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Ausgabe #45 — Ein Blick über den Gürtelrand

von Alexandra Folwarski
— Herausgeberin, Wiener Flaneur
von Alexandra Folwarski — Herausgeberin, Wiener Flaneur

Die letzten Wochen waren, offen gesagt, eine Zwangspause. Eine hartnäckige Krankheit bremste den Schreibfluss, und weil ich den Wiener Flaneur gerade erst etabliere, fehlte mir schnell der nötige Ersatz an der Feder. Dafür entschuldige ich mich – aber ich schulde dir vor allem die Erkenntnisse aus den Tiefen der Wiener Demokratie, die sich in der Zwischenzeit angesammelt haben.

Nach intensiven Stunden in den Livestreams der Bezirksvertretungen präsentiere ich dir heute zwei spannende Einblicke in die Außenbezirke, nämlich Meidling (12.) und Hietzing (13.). Das ist kein Zufall. Wer genau hinsieht, merkt schnell, dass die populistischen Pauschalthemen, die Wien dominieren, an den Rändern der Stadt an ihre Grenzen stoßen. Die Bedürfnisse hier – von der Taktung des Rufbusses bis zum eingefrorenen Budget – variieren fundamental von jenen innerhalb des Gürtels.

Wir müssen wissen, wer da eigentlich sitzt. Denn in diesen Bezirksvertretungen siehst du hautnah, wie die Demokratie an der Basis tickt – mit all ihren Facetten. Es gibt Personen, die dort das „R“-Wort (Remigration) aus tiefster Überzeugung in die Debatte einwerfen. Und zum Glück gibt es die vielen anderen, die sich vehement dagegen wehren. Die Debatten sind scharf, und sie zeigen uns, wer die Gesichter von morgen auf Landesebene sein werden. Dazu gleich mehr in den News aus den Bezirken.

Vielleicht habe ich dich neugierig gemacht, selbst einmal in die Kommunalpolitik hineinzuschauen? Gesetzt den Fall, du willst sehen, was in deinem Bezirk passiert, findest du hier die aktuelle Liste mit allen Terminen und den Links zu den Livestreams. Beachtlich: Vom Dritten Bezirk gibt es immer noch keine Angaben zu Termin und Stream. Da sind andere (eigentlich alle) Bezirke in puncto Transparenz deutlich weiter.

Wenn du keine Zeit für die nächtliche Live-Schalte hast: Kein Problem, dafür bin ich ja da. Ich arbeite auch schon an einem Videokonzept zu dem Thema, um dir die Bezirke noch greifbarer zu machen. Davon erzähle ich dir dann zu gegebener Zeit hier im Newsletter.

Viel Freude beim Lesen und Entdecken!

Hier findest du die Termine und Links zu den Livestreams der kommenden Wochen. Es geht mit dem 05.11.2025 in Floridsdorf los.

https://wienerflaneur.com/dossier/die-letzten-bezirksvertretungssitzungen-im-jahr-2025-es-geht-um-die-budgets/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Notiz: Du hast diesen Newsletter weitergeleitet bekommen? Melde dich hier an für deine Sonntagsnews aus Wien. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

13. BEZIRK

Hietzing im Fokus: Der Streit um Bus und Budget – Ein Stimmungsbild der kommunalen Vertretung

Die jüngste Sitzung der Bezirksvertretung in Hietzing am 24. September 2025 lieferte ein anschauliches Stimmungsbild der lokalen Politik: Hier, in der gewählten Vertretung des 13. Bezirks, treffen die städtischen Sparzwänge und die konkreten Nöte der Bürger aufeinander.

Der Ärger entzündete sich an den Mobilitätsfragen: Die neue Linienführung der Busse 54A und 54B, die Ende August in Kraft trat, wurde von vielen Anwohnern als drastische „enorme Verschlechterung“ empfunden. Die Klage über „massive Umstiege“ und längere Fußwege – eine Hürde, die besonders ältere und gehbehinderte Menschen diskriminiert – zwang die Bezirksvertretung zum Handeln. Grüne, NEOS und die FPÖ agierten in seltener Eintracht und verlangten in gemeinsamen Anträgen eine Evaluierung und die Wiederherstellung funktionstüchtiger Direktverbindungen. Die Forderung nach einer Überprüfung durch die Stadt Wien wurde mehrheitlich angenommen. Als pragmatische Alternative für diesen „mobilen Randbezirk“ brachten Grüne und FPÖ den „Wien Mobil Hüpfer“ (Antrag Nr. 26) ins Spiel – ein vollelektrischer Rufbus, dessen Potenzial nun geprüft werden soll, da der Test in Liesing keinen ausreichenden Zusatznutzen zum regulären Öffi-Netz zeigte.

