Es heißt ja, man solle interessante und hilfreiche Inhalte mit der Community teilen. Nun kann ich selbst schlecht beurteilen, was für wen interessant und hilfreich ist. Zumal schon drölfzig Personen schlaue Tipps und Tricks parat haben, warum sollte ich das dann auch noch machen? Tja, eine Antwort habe ich darauf nicht, aber ich mache es jetzt trotzdem mal. 😂 Vielleicht kannst du ein wenig Input für dich mitnehmen und hast Spaß am Lesen, wie ich mein Schreiben gestalte bzw. wie ich es versuche. 🩵
Schreibprozess
Leise rieselt die Schneeflocke
Ich werde hier keine weitere Abhandlung über die zig Varianten von Schreibmethoden verfassen. Schneeflockenmethode und wie sie alle heißen, haben mir persönlich nie besonders geholfen. Ehrlich gesagt, ist es mir relativ egal, wie irgendwas heißt. Ich mache es einfach, sofern es für mich gut funktioniert. Erwarte also bitte keine wissenschaftliche Abhandlung über Storybuilding. 😅
Woran ich mich wirklich versuche zu halten – einfach, weil es absoluter Standard ist und quasi von allein funktioniert – ist die klassische Three-Act-Structure.

Vor Ewigkeiten habe ich mir mal einen Planer für Goodnotes zugelegt, in welchem man alle nur erdenklichen Varianten des Vorbereitens eines Buches durchspielen kann. Nutzen tue ich davon nur einen Bruchteil. Was mir aber definitiv hilft, um meine Gedanken vorzusortieren, ist der Teil, in welchem das Buch in die drei Akte sowie die darin enthaltenen Zwischenstufen eingeteilt wird. Jeder Akt hat zudem eine ungefähre Prozentzahl, wie groß sein Anteil im Buch sein sollte.

Den Planer gab es bei Etsy für ein paar Euro. Es gibt noch unzählige andere Varianten, diese gefiel mir schlicht am besten.
Plotten – ja, nein, vielleicht?
Ich beschränke mich beim Plotten auf ein Minimum. Früher habe ich komplett ohne Plan losgeschrieben, dadurch kam unheimlich viel Stoff zusammen … nur fertig wurde ich nie. Darum habe ich mir nun zumindest immer einen groben Rahmen gesteckt, wohin ich mit einer Story will.
Es gibt einige Meilensteine, manchmal auch Szenen, die mir spontan in den Kopf kommen, die ich dann unbedingt irgendwo stimmig einbauen möchte. Was aber dazwischen passiert, das stellt sich erst beim Schreiben heraus. Eine Ausnahme davon ist Rausch des Blutes, denn das Abenteuer, auf dem das Buch basiert, hat mir so ziemlich den gesamten Verlauf vorgegeben. Ich habe dann lediglich links und rechts des Weges ein wenig ausgeschmückt. 😁
Ganz ohne geht es also nicht, denn ansonsten drifte ich vollkommen ab, komme nie zum Punkt und werde nie fertig. Noch schwerer fällt es mir dann, mich daran zu halten, denn wer soll mich schon aufhalten, alles wieder über den Haufen zu werfen? 😂
Auf den Inhalt kommt es an
Beim eigentlichen Schreiben hangele ich mich an meinen Plotnotizen entlang, sehe diese allerdings eher als grobe Richtlinien. Wenn sich ein etwas anderer Verlauf besser anfühlt, dann weiche ich auch mal ein wenig ab. Ich achte nur darauf, dass es weiter in meinem groben gesteckten Rahmen bleibt. Schließlich will ich nicht meine gesamten folgenden Meilensteine aushebeln.
Ich besitze ein ausgesprochenes Talent dafür, mir Dinge zu „zerdenken“ - so natürlich auch meinen Plot. Sitze ich zu lange oder zu intensiv an einer bestimmten Szene, denke ich sie kaputt, überlege es mir ständig anders und werfe alles über den Haufen. Das ist nicht nur wahnsinnig ineffizient, sondern dazu noch unglaublich frustrierend und demotivierend. Dagegen nutze ich seit Kurzen einen Ansatz, den ich aus We Need Your Art von Amie McNee übernommen habe: Ich erlaube mir (fast) keine Überarbeitung, sondern schreibe zunächst einmal runter. Wenn alles steht, geht es in die Detailarbeit. Wie diese Taktik letzten Endes für mich funktioniert, bleibt abzuwarten. So weit bin ich mit meinen aktuellen Projekten schlicht noch nicht. 😉 (Die zugehörige Rezension sollte ich demnächst auch mal von Patreon hier rüber holen …)
Kreativität nach Plan
Klingt erst mal wahnsinnig unkreativ, ich weiß. Zuletzt habe ich allerdings viele Bücher anderer Kreativer gelesen und in jedem davon ist genau davon die Rede. Es bringt nicht viel, nur immer auf die Muse zu warten. Für einige Personen mag das klappen und natürlich kommt es auch mal vor, dass ich einen richtigen Boost Kreativität verspüre. Das kann ich allerdings so ziemlich an einer Hand abzählen, wie oft das im Jahr passiert. 🤪
In meinem letzten Schreibupdate (Si apre in una nuova finestra) habe ich bereits davon berichtet, dass ich der Muse stattdessen zu relativ festen Terminen Anwesenheitspflicht erteile. Seitdem liegt dieser schnöde kleine Zettel permanent irgendwo in meiner Nähe:

