
đ Hallo ihr Lieben,
Nicht mehr lange und es erscheint die 50. Folge Verbittert Talentlos. đ Ein Riesen-Meilenstein fĂŒr mich und weil bestĂ€ndig neue Hörer:innen dazu kommen, habe ich alle Folgen nach thematischen Playlists in Spotify sortiert . Ein kleiner Service zum orientieren, weiterleiten und empfehlen
đ Ab sofort: Wut & Widerstand (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)/ Care-Arbeit & Mutterschaft (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)/ Popkultur & Patriarchat (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)/ Toxische MĂ€nnlichkeit (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Ansonsten arbeite ich gerad an einer Folge ĂŒber die globale Megaseller-Drachreiter-Buchreihe von Rebecca Yarros. Eine Freundin hatte mir davon erzĂ€hlt und fĂ€hrt voll drauf ab. Ich frag mich, warum trifft Romantasy aktuell so einen Nerv? LĂ€sst sich das feministisch lesen und wie werden hier Gender dargestellt? Und werden eigentlich nur juicy Romane als Smud bezeichnet, wenn sie von Autorinnen geschrieben wurden?

Die Folge kommt im Herbst, du kannst also noch auf den Zug aufspringen und dir die kanpp 800 Seiten Fourth Wing mit den Urlaub nehmen. đ§
đą Hast du schon was von dem PhĂ€nomen mitbekommen oder liest du selbst begeistert oder kritisch die Drachenreiterreihe? Was erwartest du von der Dragon-Smud-Folge im Verbittert Podcast? Schreib mir gern an: verbittert-mail@web.de (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)
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Hier sind meine FLINTA-Highlights des Monats:

Wenn dir die đïž Folge ĂŒber Postfeminimus (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) gefallen hat, dann wird dich auch dieses Buch interessieren.
In Girl vs. Girl geht die Autorin Sophie Gilbert chronologisch und sehr detailliert durch die popkulturellen Meilensteine von den 90ern bis heute. Anhand medialer Frauenbilder â etwa in American Pie, The Simple Life oder Popstars â zeigt sie, was sich in unsere Teenagerseelen eingeschrieben hat, woran wir uns orientiert haben und wie internalisierte Misogynie in uns eingesickert ist.
Wie so oft Ă€rgere ich mich, dass ich dieses Buch erst nach meiner Folge gelesen habe, weil der Aspekt der Sexualisierung von âGirlsâ nicht nur problematische Schönheitsideale produziert und den Fokus auf mĂ€nnliches Begehren richtet, sondern â wie Sophie Gilbert schreibt â auch die âKultur des Begehrens beeinflusstâ . (S.192)
Der englische Originaltitel des Buches lautet Girl on Girl â ein kaum merkbarer, aber bedeutungsvoller Unterschied. Denn dieser Ausdruck heiĂt nicht nur âMĂ€dchen gegen MĂ€dchenâ, sondern ist auch eine gĂ€ngige Pornokategorie. Gilbert untersucht in ihrem Buch, wie sich Pornografie und Mainstream wechselseitig beeinflussen. Wenn Blockbuster wie Hostel (2005) plötzlich Splatter, Horror und Erotik verbinden, mĂŒssen sich Pornos davon abgrenzen â indem sie noch extremer in der Verbindung von Gewalt und Sex werden, was sich dann wiederrum normalisiert und in der Popkultur Ă€sthetisiert wird, wie aktuell auch an dem Albumcover von Sabrina Carpenter (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) zu sehen.
Dass DemĂŒtigung, Dominanz und Gewalt gegenĂŒber Frauen mit Sex und Begehren verknĂŒpft wird, ist doch kein Kink. Wir sehen das ĂŒberall und stĂ€ndig. FĂŒr Frauen entsteht daraus ein Widerspruch: begehrlich zu sein, indem sie sich unterordnen, jedoch ohne dabei als Schlampe stigmatisiert zu werden. Die Ăsthetik der UnterwĂŒrfigkeit (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) folgt immer einer mĂ€nnlich geprĂ€gten Bild- und Kulturtradition.
Zum Thema Empowerment weiblicher SexualitĂ€t und die gleichzeitige Objektifizierung, Slutshaming und Sexismus der Postfeminismus-Ăra kann ich dir diesen tollen Artikel in der ZEIT empfeheln đ