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Das "Hüpfer"-Projekt wird im 22. Bezirk fortgesetzt. Nach dreieinhalb Jahren Testbetrieb zeigt die Evaluierung im 23. Bezirk jedoch: "Da das reguläre Öffi- Angebot in Liesing in den letzten Jahren ausgeweitet wurde, ist der Zusatznutzen eines On-Demand-Angebots zu gering. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wird das Testprojekt in Liesing daher wie vorgesehen mit Ende Oktober beendet." Mehr Informationen findest du auf der Webseite der Wiener Linien. Klicke dazu direkt auf das Bild. Quelle: Wiener Linien

Der wahre Kernkonflikt entlud sich jedoch in der Debatte um das Bezirksbudget 2025 (Antrag Nr. 27). Das von der Stadt verordnete Einfrieren der Budgets sei, so der FPÖ-Klubvorsitzende Mag. Georg Heinrichsberger, angesichts der Inflation eine reale Kürzung, die nicht auf Kosten der Pflichtaufgaben oder vulnerabler Gruppen gehen dürfe. Heinrichsberger nutzte die kommunale Bühne, um den Finanzstreit zur nationalen Abrechnung auszuweiten: Als Beleg für die angebliche „Milliardenverschwendung“ der Stadt forderte er, man müsse dort sparen, wo Geld „verpulvert“ werde – und behauptete dabei explizit, der Stadt entstünden 700 Millionen Euro pro Jahr für „Ausländer und illegale Einwanderer“.

Die SPÖ, vertreten durch Mag. Stephan Grundei, konterte diese Rhetorik mit Härte. Er verurteilte die Rede als „Sonntagsrede“, die lediglich auf das Erzielen „billiger Stimmen“ abziele, und forderte von der FPÖ konkrete Alternativen zum notwendigen Sparen. Die Freiheitlichen hielten dagegen, die Kritik ziele nur dorthin, wo es den politischen Gegnern wehtue – etwa bei den in Frage gestellten Förderungen der Landesparteiakademien. Die hitzige Debatte im 13. Bezirk zeigt somit eindrücklich, wie in der repräsentativen Vertretung die großen Fragen der Stadtpolitik auf die konkreten Nöte der Bürger treffen und dabei die Stimmung an der politischen Basis widerspiegeln.

12. BEZIRK
Drei und halb Stunden wurde in Meidling debattiert. Die wichtigsten Punkte habe ich dir hier zusammengefasst. Bild: Screenshot Livestream vom 26.09.2025.

Meidling: Am Bahnhof eskaliert die Politik mit dem „R“-Wort

Die Bezirksvertretung Meidling (12.) musste im September 2025 die bittere Pille der Budgetkonsolidierung schlucken. Der Bezirk muss mit 600.000 Euro weniger auskommen und plant das nächste Jahr mit 12,4 bis 12,5 Millionen Euro.

Die Schuldfrage im Budgetloch:

Finanzausschussvorsitzender Bezirksrat Mag. Sinan Tankaz (SPÖ) verpackte die Krise in die Metapher der „Familie Österreich“, die nun "aufräumen" müsse. Die Schuld wies er klar zu: Das Problem sei das „Erbe der ehemaligen schwarz-grünen Bundesregierung“, verursacht durch "viel zu optimistische Wirtschaftsprognosen" und das "Durchrauschenlassen der Teuerung" (so die Aussage von BV Zankl in der Beantwortung). Trotz der Misere betonte Tankaz die Stabilität Meidlings: Der Bezirk habe seine Schulsanierungen abgeschlossen und eine Rücklage von 2,1 Millionen Euro aufgebaut. Die Konsequenz der Kürzung traf die Infrastruktur hart: Das größte Einzelprojekt, ein Straßenbauprojekt in der Rosasgasse (MA 28), wurde komplett verschoben. Die Grünen rechneten vor: Das bedeute einen „De-Facto-Rückgang von 8 Prozent der Mittel“ für tatsächliche Gestaltungsmaßnahmen.

