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“Rechte Selbstdisziplin” statt sinnlosem Sport treiben

[03 | 05 | 2026]

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Dafür ist das Thema umso spannender - wie wir finden!

Vorab aber noch ein Hör-Hinweis: Der Übermedienpodcast “Nice & Nötig”, in dem wir bereits zu Gast sein durften (Folge 1 gibts hier) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geht in die zweite Staffel.

Auch die startet mit dem Thema Rechtsextremismus, diesmal mit der Journalistin: Angelique Geray. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Sie hat sich undercover in rechtsextreme Jugendgruppen eingeschlichen und war bei Treffen, Konzerten und Seminaren dabei. Nice & Nötig versucht immer einen konstruktiven Blick auf schwerwiegende Themen, die Gastgeberin Annika Schneider beackert, zu werfen - eine Perspektive, die uns allen vielleicht manchmal fehlt. Hör doch mal rein!

Nun wünschen wir dir einen schönen Sonntag!

Alles Liebe & bleib achtsam!

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Um was gehts?

 Ich kann das Stadtbild nicht verbessern, also looksmaxxe ich. Ich kann den Migrant nicht abschieben, aber ich kann zumindest auf der Hantelbank mein Körpergewicht drücken.” [1]

Das sagt Martin Sellner über die, wie er sie nennt, “liberale Selbstoptimierung“. Dazu zählt er auch das Hype-Thema Looksmaxxing - ein extremer Schönheitstrend, bei dem manche Männer unter anderem durch Crystal-Meth-Diäten und Knochenbrüche versuchen, hypermännlich zu wirken. (Anja Rützel hat dazu einen interessanten Text geschrieben) (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Sellner versteht darunter nicht mehr als eine egoistische Flucht ins Unpolitische.

Und das macht Looksmaxxer, auch wenn sie zum Teil aus dem rechten Lager stammen oder dessen Ansichten teilen, unbrauchbar für die extreme Rechte.

Deshalb stellt Sellner der liberalen Selbstoptimierung ein eigenes Konzept entgegen: die “rechte Selbstdisziplin”. Was das sein soll, darum geht es heute.

Schnellroda: Selbstoptimierung als Kaderschulung

Auf der vergangenen Winterakademie in Schnellroda hat der rechtsextreme Identitäre Martin Sellner einen Vortrag gehalten. Titel: “Rechte Selbstoptimierung ist Selbstdisziplin”. [2]

Zur Einordnung: Die Akademien im sachsen-anhaltinischen Schnellroda finden regelmäßig statt und sind Kaderschmiede und Schulungsveranstaltung in einem. Sie sind von und für extrem Rechte. Ausgerichtet werden sie vom neurechten Vorfeld-Aktivisten Götz Kubitschek. Die vergangene Winterakademie fand vom 23. bis 25. Januar statt - es gab laut Kubitschek Platz für 130 Hörer:innen. Neben Sellners rechter Selbstdisziplin gab es beispielsweise auch Beiträge zur Lebensreformbewegung oder zur Frage, wie man eine Partei optimiert. Außerdem gingen einige aus der Gruppe - laut Kubitschek in “Sezession” - gemeinsam Eisbaden. [3]

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Die immer gleichen Verfallsdiagnosen

Sellner spricht in seinem Vortrag lange über die liberale Selbstoptimierung. Er nennt sie so, weil sie “untrennbar mit dem Neoliberalismus verbunden” sei und “grenzenlose Steigerung” zum Ziel habe.

Sellner vergleicht das mit dem Mythos des Sisyphos - der “Höllenvorstellung der antiken Griechen”, weil sie “ständiger Arbeit ohne Sinn” gleichkomme. Sisyphos wurde von den Göttern bestraft, er musste einen Felsen tagein und tagaus einen Berg hinaufrollen. Kurz vor dem Gipfel rollte der Stein wieder hinab und Sisyphos musste von vorne beginnen.

Der III. Weg postet auf Telegram regelmäßig von Treffen, auf denen Kampfsport trainiert wird. Denn "ohne Kampf [...] gibt es keine Veränderung".
Der III. Weg postet auf Telegram regelmäßig von Treffen, auf denen Kampfsport trainiert wird. Denn "ohne Kampf [...] gibt es keine Veränderung".

