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#16 | Mai 25: 🚹 Feminismus-Polizei

👋 Hallo ihr Lieben,

💝 FĂŒr jede bezahlte Mitgliedschaft, die im Mai abgeschlossen wird, gibt es eine exklusive Hold-the-Mamas Tote-Bag als Dankeschön.

Muttertag ist Nazidreck. (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) Statt Blumen gibt es dieses Jahr einen feministischen Perspektivwechsel mit dem Happy f*cking Mother’s Day – Das Podcastfestival zum kritischen Muttertag. Ich habe fĂŒnf feministische Podcasts gefragt, sich mit Muttertag, Mutterschaft und Care-Arbeit auseinanderzusetzen, um zu zeigen, wie tief patriarchale Strukturen unser Mutterbild prĂ€gen und soziale Ungerechtigkeit erzeugen.

Nun ist es so weit: 🎉 Happy f*cking Mother’s Day – Das Programm

Alle Infos zum Festival und den teilnehmenden Podcasts gibt 👉 hier (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
Ich freu mich, wenn ihr rein hört und weitersagt.

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Hier sind meine feministischen Watch-Tipps:

01

🚹 Der kleine entscheidende Denkfehler bei Adolescence:

Adolescence ist die meist gestreamte Serie bei Netflix und hat einen öffentlichen Diskurs um toxische MĂ€nnlichkeit angeregt. Die Serie dreht sich um den 13-JĂ€hrigen Jamie, der sich in der Incel-Manosphere radikalisiert und schließlich eine Klassenkameradin brutal ermordet. In den 4 Folgen wird nach einem Motiv, nach Ursachen und nach Schuldigen gesucht.

Nun könnte ich als Feministin eigentlich froh sein, dass das Thema toxische MĂ€nnlichkeit, Menophere, MĂ€nnercoaches und Incels endlich einen breiten Nerv in der Öffentlichkeit trifft, aber bei einer rein-mĂ€nnlichen Produktion und Perspektive werde ich natĂŒrlich skeptisch und deswegen, muss die Feminismus-Polizei einschreiten.

Die Serie macht einen entscheidenden Fehler. Wieder einmal versuchen MĂ€nner zu verstehen, wie MĂ€nner zu TĂ€tern werden und marginalisieren dabei die Perspektive von Betroffenen und verpassen damit die entscheidende Kritik am Patriarchat und Frauenfeindlichkeit.

Am Ende der Serie könnte man glauben, der Jugendliche Jamie wÀre in die FÀnge von bösen Incels und MÀnner-Coaches geraten; er hÀtte die falschen Freunde und war dem schÀdlichen Einfluss von Social Media ausgesetzt. Die TÀter sind ein ums andere Mal die Anderen. Die Begriffe Patriarchat und Misogynie kommen in der Serie nicht vor.

Zu der problematischen Bro-Culture der beiden Serienmacher Stephen Graham und Jack Thorne habe ich einen interessanten Kommentar von Jo LĂŒcke (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) gefunden. Sie weist darauf hin, dass Jamies Vater Eddie sich dominant, teils gewaltvoll und emotional distanziert verhĂ€lt, doch die Serien-Macher-Bros nachweislich gar nicht beabsichtigt haben, Genderstereotype zu kritisieren. Sie haben toxisch mĂ€nnliches Verhalten insofern nicht reflektiert, sondern einfach reproduziert.

Dies wird in einem Interview im Guardian (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) mit dem Showrunner Jack Thorne – so recherchiert Jo LĂŒcke (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) – deutlich.

