Liebe Leserin, lieber Leser,
seit ein paar Wochen ist Smeralda Bohm endlich draußen in der Welt. Es fühlt sich sehr schön an, wie sie mit offenen Armen empfangen wird. Die tolle Platzierung im Buchhandel ist alles andere selbstverständlich und ich bin gerührt über die Resonanz. Es ist so, so schön, dass eine Figur wie Smeralda, die ganz offensichtlich keine klassische Heldin ist, sondern eher am Rande steht, tatsächlich von vielen Menschen genauso verstanden und geliebt wird.

Die Idee
Die Idee, über fantastische Wesen zu schreiben, hatte ich schon sehr, sehr lange. Ich bin mir sehr sicher, dass die achtjährige Anja recht stolz auf mich wäre, hat sie doch bereits in den 1980er-Jahren eine Buchreihe (gut, eher eine Heftreihe) über zwei Cousinen und ihre Erlebnisse mit so seltsamen Wesen wie den Wunderelch oder blauen Gespenstern verfasst, illustriert und allen unter die Nase gehalten.
Darum musste ich tatsächlich nicht lange überlegen, was das Thema meiner neuen Geschichte nach den Polidoris sein würde. Doch erst in diesem wunderschönen Naturkundemuseum in Bologna wurde mir so richtig klar, was das konkret für Wesen sein würden.

Die Recherche
Von einer Pseudo-Wissenschaft namens Kryptozoologie hatte ich bereits gelesen, doch erst nachdem Smeralda ihre Stimme in meinem Kopf erhoben hatte, die Hände in die Kitteltaschen fahren ließ und verkündete, sie sei eine ernst zu nehmende Wissenschaftlerin, begann ich zu recherchieren. Und entdeckte ein ganzes Universum voller Tierwesen, die möglicherweise nicht (mehr), vielleicht aber doch (noch) gibt. Smeraldas und mein Liebling, Kralle-Maria das Werkaninchen, hat jedoch ihren Ursprung in meiner Kindheit: Ich war damals ein Riesenfan der Buchreihe um das Vampirkaninchen Kanicula und das kleine Pelzmonster ist eine kleine Reminiszenz.
Der Schreibprozess
Apropos Reminiszenz: Das Eingangsmotto mit dem Zitat von Sherlock Holmes ist nicht zufällig gewählt. Smeralda Bohms Bestiarium ist eine Hommage an Sherlock Holmes und wer wie ich die BBC-Serie kennt und schätzt, wird die optische Anspielung auf dem Vorsatzsatzpapier erkannt haben. Mein ursprünglicher Arbeitstitel war übrigens Studie in Drachengrün – gefällt mir immer noch ziiiiemlich gut!!
Am Anfang eines Buches stehen für mich immer zu gleichen Teilen die Charaktere und das Setting. Smeraldas Welt – die Großstadt, die Potifarstraße 22b – sind zum Teil auch inspiriert von Sherlock. (Und ja, gemeint ist das Bartholomäus-Krankenhaus.) Die Stadt, in der Smeralda lebt, hat einen Hauch von London, jedoch auch einen leisen Prag-Anklang und atmet vor allem das Flair von München und Wien. In diese fiktive Welt hinein habe ich meine Faszination für Lost Places und Museen gegeben und beides miteinander vermischt. Herausgekommen ist das Geheime Institut im Vergessenen Flügel.
Und dann begann die Geschichte, lebendig zu werden – durch ihre Figuren: Phi, Papa, Mama, Kenji Kan, Momoko, Frau Klenzemeier und Kommissaranwärter Juri Konstantin entstiegen zum Teil meiner imaginären abschließbaren Schreibtischschublade für Ideen und machten es sich in der Potifarstraße gemütlich. Kassandra habe ich tatsächlich eigens für diese Geschichte entwickelt – die Antagonistin oder der Antagonist ist für mich meist am schwersten zu greifen. Doch wenn der Charakter erst einmal steht, habe ich immer viel Spaß damit. Edith gibt mir das größte Rätsel auf, sie hat sich hintenrum in die Geschichte eingeschlichen und tanzt mir aktuell auf der Nase herum. Aber ich ahne langsam, was sie von mir erwartet …
Ausblick auf Band 2
Aktuell sitze ich an der Manuskriptüberarbeitung und habe bereits die erste Coverskizze gesehen (und gefeiert :-)). Im Herbst wird es also allem Anschein nach wie angekündigt weitergehen!