Liberale Selbstoptimierer:innen würden sich Sellner zufolge nicht nur freiwillig in diese Hölle begeben, sondern sich sogar darüber freuen, wenn sie ihren Felsen jeden Tag ein bisschen schneller hinaufwuchten würden - dank Optimierung und Effizienz.

Sellner zufolge führt dieses Denken zu maximaler Produktivität und einer entfesselten Marktwirtschaft - und genau deshalb sei es gewollt. Weil davon aber auch die Freizeit betroffen sei, gebe es keine Erholung mehr, keine Entspannung, keine Zeit der Muße - stattdessen nur noch “chronische Müdigkeit”.

Die liberale Selbstoptimierung wirke deshalb laut Sellner wie ein “innerer Aufseher”, der die Gesellschaft reguliere und entpolitisiere, weil sich alles nur noch um den eigenen, inneren Kampf gegen sich selbst drehe und weil die Menschen aufgrund ihrer Erschöpfung keine Kraft mehr hätten, “das System” infrage zu stellen.

Bis hierhin steht der Vortrag von Sellner in extrem rechter Tradition, einen Verfall der Gegenwart zu beschreiben. Der Soziologe Felix Schilk hat das einmal so eingeordnet:

“Seit der Französischen Revolution finden sich immer wieder die gleichen Verfallsdiagnosen mit den gleichen Beschreibungen, den gleichen Semantiken und den gleichen Lösungsangeboten. An dieser Redundanz wird schon deutlich, dass das vor allem eine Projektion ist. Die Krisendiagnose steht im Grunde schon fest und ist tief im rechten Kanon verankert. Dann schaut man in die Gesellschaft, sucht sich sehr selektiv Phänomene heraus, die diese Beschreibung stützen, und packt wieder einmal das Label Dekadenz darauf.” [4]

Und genau das macht Sellner. Er beschreibt die liberale Selbstoptimierung als “Flucht- und Dekadenzphänomen” einer jungen Generation, die “nicht wirklich von existenziellen Nöten” umgeben ist. Dass diese Diagnose mindestens fragwürdig ist, zeigen Ergebnisse von Jugendstudien: Sehr viele teilen die Angst vor Krieg, Inflation und Armut [5]. Also durchaus existenzielle Sorgen.

Dekadenz wiederum ist eine extrem rechte Chiffre für eine angeblich linke, oft städtische Gesellschaft, die schwach und undiszipliniert ist und sich dem Hedonismus hingibt (hier haben wir schon einmal darüber geschrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)).

Dekadente Gesellschaften sind im Untergang begriffen. Dekadenz dient der extremen Rechten als Begründung dafür, das System und die darin bestehende Gesellschaft überwinden zu wollen.

Und auch das geht in Sellners Vortrag auf. Er erklärt, dass liberale Selbstoptimierung in den “totalen Hedonismus” führe, weil sie zwar kurzzeitig mit Disziplinierung einhergehe, mit Training und Härte gegen sich selbst, um sich zu looksmaxxen, um mehr Tinderlikes und Cryptomillionen zu scheffeln – all das sei aber nur dazu da, um später “noch mehr Spaß, Freizeit, Belohnung, Hedonismus” zu haben. Dieser Hedonismus ist für Sellner unpolitisch, weil es nur um persönlichen Erfolg geht und nicht um eine übergeordnete Idee.

👉Auch wenn Sellners Diagnosen schablonenhaft sind, macht sie das nicht weniger gefährlich. Denn was die extreme Rechte kann: Sie sieht und versteht, dass es vielen Menschen, vor allem jungen Männern, nicht gut geht, dass sie ausgebrannt und ziellos sind, dass Einsamkeit ein verbreitetes Problem ist. Und das adressiert sie und bietet eine Lösung an: die rechte Selbstdisziplin.