Wenn es mal nicht passt, weil das Leben dazwischenfunkt, dann ist es halt so. Trotzdem versuche ich, mich bestmöglich daran zu halten.
Ein weiterer Vorteil ist: Ich weiß am Ende des Tages, was bzw. dass ich etwas getan habe. Dadurch mache ich effektiv weniger, schaffe aber überhaupt etwas, überarbeite mich nicht so sehr und komme besser zur Ruhe. Andernfalls habe ich permanent das Gefühl, zu wenig zu tun. Ich muss wirklich sehen, was ich geleistet habe – und sei es nur auf einer langweiligen Liste. Aber ich schweife ab … Falls das im Detail interessant ist, lass es mich gern wissen, dann hole ich in einem anderen Newsletter noch mal etwas weiter aus. 😬
Meine Tools
An dieser Stelle habe ich dir die essenziellen Tools aufgelistet, die ich zum Schreiben an verschiedenen Punkten nutze. Ich beschreibe sie nur grob, da es ansonsten den Rahmen sprengen würde. Es reicht aber allemal für erste Eindrücke der jeweiligen Software. 🤓

Ich arbeite zu 90 % am iPad, aber alle diese Apps laufen auch auf anderen Systemen!
Goodnotes
Hier geht alles los! Goodnotes ist eine Anwendung für unterschiedlichste Formen von Notizen. Ich nutze sie, um meine Gedanken erst einmal grob in ein Notizbuch zu schreiben (nicht tippen!). Der handschriftliche Charakter ist mir dabei extrem wichtig. Die Story fühlt sich einfach stimmiger an, wenn ich sie mir einmal „durch die Hand gehen lasse“. 😁 Tippen kommt dann schließlich noch früh und lange genug.

Du siehst schon, man kann alles super sortieren. Farben und Symbole der Ordner sind anpassbar, darin sind Notizbücher und/oder lose Notizblätter oder für mein Studium sogar Lernkarten. Vom Inhalt habe ich keinen Screenshot gemacht, zu viele Spoiler und private Notizen. 😉 Eine Seite Notizen, die ich für diesen Beitrag geschrieben habe, gibt es allerdings:

Ganz besonders gefällt mir, dass ich schwarze Seiten und ein Punktraster für meine Notizbücher einstellen kann. Daneben gibt es super viele Tool zum Radieren, Ausschneiden, Verschieben, Markieren und, und, und. Zusätzlich gibt es Aufkleber, Vorlagen für ganze Planer (wie den oben) und mehr. Ich lieb’s einfach total!
Die Preisgestaltung kannst du oben bereits sehen. Es gibt vier Varianten: einen kostenlosen Plan, zwei Abos mit jährlicher Zahlung sowie eine lebenslange Lizenz exklusiv mit Apple-ID. Beim Abo hätte ich vermutlich gezögert, weil ich keine Abos mag. Lohnen tut es sich meiner Meinung nach dennoch. Zu meinem Glück habe ich mit meiner Apple-ID die Einmalzahlung wählen können. Sie bietet nicht alle Optionen des Abos, aber auf KI-Features verzichte ich nur zu gern. 🤮 Mit dem Kram lässt dich Goodnotes zum Glück in Ruhe, wenn du nicht dafür zahlst.
Obsidian
Wenn der grobe Plot steht (muss nicht der ganze sein, ich arbeite etappenweise), wird alles etwas glatter gezogen und sortiert. Dazu nutze ich Obsidian, eine Notizapp im Markdown-Format. Das ist eine vereinfachte Auszeichnungssprache, die Texte und Daten formatiert – insbesondere bekannt von HTML. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. 🙂↔️ Es bietet lediglich eine super schnelle und leichte Art, den Text direkt zu formatieren und zu strukturieren.

