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Die Stimme in meinem Kopf hat mich verarscht!

Die Wahrheit über den inneren Kritiker

Ihr kennt bestimmt die Stimme in euch, die sagt:

„Das hat nicht gereicht“

„Das musst du besser können“

Oder sogar

„Du bist nicht genug!“

 

Diese Stimme hat viele Namen

Am häufigsten heißt sie der Innere Kritiker

Manchmal der innere Wächter

Nach Freud ist es das Über-Ich

 

In gesundem Maße ist das die Stimme,

die uns motiviert, weiterzumachen

nicht stehenzubleiben

Uns zu entwickeln

Also erstmal was Gutes

 

Aber bei vielen von uns ist das Ding komplett am Durchdrehen

Schreit uns die ganze Zeit nur an,

dass wir besser sein sollten,

nicht so faul,

nicht so laut,

nicht so dumm,

nicht so langweilig

 

Doch jetzt ist mir etwas Neues aufgefallen…

 

Hat euer innerer Kritiker ein Gesicht?

Eine Form? Eine Erscheinung?

Mein innerer Kritiker war lange eine idealisierte Form von mir selbst

Ein SUPER-Jan

Ein unnachgiebiger Drill-Sergeant,

der nur Interesse hat,

das Maximum aus meinem Potenzial herauszuholen

 

Er ist streng und gnadenlos

Häufig unfair und vor allem beleidigend und grausam

ABER er ist kompetent!

Er WEISS wie man mich zum Erfolg führt

Nur eben um jeden Preis

 

Und jetzt habe ich gemerkt

Selbst das ist Bullshit

Ich wusste zwar, dass der innere Kritiker die Stimme der Eltern verinnerlicht,

aber es war trotzdem immer ICH, der nur ihre Sätze wiederholt hat

 

Doch jetzt hatte ich in den letzten Tagen einen Erkenntnisdurchbruch

Ich schreibe gerade an der Überarbeitung von „Im Fluss der Zeit“ und erstelle hierfür mein Pantheon

Und in Verbindung mit meiner Trauma-Arbeit habe ich jetzt nach dem Schema „Internal Family Systems“ mal versucht, meinen verschiedenen Rollen die Götter meines Pantheons zuzuordnen

Und dabei ist eine Position freigeblieben: Der innere Kritiker

Wer von meinen Göttern entspricht denn am ehesten meinem inneren Kritiker?

Und dabei habe ich gemerkt, ich habe zwölf Götter

Manche mag ich mehr

Manche mag ich weniger

Aber einen habe ich fast komplett ignoriert

 

Ga’ung

Die Richterin

Das Urteil

Ga’ung ist angelehnt an Kreia aus Knights of the Old Republic

Sie hat nur das Beste für den Spieler im Sinn

Aber sie ist streng und gnadenlos und tut alles, um das Potenzial herauszukitzeln

Und dann ist mir aufgefallen, wie viele Parallelen sie mit meinen Eltern hat

 

Und auf einmal habe ich mir vorgestellt,

mein innerer Kritiker hat tatsächlich die Gestalt meiner Eltern

Und dabei sind mir zwei Dinge erschreckend bewusst geworden

 

Erstens, ja, sie wollen eigentlich nur das Beste für mich

Sie tun es aus Liebe

ABER zweitens

Sie haben keine Ahnung, was das Beste für mich ist

 

Ich hatte lange diese Vorstellung,

Nicht auf den inneren Kritiker zu hören, ist zwar Selbstfürsorge,

aber dabei verrate ich auch mein Potenzial

Und das hat es so schwer gemacht

Jetzt merke ich, dass diese Stimme eventuell nicht mal weiß, wie man sein Potenzial entfaltet

 

Würde ich der Stimme folgen, wäre ich zwar kaputt

Aber ich wäre zumindest erfolgreich

Und jetzt merke ich… vermutlich nicht mal das

 

Und jetzt muss ich mich fragen

Wie ich damit umgehe,

dass ich mich 30 Jahre für einen inneren Chef kaputtgearbeitet habe

Der dann am Ende aber die Firma in die Insolvenz bringt…

So dass der ganze Einsatz für die Firma

Schlimmstenfalls am Ende nicht nur selbstzerstörerisch war

Sondern umsonst…

 

 

Wie immer in meinen Beiträgen fokussiere ich auch hier einen ganz bestimmten Aspekt,

nämlich das Thema, dass der innere Kritiker es vielleicht gar nicht besser weiß.

Dass es keine höhere Instanz ist, die alles verstanden hat

und einfach nur streng und grausam ist.

Sondern dass auch der Kritiker eine Vorstellung von der Welt haben kann,

die falsch ist.

 

Natürlich hat mich mein Kritiker sehr weit gebracht.

Ich hatte sehr viel Erfolg damit.

Aber ich hatte auch sehr viel Misserfolg.

 

Zu versuchen, immer der Beste zu sein,

immer Leistung zu bringen,

hat mich auch an vielen Stellen unbeliebt gemacht,

meine Authentizität gekostet

und mir so Türen verschlossen,

die „weniger erfolgreichen“ Menschen offen gestanden hätten.

 

Für mich war diese Erkenntnis jetzt extrem wichtig,

weil es leichter ist,

der inneren Stimme zu sagen

„Ich mach das jetzt trotzdem anders“,

wenn man dabei sagen kann,

„vielleicht weißt du nämlich gar nicht, was ich eigentlich brauche.“

 

Danke für eure Aufmerksamkeit