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HONIGFALLE

FILM-KRITIK (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Wir wollen nicht viel Zeit darauf verwenden, zu erläutern, welche geniale, zeitlose und einmalige Filme die Coen-Brothers Joel und Ethan verantwortet haben und wie dankbar ihnen nicht nur Cineasten für diese sein dürfen. Seit geraumer Zeit operieren die beiden nun solo oder eher unabhängig voneinander. Ethan Coen entschied sich dafür, gemeinsam mit seiner Lebens- und Schreib-Partnerin Tricia Cooke eine „Queere B-Movie-Trilogie“ an den Start zu bringen. Den Anfang machte der teils surreale Drive-Away Dolls, auf den nun die inhaltlich unabhängige Film-Noir-Komödie Honey Don't folgt, in der erneut die charismatische Margaret Qualley die Hauptrolle innehat.

Honey (Margaret Qualley) // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.
Honey (Margaret Qualley) // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Qualley verkörpert die selbstbewusst lesbische und stringent feministische Privatdetektivin Honey O’Donahue, die sich primär um gehörnte Partner*innen und Co. kümmert (hier ist Billy Eichner in einer Rolle, die an einen Saturday Night Live-Sketch erinnert, zu sehen). Doch als sie im kalifornischen Bakersfield an einen eher ominös erscheinenden Leichenfundort gerufen wird, nimmt der Ernst des Lebens schnell zu. Zwar soll es so aussehen, als habe es sich um einen Autounfall gehandelt, doch wird selbst dem bräsigen, in Honey verschossenen Sheriff Marty Metakawich (Charlie Day) schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Die Spuren führen fix zum sektenähnlichen Four-Way Temple, der von Reverend Drew Devlin (Chris Evans) mit voller – auch sexueller – Unterwerfung geführt wird.

Hilfe erhält Honey von manch Informant*in, ihrer Assistentin Spider (Gabby Beans) und der mysteriösen und anziehenden Polizistin MG (Aubrey Plaza, wie wir sie kennen) sowie nicht zuletzt dem in derlei Geschichten beliebten Kommissar Zufall. Ein wenig Beef und Verstrickung gibt es noch durch die Familie in Gestalt von Schwester Heidi (Kristen Connolly) und Nichte Corinne (Talia Ryder).

Do they or don't they?! Stricken und Häkeln und Co.: MG (Aubrey Plaza) und Honey (Margaret Qualley) // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.
Do they or don't they?! Stricken und Häkeln und Co.: MG (Aubrey Plaza) und Honey (Margaret Qualley) // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Es tauchen reichlich eigenwillige Nebenfiguren auf, es wird viel geblutet (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), (lesbischer) Sex kommt ähnlich wie Sextoys und ein Jockstrap an Chris Evans nicht zu kurz und wird in einer Bar-Szenerie gar mutig-kreativ umgesetzt. Ein Highlight, dieser Moment. Der Witz sitzt (meist) und eine Honey, die einem abusive MAGA-Boyfriend erst die Fresse und dann das Auto mit einem „Ich habe eine Pussy und ich wähle“-Sticker poliert, bringen befriedigende Freude. Weniger befriedigend läuft dafür die Handlung des Films. Zwar lenken gute Performances, stimmungsvolle Bilder und Einstellungen (Kamera: Ari Wegner; Schnitt: Tricia Cooke) sowie passende Musik von Carter Burwell und diversen Artists solide von der dünnen Story ab, doch das Gefühl, dass diese ganze Nummer recht unrund ausgeht, bleibt.

Spaß an der Karikatur: Chris Evans als Reverend Drew Devlin // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.
Spaß an der Karikatur: Chris Evans als Reverend Drew Devlin // © 2025 FOCUS FEATURES LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

Honey Don't ist eine fabelhaft kurzweilige Nummern-Revue, leider jedoch eher substanzlos (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Zwar gibt es Ansätze wie jene zu (verlorener) Familie, Gewalt in Beziehungen, Klischeebildern von (lesbischen) Frauen, religiöser Indoktrination etc. pp. Doch scheinen Coen und Cooke kein wirkliches Interesse daran zu haben, derlei Ansätze zu vertiefen. Ähnlich wie viele der Interaktionen zwischen den Figuren bleibt das meiste an der coolen Oberfläche. Dass dazu ausgerechnet ein schwuler Tod als geschmacklose Groteske in Form eines Fuck-You-Übergriffiger-Cheater inszeniert ist, wirft zudem die Frage auf, wie sehr Queerness hier nicht einfach nur Spielball für manch ein wütendes Klischee (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder sexuelle Fantasie ist.

https://www.youtube.com/watch?v=0NXplfZYaM4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Dessen unbenommen kann mensch Spaß am Film haben, der eher in den Sommer als in den Herbst passt. Viel hängen bleiben dürfte allerdings nicht, bis auf den Gedanken, dass es eben nur ein halber Coen ist.  

JW

PS: Ab morgen gibt es wieder Tatort! Den Beginn machen die Franken, erstmals ohne Dagmar Manzel. Ob das sehenswert ist, lest ihr am Sonntagmorgen bei uns (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

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HONEY DON'T ist seit dem 11. September 2025 im Kino zu sehen; Laufzeit ca. 90 Minuten; FSK: 16

Sujet Film & Serie

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