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Dunkler Tag für den Jugendschutz?

Kolumne / Hinterfragt

Du interessierst Dich für Dich selbst und Deine Beziehungen. Deshalb liest Du diesen Newsletter bei »Aufklärung tut Not«. Verbote sind nicht per se schlecht!

Hallo und willkommen, bei Aufklärung tut Not,

es kommt schon mehr oder weniger einem Reflex gleich. Bereits, wenn bezogen auf Kinder und Jugendliche Verbote diskutiert werden, finden sich Personen, die vermeintliche Argumente dagegen haben.

https://netzpolitik.org/2025/social-media-bann-in-australien-startet-ein-dunkler-tag-fuer-den-jugendschutz-im-netz/ (Si apre in una nuova finestra)

Jugendlichen ist nicht geholfen

»Netzpolitik.org« bezeichnet jetzt in einem Kommentar den heutigen Tag, ab dem in Australien für Kinder und Jugendliche der Zugriff auf gewisse Plattformen untersagt wird, nicht nur als einen »dunklen Tag für den Jugendschutz«. Nein, es wird auch behauptet, dass Jugendlichen damit kein Stück geholfen ist.

Gut … es handelt sich um einen Kommentar. Insofern wissen wir alle, dass es hier nicht um wissenschaftliche Einschätzungen gehen kann, sondern um die Meinung eines Einzelnen.

Doch wie das so ist mit Meinungen. Sie können uns doch beeinflussen, auch wenn sie nicht mal ansatzweise mit Fakten hinterlegt sind.

Der australische Social-Media-Bann ist vor allem Symbolpolitik, und nur aus dieser Perspektive ist er ein Erfolg.

Mit dem Begriff Symbolpolitik verbinden wir was?

Wikipedia1 schreibt dazu:

„Symbolpolitik“ kann aber auch abwertend gemeint sein. Die betreffenden Maßnahmen hätten nur Signalcharakter, um gewisse Reaktionen hervorzurufen. Sie würden aber das konkrete Problem nicht lösen.

Ein Kommentar bei der Zeit stößt im Übrigen in ein ähnliches Horn:

https://www.zeit.de/2025/53/social-media-verbot-australien-kinder-tiktok-instagram-youtube#cid-78993027 (Si apre in una nuova finestra)

Was ist das Problem?

Entsprechend wird im weiteren Verlauf des Kommentars behauptet, die australische Regierung würde das Problem nicht lösen. Außerdem stellt der Kommentator weitere Behauptungen in den Raum, deren Zitieren aus diesem Grund vollkommen müßig ist.

Die Frage, die es zu erörtern gilt, ist: Was ist das Problem?

Konzerne

Wir haben auf der einen Seite Konzerne, die Geld verdienen wollen: YouTube, Instagram, Facebook, TikTok usw. Dazu schalten diese Werbung, die angeschaut werden soll. Also tun sie alles, um Nutzer auf ihre Plattformen zu bannen.

Creator

Die Inhalte erstellen sogenannte »Creator«. Diese sind ebenfalls daran interessiert, dass im Besonderen ihre Inhalte Aufmerksamkeit bekommen.

Eltern

Für Eltern ist es immens wichtig, dass ihr Nachwuchs nicht den Anschluss verliert, wenn sie ihre Verantwortung als Mutter oder Vater wahrnehmen wollen.

Kinder

Die Neugierde von Kindern führt dazu, dass sie Bildschirme spannend finden. Denn diese bieten bewegte Bilder, also Videos, oder auch Spiele, und Fotos. Alles wunderbar bunt.

Fokus - 2 Perspektiven

Bei der Debatte um den Zugang zu den Angeboten der Konzerne stehen sich letztendlich zwei Auffassungen gegenüber, die man mit den Begriffen Schutz und Teilhabe zusammenfassen kann.

Teilhabe

Teilhabe rückt in den Fokus, bei dem ein oder anderen, weil Kinder angeblich ein Recht darauf haben, digitale Angebote zu nutzen und gleichzeitig an diese so früh wie möglich herangeführt werden müssen, damit sie nicht abgehängt werden.

Das führt dazu, dass Kinder mit 6, 7 oder 9 Jahren mit einem Medium umgehen, dessen Bedeutung sie nicht erfassen können. Denn erst ab dem 12. Lebensjahr sind Kinder in der Lage, das Abstrakte, und damit auch Lebensfremde, als solches zu erfassen.

Die Argumente zur Teilhabe spielen den Konzernen selbstverständlich in die Karten.

Schutz

Als Elternteil laufen Mütter und Väter Gefahr, der Idee der Teilhabe aufzusitzen. Dabei ist es, mit der Logik der Teilhabe, ihre Aufgabe, diese zu ermöglichen, und, das ist dabei entscheidend, diese zu begleiten.

Wer als Mutter oder Vater die Fähigkeiten hat, und die Zeit bzw. Muße, mag das umsetzen können. Doch den einfachsten Schutz vor den vielfältigen, negativen Auswirkungen, die sämtlich mit Studien hinterlegt sind, bietet ein Verbot; nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren Eltern. Da ist die Zunahme von Gewalt auf den Plattformen, auf die Kinder stoßen, nur die Spitze des Eisbergs.

Der Kinderschutz und Jugendschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht die »alleinige« von Eltern.

Mangelnde Handlungsfähigkeit

Deutschland ist, oder besser, die deutsche Politik, ist hinsichtlich vieler gesellschaftspolitischer Fragen oft schlichtweg zu zögerlich.

Eltern befinden sich also im Spannungsfeld Teilhabe und Schutz, und werden diesbezüglich bis dato nicht nur allein gelassen, sondern auch überfordert.

Eltern müssen sich entscheiden: Teilhabe oder Schutz.

Möchten Eltern Verantwortung übernehmen und dabei möglichst wenig verkehrt machen, müssen sie sich unbedingt für den Schutz entscheiden, solange die deutsche Politik der australischen nicht folgt.

Denn das Beherrschen eines Endgerätes, welcher Art auch immer, ist kein Hexenwerk.

Bedeutet: Smartphone & Co und Internetzugang frühestens ab dem 16. Lebensjahr erlauben!

Und für Erwachsene heißt dies auch, den eigenen Konsum auf mehrfacher Ebene zu hinterfragen: vielleicht die eigentliche Herausforderung!😉

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Freundliche Grüße

Bis zum nächsten Mal

Michael Ueberschaer bei ATN (Aufklärung tut Not)

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolpolitik

Argomento Kolumne

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