Dass Wale nicht nur „irgendwo weit weg“ unterwegs sind, zeigen diverse Sichtungen im ersten Quartal 2026.
Im März 2026 war vor allem ein Tier in den Schlagzeilen: der gestrandete Buckelwal vor Niendorf. Außerdem in dieser Ausgabe: eine Übersicht über die Walsichtungen dieses Quartals und einige weitere News zum Thema.

Es gab wohl kaum ein Medium, das nicht über das arme Tier berichtete. Über zehn Meter lang, viele Tonnen schwer und in einer sehr prekären Lage: Am frühen Morgen des 23. März 2026 wurde der Buckelwal an der Niendorfer Küste bemerkt. Die letzte in einer Reihe von Sichtungen in diesem Jahr.
Aktueller Stand
(zum Redaktionsschluß am 28. April 2026)
Mehr als vier Wochen ist es nun her, dass der vor Poel gestrandete Buckelwal Timmy auflandete, immer wieder. Seitdem war vor allem auf Helferseite einiges los. Die eine Expertenseite blieb der Meinung, der Wal sei dem Tode geweiht, andere wollten es mit einer Befreiungsaktion wenigstens nochmals versuchen. Immer mittendrin: der nicht zu beneidende Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus.
Eine finanzstarke Privatinitiative bildete sich, arbeitete Pläne aus, wollte den Wal mit Hilfe von schwimmenden Potons und einem Luftkissen bewegen, das am 16. April gestartete Vorhaben scheiterte wegen Timmy. Danach baggerte man wieder eine Rinne via Saugbagger aus. Es gab Differenzen zwischen den Helfern, teilweise heftige Vorwürfe etwa von einer beteiligten Tiermedizinerin aus Hawaii, die schließlich abreiste. VeterinärInnen wurden ausgetauscht, ein oberseeischer Sender angebracht.
Der Buckelwal blieb bei all den Menschen, Geräuschen und andauernden Aktionen ungewöhnlich ruhig. Entweder war er im Delirium, sehr geduldigt oder doch irgendwie verständig.
Am 28. April 2026 kam nun echte Bewegung in die Sache, der Livestream wird noch einige Tage auf ndr.de (Si apre in una nuova finestra) zu sehen sein. So lange soll die eigens angefertigte tonnentragende Barge (ein spezieller Lastkahn) unterwegs sein. Diese dient dem Wal quasi als übergroßes Aquarium, ausgelegt mit Sand, aufgefüllt mit Ostseewasser. Mitgenommen sieht das Tier aus, von der eigentlichen Färbung ist aktuell nicht mehr viel zu sehen.
Mitgenommen sind mittlerweile auch die Helfer. Vor dem Aquarium kam erst einmal die Muskelkraft. Feuerwehrschläuche wurden um die Brustflossen des Wal gelegt und das Tier meterweit gezogen. Scheinbar immer in menschlich-tierischer Abstimmung. Dann plötzlich ging es wohl ganz schnell, der Wal schwamm laut Video tatsächlich los und landete aus eigener Kraft in der Barge, brummte. Wer das Ganze nachlesen und -sehen möchte, ist im bereits erwähnten Livestream (Si apre in una nuova finestra) gut aufgehoben.
Der Tourplan laut Webseite: raus aus der Kirchsee nahe Poel, rund um Dänemark und dann nach mehreren Hundert Kilometern in die Nordsee. Dort soll sich die Lucke dann öffnen und Timmy in die ihm hoffentlich wohlgesonnene Freiheit entlassen. So der Plan.
Ich bleibe dran und halte dich auf dem Laufenden. Mehr Infos zu Timmy und weitere News aus der Welt der Wale unten.
Was bisher geschah
Januar 2026
Schon Anfang Januar 2026 wurde ein Wal in der Flensburger Förde (Si apre in una nuova finestra) gesichtet, der vermutlich von Dänemark kam. Damals nahm man aufgrund seiner sehr weit hinten liegenden Rückenflosse an, es sei ein Finnwal. Er hatte dort deutlich sichtbar eine Kerbe, wodurch er gut zu identifizieren war. Verletzungen hatte das Tier laut NDR.de (Si apre in una nuova finestra) wohl nicht.
März 2026
Am 3. März schwamm ein weiterer Wal im Hafen vor Wismar (Si apre in una nuova finestra), dieses Mal vermutete man wieder einen Finnwal. Auf dem Video sieht man deutlich einen hell abgesetzten Unterkiefer auf der rechten Seite, eine Kerbe in der Rückenflosse ist allerdings nicht zu sehen. Der Wal war wohl in ein Fischernetz geraten, Taucher versuchten, dieses weitestmöglich von seinem Körper zu entfernen.