Die HBO-Serie I May Destroy You ist schon fĂŒnf Jahre alt. Ich habe unzĂ€hlige Empfehlungen bekommen, aber mich lange nicht herangetraut â weil es ein Schwarzes, queeres Vergewaltigungsdrama ist. Das klingt erst einmal nach schwerer Kost. Aber: Ich habe diese Serie geliebt â und zwar wegen ihrer Protagonistin Arabella.
Mit ihren Tweets ĂŒber Chronicles of a Fed-Up Millennial hat es Arabella geschafft, bei einem Verlag unter Vertrag zu kommen und gilt als Stimme ihrer Generation. Arabella ist ein Party-Girl, sie nimmt zu viele Drogen, ist verliebt, lustvoll, kreativ, mutig, stark, unbequem â manchmal selbstzerstörerisch. Manchmal hasst man sie. Manchmal versteht man ihre Entscheidungen nicht. Und manchmal möchte man so sein wie sie.
Ich finde es groĂartig, Figuren zu sehen, die inspirierend sind und trotzdem Makel haben â keine perfekten Heldinnen, sondern komplizierte, vielschichtige, ambivalente Charaktere.
Was ich auĂerdem sehr geliebt habe an der Serie, ist der Wechsel zwischen lapidaren Alltagsdialogen und der literarischen Sprache, die Arabella als Autorin mitbringt.
So gibt es zum Beispiel diesen unglaublichen klugen Monolog (Episode 08) ĂŒber den schmalen Grat der Ăbergriffigkeit (đ @youtube) (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre):
âBob denkt, das ist alles ein bisschen ĂŒbertrieben, diese ganze Geschichte mit der Zustimmung geht zu weit. Und er ist von seiner Meinung ĂŒberzeugt, weil er glaubt, er habe die Grenzen, ĂŒber die Frauen reden, genau erkundet. Bob hat â auf seiner persönlichen Reise durch Grenzen und Körper â die Linie gefunden, die ihn trennt von allem anderen. Er hat sich die Linie genau angeschaut und geht auf Zehenspitzen auf ihr, und Bob hat herausgefunden, genau am Rand zu stehen, genau auf der Linie: weder hier noch dort, weder das eine noch das andere, und dort â in diesem grauen Raum, wo nichts ganz eindeutig ist â kann niemand wirklich Klarheit haben. An diesem schmalen Grat, wo Regeln, Klarheit und Gesetze verschwimmen wird er uns ganz genau erklĂ€ren, was er meint mit: Ăbergriff.â
Sorry fĂŒr die mittelmĂ€Ăige Ăbersetzung. Du kannst den Originaltext đ hier (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) lesen.

Bei @avelynschiebtfilme (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) bin ich auf eine Rezension des Netflix-Films Straw gestoĂen.
Straw ist wie eine intersektional-feministische Antwort auf Falling Down â Ein ganz normaler Tag von 1993, in dem Michael Douglas einen geschiedenen, plötzlich arbeitslosen Gutmenschen spielt, der durch eine Verkettung ungĂŒnstiger Ereignisse den schlimmsten Tag seinen Lebens durchlebt und schlieĂlich zum AmoklĂ€ufer wird.
In beiden Filmen sind die Hauptfiguren einsam, sie verlieren die ihren Job, in beiden Filmen laufen sie Amok und doch wirkt Falling Down zynisch, wenn man den Alptraum der alleinerziehenden Mutter Janiya miterlebt, die von Armut, Rassissmus und Sexismus betroffen ist, und der vom System quasi die Luft abgeschnĂŒrt wird. Das Spiel ist so intensiv und körperlich, dass wir tatsĂ€chlich das GefĂŒhl bekommen, die Protagonistin wĂŒrde verzweifelt versuchen, durch einen Strohalm zu atmen. @avelynschiebtfilme (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) sagt dazu:
âDie tragischen Ereignisse in diesem Film sind sehr ĂŒbertrieben, doch das Reale liegt nicht in der Handlung, sondern in der GefĂŒhlswelt, in die wir hineingezogen werden.â
Die verschiedenen Formen der Diskriminierung, die wir in diesem Film sehen, sind leider fĂŒr viele Menschen keine Fiktion, sondern gehören zu ihrer LebensrealitĂ€t und sie sind Teil des Patriarchats.
WĂ€hrend Falling Down fragile MĂ€nnlichkeit als Ausnahmezustand inszeniert und in eine bĂŒrgerliche Gewaltfantasie ĂŒbersetzt, verweist Straw auf einen strukturellen Erstickungsmechanismus des Patriarchats, der besonders FLINTA of Color betrifft.
Bleibt unbequem. Eure Susi!
đ§ Die nĂ€chste Folge von VERBITTERT TALENTLOS erscheint am Do 10.07.25 | 49. GebĂ€ren im GefĂ€ngnis â was der Film VENA ĂŒber Misogynie erzĂ€hlt