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Leserfrage: Haben die USA die iranischen Drohnen unterschätzt?

Kurze Antwort: Sicher nicht.
Die lange Antwort ist viel differenzierter.
Denn das so zu behaupten, ist auch Propaganda.

Die inzwischen recht bekannt gewordene iranische Drohne ist die Shahed 136.
Die ursprüngliche Version war - vereinfacht - schlicht ein größeres Modellflugzeug mit Heckpropeller, der vorne eine Granate dran hat. Und einen GPS-Empfänger, damit es selbstständig sein Ziel findet.

Da diese kleinen Motoren wenig Sprit brauchen, haben sie eine recht große Reichweite. Inzwischen bummelig 2000km. Dabei sind sie aber vergleichsweise langsam. Und wegen des Geräuschs wurden sie schnell als „Luftmofas“ bezeichnet.

Seit 2023 werden sie massiv von Russland in der Ukraine eingesetzt. Das sie inzwischen auch unter dem Namen „Geran 2“ in Lizenz selber produziert. (Titelbild)

Diese Drohnen sind nicht zu verwechseln mit den kleinen, live gesteuerten Drohnen, die in der Ukraine den Panzern das Leben schwer machen. Denn die Shahed werden vorher auf ein Ziel programmiert, sie können also nichts treffen, was sich bewegt.
(Inzwischen gibt es Weiterentwicklungen, aber das ist das Grundprinzip.)

Sie haben vor allem zwei Zwecke.
Zum ersten können sie in Massen eingesetzt werden, weil sie sehr preiswert sind. Daher können sie Immobilien, wie Kasernen oder große Radaranlagen, treffen. Sie können aber auch eingesetzt werden, um die Bevölkerung zu terrorisieren. Was Russland tut.
Zum zweiten können sie eingesetzt werden, um zusammen mit den wichtigen Raketen in einen Luftschlag geschickt zu werden. Der Gedanke ist, die Flugabwehr zu überlasten, damit die nicht mehr weiß, welche der reinkommenden Ziele die großen Raketen sind.

Ich habe zuverlässige Zahlen gelesen, dass der Iran davon 10.000 Stück pro Monat herstellen kann. Denn der hat das Potenzial natürlich erkannt, es ist ein Exportschlager, der dem Staat Geld bringt. Also wurde die Produktion hochgefahren.

Simplifizierungen sind häufig falsch

Am Samstag haben die USA und Israel angefangen, den Iran anzugreifen.
Gegen Abend hat der seinerseits angefangen, seine Drohnen und Raketen auf andere Länder zu feuern. Inzwischen über ein Dutzend.
Die Strategie dahinter ist, den Gegner zu ermüden und die „Kriegslust“ zu untergraben. Dass der Zuspruch für Trump oder für Israel sinken und Länder wie die Vereinigten Emirate oder Katar den Überflug oder die Stationierung untersagen.

Screenshot: Der zivile Flughafen von Dubai wurde durch mindestens eine Drohne getroffen.

Nun gab es während des sog. Zwölf-Tage-Krieges im vergangenen Jahr das Problem, dass in Israel die Flugabwehrraketen knapp wurden. Zumindest wurde das öfter so behauptet oder vorgerechnet, einen zuverlässigen Nachweis dafür habe ich nie gesehen.

Und genau deshalb wird nun von einigen argumentiert, dass sei jetzt genauso. Beispielsweise, dass Katar oder den Emiraten die Raketen für die Patriots ausgehen.
Das ist sicher der Hintergrund für die Frage. Und Grundlage für viele Behauptungen.

Diese Vereinfachung ist aber das, was nach Propaganda schmeckt.
Zum Beispiel wurde ich heute auch gefragt, ob der US-amerikanische Flugzeugträger von Drohnen angegriffen wurde. Zufällig weiß ich aber, dass genau das eine Behauptung des iranischen Staatsfernsehens war. Oder was davon übrig ist. Der Flugzeugträger habe „fliehen“ können.
Ich komme darauf zurück.

Schieße nicht auf die Pfeile, schieße auf den Bogenschützen

Es gibt mehr als nur eine Möglichkeit, sich nicht von einer Drohne treffen zu lassen.
Derzeit wird ein Vergleich herumgereicht, vermutlich angestoßen von Ryan McBeth. Ich habe ihn aber schon vor Jahren gehört:
Schieße nicht auf die Pfeile, schieße auf den Bogenschützen.

Selbstverständlich wissen die USA und Israel, wo diese Drohnen produziert und gelagert werden.
Entworfen werden sie durch das Shahed Aviation Industries Research Center. Gebaut werden sie durch die Iran Aircraft Manufacturing Industrial Company (HESA) mit Hauptsitz bei Isfahan.
Gelagert (und auch produziert) werden sie in unterirdischen Anlagen, größtenteils in der Region Kermanshah.

Die größte Produktionsstätte der Iran Aircraft Manufacturing Industrial Company bei Isfahan.

