Sino Kolumne: Huawei ~ Shenzhen ~ Drohnen ~ Xiaohongshu ~ Anwaltskammer

Huawei-Chef Ren Zhengfei hat sich bei einer Veranstaltung des ICPC (International Collegiate Programming Contest) in Shanghai in China den Fragen der IT-Talente gestellt. Übrigens - und das nur als Randbemerkung - dominieren Universitäten aus Russland und China in den letzten zwanzig Jahren die Siegerlisten des jährlich stattfindenden weltweiten und mehrstufigen Programmierwettbewerbs für Universitätsstudenten. Nur in zwei Jahren konnten Universitäten anderer Länder, nämlich einmal das Massachusetts Institute of Technology (USA) und die Universität Warschau (Polen) den Sieger stellen. Sonst kommen die größten IT-Talente aus Sankt Petersburg, Peking, Moskau, Nischni Nowgorod, Hangzhou, Shanghai und Saratow. Aber zurück zu Ren Zhengfei, der ein paar interessante Gedanken zu KI, Bildungschancen im ländlichen Raum, Talentesuche, Technologiewettbewerb, Robotik, Bahninfrastruktur, Quantencomputing und andere Themen äußerte. Ich möchte dabei auf den Punkt der Kooperation mit anderen Ländern eingehen. Und hier zeigt dieser Mann eine unglaubliche geistige Stärke. Obwohl sein Unternehmen wegen der technologischen Führerschaft von den USA sanktioniert wird, zeigt er darüber keine Verbitterung. Ganz im Gegenteil spielt er die Bedeutung dieser unfairen und bösartigen Sanktionen herunter und wiegelt ab, dass dies nur das Problem von Huawei ist und man sich trotzdem den USA voller Offenheit und Kooperationswillen zeigen soll. Und so äußert er sich wie folgt:
Die USA sind ein sehr fruchtbarer Boden für Talente, und es ist gut, dass viele talentierte Menschen dorthin gehen und wachsen. Dazu gehören auch junge Chinesen. Sie schlagen in den USA Wurzeln und tragen zum wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt bei... Die USA verbieten Huawei lediglich, Technologie mit US-Komponenten zu verwenden. Sie verbietet nicht allen chinesischen Unternehmen, sie zu nutzen, ebenso wenig wie dem Rest der Welt. Deshalb ist die Tatsache, dass globale Talente in den USA zusammenkommen und eine technologische Zivilisation schaffen, gut für den menschlichen Fortschritt.
Das zeigt große menschliche Stärke dieses chinesischen Visionärs. Außerdem gefiel mir sein nüchterner realitätsnaher Blick beim Thema Karriere und Lebensgestaltung. Am Beispiel von Gregor Mendel und seinen entdeckten Vererbungsregeln gab er den Studenten eine Lebensweisheit:
Gregor Mendel entdeckte die Genetik, doch seine Arbeit blieb über hundert Jahre lang im Vergessenen, bevor die Menschen erkannten, wie wichtig Gene sind. Denken Sie daran, wie wichtig Genetik heute ist und wie einsam und wenig geschätzt er sich damals gefühlt haben muss. Mach dir also nicht zu viele Gedanken darüber, was andere wählen oder was deine Kommilitonen und Freunde wählen. Kümmere dich darum, was zu dir passt. Nur du kennst dich selbst wirklich. Wähle einen Weg und arbeite hart daran. Auch wenn du nicht »erfolgreich wirst«, ist das in Ordnung. Die meisten Menschen auf dieser Welt sind im üblichen Sinne »erfolglos«, aber auch der Weg des »Nicht-Erfolgs« ist voller Wissen.
Mit einer Überraschung habe ich die Meldung aufgenommen, dass die technologische Hochburg Shenzhen in China in den besten Gewerbeimmobilienlagen die Leerstandsquote bei 30% liegt. Diese Meldung steht im Widerspruch zu den anderen Nachrichten aus Shenzhen, die immer wieder von beeindruckenden technologischen Entwicklungen aus der Stadt berichten. Shenzhen landet auch in den Wohlfühlrankings der chinesischen Städte immer auf Spitzenplätze, was hervorragende Investitionsbedingungen ausdrückt. Ich denke aber, dass die Goldgräberstimmung im Immobiliensektor dieses Überangebot erzeugt hat oder die Preisvorstellungen der Vermieter einige Firmen in günstigere Lagen der Stadt getrieben haben. In der Bevölkerung haben Luxusmarken an Bedeutung verloren und den Fokus auf ein besseres Preis-Leistungs-Gefüge gelenkt. Im gewerblichen Bereich kann sich also ein ähnlicher Trend gebildet haben. Sollten also die Vermieter bessere Mietpreisangebote machen, dann kommen auch die Unternehmen in diese A-Lagen zurück.
