Hallo,
glaubst du, dass die Aufmerksamkeit in der Krise ist?
Darüber liest man seit einer Weile recht viel, auch ich habe schon darüber geschrieben, hier (Si apre in una nuova finestra)und hier (Si apre in una nuova finestra)und hier (Si apre in una nuova finestra). Eine PR-Frau, mit der ich diese Woche vor einem Interview smalltalkte, führte die mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Publikums als Grund dafür an, dass ihre und meine Branche so in der Krise steckten.
Da musste ich widersprechen, und sei es nur, um ein interessanteres Gespräch zu führen. Denn insbesondere wenn Verlagsmenschen und Reporterinnen, Autoren und Moderatorinnen beklagen, dass ihnen keiner mehr zuhört, denke ich an diesen Essay des Historikers Daniel Immerwahr im Magazin New Yorker. (Si apre in una nuova finestra) Er schreibt darin unter anderem:
When someone calls for audiences to be more patient, I instinctively think, Alternatively, you could be less boring.
Mich haben seine Gedanken in diesem sehr langen Stück so beeindruckt, dass ich ihn für den Spiegel dazu interviewt habe (🎁-Link (Si apre in una nuova finestra)).
Seine Argumentation geht in etwa so: Menschen sind nach wie vor zu Aufmerksamkeit fähig, das sieht man daran, dass sie stundenlang Podcasts hören oder Videospiele spielen. Insbesondere, wenn sie sich im Internet in verschwörungstheoretische Kaninchenlöcher graben, würde man sich manchmal wünschen, sie wären etwas weniger konzentriert bei der Sache.
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Immerwahr sagt also über die aktuelle Medienlandschaft keineswegs: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es kein Problem. Nur ist es seiner Meinung nach falsch, die verkürzte Aufmerksamkeitsspanne als Ursache heranzuziehen.