Die Rechercheplattform zur Identitären Bewegung hat mehrere Bilder von Kampfsporttreffen der Generation Deutschland gesammelt und in einem Thread auf X veröffentlicht.
Die Rechercheplattform zur Identitären Bewegung hat mehrere Bilder von Kampfsporttreffen der Generation Deutschland gesammelt und in einem Thread auf X veröffentlicht.

Der Körper wird von der Privatsache zum politischen Auftrag

Wichtig ist: Sellner lehnt Selbstoptimierung nicht ab. Er lehnt nur ab, dass sie privat bleibt. Der Körper soll nicht für Tinder, Karriere oder Ego trainiert werden, sondern für die extrem rechte Bewegung. Der gestärkte Wille und die freigesetzte Energie sollen nicht dem eigenen Aufstieg dienen, sondern dem extrem rechten politischen Auftrag.

Letztlich wird bei Sellner aus “werde besser” ein “werde verwendbar”.

Genau deshalb interessiert ihn ein bestimmtes digitales Milieu, das längst Elemente rechter Selbstdisziplin aufgenommen habe: Dort sieht Sellner vor allem zwei Dinge: Härte gegen sich selbst und andere - und die Ablehnung von Gleichheit, verbunden mit der Verachtung von Faulheit.

Das zeigt sich laut Sellner in Content über Krafttraining und Eisbäder, Vitalismus, Rohmilch, Sonnenbaden, Paleoernährung und Ästhetik. Er beschreibt diese Bildwelt als “ein schier endloser digitaler Reigen an Bildern von alten Gebäuden, jungen Frauen, rohem Fleisch, uniformierten Soldaten, Extremsportlern, teuren Limousinen, erfolgreichen Geschäftsleuten und Waffen”. Für ihn gehört das untrennbar zusammen mit “verpönten Runen”, “gebrandmarkten Begriffen”, “tabuisierter Ästhetik” und der Kritik an “weißem Selbsthass”, “Ersetzungsmigration” und Feminismus.

Sellner nennt dafür als Bezugspunkt Costin Alamariu, ein US-Influencer und Autor, der unter dem Namen “Bronze Age Pervert“ in rechten Online-Milieus großen Einfluss hat. The Atlantic beschreibt Alamarius Weltbild unter anderem so: eine “Herrschaft der Starken und Edlen” über die “Schwachen und Hässlichen” sei der “natürliche und erstrebenswerte Zustand des Lebens”. Amerikanische Städte seien “Dreckslöcher” und würden von Jüdinnen, Juden und Schwarzen regiert und der moderne Staat würde die “Geisteskranken und Abnormalen” auf Kosten der “Starken” fördern [6].

Vieles davon spiegelt sich auch in Sellners Konzept rechter Selbstdisziplin. Er versteht sie “Gegenkultur”. Diese Gegenkultur sei “eminent politisch” - also durch und durch politisch - und mit der extrem rechten Bewegung verbunden. Welches Ziel diese Bewegung hat, spricht er offen aus:

“Sie ist kämpferisch, sie will keine Anpassung, sondern eine Überwindung des Systems.” Die Stoßrichtung sei: gegen die moderne Welt.

Mit “System” meint Sellner nicht nur eine Regierung, eine Partei oder einzelne politische Entscheidungen. Im Kontext seines Vortrags meint er die liberale, pluralistische Ordnung selbst: Gleichheit, Feminismus, Migration, Universalismus, individuelle Selbstbestimmung, demokratische Aushandlung.

Das gehe nur - und das ist der zweite wichtige Aspekt für Sellner -mit einer Gemeinschaft. Es gehe in der rechten Selbstdisziplin nicht nur um persönliche Verbesserung, sondern darum, gemeinsam voranzukommen.

"Sport ist Dienst am Vaterland" - damit wirbt der III. Weg auf Telegram.
"Sport ist Dienst am Vaterland" - damit wirbt der III. Weg auf Telegram.

Während liberale Selbstoptimierer einer selbstzentrierten Maxime folgen: “Wer scheitert, ist selbst schuld”, findet in Sellners angeblich disziplinierten Bewegung Zugehörigkeit und Identität: “Wir haben eine Verantwortung für die Gemeinschaft.”

