Früher dachte ich immer, Feng Shui ist quasi ein Deko-Trend. Bis Johannes Maierhofer in mein Leben trat, auf den ich bei meinen Recherchen zu „Erleuchtung to go" stieß. Ein spiritueller Krisenmanager, der seinen Klienten hilft, die Energien so zu nutzen, dass sie ihr schönstes Leben leben können. Momentan hat er Hochkonjunktur, denn seinen Rat wollen gerade viele. Zwei Stunden hatte er dann aber doch, denn ich hatte eine brennende Frage: Mit welcher Haltung lebt es sich in diesen unsicheren Zeiten gerade am besten? Hier kommt mein Erfahrungsbericht und der Feng Shui-Meister mit Antworten.

Feng Shui hat mich nie besonders interessiert und wenn, habe ich an Wasservasen, runde Kanten und verhängte Spiegel gedacht. Vielleicht sogar an esoterische Spinner, die es ein bisschen übertreiben. Irgendwann habe ich dann experimentell eine Schüssel mit Geld in den Hauseingang gestellt und immer die Gummistiefel weggeräumt. Der Hauseingang fungiert im Feng Shui als Energietor: Hier strömt die Lebenskraft ins Haus. Dieses Eingangstor nennt man auch "Mouth of Chi". Er sollte daher großzügig und hindernisfrei gestaltet sein – so wie wir auch unseren Mund offen und zugänglich halten, damit Luft und Nahrung ungehindert fließen können. Die Theorie war nämlich: Stiefel, Schuhe und Chaos symbolisieren Altlasten und Unordnung und können zu Trägheit, Streit oder finanziellen Blockaden führen. Kann ja niemand gebrauchen – und mehr Geld im Schlund ist auch immer gut. Also weg mit den Reitstiefeln, dem Spielzeug, den Harken und her mit der Geldschüssel, linke Seite vor der Haustür. Kann allerdings nicht sagen, ob es funktioniert hat. Nur Zufälle gab's ein paar: Witzigerweise fuhr mir unmittelbar danach jemand in mein parkendes Auto und überwies auf eigenen Wunsch ganz schnell und unkompliziert 3000 Euro für den Lackschaden, ein lukrativer Moderationsjob flatterte in mein Postfach und das Finanzamt merkte parallel, dass es uns ja noch eine fünfstellige Summe überweisen wollte. Vielleicht kann Feng Shui doch was?
Über Johannes Maierhofer stolperte ich im Internet, während meiner Recherchen zu „Erleuchtung to go" und war fasziniert von seiner Herangehensweise, weil die so ganz anders war als erwartet. Johannes, 63, ein in Hessen gestrandeter Bayer, lebt sein Leben nach Gesetzen, die die meisten von uns gar nicht kennen und richtet sich nach den temporären Energien. Dafür guckt er sich das individuelle Chart (quasi deine persönliche spirituelle Landkarte der energetischen Einflüsse eines Ortes oder Menschen) an – es ist quasi kurz vor Mathe. Alles, was er braucht, ist dein Geburtsdatum, den Grundriss deines Hauses oder deiner Wohnung, die Ausrichtung von Bett und Schreibtisch. Alles andere ist für ihn „Hausfrauen- oder New Age-Fengshui". Genau meine Sprache. War gleich verliebt in diese Herangehensweise. Da unsere kleineren Mädchen hier immer wieder aufwachten, stellte er gleich bei unserem ersten Kennenlernen die Betten um und plötzlich war nachts wieder Ruhe.
Ein anderes schönes Beispiel ist meine große Tochter, bei der es im ersten Halbjahr 2025 überhaupt nicht lief. Sie musste lauter Rückschläge einstecken und war ziemlich geknickt. Sei es beim Sport, in der Schule oder in Freundschaften. Johannes analysierte ihr Chart und empfahl, ihr Bett mit Ost-West-Ausrichtung um 180 Grad zu drehen. Das wollte sie zuerst nicht, da sie gerade in ihrer aktuellen Dekophase ein anderes Ästhetikverständnis hatte. Als dann aber immer wieder neue Klatschen kamen, ließ sie sich dann doch überreden, es mal auszuprobieren. Jetzt schläft sie von West nach Ost – und plötzlich flutscht es wieder. Es gefällt uns allen sogar optisch wesentlich besser. Der Ärger hat umgeschult. Vielleicht ist er zu den Nachbarn gegangen.