Zwei Tag später, am 5. März tauchte in der Lübecker Bucht nahe Travemünde (Si apre in una nuova finestra) erneut ein Wal auf, wieder mit Netz, allerdings zeigte er seine Rückenflosse nicht. Eine echte Identifizierung war daher zunächst nicht möglich. Die Organisation Sea Shepherd (Si apre in una nuova finestra) kam kurze Zeit später zu dem Schluss, dass dieser Wal ein Buckelwal sei und zog wegen der Kerbe einen Vergleich zu dem Wal vom Januar 2026. Die Angabe „Finnwal“ vom Januar wurde entsprechend korrigiert.
Rettungsmissionen, Ende März
In der Nacht zu Montag (23. März 2026)) wurde wieder ein Wal gesichtet, dieses Mal bei Niendorf (nahe Timmendorf). Man vermutete erneut den jungen Buckelwal mit der Kerbe. Das erste Bild in der Fotostrecke des NDR (Si apre in una nuova finestra) zeigt einen Wal mit dunklem Körper sowie langen, hellen Brustflossen. Typisch für einen Buckelwal. Die Kerbe ist aufgrund seines körperlichen Zustands nicht (gut?) zu sehen. Außerdem sieht man eine Leine, die sich um die Brust des Jungbullen gewickelt hat.
Dieses Mal scheinen die Probleme allerdings größer als ein Stellnetz zu sein. Der Wal liegt auf einer flachen Sandbank vor Niendorf (Si apre in una nuova finestra). Diese verhindert, dass das mehrere Tonnen schwere Tier wegschwimmen kann. Vielleicht will er das aktuell auch nicht? Laut Sea Shepherd könnte es möglich sein, dass er auf der Sandbank liegt, um neue Kraft zu tanken. Verhungern muss er nach Aussagen der Experten wohl nicht, das für ihn nötige Phytoplankton sei in der Ostsee vorhanden.
Die Rettungsversuche waren bisher vielfältig: Schiffe sollten Wellen erzeugen, die den Wal beim Wegschwimmen tragen, ein Kanal sollte mit einem Saugbagger gegraben werden.
Am 26. März 2026 versuchte ein leistungsstärkerer Schaufelbagger (Si apre in una nuova finestra), eine tiefere Schwimmrinne für den Wal zu graben. Er ersetzte einen Saugbagger, dessen Einsatz bisher nicht erfolgreich war.
Der Wal reagierte allgemein positiv auf die Bemühungen der Helfer, er brummte erneut, als sich ein Meeresbiologe näherte, drehte sich in die richtige Richtung und bewegte sich wohl aus eigener Kraft einige Meter vorwärts.
Laut NDR.de (Si apre in una nuova finestra) “fehlten dem Wal am Abend nur noch zwei Meter, um in die Ostsee freizukommen.“
Um 20:30 Uhr gönnte man dem Wal eine weitere Verschnaufpause.
In der Nacht zum 27.03.2026 konnte sich der Buckelwal selbst befreien, die Maßnahmen (siehe oben) waren also erfolgreich. Danach hofften alle Experten, das Tier sei auf einem guten Weg Richtung Nordsee.
Boote begleiteten ihn, doch der Wal blieb nicht auf Kurs, bewegte sich im Zickzack erneut Richtung Wismar und lag immer wieder auf Grund. Am 31. März 2026 strandete er auf einer Sandbank in der Nähe der Insel Poel und blieb dort. Er wirke geschwächt, so die Experten laut NDR.de (Si apre in una nuova finestra) und sie rechneten damit, dass das Tier dort verenden könnte.
Persönlicher Eindruck: Insgesamt könnte man entweder meinen, der Wal suche die Nähe zum Menschen. Aber warum liegt er dann immer wieder auf Sand? Oder aber er ist irgendwie krank, vielleicht das Innenohr? Auf jeden Fall wird er nun abgeschirmt, man gönnt ihm die Ruhe und möchte nicht, dass das Leid des Tieres zum Bildspektakel wird.
Bis zum 13. April 2026 hatte sich nicht viel verändert, der Buckelwal (inzwischen auf Timmy getauft) lag weiterhin vor der Insel Poel auf einer Sandbank. Er atmete, wohl aber schwächer als zuvor. Experten rechneten mit seinem Tod und trafen entsprechende Vorbereitungen.