Genau hier wird Sellners Angebot attraktiv: Er verspricht jungen Männern nicht nur Härte, sondern auch Zugehörigkeit. Was sozialer klingt als die kalte Logik der liberalen Selbstoptimierung, ist es in Wahrheit nicht:

Das Ziel ist keine Gemeinschaft aller Menschen, die hier leben. Zugehörigkeit ist vielmehr an Erblinie, Volk und politische Nützlichkeit gebunden.

Es geht also nicht um Gleichheit. Und das drückt Sellner auch unverhohlen aus: linke Versprechen, wie sie “Gleichheitsfanatiker und Marxisten” gerne geben, würden “mit ihrer absoluten Hässlichkeit die hässliche Ideologie” der Gleichheit vorantreiben. Sie würden statt Härte und Disziplin ein Recht auf Faulheit und Leistungsverweigerung, auf Safe Spaces gegen harten Überlebenskampf fordern, weil sie Selbstfürsorge predigen und Burn-out mit Achtsamkeit und Yoga kurieren wollen würden.

Ehre, Aura, Erblinie: Die Werte rechter Selbstdisziplin

Was die rechte Selbstdisziplin außerdem von Looksmaxxern und anderen Selbstoptimierern abgrenzt: Werte. Werte, die man nicht “maxxen” könne, wie Ehre, Edelmut, Charakter und Aufrichtigkeit.

Natürlich sei auch Training wichtig, aber es gehe nicht um “ziellose Askese” und “blinden Vitalismus” – jeder Schritt in der rechten Selbstdisziplin müsse an Traditionen rückgebunden und auf ein klares Ziel ausgerichtet sein. Leistung, Erfolg und Stil stellten sich dann angeblich als Nebeneffekt ein.

Und Aura.

Die betont Sellner besonders, weil sie für ein weiteres Lockangebot der extremen Rechten steht: Erfolg bei Frauen. Auch den verspricht Sellner in seinem Vortrag und ergänzt damit sozusagen Maximilian Krahs millionenfach geklicktes Tiktok (“Echte Männer sind rechts. Dann klappt’s auch mit der Freundin.” [7]) mit systemfeindlichen Aspekten. Sellner sagt:

“Stellt euch dem System entgegen, stellt euch der Antifa auf der Straße entgegen, lebt abenteuerlich und gefährlich, sprecht Dinge an, die ihr nicht ansprechen sollt, geht an Orte, an denen ihr nicht sein sollt, geht an eure Grenzen. Das gibt Aura. Dann klappt’s auch mit den Frauen.”

Frauen erscheinen hier nicht als politische Subjekte. Sie werden zum Beweisstück männlicher Bewährung: Wenn der extrem rechte Mann gefährlich lebt, soll sich das auch sexuell auszahlen. Diese Logik ist anschlussfähig und Teil des extrem rechten Angebots.

Die zentralen Werte für Sellner aber sind der Einsatz für ein Ideal und die Verpflichtung gegenüber dem Staat. Sie sind das “Wozu”, das den Kampf gegen Faulheit und Schmerzen gewinnen lasse:

“Werden Sie zum Besten ihrer eigenen Erblinie. Werden Sie zum besten und stärksten Vertreter ihrer Familientradition, übertreffen Sie ihre bisherigen Vorfahren - nicht aus Egoismus, sondern um Ihre Vorfahren stolz zu machen. Um Ihre Kinder, ihre Erblinie, stolz zu machen. Und, um Ihr Volk stolz und wieder stark zu machen. Festigen Sie diesen Gedanken, um sich zu disziplinieren.”

👉 Das Wort Erblinie ist entscheidend. Es geht nicht darum, ein besserer Mensch zu werden. Es geht darum, sich als Glied einer Abstammungskette zu verstehen. Vergangenheit, Körper und Volk werden verknüpft. Selbstdisziplin erscheint als völkische Pflicht: Der Einzelne soll sich nicht frei entwerfen, sondern eine angebliche Linie fortsetzen, stärken und verteidigen.

