man dieser Tage Menschen aus der Leitung der evangelischen Landeskirche zu, dann kann man in letzter Zeit öfter von einem Kipppunkt hören – und in ziemlich ernste Gesichter blicken: Der seit Jahrzehnten anhaltende Sinkflug bei den Mitgliedern scheint in eine heiße Phase einzutreten. Man muss es sich vielleicht wie bei der Landung eines Flugzeuges vorstellen. Je langsamer und je tiefer es fliegt, desto anfälliger wird es für einen Strömungsabriss. Und das ist dann potentiell lebensgefährlich.

Bei den Finanzen der Kirche geht es zwar nicht um Menschenleben – existenzgefährdend kann es trotzdem werden. Denn die Dynamik des Verlustes an Mitgliedern nimmt eher noch zu. Und wird verstärkt durch die anhaltende und ganz offenbar systemische Krise der Wirtschaft (gleich weniger Steuereinnahmen) plus eine mögliche Regierungsübernahme der AfD, die in Sachsen-Anhalt schon die Streichung der Staatsleistungen für die Kirchen (in Sachsen wären das über 20 Millionen Euro pro Jahr) und des staatlichen Einzugs der Kirchensteuer in Aussicht gestellt hat. Gründe genug, um das kirchliche Boot auf ziemlich harte Zeiten einzustellen.

Das tut die Landeskirche. Und während sie bei früheren Reformen eher auf Top-down setzte und ihre Pläne von oben nach unten durchgab, ging sie mit ihrer Arbeitsgruppe „Kirche im Wandel“ im letzten Jahr ganz bewusst in den Austausch mit der Basis (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Nun liegt deren Abschlussbericht (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) vor. Es ist der Versuch eines Spagats: Statt bisher rund 300 Kirchgemeinden und Verbünden soll es künftig nur noch rund 50 große Regionalkirchgemeinden geben, um Verwaltung und Personal professionell und effizient zu machen – die Bodenhaftung sollen in diesen Mega-Gemeinden kleine Ortskirchgemeinden und Kirchenorte gewährleisten. Ehrenamtliche sollen das kirchliche Leben vor Ort ganz wesentlich tragen – und Hauptamtliche zu Unterstützern für sie werden.

Am 7. März will die Landessynode in einer Sondersitzung kurz vor ihrer Neuwahl erste Weichen stellen, indem sie die Kirchenleitung und das Landeskirchenamt um konkrete Vorschläge bittet. Doch dagegen regt sich Protest. Die Initiative „Kirche von unten“ hat über 2100 Unterschriften gesammelt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und fordert, dass die Eigenständigkeit der Ortsgemeinden erhalten bleibt – und mehr Zeit zur Verfügung steht für eine Debatte in der gesamten Landeskirche über solche neuen Wege. Ich war in Göda in der Oberlausitz und habe mit den protestierenden Protestanten gesprochen. Ihre Befürchtung: In größeren Verbünden nimmt auch das Engagement und die Spendenbereitschaft ab – und die Abwärtsspirale dreht sich um so schneller.

Meinen kleinen Film über den Reformprozess und den Protest von „Kirche von unten“ sehen Sie hier. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Glauben zuhause, im Hauskreis - ausnahmsweise mit Kamera-Team.

Zurück zu den Wurzeln: Kirche in der Wohnung

Glaube und Zweifel – das sind ziemlich sensible und zerbrechliche Dinge. Kein Wunder, dass sie ganz am Anfang der Kirchengeschichte in Wohnungen begannen. Und auch heute treffen sich nicht nur in Sachsen Menschen in hunderten Hauskreisen, um gemeinsam über diese großen Fragen nachzudenken, zu beten und zu singen.

Während die großen Strukturen der Kirche, die immer auch Machtstrukturen waren mit einem feinen Gefälle zwischen Predigern und Zuhörern, immer mehr schrumpfen, könnte sich diese uralte Form der Hauskreise als überraschend modern herausstellen: Offen für den Einzelnen in einer hoch individualisierten Gesellschaft – und dennoch verbindend. Flexibel in Wohnungen – und dennoch eingebunden in das Ganze einer Gemeinde. Ernsthaft – und dennoch mit viel Freude, Bier und Chips inklusive. So konnten wir es auch in einem wunderbaren Hauskreis in Freiberg erleben – den kleinen Film darüber sehen Sie hier. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)


Außerdem empfehle ich Ihnen, falls Sie ihn noch nicht gehört haben, meinen Sinnfragen-Podcast mit dem Dresdner Superintendenten Christian Behr und der Frage: Können Russen noch Freunde sein?

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)


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Ihr Andreas Roth