Jedes Projekt bekommt einen eigenen “Vault”, meine siehst du unten links. Gerade ist Rausch des Blutes geöffnet. Der Vault ist sehr klein, da ich das Projekt noch ohne Obsidian bearbeitet habe und nur ein wenig für die Übertragung in mein Eterna-Universum nutze. Der Eterna-Vault beispielsweise ist viel umfangreicher, da ich dort das gesamte World Building untergebracht habe. Das zeige ich hier aus Gründen nicht. 😋
Obsidian erkennt zwar Handschrift, aber ab diesem Punkt wird bei mir sauber getippt. Bei Bedarf kann ich Bilder einfügen, z. B. für Charakterkarten. Ich kann Ordner anlegen, einzelne Notizen, Tabellen und mehr. An dieser Stelle entsteht die Kapitelstruktur mit dem jeweiligen groben Inhalt.
Die App gehört Dynalist Inc. mit Sitz in Kanada und ist komplett spendenfinanziert. Du kannst sie also kostenlos nutzen. Lediglich Features wie Synchronisation auf mehreren Geräten (4 $ / Monat) oder gewerbliche Nutzung in größeren Teams (8 $ / Monat) sind kostenpflichtig. Außerdem gibt es freiwillige Spendenpakete, um die Entwickler:innen zu unterstützen.
Proton Docs
Docs befindet sich bei mir noch als Word-Alternative in der Testphase. 😃 Die Oberfläche ist fast exakt gleich, daher habe ich mir den Screenshot gespart. Die Anwendung läuft als Webanwendung in Kombination mit Proton Drive. Einen Standalone habe ich bisher nicht gefunden, aber wer weiß, was noch kommt!
In Docs schreibe ich den eigentlichen Text zunächst einfach runter und kann von all meinen Geräten darauf zugreifen, da er im Drive automatisch überall synchronisiert. Das ist von Microsoft ebenfalls bekannt und sehr praktisch. Ich mag die simple, ablenkungsfreie Oberfläche unheimlich gern.
Proton hat sehr viele verschiedene Preismodelle, die ich nicht alle aufzählen möchte. In den Paketen ist eigentlich für jede:n etwas dabei. Ich persönlich habe mich für „Proton Unlimited“ entschieden, worin unter anderem eben Drive und Docs enthalten sind. Bei jährlicher Zahlung liegt das Abo bei 9,99 € pro Monat, bei monatlicher Zahlung hingegen bei 12,99 €. Dabei sollte bedacht werden, dass darin auch Mail enthalten ist, das mit 15 individuellen Adressen und einer eigenen Domain (separat erhältlich) daherkommt, die man mit Proton verknüpfen kann! 😱 Finde ich mega, daher generell große Empfehlung für Proton an dieser Stelle. So habe ich beispielsweise meine ascira.art-Domain, die ich bei Strato hoste, auf die Proton-Server geleitet.
Proton hat seinen Sitz in der Schweiz, wurde von CERN-Wissenschaftler:innen entwickelt und verschlüsselt sämtliche Daten Ende-zu-Ende. 👏🏻 Kein Copilot liest deine Texte aus!
Publisher 2
Wenn der Text weit genug ist, um z. B. einen Probedruck erstellen zu lassen, setze ich das Layout ordentlich in Publisher 2 um. Hier habe ich alle Möglichkeiten, um meine Geschichte genau so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle.
Die App gerät insbesondere bei längeren Texten an ihre Grenzen. Das habe ich bei Rausch des Blutes gemerkt, als sie nicht nur einmal abgestürzt ist oder Formatierungen nicht übernommen hat. 😵 Allerdings gibt es inzwischen die Desktop-Variante konstenlos, sodass diese Hürde wegfallen dürfte. Getestet habe ich das noch nicht, da ich RdB bisher nicht neu setzen musste/wollte. Das nächste Projekt wird dafür herhalten. ^^
Papyrus Autor 12
Dir wird bestimmt schon aufgefallen sein, dass in meinem Schreibordner etwas fehlt bzw. ich eine Anwendung am iPad ja gar nicht verwenden kann, an dem ich zu 90 % arbeite.
Papyrus ist das Programm für Autor:innen und quasi der heiße Scheiß unter den Schriftstellenden. Ich besitze es sogar … und nutze es nicht. 🤣
