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Preisgestaltung

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Diesmal möchte ich ein wenig genauer auf meine Preisgestaltung eingehen. Ich werde keine centgenauen Kalkulationen aufstellen, trotzdem habe ich mir bei meinen Preisen durchaus etwas gedacht. Ebensowenig wird es eine allgemeingültige Anleitung für andere Illustrator:innen, denn es gibt unheimlich viele individuelle Faktoren, die berücksichtigt werden wollen.

Ich möchte lediglich transparent sein, vielleicht sogar ein wenig Verständnis schaffen, warum Preise für Illustrationen so sind wie sie sind, wo es doch oft sehr willkürlich erscheinen kann.

Empfehlungen und Kalkulatoren

Auf Mastodon habe ich neulich ein wenig Eigenwerbung betrieben und natürlich als Einstieg angeführt, dass ich Illustrationen bereits ab 40 € anbiete. Prompt erhielt ich einen Kommentar, wir hätten ja alle mal klein angefangen, das sei jedoch sehr wenig – sicher nett gemeint, für mein Empfinden aber ziemlich übergriffig.

Ich bin keine 12-jährige, der man erklären muss, wie die Welt funktioniert. Ich bin eine erwachsene Frau mit eigenem Haushalt, die eine Familie (mit) zu unterhalten hat und entsprechend weiß, was das Leben so kostet. Es wurde direkt der mahnende Zeigefinger gehoben, ohne sich überhaupt anzusehen, was ich denn ab 40 € anbiete. Spoiler: Es sind stark reduzierte Varianten meiner eigentlichen Leistungen, daher das Wörtchen „ab“. 🙄 Stattdessen wurde einer von unzähligen Kalkulatoren verlinkt.

Berufsverbände und Organisationen geben häufig Empfehlungen für Stundensätze ab und bieten eigene Rechner an, in denen Ausgaben, Arbeitsstunden etc. kleinteilig erfasst werden, um am Ende einen individuellen Stundensatz zu berechnen. Daran ist absolut nichts auszusetzen! Sie bieten eine gute Orientierung und sorgen für faire Bezahlung von Kreativen. Trotzdem haben sie Grenzen und passen nicht zu jeder Lebens- bzw. Arbeitssituation.

Die „Illustratoren-Organisation“, die mir auf Mastodon verlinkt wurde, empfiehlt beispielsweise pauschal einen Stundensatz von 56 € ohne Nutzungsrechte. Allein die reine Arbeitszeit einer Halbkörper-Illustration beträgt bei mir aktuell rund 10 Stunden, was nicht mal allzu lange ist. Damit wäre ich bei stolzen 560 € zzgl. Lizenzgebühren. Klingt erst mal richtig fair und toll, keine Frage! Darin ist nicht mal die Recherche und administrative Arbeit enthalten, auf die ich später eingehe.

Für ein einfaches Nutzungsrecht, nicht mal exklusiv, in einem einzelnen Printmedium und online, in einer geringen Auflage über unbegrenzte Zeit weltweit (denn wer soll das ansonsten schon kontrollieren in Zeiten von Internet und Social Media?) setzt die Organisation nun einen Faktor von 2,8 an, ebenfalls in einem Rechner kalkulierbar. Das sind 1.568 €! Mit Arbeitszeit und Nutzungshonorar käme ich also bei einer einzelnen Illustration im günstigsten Falle auf 2.128 €. You wish! 🥴

Was ich damit sagen möchte: Solche Empfehlungen sollten immer mit Vorsicht betrachtet werden, so gut sie auch gemeint sind.

Individuelle Situation

Wie bereits erwähnt ist die individuelle Situation von entscheidender Bedeutung. Welche anderen Einkünfte habe ich, welche Kosten muss ich abdecken, welche Ansprüche habe ich selbst an Arbeit und Bezahlung, was ist meine Zielgruppe bereit und in der Lage zu zahlen?

Ich bin dafür ein sehr gutes Beispiel: Ich habe einen Brotjob, illustriere daneben in Teilzeit als Kleinunternehmerin. Da ich verbeamtet bin und meinen Job sehr gern mache, steht nicht zur Debatte, diesen irgendwann vollständig aufzugeben. Stattdessen ist mein Ziel, auf ca. 20 Stunden zu reduzieren, sobald ich es mir leisten kann.