Das „R“-Wort und die Sicherheitspolemik am Bahnhof:

Die Debatte um die von der ÖVP geforderte Videoüberwachung am Bahnhof Meidling wurde zum Schauplatz einer harten Auseinandersetzung über Zuwanderung. Die FPÖ (Bezirksrat Dipl.-Ing. Walter Asperl) stimmte zwar für die Kameras, forderte aber sogleich eine ursächliche Lösung: Er sah das Sicherheitsproblem in der Zuwanderung ab 2015/2016 und stellte die Forderung auf: „Wir sind dafür, dass man das Problem bei der Ursache mit der Ursache nimmt, das heißt statt Kameras sollten wir eigentlich Remigration machen.“

Die SPÖ (Bezirksrat Ramminger) lehnte die Resolution und diese Rhetorik strikt ab. Bezirksrat Tankaz schloss die Sitzung mit einer Anknüpfung an die Debatte mit einem persönlichen Statement, das die politische Schärfe auf den Punkt brachte: Er verwies auf seine Migrationsgeschichte, wies seinen Vorredner zurecht und stellte im ironischen Ton fest, dass er hoffe, dass gewährleistet sei, dass er selbst „nicht remigriert werde“.

Längenfeldgasse: Wo die „Sags Wien App“ an ihre Grenzen stößt:

Längenfeldgasse: Das Problem ist bekannt, die Lösung fehlt: Auch die Sauberkeit war Thema. Die FPÖ beklagte massive Verschmutzungen am Vorplatz der U4/U6-Station Längenfeldgasse durch „exzessive Alkoholparties“ und Rückstände von Wodkaflaschen. Die Grünen verwiesen daraufhin auf die „Sags Wien App“ – jenen digitalen Meldeweg, der vielen Bürger*innen noch unbekannt ist, aber einen beeindruckenden Job macht: Seit 2017 wurden dort in Meidling 18.370 Meldungen bearbeitet. Ein Beispiel dafür, wie Verwaltungseffizienz der wachsenden Belastung im Alltag nur noch mit Verzögerung nachkommt.

Wie es in den Bezirken weitergeht, erfährst du in den kommenden Ausgaben des Newsletters. Wenn dir das Format gefällt oder du Verbesserungsvorschläge hast, schreibe mir. Ich freue mich auf dein Feedback.

Wenn auch du die Sag’s Wien App nicht kanntest, hier erfährst du mehr darüber:

https://www.wien.gv.at/inhalt/sagswien-app (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Kulturtipp

Kommen wir zu den kunstvolleren Dingen im Leben:

Die 25. neunerhaus Kunstauktion feiert 2025 ein Vierteljahrhundert ihres Bestehens und ist eine der wichtigsten Benefizveranstaltungen im Wiener Kunstkalender. Die Auktion dient dazu, Spenden für die Arbeit von neunerhaus – Hilfe für obdachlose Menschen zu sammeln, um obdach- und wohnungslosen Menschen in Wien Wohnraum, medizinische Versorgung und Beratung zu ermöglichen.

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Klicke auf das Bild, um zur Kunstauktion zu gelangen.

Bei der Auktion werden fast 200 Werke namhafter Künstler*innen (darunter renommierte Namen wie Arnulf Rainer, Günther Brus und Martha Jungwirth) versteigert. Das Besondere: Es fallen keine Auktionsgebühren oder Steuern auf den Zuschlagspreis an, und der Kaufpreis ist als Spende steuerlich absetzbar (zu 50 %).

Informationen zur Auktion

Besichtigung im MAK Wien
Sonntag, 2. November 2025
11:00 – 17:00 Uhr
MAK – Museum für angewandte Kunst, 1010 Wien

AuktionstagMontag, 3. November 2025
Einlass: ab 18:00 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr
MAK – Museum für angewandte Kunst (Vortragssaal, 1010 Wien)

Mitbieten

Du kannst auf folgende Arten an der Auktion teilnehmen:

Mara Mattuschka

Arnulf Rainer
Günther Brus
Matha Jungwirth

Den gesamten Katalog findest du hier:
Auktionskatalog neunerhaus (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Bis kommenden Sonntag wünsche ich dir eine gute Zeit!

Liebe Grüße,
Alexandra Folwarski, Herausgeberin Wiener Flâneur

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