Meinem Mann und mir hat er dieses Jahr einen Zimmerbrunnen an eine Wand im Schlafzimmer positioniert und einen Eimer Kieselsteine hinters Bett – für mehr Erfolg und Geschmeidigkeit im Berufsleben. Vielleicht kam der ein oder andere Auftrag auch daher. Man weiß es nicht. Aber am Ende freue ich mich diebisch und denke: Es ist möglich. Und Hauptsache, es fühlt sich gut an.
Mein Mann denkt oft ähnlich. Er liebt das Plätschern des Zimmerbrunnens, weigert sich aber im ersten Impuls, die Betten und die Schreibtische umzustellen. Er lässt sich dann aber jedes Mal aufs Neue überzeugen. Dieses Mal sollte sein Schreibtisch dort stehen, wo eigentlich unser Bett platziert ist. Wollte er natürlich nicht. Dann fanden wir aber eine andere Lösung: Ein antiker Klappschreibtisch durfte wieder aus dem Keller einziehen, um diesen Monat die Energie optimal zu erwischen. Er sitzt jetzt gerade ganz selig daran, trinkt seinen koffeinfreien Kaffee und manchmal hört man ein „Yes!" aus dem neuen „Büro". Muss ich noch mehr sagen? Und da Johannes uns jetzt schon seit ein paar Jahren durchs Leben begleitet, vor allem auch durch Krisen, Schicksalsschläge, große berufliche Entscheidungen oder emotionalen Kinderstress, war es an der Zeit, ihn wieder anzuzapfen. Weil sich unser Leben so stark verändert hat: Ständig reden alle Politiker vom Dritten Weltkrieg, zukünftigen Pandemien und Verschuldung. Dazu gibt es Sorgen: Klimawandel, Umweltkatastrophen, finanzielle Unsicherheit, denn eine Handvoll Erdbeeren kostet neuerdings 10 Euro und KI ersetzt bald vielleicht auch deinen Job. Wohnraum ist ohnehin knapp und gebaut wird nicht mehr. Die Kinder muss man vor allem beschützen und plötzlich gibt es Begriffe wie Cybermobbing, und Bildschirmzeit. Alles muss man hinterfragen, denn überall schleichen sich Fakenews ein. Es ist alles viel. Wie begegnen wir also am besten dieser Veränderung? Und mit welcher Haltung lebt es sich am besten?
Warum fühlt sich unser Leben so anders an?
Es ist ein bisschen wie beim Autofahren: Früher sind wir 160 km/h gefahren und dachten, wir fliegen. Heute liegt die Schallgrenze bei 300 und das Problem ist, wir adaptieren uns. Die Technologie macht unser Leben schneller – und wir sind noch nicht mal auf dem Peak angekommen. Nimm die Entwicklung unserer Computer – der Produktionsfortschritt der letzten Jahre ist Wahnsinn, wenn man überlegt, vor was für dicken Kisten wir früher saßen. Wir leben jetzt in dem Zeitalter, in dem die Energie ‚speed' ist, und sie legt immer noch mehr zu. Die meisten Menschen nehmen es nur nicht als Geschwindigkeit wahr. Sie würden es wahrscheinlich erst merken, wenn sie ihr Leben radikal ändern würden. Stell dir vor, du ziehst in eine Kommune, stellst einen Ofen in deine bescheidene Hütte und versorgst dich selbst. Dann ändert sich alles und dein Fokus ist ein anderer. Dann schaust du auf deinen Gemüseanbau und hetzt nicht mehr von A nach B.
Auch unsere Themen verändern sich. Warum ist es schon fast normal, über Krieg nachzudenken?
Auch der ist „auf speed" und leichter umzusetzen. Früher musstest du Soldaten ausbilden, aufrüsten. Heute spielst du Krieg mit Joystick und Drohnen. Das geht viel schneller. Also ist es auch schneller ein Thema.
Wie kommen wir aus dem Kopf-Kino heraus?