Die Identitäre Bewegung hat Bilder von ihrem letzten "Bundeslager" veröffentlicht. Darauf: Männer, die um ein Lagerfeuer sitzen, sich Vorträge von Martin Sellner anhören und danach gegeneinander boxen. Das bedeutet: Gemeinschaft, Ideologie, Kampfsport.
Die Identitäre Bewegung hat Bilder von ihrem letzten "Bundeslager" veröffentlicht. Darauf: Männer, die um ein Lagerfeuer sitzen, sich Vorträge von Martin Sellner anhören und danach gegeneinander boxen. Das bedeutet: Gemeinschaft, Ideologie, Kampfsport.

Disziplin als völkische Pflicht und Vorbereitung auf Kampfbereitschaft

Das ist der Kern: Disziplin versteht Sellner als politisches Projekt, als völkische Pflicht, mit der auch Kampfbereitschaft einhergeht. Ziel ist, dass immer mehr Menschen brauchbar für die extrem rechte Bewegung werden.

Und das zeigt sich in zahlreichen Beiträgen der extremen Rechten. Auf Telegram hat die Identitäre Bewegung Deutschland Bilder ihres letzten “Bundeslagers“ veröffentlicht, wo auch Sellner einen Vortrag gehalten hat. Eine Woche Ausdauer-, Kraft- und Kampfsport, Theorie und Disziplin: “40 Mann die sich gegenseitig zu Höchstleistung anspornen.” [8]

Der III. Weg postete kürzlich diesen Text zu einem Foto, das zwei Männer beim Kampftraining zeigt: “Allein angesichts der körperlichen und geistigen Verfettung weiter Teile unseres Volkes, dem unser Erhaltungs- und Lebenskampf gilt, ist jede Minute einer uns alles abverlangenden sportlichen Betätigung ein revolutionärer Akt!”

Und die Rechercheplattform zur Identitären Bewegung hat mehrere Bilder von Kampftrainings der Generation Deutschland veröffentlicht [9]. Dazu heißt es:

“Kampfsport nimmt als Vorbereitung für den Straßenkampf eine zentrale Rolle im Rechtsextremismus ein. Verbunden mit Kampfbegriffen wie Remigration oder Reconquista wird hier ein gewaltvoller Raumkampf vorbereitet.”

Dialog

Aussage:

“Ich finde, Martin Sellner hat da schon einen Punkt: Dieses ganze Looksmaxxing und Selbstoptimieren ist doch total leer. Jeder arbeitet nur noch an sich selbst, am Körper, am Status, am Erfolg bei Frauen. Aber wofür eigentlich? Rechte Selbstdisziplin gibt dem Ganzen wenigstens wieder Sinn: Man trainiert nicht nur für sich, sondern für Gemeinschaft, Herkunft und eine größere Aufgabe.“

Gegenrede:

“Dass Selbstoptimierungsdruck viele Menschen erschöpft, stimmt. Aber Sellners Antwort ist gefährlich. Er ersetzt den Leistungsdruck des Marktes nicht durch Freiheit oder Solidarität, sondern durch politischen Gehorsam. Der Körper soll nicht mehr dir gehören, sondern einer völkischen Bewegung nützen. Das ist keine Befreiung aus der Selbstoptimierung, sondern ihre autoritäre Radikalisierung.“

Aussage:

“Aber viele junge Männer fühlen sich doch gerade deshalb angesprochen: Sie sind einsam, orientierungslos und haben das Gefühl, dass ihnen niemand mehr sagt, wofür sie stark sein sollen. Rechte Selbstdisziplin gibt ihnen Halt, Werte, Gemeinschaft und ein Ziel. Das ist doch besser als Zynismus, Konsum und dauerndes Sich-selbst-Bemitleiden.“

Gegenrede:

“Das Angebot wirkt nur auf den ersten Blick sozial. Tatsächlich ist diese Gemeinschaft exklusiv: Sie gilt nicht allen, sondern nur denen, die in ein rechtes Ideal von Volk, Härte, Männlichkeit und Nützlichkeit passen. Demokratisch wäre, jungen Männern echte Zugehörigkeit, politische Teilhabe und Unterstützung anzubieten, ohne sie gegen Migrant:innen, Frauen, Linke oder angeblich Schwächere in Stellung zu bringen.“

Quellen

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