ZunĂ€chst wussten wir nicht, warum Jamie, der Angreifer, dies getan hatte. Wir wussten, dass er kein Produkt von Missbrauch oder eines elterlichen Traumas war. Aber wir konnten kein Motiv herausfinden. Dann sagte jemand, mit dem ich zusammenarbeite, Mariella Johnson: „Ich denke, ihr solltet euch mit der ‚Incel‘-Kultur beschĂ€ftigen.“

Wenn Menschen nach dieser Serie auf die Idee kommen, dass Social Media Schuld an Femiziden ist und dass wir mehr mĂ€nnliche Vorbilder brauchen, dann hat die Serie am eigentlichen Thema vorbei erzĂ€hlt – nĂ€mlich einer gesellschaftlichen Misogynie innerhalb eines patriarchalen Systems.

Hast du Lust eine Podcastfolge ĂŒber Adolescence zu hören, dann lass es mich gerne wissen. Freu mich ĂŒber eine Mail.

02

🚹 Noch ein Einsatz fĂŒr die Feminismus-Polizei: Ist das progressiv oder frauenfeindlich gemeint?

Douglas is Canceled (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) ist eine Serie auf Arte, die von einer mĂ€nnlichen Perspektive auf #metoo handelt.

Der Nachrichtensprecher Douglas wird nach einem vermeintlich sexistischen Witz auf einer Hochzeit als Sexist auf Twitter out gecalled und gerÀt in einen Shitstorm. Das interessante bei dieser Serie ist aber nicht das Lavieren um die Deutungshoheit von Sexismus, sondern die Inszenierung der Betroffenen.

Douglas’ weiblicher Co-Star Madeline erscheint mir zunĂ€chst als Boss-Bitch, dann als hinterlistig und kalkuliert und schließlich doch als Heldin der Geschichte. Der Regisseur hat Madeline nicht als das „reine, unschuldige“ Opfer von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt dargestellt, sondern als aufgeklĂ€rte, kĂŒhle und regulierte Person. Damit bricht er einerseits mit dem Opfernarrativ – denn wir sind es gewohnt, das Opfer schwach und hilflos zu sehen und nicht als smart und wehrhaft. Andererseits löst die Figur in mir sofort ein Misstrauen aus, weil wir autarke Frauenfiguren oft mit frauenfeindlichen ErzĂ€hlmustern verbinden, wie der Hexe, der Zicke, der Femme fatale.

Die Serie hat mir vor allem meine eigenen, immer noch anhaltenden frauenfeindlichen Denkmuster aufgezeigt. Es kann natĂŒrlich auch sein, dass der Regisseur genau diese eben nicht gar nicht brechen wollte, sondern sie einfach nur bedient hat
 Falls du die Serie guckst, dann schreib mir doch mal, was du davon hĂ€ltst.

03

🚹 Altbekannter Zickenkrieg in: The White Lotus

White Lotus ist eine Serie, die ich wahnsinnig gern gucke. Ich kann so schön runterfahren bei den Beautyshots, der Mode und Luxus-Ausstattung, den BauchnĂ€beln (Mehrzahl von Bauchnabel???) und der Abscheu fĂŒr einfach alle Charaktere.

Der Showrunner Mike White hat ein Rezept gefunden, vermeintlich woke Diskurse wie toxische MĂ€nnlichkeit, Rassismus, und Kapitalismuskritik in eine Crime-Story mit Love-Island-Faktor zu verpacken. Wie dabei feministische Diskurse verdreht, oberflĂ€chlich behandelt und immer wieder in misogyne Tropes bedient werden, darĂŒber haben der MĂ€nnlichkeitsforscher Christoph May (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) und ich bereits eine đŸŽ™ïžPodcastfolge (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)đŸŽ™ïžgemacht.

In der aktuellen Staffel ist mir besonders der Plot um den Ladies-Trip aufgefallen. Im STANDARD (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) wird die Dynamik zwischen den Frauen als toxische Weiblichkeit gedeutet. Als Feminismus-Polizei wĂŒrde ich in diesem Fall sagen: Stop! Die Darstellung der Frauen ist so platt, dass wir eine so komplexe Theorie wie die der toxischen Weiblichkeit gar nicht anwenden können.