Es ist ein einfaches Prinzip: Das Wichtigste ist, wo du gerade stehst. Ganz banal. Stehst du im Urwald im Treibsand, ist das alles, was zählt. Denn wenn du jetzt einen Schritt zu viel machst, gehst du unter. Du musst dir bewusst machen, wo du gerade bist. Wenn ich nur weiß, was der Schraubstock von außen mit mir macht, komme ich nicht weiter. Und wenn ich 180 km/h fahre, kann ich nicht aussteigen und die Gänseblümchen am Wegesrand pflücken. Die sehe ich dann nicht. Manchmal ist es auch ratsam, zu Fuß zu gehen für die Wahrnehmung.
Können wir die Geschwindigkeit auch einfach rausnehmen?
Theoretisch ja, aber leicht ist das nicht. Leichter ist, den Fokus zu ändern. Wenn du unter hübschen Kirschbäumen entlang gehst, sagst du auch nicht: „Oh, wie schön, tschüs!" und gehst weiter. Du erfindest dann eine Leiter, um sie zu pflücken. Jede Gelegenheit ist eigentlich ein ungelöstes Problem, das darauf wartet, angepackt zu werden. Was ich damit sagen will: Du brauchst dein eigenes Navi und dann weißt du auch, wo die Reise hingeht. Was braucht ein Navi? Genau, eine Connection zu einem Satelliten. Mit dem Auto in den See zu fahren ist blöd – du musst wissen, wo du hinfahren willst. Dann ist es nur noch eine mathematische Operation. Ich kann ja wählen. Bleibe ich oder fahre ich? Fahre ich direkt oder einen Umweg, eine Schleife? Ich muss es nur bewusst entscheiden.
Wenden wir das mal auf die Kriegsangst an? Ich kenne viele Menschen, die sagen, es ist ihre größte Angst, sie sind versteinert deswegen und schieben es weg. Was rätst du denen?
Es gilt das Gleiche: Bestimme den Ort, an dem du bist. Dafür musst du dich selbst reflektieren, ehrlich. Und auch sehen, wie du aufgestellt bist. Lebensmittelpunkttechnisch. Finanziell. Im Beziehungsgeflecht. Eben alles, was dein Leben bestimmt. Wenn du Angst hast, dass der Krieg vor deine Haustür schwappt, gibt es zwei Möglichkeiten: Gehen oder bleiben. Und wenn du gehst, brauchst du einen adäquaten Ort, an den du gehen möchtest. Oder du bleibst und fragst dich, was du im Falle des Falles bräuchtest, um zu überleben. Dann konzentriert man sich darauf: Grabe ich mir ein Loch, pflanze ich selber Gemüse an, um autark zu sein, beuge ich einem Stromausfall vor, etc. Du musst ins aktive Tun kommen und nicht passiv bleiben. Es gilt, den Selbstmotivator zu finden. Dann geht es weiter. Dann ist es egal, was im Außen passiert. Man kann die Angst überwinden, weil man es aus sich selbst heraus tut. Fuck das Außen! Dann geht es dir besser.
Gibt es auch noch klassische Feng-Shui-Tipps für alle? Etwas Generelles wie Zimmervasen aufstellen, Klaviere mit Decken verhängen und nur mit runden Kanten leben?
Nein, das ist Hausfrauen-Fengshui. Oder New Age-Feng Shui. Das hat mit dem alten Feng Shui nichts zu tun. Das ist sehr individuell und das berechne ich mit dem eigenen Chart und berücksichtige die Wohnsituation. Es gibt Dinge, die man tun kann, die stärken nur die Frau oder nur den Mann. Wenn ich zum Beispiel den Mann unterstützen will, der gerade auf Jobsuche ist, macht es keinen Sinn, das Kind zu stärken. Ich stelle gerne Betten um für mehr Erfolg, richte Schreibtische anders aus. Das wirkt sich auf den Schlaf bzw. beruflich aus. Aber jeder braucht etwas anderes, deswegen gibt es hier jetzt keine Allgemeinplätze für jeden. Wäre ja auch komisch. Wenn man essen geht, will ja auch der eine ein Hacksteak und der andere Pommes. Es passt nie für jeden alles.
Eine Ausnahme sind ein, zwei Dinge, die für jeden wichtig sind, wie der aufgeräumte Hauseingang. Das gilt auch für Zimmer: Ein Zuviel von etwas wie Pflanzen, Schuhen, Schränken, Klamotten, die herumliegen, stört. Wenn nur noch ein bestimmtes freies Volumen des Zimmers zur Verfügung steht, verringert das die Menge der Energie. Genauso wie Wohnungen mit sehr kleinen Fenstern, total verwinkelte Wohnungen oder Dachgeschosse mit extremen Schrägen. Die führen zu unstabilen Energieverhältnissen und haben Einfluss auf die Befindlichkeiten der Bewohner.