Für mich bedeutet das: Ich habe bereits eine primäre Einkommensquelle mit Sicherheit. Ich muss private Krankenversicherung und diverse andere Leistungen ohnehin bereits zahlen. Meine Krankenversicherung kostet z. B. immer das gleiche, ob ich nun wie jetzt 30 Stunden arbeite oder später 20. Außerdem muss ich nicht meine gesamte Altersvorsorge privat wuppen, sondern sie lediglich aufstocken. All das spielt mit in meine Preisgestaltung rein, denn ich kann mir „erlauben“ etwas günstiger zu arbeiten, natürlich ohne Preisdumping zu betreiben.

Auf der anderen Seite muss ich genug verdienen, um das Defizit auszugleichen, denn 10 Stunden weniger pro Woche tun weh auf dem Konto. Die Versicherungen sind genau so teuer, als würde ich in Vollzeit arbeiten. Meine Pension wird mir anteilig gekürzt, das wird im Alter ebenfalls schmerzhaft, wenn ich diese Lücke nicht stopfe. Hinterherwerfen kann und will ich meine Illustrationen also auch niemandem.

Trotzdem muss ich keine 2.000 € für eine einzelne Illustration verlangen …

Ich denken, mein Punkt ist relativ klar geworden, oder? 😉

Sonderfall Kleinunternehmen

Ohne an dieser Stelle auf alle rechtlichen Besonderheiten des Kleinunternehmens einzugehen, ist der wohl wichtigste Punkt, dass es grundsätzlich eine Umsatzgrenze von aktuell 25.000 € pro Jahr gibt. Mehr dürfte ich also nicht verdienen, wenn ich in dieser Regelung bleiben möchte, was allein wegen der Kosten und Bürokratie ein absolutes Muss für mich ist!

Im Monat entspräche das rund 2.083 € Umsatz. Wenn ich das durch meine angepeilten 20 Stunden pro Woche, also 80 Stunden im Monat teile, wäre ich bei ca. 26 € Stundenlohn. Um bei dem Beispiel oben zu bleiben, wären das 260 € für eine Halbkörper-Illustration inkl. kommerzielle Nutzungsrechte. Klingt schon realistischer, oder? 😉

Davon müsste ich, wenn ich es ganz genau nehme, aber ¼ all meiner Lebenshaltungskosten und Vorsorgeleistungen zahlen. Denn die kreative Arbeit bindet dann ¼ meiner Arbeitskraft, die mir im Brotjob fehlt, ohne dass meine Kosten entsprechend geringer würden.

Teilweise entspricht aber nicht mal das dem, was ich bei hauptberuflichen Kolleg:innen so sehe (irgendwie fühlt es sich immer noch falsch an, von „Kolleg:innen“ zu sprechen, als wäre ich voll der Pro 😂). Daran orientiere ich mich selbstverständlich auch.

Das eigene Gefühl

Gefühle und Befindlichkeiten sind nun wirklich nicht die besten Kriterien für Preiskalkulationen. Dennoch muss ich für meine Preise geradestehen und sie mit gutem Gefühl vertreten können. Bei über 2.000 € könnte ich das schlicht weg nicht. Nicht in meiner Situation zumindest.

Ich versuche also, ein Zwischending zu finden. Meine Kosten wollen einigermaßen gedeckt sein, aber ich bin auch realistisch, was meine Fähigkeiten angeht, die nun einmal nicht exorbitant sind (hallo Imposter-Syndrom! 😂). Trotzdem werden sie besser, ich werde schneller, ich werde sicherer, ich werde professioneller.

Ja, aktuell bin ich mit 90 € für eine Halbkörper-Illustration recht günstig, selbst wenn man die 260 € von oben als Maßstab nimmt. Mein BWL-Prof hätte das vermutlich als Marktpenetrationsstrategie bezeichnet. 😂 Im Prinzip ist es genau das: Ich muss Fuß fassen, mir einen Namen machen, an meinen Fähigkeiten arbeiten. Dann kann ich auch mit gutem Gewissen und berechtigt die Preise etwas erhöhen.