Weitere Befreiungsaktionen von Menschenseite sollte es nach Expertenmeinung nicht mehr geben, das Tier sei zu geschwächt und die durch das Ostseewasser geschädigte Haut zu empfindlich. Die Stimmen aus der Bevölkerung waren laut NDR.de-Artikel (Si apre in una nuova finestra) zwiegespalten: Demzufolge wurde von einigen “Sterbehilfe” gefordert: Im Gespräch waren wohl Harpunen, eine Vergiftung, im Maul platzierte Sprengladungen (echt jetzt?) oder ein Erschießungskommando. All dies ist hierzulande rechtlich nicht erlaubt, was ich persönlich begrüße. Sogar Morddrohungen gegen Politik und ExpertInnen kamen vor, unfassbar.
Tierfreundlichere Menschen reagierten auf die eingestellten Rettungsmissionen mit Anträgen beim Amtsgericht Schwerin und einer Menschenkette.
Zudem wurde inzwischen ein Gutachten erstellt. Kann man seltsam finden, muss man aber nicht. Schließlich gibt es bisher (fast?) keine Erfahrungen mit einem lebend gestrandeten Wal, der in Küstennähe stirbt.
Eine Bitte an alle LeserInnen
Um den Buckelwal herum wurde ein 500 Meter großes “Sperrgebiet” ausgewiesen. Kommen dem Tier Mensch oder Drohne näher, gilt dies als Ordnungswidrigkeit. Wenn du vor Ort bist, halte daher bitte den entsprechenden Abstand ein, sonst drohen rechtliche Konsequenzen. Macht auch Sinn: Wer von uns würde, wenn er krank im Bett liegt, zu Hause ständig ungewollten Besuch empfangen wollen?
Weitere News aus der Welt der Meeressäuger
Schweinswale leben in der Nordsee. Doch Mitte März führte ein verirrtes Tier ebenfalls zu einer beherzten (wenn auch wesentlich weniger aufwendigen). So gemeldet vom Elbstrand (Si apre in una nuova finestra) in Brokdorf: Dort hing Mitte März ein Schweinswal auf einer Sandbank fest. Zwei Frauen packten an und trugen ihn ins tiefere Wasser (Quelle: NDR.de (Si apre in una nuova finestra)).
Manchen wird nachgesagt, sie wollten mit dem Kopf durch die Wand. Dass es Pottwalen nicht anders geht, hat nun ein Expertenteam der Universität von St. Andrews nachgewiesen. In Ermangelung von Wänden im Meer nutzten die in der Studie untersuchten Tiere ihre Artgenossen als Rammbock. Die Aufnahmen wurden zwischen 2020 und 2022 etwa vor der balearischen Küste (Si apre in una nuova finestra) gemacht, die Ursachen für das Verhalten werden erforscht (Quelle: RP-online.de (Si apre in una nuova finestra)).
Noch ein Schweinwal (Si apre in una nuova finestra), der sich verirrte: Vor der Föhrer Küste hatte sich am 22. März ein Tier im Schlick festgeschwommen, die eintretende Ebbe verschärfte das Problem. Die Muskelkraft eines Azubis, eine Schaufel, feuchte Tücher und eine Schubkarre halfen, das Tier nach einigen Anstrengungen zu befreien.
Ein Artikel über Narwale und eine Ode an das Expertenwissen. Es geht um die „Narwal-Jagd vor Grönland: Indigenes Wissen über das einzigartige „Einhorn der Meere (Si apre in una nuova finestra)“ (Artikel von Gleb Raygorodetsky aus dem National Geographic).
Der Versuche einer Antwort auf die Frage: Warum stranden immer wieder Wale an deutschen Küsten?
Zunahme von Walsichtungen in der Ost- und Nordsee: Ein Zeichen für den Erfolg des Schutzes (Verbraucherschutzforum Berlin (Si apre in una nuova finestra), vom 13. Mai 2025)
Immer mehr Wale tauchen in Ost- und Nordsee auf (ntv.de (Si apre in una nuova finestra), vom 13. Mai 2025)
Alle genannten Links wurden in der Zeit vom 23. bis 27. März 2026 abgerufen und sind ohne Gewähr.
Ausblick
In der nächsten Ausgabe geht es um einen Mini-Lebensraum. Allerweltsblume und doch wichtig für die Biodiversität: die Campanula (Si apre in una nuova finestra).