Erstmal muss man feststellen, dass Jaclyn, Kate und Laurie keine Freundinnen sind, sondern sie sind Jugendfreundinnen, deren Kontakt eingeschlafen ist. ZusĂ€tzlich bildet sich ein MachtgefĂ€lle, da Jaclyn als berĂŒhmte und erfolgreiche Schauspielerin den Urlaub bezahlt. Die beiden anderen sind also abhĂ€ngig von ihr, was ich mir etwas unangehem vorstelle. Und weil ihre Leben seit vielen Jahren getrennte Wege gehen, haben sie sich auch gar nichts zu sagen und ihre Unterhaltungen bestehen aus Nostalgie und Liebesbekundungen („I’m so happy, we are here together 
 I love you.“). Im weiteren Verlauf wird ĂŒber Lauries Alkoholkonsum, ĂŒber Jaclyns vermeindliche untreue Beziehung und ĂŒber Kates republikanischen Life-Style gelĂ€stert.

Mike White will uns Konkurrenz und Stutenbissigkeit unter Frauen vorfĂŒhren, dabei hat der Kampf um Status nichts mit toxischer Weiblichkeit zu tun, sondern im Gegenteil, es ist ein patriarchaler Kampf. Mike White sitzt wieder seinem eigenen patriarchalen Weltbild auf.

Erstens entspricht die Abwertung von Frauen, die ĂŒbereinander oder hinter dem RĂŒcken anderer reden einer patriarchalen Norm, die wir seit der Zeit der Hexenverfolgung kennen. Es geht darum, weibliches Wissen zu regulieren, Frauen zu isolieren und von mĂ€nnlicher Kontrolle abhĂ€ngig zu machen.
Mal ehrlich: Was ist schon dabei, ĂŒber andere zu reden?

Wie Gossip von einer normalen sozialen Praxis zu einem weiblichen Makel umgedeutet wurde, könnt ihr im 👉 Podcast Feuer & Brot (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) hören.

Zweitens gehört zu einer guten Freund:innenschaft auch ein gewisser Konsens. Es gibt ein gemeinsames Wertesystem, das Vertrauen und VerstĂ€ndnis schafft. Ich könnte zum Beispiel nicht mit einer AfD-WĂ€hlerin befreundet sein. Wenn es also fundamentale Unstimmigkeiten gibt, ist es auch legitim, sich abzugrenzen oder ein Unbehagen zu Ă€ußern. Diesem Unbehagen gehen die Frauen in THE WHITE LOTUS aber nicht nach. Der Konflikt wird totgeschwiegen. Wenn wir hier also von toxischer Weiblichkeit sprechen, dann ist es der harmoniesĂŒchtige Umgang der Figuren mit ihren Konflikten und WidersprĂŒchen. Sie wĂŒnschen sich Verbindung und Ehrlichkeit, aber sie können sich voreinander nicht öffnen und verletzlich zeigen.

Bonustipp

✹ FĂŒr die leichte Berieselung im Feierabend empfehle ich euch Drags of Monnem (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre).

In dieser 5-teiligen Doku-Serie werden diverse Drag-Queens portrĂ€tiert. Die Drags prĂ€sentieren sich auf der TheaterbĂŒhne, arbeiten als Party-Go-Gos oder machen Charity. Ich bin fasziniert von der krassen Tortur, die es bedeutet, in diese KostĂŒme zu schlĂŒpfen und darin zu performen. Und obwohl auch Gewalterfahrungen und Queerfendlichkeit flankiert werden, ist es einfach inspirierend und hoffnungsvoll zu sehen, wie gut gelaunt, kreativ und selbstbewusst diese Drags durchs Leben gehen.

Bleibt unbequem. Eure Susi!

🎧 Die nĂ€chste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 08.05.25 | 47. đŸ’đŸ‘©â€đŸŒ Happy f*cking Mother’s Day | Care-Arbeit & die AutonomielĂŒge – Mit Anne Waak

📱 Schreib mir gern an: verbittert-mail@web.de (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

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