Hidden Brain ist einer der erfolgreichsten Podcasts in den USA. 2-3 Mio. Downloads pro Woche und das als Wissenschaftspodcast - wie kann das sein? Ganz viel Storytelling-Magie! Ich habe die Show auseinandergenommen, sauviel gelernt und fĂŒr dich die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Super-Format aufgeschrieben.

Hidden Brain (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)verbindet Wissenschaft mit dem Alltag. Was macht Menschen charismatisch? Warum haben wir einen so starken Sinn fĂŒr Schönheit? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie arbeiten Teams besser zusammen?
Das Kino im Kopf ist so stark, dass es mir schwer gefallen ist, die Show mit analytischem Auftrag zu hören. Ich musste immer wieder zurĂŒckspulen, weil ich so mitgerissen wurde und vergessen habe, Notizen zu machen.
Der Aufbau ist simpel: Ein GesprĂ€ch zwischen Host und Wissenschaftler*in, zwischendurch EinschĂŒbe von Shankar Vedantam (Host) und ein subtiler Einsatz von Musik. Die Magie liegt im Storytelling.
đ§ 3 Storytelling Hacks zum Abschauen
1ïžâŁ Die Verbindung von Wissenschaft und Leben
A significant portion of what we do (âŠ) is asking the question, how can we (âŠ) make it relevant? So that as people are hearing the research, they're hearing echoes of the implications of that research in their own lives
-Shanker Vedantam, Host von Hidden Brain
Das ist das â€ïž der Show. Shankar Vedantam gibt sich zu Beginn besonders MĂŒhe, die Hörer im Alltag abzuholen, um dann zur wissenschaftlichen Fragestellung ĂŒberzuleiten. So klingt der Anfang von âComing Cleanâ (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre):
âGrowing up, I attended a Jesuit high school. I noticed that every weekend, my Catholic classmates and their families would line up and confess their sins to a priest. (âŠ) Nearly every religious and spiritual tradition has some version of the Catholic confessional. Everyone keeps secrets, but nearly everyone wants to share their secrets too. Turns out, we don't just want to be admired and loved, we also want to be seen.
(âŠ) We all keep secrets, and most of us know what it feels like to share a secret. It feels scary. It feels risky. It can also feel liberating, honest, courageous. At Harvard University, psychologist Leslie John studies the psychology of secret keeping and the consequences of self-disclosure. Leslie John, welcome to Hidden Brain.â
Weitere BezĂŒge zum Leben stellen sowohl der Host als auch der Gast immer und immer wieder im Verlauf her. Mit Beispielen, Vergleichen, âstell dir vorâ-Szenarien. Ein Beispiel aus der neusten Episode, Group Think (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre):
âGroup identities can influence the beer we drink, the cars we drive, the clothes we wear. But they can also do something even more significant. They can shape our basic perceptions. What we see, hear, even smell. I asked Jay about a study out of the University of Sussex involving a very stinky t-shirt.â
Kurz und knapp:
âĄïž Die Relevanz des Forschungsthemas zu Beginn der Show bildlich/szenisch oder anekdotisch verankert
âĄïž Im Verlauf immer wieder Querverweise zum Alltagsleben
â Orientierungsfragen: Warum ist das wichtig? Wo begegnet mir das Thema im Alltag? Woher kennt man das PhĂ€nomen noch?
2ïžâŁ Story: der beschwerliche Weg zur Spitze
In jeder Folge erzĂ€hlt der Gast seine Geschichte, wie er zum Forschungsgebiet und zu seinen bahnbrechenden Erkenntnissen kam. Das Besondere - und darauf liegt das Team Interviews zu Folge viel Wert - ist der Fokus auf die HĂŒrden. Shankar Vedantam:
âItâs important not just to tell people about the insight you have when youâve reached the top of the mountain. Itâs really important to communicate to people the struggle it takes to get to the top of the mountainâ
Die Hörer lassen sich dort abholen, wo die meisten Herausforderungen liegen, wo der Aufstieg zum Gipfel knochenhart ist.
âWhat youâre doing with laying out the challenges is really engaging people in the problem, not just engaging people in the solution. I think this is a really important insight that a lot of people in science communication forget.â
- Shankar Vedantam, Host von Hidden Brain.
Kurz und Knapp
âĄïž Den Fokus auf die Probleme und den Umgang damit legen, nicht auf die Lösung. Das zieht die Leute in den Bann.
âĄïž Wenn das Publikum das Problem richtig geschildert bekommt, dann lĂ€sst es sich viel mehr auf die LösungsvorschlĂ€ge ein.
â Orientierungsfragen: Wie kam die oder der Wissenschaftler/ sonstiger Experte auf das Forschungsthema? Warum ist es ihr/ihm wichtig? Welche Probleme musste die Person auf dem Weg zur Erkenntnis lösen? Wie haben sich diese Probleme gezeigt? Was hat er oder sie daraus gelernt?
3ïžâŁ Wissenschaftler*innen auf Augenhöhe
Das ist der gröĂte Unterschied zum Journalismus in Deutschland. Hier treten Wissenschaftler in Sendungen als Experten auf. Hosts nehmen eine ehrfĂŒrchtige Haltung ein und bitten die Eminenz, uns die Welt zu erklĂ€ren.
https://www.youtube.com/watch?v=Ty77ODhwDnc (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)Bei Hidden Brain gibt es dieses GefĂ€lle, diese Distanz nicht. Vedantam fragt die Wissenschaftler*innen nach der persönlichen Erfahrung mit dem Forschungsthema, nach den Problemen, die sie bewĂ€ltigen mussten und stellt die Verbindung zum Alltagsleben der Hörer her.
Es wird sofort klar, der Gast ist einer von uns. Wir können uns mit ihm*ihr und seinen Problemen identifizieren.
âThis feels so right to us today, when authority comes from directness and authenticity, not distance and formalityâ
â Jessica Abel, in âOut on the Wireâ
Kurz und Knapp
âĄïž Bei Hidden Brain sind die Wissenschaftler die Protagonisten. Sie machen Fehler, sie hadern mit dem Leben und der Forschung, sie sind Menschen.
âĄïž Das Publikum fiebert mit und identifiziert sich mit dem*der Wissenschaftler*in
â Orientierungsfragen: Welche Rolle nehmen Moderator & Wissenschaftler oder sonstiger âExperteâ ein? Mit welcher Haltung will ich dieser Person begegnen?
Quellen:
đ§ & Meine eigenen Gedanken
In diesem Sinne, bis bald!
Teodora
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