China wird ab 1. Mai 2026 für alle neuen Drohnen eine Registrierung mit echtem Namen verlangen. Heutige Besitzer von Drohnen können die Registrierung innerhalb eines Jahres nachholen. Somit will die Regierung Flugverbotszonen effektiv überwachen und vor allem Gefahrenbereiche, wie die Nähe von Flughäfen, besser schützen. Das ist eine wesentlich sinnvollerer Maßnahme, als beispielsweise in Deutschland auf diesen Gebiet vorsieht. Denn in Deutschland rüsten wir lieber ganz im militärischen Stil Kampftruppen aus, die mit granatwerfergroßen Geräten die illegalen Flüge von Drohnen bekämpfen sollen. Gegen eine Registrierungspflicht in Deutschland spricht außerdem, dass das mühevoll errichtete propagandistische Gebäude der russischen Drohnenbedrohung zusammenbrechen würde, wenn der registrierte Besitzer der Drohne im illegalen Luftraum Karl Eberhard Müller heißt und YouTube-Influencer ist.
Die taiwanesische Regierung mag keine Kontakte ihrer Bewohner mit dem chinesischen Festland. Denn sie haben jetzt die beliebte Social Media Plattform Red Note (Xiaohongshu; 小红书) verboten, die sich vor allem durch unpolitische Konversationen auszeichnet. Die Plattform war in China in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, weil viele TikTok-Nutzer in den USA bei Drohung des TikTok-Verbots in Amerika auf diese Social Media Plattform ausgewichen sind (siehe LöwenPost 2025/02 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) und sich zahlreiche interkulturelle Begegnungen zwischen Chinesen und Amerikaner bildeten. Da Red Note eher Themen im Alltagsleben behandelt, kann eine politische Gefährdungslage nicht der Grund des Verbots in Taiwan sein. Ich vermute eher, dass es der Regierung ein Dorn im Auge ist, wenn die Menschen von Festlandchina über die beeindruckende Entwicklung und Wohlstandssteigerungen aus ihrem Umfeld berichten und Nutzer in Taiwan sich über die diametral entgegengesetzte Propaganda der eigenen Regierung wundern. Das könnte den Wunsch der Menschen in Taiwan zu einer Annäherung an China nähren. Die Hardliner in Taipeh wollen ihr Volk lieber feindlich, statt menschlich, gestimmt sehen. Ob das Verbot allerdings die friedvolle Entwicklung aufhalten kann, bezweifle ich, denn mit der Nutzung von VPN lassen sich die Taiwaner das Kommunizieren nicht verbieten, wie viele Profilaufrufe ahnen lassen.
In der letzten LöwenPost (siehe LöwenPost 2025/33 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) habe ich über den angezettelten Machtkampf über den Vorsitz in der Anwaltskammer in Singapore berichtet. Leider, aber verständlich, ist der gewählte Vorsitzende Dinesh Singh Dhillon nun zurückgetreten, da er sich auf diese würdelose Schlacht nicht einlassen möchte. Die hasserfüllte Kampagne des schon immer dubios handelten Anwalts Peter Cuthbert Low war bedauerlicherweise erfolgreich. Eines zeigt dieser Vorgang allen Regierungskritikern in Singapore aber besonders deutlich, dass Singapore eben keine übermächtige autokratische Regierung hat, denn eine solche Regierung hätte längst dem notorischen charakterlosen Regierungsfeind Low derart unter Druck gesetzt, dass er wie andere dubiose Gestalten das Land verlassen hätte. Doch er darf weiter im Rahmen der Gesetze seine Intrigen aufbauen, so dass ich mir zum Wohle der Gesellschaft eher einen druckvolleren Regierungsstil in Singapore wünsche, der ein Treiben eines solcher verbitterten Anwalts Einhalt gebietet. Das Ansehen der Institution Anwaltskammer in Singapore ist schließlich durch einen solchen unnützen Machtkampf merklich gesunken.