Extreme Verhältnisse sind immer ein Beispiel für einen starken Ausschlag oder eine Betonung in eine bestimmte Richtung. Daraus entsteht automatisch ein Ungleichgewicht. Beispiel: Wir denken nur an Geld, also gibt es weniger Energie oder ein höheres Risiko für Gesundheit und Partnerschaft.
Grundsätzlich gilt: Klare Strukturen helfen sowie Übersichtlichkeit und eine gute Beobachtung und Selbstreflexion. Im Feng Shui spüren wir Muster auf und analysieren. Die Kunden sagen häufig ähnliche Sätze:
- Ich habe das und das schon so oft probiert, aber es hat nie geklappt.
-Seit ich in dieser Wohnung bin, geht alles bergab.
-Die Leute trauen mir das nicht zu.
-Ich habe immer Probleme mit dem Boss/ den Kollegen!
-Seit ich in dieser Wohnung wohne, bin ich immer krank.
-Nach meiner Trennung bin ich in diese Wohnung gezogen, danach habe ich meinen Job verloren und nun habe ich ein gesundheitliches Problem mit X…
Es stimmt also etwas nicht, das kann man daraus ableiten. Es kann die Energie der Person, der Wohnung oder der Mix sein – etwas blockiert. Durch die Anwendung von Feng Shui kann man diese Themen auflösen. Gutes Feng Shui ist: Das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu machen.
Was tue ich, wenn ich mich verloren fühle in unserer derzeitigen Welt?
Generell gilt: Verliere nie den Kontakt zu dir. Man muss ehrlich zu sich sein, im Positiven. Konzentriere dich nicht auf deine Schwächen, lob dich für deine Talente, bau dich innerlich auf und sag dir: Das kann ich gut! Es geht nicht um Perfektion. Und vor allem auch nicht um Konsum. Wer braucht drei Autos? Darum geht es nicht. Das Außen wird dir immer vormachen, dass du nicht genug hast, aber Fakt ist: 90 % aller Menschen haben all diese Dinge nicht. Und egal, in welcher Stimmung du bist – entdecke deine Qualität. Die Frage ist immer die gleiche: Wo fange ich an? Lös das Problem! Wo bin ich und wo will ich hin? Ich finde es immer interessant, wie Handwerker ihre Buchhaltung gleich mitmachen wollen. Sie sind super Handwerker, aber eben keine Buchhalter. Und dann gehen sie pleite, weil sie ihren Fokus verloren haben. Mach das, was du kannst, und hol dir für alles andere Hilfe. Damit fährst du gut. Den inneren Selbstmotivator finden und loslegen.
Und wenn mir das Außen zu übermächtig erscheint?
Dann geh auf Abstand! Ich bin immer ein Freund davon, Beobachter der Situation zu sein. Nicht bewerten, nicht teilnehmen, einfach nur da sein und angucken. Das tut schon mal gut. Dann hast du auch keine Angst mehr. Wir sind alle ein bisschen eingeschlafen und noch nicht alle aufgewacht. Das Leben ist brutal schwierig, keine Frage, wenn man sehr involviert ist. Aber wenn man sich in die Distanz begibt, sieht man die Dinge klarer. Und man darf sich nicht alles zu Herzen nehmen. Sei ein bisschen wie Teflon. Wenn du in etwas gut bist, kann dir keiner was. Diese Haltung kann man kultivieren. Go for it!
Johannes Maierhofer ist studierte Geologie und Mineralogie. Er hat aber immer gespürt, dass das noch nicht alles ist. Auf einer Messe kam er zufällig mit Feng Shui in Kontakt und warf sein ganzes Berufsleben um. Nach Ausbildung und Seminaren in Malaysia und Miami durch verschiedene Großmeister berät er Kunden in Deutschland, Europa, Asien und Südamerika. Seine Themen erstrecken sich von Problemen in Beruf und Privatleben bis hin zu Hauskauf, Persönlichkeitsentwicklung, Familienplanung oder Geschäftsstrategie.
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