Punkt 1 dafür ist simpel: Es gibt keine App. Das war mir von Anfang an klar, trotzdem ging ich davon aus, der Unterschied könne so groß nicht sein, ob ich am Desktop oder am iPad arbeite. Ergebnis: Doch, ist er (für mich) – also dickes Minus. Da ich hauptsächlich im Homeoffice an dem Schreibtisch arbeite, an welchem mein Desktop-PC steht, fehlt mir die Trennung zwischen Arbeit und Kreativem. Ich brauche meine „Bliss Station“, wie Austin Kleon sie so schön nennt, die ausschließlich für Schreiben und Zeichnen genutzt wird. So kann ich mental besser umschalten.
Punkt 2 ist die für mich vollkommen unnötig komplizierte und verschachtelte Oberfläche. Nach jeder längeren Pause, und die kommen bei mir nun mal öfter vor, muss ich erst mal wieder lernen, was ich wo finde. Das nervt einfach. In meinen anderen Apps komme ich schneller und besser sortiert an meine Unterlagen, z. B. Charakterkarten.
Andere Spielereien wie Plotbäume oder einen Zeitstrahl brauche ich schlicht nicht. So sehr komplex und verzweigt sind meine Geschichten nicht bzw. auch das decke ich durch andere Tools bereits mit ab.
Mit komplexeren, individuellen Layouts ist Papyrus zudem überfordert. Ich käme also so oder so nicht um ordentliches Setzen im Layout-Programm herum. Dann kann ich auch direkt den Text darin finalisieren, denn dafür arbeite ich zu gern mit Kapitelzierden, Illustrationen etc. und werde das in Jägerherz und Hexenkuss entsprechend ausweiten.
Letzten Endes ist Papyrus bei mir zu einem teuren eBook-Konverter verkommen, denn das kann das Programm immerhin wirklich ganz gut. 😅
Viele andere Autor:innen schwören absolut auf Papyrus, das ist total fein. Mein Fall ist es nicht.
Nur kein Druck? Doch, bitte!
Allein die Fehler und Probleme der Formatierung, die mir selbst dabei noch auffallen … Aber nein, der eigentliche Grund ist en ganz anderer: Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, die eigene Geschichte gedruckt in der Hand zu halten! 🥹
Umso enttäuschter war/bin ich, dass Rausch des Blutes niemals eine Printausgabe bekommen wird. Für mich selbst und meine Pen-and-Paper-Gruppe habe ich trotzdem Exemplare drucken lassen. 🥰
Druckanbieter gibt es wie Sand am Meer, die bekanntesten sind sicherlich Books on Demand und ePubli, die beide jeweils zusätzlich als Verlage fungieren können, wenn man das möchte. Das ist aber ein anderes Thema, mit dem ich selbst mich nicht weiter auseinandergesetzt habe, denn es kam schlicht nie infrage. Für mich war letzten Endes die Kombination aus Druckqualität, Oberfläche des Editors und natürlich dem Preis relevant. In meinem Fall hat dabei ePubli das Rennen gemacht. Der Editor ist schnell und leicht zu bedienen, ich kann problemlos selbst eine „neue Auflage“ erstellen (sprich: neue Druckdatei hochladen), das Taschenbuchformat ist kompakt, aber nicht zu klein und die Druckqualität ist gut. Sollte ich also irgendwann mal Jägerherz und Hexenkuss beenden, werde ich es dort drucken lassen, nehme ich an. 😉 Falls ich allerdings ganz fancy werde und einen Farbschnitt will, wird es eine andere Druckerei, die Druck und Veredelung in einem Schritt anbietet. Beides ist bei ePubli nämlich nicht möglich.

Leider kann man also die gedruckte Ausgabe nicht kaufen, stattdessen gibt es das ePub im eBook-Store (Si apre in una nuova finestra) von Ulisses. 😉
Epilog
Ich weiß, ich bin diesmal etwas eskaliert. Hoffentlich war es trotzdem interessant! Danke, dass du bis hierher durchgehalten hast. 😬 Wie hat dir der Einblick gefallen? Und möchtest du einen ähnlichen Beitrag für den Bereich Zeichnen sehen und/oder einen genaueren Einblick ins Schreiben? Dann antworte gern einfach auf diesen Newsletter bzw. kommentiere auf Steady.
Wir lesen uns beim nächsten Mal! 🩵