Einfache Regel ist immer, was ich - oder andere OSINT - wissen, dass wissen die Militärs selber. Und sie haben diese Produktionsstätten teilweise schon im vergangenen Jahr angegriffen und teilweise auch zerstört.

Vor zwei Tagen hat CENTCOM veröffentlicht, dass sie nun, wo sie die Luftüberlegenheit haben, auch diese Produktionsstäten ins Visier nehmen werden.
Während ich das hier schreibe, sind die also vielleicht schon gar nicht mehr da.

Und das rückt die Aussagen zu den iranischen Drohnen dann sicher in ein etwas anderes Licht.

Die Probleme

Ja, alle westlichen Streitkräfte haben derzeit noch Probleme mit diesen Drohnen.
Die sind aber anders, als Viele es sich vermutlich so vorstellen. Alleine schon durch die Tatsache, dass sie bewegliche Ziele nicht oder nur sehr schwer treffen können.

Denn es geht ja nicht nur darum, diese Drohnen in einem großen Angriff erkennen und eine zuverlässige Zielzuweisung machen zu können. Es geht auch darum, dass natürlich tausende von Militärbasen und Waffen überhaupt auf diese neue Bedrohung reagieren müssen. Und so neu ist sie nicht, sie ist jetzt nur preiswerter und hat eine größere Reichweite. Mörser, Granaten und Bomben gab es ja auch davor schon.

Russland hat angefangen, Wellblech an ihre Panzer zu tackern, um von Drohnen abgeworfene Granaten abwehren zu können. (Blyatmobil) Die Ukraine spannt Netze. Das sind alles improvisierte Maßnahmen.
Und so etwas muss jetzt für jede Kaserne, jede Radaranlage, jede Flugabwehrstellung, jeden Hafen und jeden Flugplatz gemacht werden. Und deshalb werden da natürlich geschicktere Lösungen gesucht.

Eine solche Möglichkeit haben wir gerade durch den ersten gefilmten Einsatz des Iron Beam, der israelischen Laser-Waffe gesehen. Und bei der Zielzuweisung wird sicher auch fieberhaft nach Möglichketen gesucht.
Aber das dauert halt.
Die Schlussfolgerung, dass da etwas verpennt wurde, oder dass der Iran dadurch die USA oder Israel existenziell bedrohen könnten, sind doch sehr konstruiert.

Drohnen gegen Schiffe

Fast alle Kriegsschiffe verfügen beispielsweise über Flugabwehrkanonen.
Die sind groß, aber im Verhältnis zu den Schiffen meist doch so klein, dass Laien sie sicher gar nicht bemerken. Oder durch die aufgesetzten Hüllen für irgendwelche weiteren Radars halten.
Die meisten sind aber Gatlings. Das bedeutet, dass sie mehrere Läufe haben, wie Trommelrevolver. Womit sie auf tausende Schuss pro Minute kommen, bis zu hundert Schuss pro Sekunde.

Die sind genau für solche Ziele ausgelegt. Kleine Schiffe, wie Piraten in Schnellbooten, oder eben Flugziele, die sich dem Schiff nähern. Der Schütze steht auch nicht dahinter, sondern sitzt an einer Anlage im inneren des Schiffes. Solche Luftmofas haben dagegen keine Chance.

Eine Phalanx Mk-15 einer Arleigh Burke im Feuer.

Und genau solche Gatlings sind auch auf den Schiffen der Arleigh Burke Klasse, die jeden Flugzeugträger begleiten. Und die auch deshalb als Flugabwehr-Fregatte bezeichnet wird.

Wenn eine Moderatorin im iranischen Fernsehen erzählt, diese Drohnen hätten einen Flugzeugträger in die Flucht geschlagen, erzeugt das nicht einmal mehr ein Augenrollen.
Lächeln und winken Männer, lächeln und winken. Und scrollen.

Amerikanische Shahed

Das ganze bekommt dann auch noch einen zusätzlichen Spin.
Denn die USA haben bereits veröffentlicht, dass sie selber erstmals solche Drohnen einsetzen.

US-amerikansiche LUCAS

Die werden nur LUCAS genannt: Low‑Cost Uncrewed Combat Attack System. (Preiswertes, unbemanntes Kampf Angriffs System)
Die USA haben einfach die Shaheed nachgebaut und verbessert. Hergestellt werden diese Dinger von SpektreWorks.

Die LUCAS haben aber wohl bessere Sensoren, können live gesteuert werden, können als Loitering Munition über dem Ziel kreisen und sind in die Kommunikation eingebunden, damit sie beispielsweise Freund von Feind unterscheiden können.
Das ist auch glaubhaft, da sie eine geringere Reichweite haben. Es ist also vermutlich mehr an Bord.

Und diese Drohnen können auch von den drei Schiffen der Independence Klasse (USS Tulsa, Canberra, Santa Barbara) gestartet werden, die die USA vor der iranischen Haustüre haben.

https://steady.page/de/u-m/posts/946aebf4-8025-419f-b699-12d884f6ee55 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Krieg

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