Denn nach wie vor bleibt mein Ziel: Kreativität ausbauen und davon (teilweise) leben können!

Arbeitsstunden

Ich möchte an dieser Stelle keine Grundsatzdiskussion über schnelles oder langsames Arbeiten und den damit zusammenhängenden Preis starten, denn die halte ich für absolut fehlgeleitet. Künstlerische Leistung bzw. deren Wert lässt sich nicht in reiner Arbeitszeit messen – Punkt. Stattdessen möchte ich dir an dieser Stelle einfach mal ein Beispiel an die Hand geben, was das aktuell bei mir bedeutet.

Bleiben wir bei meiner Halbkörper-Illustration. In den 90 €, die ich dafür berechne, sind als reine Stunden ungefähr enthalten:

  • Sichtung und Beantwortung der Anfrage: 0,5 Stunden

  • Briefing, als Meeting oder per Mail: 1-2 Stunden

  • Vertragserstellung, Lizenzvereinbarung: 1 Stunde

  • 2-3 Reviews als Meeting oder per Mail: 2-6 Stunden

  • Nachbereitung, Rechnungen erstellen: 2 Stunden

  • Recherche, Modelle, Referenzen: 3-4 Stunden

  • Illustration: 10 Stunden

  • Dateiexport und -upload: 0,5 Stunden

Die Angaben sind nur grob geschätzt, aber ich komme insgesamt auf mindestens etwa 20 Stunden. Bei 90 € sind das 4,50 € pro Stunde. Ich denke, das spricht für sich. Der aktuelle Mindestlohn liegt übrigens bei 13,90 €. Wenn ich mir das jetzt so ansehe, bin ich selbst deprimiert. 😂

Von Werbung/Content fange ich lieber gar nicht erst an. 🥴

Meine Zielgruppe

Ebenfalls ein wichtiger Punkt: Welche Zielgruppe soll denn überhaupt angesprochen werden?

Darüber habe ich mir beispielsweise gerade erst konkret Gedanken gemacht, als ich beschlossen habe, mich vorerst nicht mehr eigeninitiativ bei Belletristik-Verlagen zu bewerben. Stattdessen möchte ich mich an Selfpublisher:innen und Pen-and-Paper-Spieler:innen richten, vielleicht auch Community-Projekte. Da sind Budget und Umfang der Verwertung deutlich geringer, weshalb ich meine Preise ebenfalls etwas angepasst habe.

Für Verlage arbeite ich mit einem Zuschlag, da die Nutzung hier oft umfangreicher ausfällt. Aktuell schlage ich 50 % des Gesamtpreises auf.

Fazit

Den perfekten Preis gibt es nicht. Es wird immer Menschen geben, denen er zu hoch oder eben zu niedrig ist. Für mich hat er nicht nur was mit Arbeitszeit zu tun, sondern auch mit Wertschätzung der Kreativität. Ich möchte von meiner Kreativität möglichst sorgenfrei leben können, meiner Familie etwas bieten und mich nicht verheizen lassen. Wem diese Ansprüche „zu teuer“ sind, der kann woanders suchen. 🤷🏻‍♀️

Aktuell sind meine Preise zwar niedrig, aber nicht in Stein gemeißelt. Wenn ich es mir zutraue, erlaube ich mir, sie zu erhöhen.

Was mir ebenfalls enorm hilft, zumal sie verlässlicher sind als schwankende Auftragslagen, sind Mitgliedschaften auf Steady und Patreon. Wenn du mich dort regelmäßig unterstützen möchtest, geht das bereits ab 3 € im Monat, inkl. kostenloser Probemitgliedschaft für 30 bzw. 7 Tage, je nach Plattform:

Damit unterstützt du mich z. B. auch bei diesem Newsletter hier und bei vielen anderen tollen Projekten auf dem Weg zur Reduzierung des Brotjobs! 🥰✨

Ich hoffe, dieser kleine Einblick war spannend! Gibt es etwas, das du noch wissen möchtest? Hat dich etwas überrascht? Antworte gern auf diese Mail und lass es mich wissen!

Danke für deinen Support und bis zum nächsten Mal! 🩵

Argomento Drachenpost

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