Warum ich Steady statt Substack nutze
Die bekannte Newsletter-Plattform Substack verschickte eine Push-Benachrichtigung mit Hakenkreuz-Flagge und forderte Nutzer:innen auf, einen Nazi-Newsletter zu abonnieren. Darin bezeichnen die Verfasser jüdische Menschen als „Krankheit“ und fordern, Minderheiten „auszurotten“. Der Newsletter nennt sich selbst einen „wöchentlichen Newsletter mit Meinungen und Nachrichten, die für Nationalsozialisten und weiße Nationalisten wichtig sind“.
Wie die Journalistin Taylor Lorenz in ihrem UserMag (Si apre in una nuova finestra) berichtete, erreichte die Push-Benachrichtigung Ende Juli eine unbekannte Anzahl von Nutzer:innen. Einige von ihnen äußerten in sozialen Medien Empörung oder Verwunderung darüber, warum sie einen Nazi-Blog abonnieren sollten. Substack sprach von einem technischen Fehler, entschuldigte sich, ließ den Newsletter jedoch online.
Einige Nutzer spekulierten, ob die Benachrichtigung mit der jüngsten Finanzierungsrunde von Substack zusammenhängt. Substack wird hauptsächlich von Andreessen-Horowitz finanziert, einem Wagniskapital-Unternehmen, dessen Gründer Marc Andreessen und Ben Horowitz mit rechtsextremer Rhetorik aufgefallen sind.
Substack hat ein Nazi-Problem
Die US-Newsletterplattform wird nicht zum ersten Mal kritisiert, weil sie rechtsextreme und antisemitische Inhalte duldet und sogar deren Monetarisierung erlaubt. Bereits 2023 wurde bekannt, dass Neonazi-Newsletter mit Hakenkreuz-Symbolen und „White Supremacist“-Inhalten dort Geld verdienen. Substack-CEO Chris Best hatte damals Schwierigkeiten, auf eine Frage des Journalisten Nilay Patel zur Moderation von Hatespeech klar zu (Si apre in una nuova finestra)antworten. Der Journalist Casey Newton (Si apre in una nuova finestra) verließ deshalb Substack mit seinem Medium Plattformer (Si apre in una nuova finestra).
https://bsky.app/profile/theverge.com/post/3lv6yoptvjs2c (Si apre in una nuova finestra)Das war auch einer der Gründe, die mich bewogen, für das Bluesky-Briefing (Si apre in una nuova finestra) die deutsche Newsletter-Plattform Steady (Si apre in una nuova finestra) zu nutzen und nicht das bekanntere Substack. Hakenkreuz-Logo und Holocaust-Leugnung wären in Deutschland oder Österreich nicht erlaubt. Außerdem verbieten die Community-Richtlinien (Si apre in una nuova finestra) von Steady Hatespeech sehr klar. Gegründet wurde Steady 2016 von den deutschen Journalisten Sebastian Esser und Philip Schwörbel, die auch das Online-Magazin Krautreporter (Si apre in una nuova finestra) mitgegründet haben. Ihr Ziel ist es, die Medienwelt zu demokratisieren (Si apre in una nuova finestra) und Räume zu schaffen, in denen unabhängiger Journalismus gedeihen kann.
Wir entscheiden, welche Plattformen wir nutzen
Es gibt auch noch andere Alternativen zu Substack, zum Beispiel die Open-Source-Plattform Ghost (Si apre in una nuova finestra). Dort hat Sebastian Wilken seine Zugpost (Si apre in una nuova finestra) gehostet - einen Newsletter, den ich allen Bahn-Reisenden sehr empfehle! Noch ziemlich neu ist Leaflet.pub (Si apre in una nuova finestra), eine Publikationsplattform die auf dem AT-Protokoll von Bluesky basiert. Allerdings fehlen Leaflet noch einige Funktionen von Steady oder Ghost, aber grundsätzlich finde ich die Integration in AT-Proto sehr spannend.
Für Steady sprach für mich auch der Server-Standort in der Europäischen Union. Steady unterliegt als Berliner Unternehmen den europäischen Datenschutzgesetzen. Denn mir ist wichtig, dass Eure Daten so sicher wie möglich sind! Das Newsletter-Tool von Steady ist kostenlos. Von Euren Bezahl-Mitgliedschaften bekommt Steady zehn Prozent - ähnlich wie bei Substack. Das ist mir aber die Infrastruktur wert - alles selbst zu hosten, wäre wesentlich mehr Aufwand. Dazu kommen noch die Gebühren der Zahlungsdienstleister.
Mit einer Mitgliedschaft ermöglicht Ihr also nicht nur meine Arbeit, sondern unterstützt mit Steady auch eine europäische Plattform, die stärkere und unabhängigere Medien schaffen will. Das ist heute wichtiger denn je, jetzt wo Nazis, Tech-Oligarchen und fossile Autokraten unsere Freiheit und unsere Demokratie immer offener angreifen. Ich bin jedenfalls gerade sehr froh, dass Substack nichts am Bluesky-Briefing verdient. Wir können zwar nicht direkt bestimmen, welche Regeln auf Plattformen gelten - aber wir können selbst entscheiden, welche Plattformen wir nutzen und welche nicht!