Die Auswirkungen von Preissteigerungen auf Aktien, ETFs und die Börse.

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Heutige Ausgabe: Investieren in Zeiten hoher Inflation
Hinweis: Die Ausgabe erschien erstmals im Herbst 2022. Viele der besprochenen Aspekte sind zeitlos, manche (z.B. Inflationsraten oder Leitzinserhöhungen) beziehen sich auf die damalige Zeit.
Wir haben eine goldene Ära hinter uns: Die Zinsen verharrten jahrelang auf dem Tiefpunkt, die Inflation schien besiegt und Konsum auf Pump war allgegenwärtig. An den Finanzmärkten jagte ein Rekord den nächsten. Selbst als die Welt in den ersten Corona-Lockdowns stillstand, dauerte es nicht lange, bis staatliche Hilfen und das billige Geld der Notenbanken die nächste Kursrallye anfeuerten.
Doch mit Blick auf die Lage im Sommer 2022 wurde klar: Wir haben die Probleme nur aufgeschoben, nicht gelöst.
Der geldpolitische Kater und das Schreckgespenst Rezession
Die Party war vorerst vorbei. Die rasant gestiegene Inflation zwang die Notenbanken dazu, das Ruder hart herumzureißen. Um eine drohende Hyperinflation zu verhindern, mussten die Leitzinsen teils drastisch erhöht werden. Die amerikanische Fed hat den Leitzins im Jahr 2022 (bis zur Veröffentlichung der Folge) viermal angehoben, und auch die Europäische Zentralbank (EZB) zog im Juli und September deutlich nach.
Das bedeutete: Kredite wurden teurer, die Nachfrage sank und Unternehmen mussten plötzlich deutlich mehr für ihre Finanzierung zahlen. Diese Abkehr von den Niedrigzinsen war für die Zentralbanken eine heikle Gratwanderung. Bremsten sie zu stark, drohte der Wirtschaft eine Rezession (ein Schrumpfen der Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen).
Allerdings: Eine Rezession ist nicht nur schlecht. Nach Jahren des billigen Geldes, in denen auch ineffiziente Unternehmen künstlich am Leben gehalten wurden, kann ein wirtschaftlicher Abschwung wie eine strenge Diät wirken. Es ist ein marktwirtschaftlicher Reinigungsprozess. Nur die wirklich starken Unternehmen mit soliden Finanzen und guten Produkten werden solche Phase überstehen – und langfristig sogar als Gewinner daraus hervorgehen.
Warum Bargeld bei 8 % Inflation Gift für Dein Vermögen ist
Wer in der damaligen Situation aus Angst alles verkaufte und das Geld aufs Tagesgeldkonto legte, verlor garantiert. Bei einer Inflationsrate von 7-8% kostete ein Warenkorb, den man vor einem Jahr für 100 € gekauft hat, nun bereits 108 €. Bleibt die Inflation hoch, greift der Zinseszins-Effekt gegen Dich: Dein Vermögen schmilzt leise, aber rasant dahin.
Um den Kaufkraftverlust auszugleichen, brauchst Du eine Rendite, die mindestens der Inflationsrate entspricht. Und hier führt historisch betrachtet kein Weg an Aktien vorbei. Auch wenn die Kurse seinerzeit litten (besonders die vormals so beliebten Tech-Werte), wachsen Unternehmensgewinne und Dividenden auf lange Sicht tendenziell schneller als die Inflation. Wie Warren Buffett einmal treffend feststellte: Aktien sind in Zeiten hoher Inflation immer noch die beste aller schlechten Alternativen.
Die magische Zutat für Dein Depot: „Pricing Power“
Sollte man auf Schnäppchenjagd gehen, wenn viele Aktien eingebrochen sind? Hier ist höchste Vorsicht geboten! Die sportlichen Bewertungen der Vergangenheit waren mitunter Exzesse, die so schnell nicht wiederkommen.
Wenn Du in Einzelaktien investierst, musst Du gerade in einer solchen Situation auf höchste Qualität achten. Ein wichtiges Kriterium dabei lautet: Preismacht (Pricing Power), also die Frage: Ist ein Unternehmen Preisgeber oder Preisnehmer?
Preisgeber: Ein Unternehmen (z.B. ein Supermarkt), das gestiegene Kosten direkt an Kunden weitergeben kann, weil die Produkte essenziell sind. Der Umsatz wächst mit der Inflation mit.
Preisnehmer: Ein Unternehmen, das die Preise nicht erhöhen kann, aber gleichzeitig unter höheren Einkaufs- und Finanzierungskosten leidet. Hier gerät die Gewinnmarge massiv unter Druck.
Wer sich diese komplexe Einzelanalyse nicht zutraut, fährt mit einem breit gestreuten Welt-ETF oft am besten. Die Devise lautet: Sparplan weiterlaufen lassen, nicht versuchen den perfekten Einstiegszeitpunkt (die Talsohle) zu treffen und einen langen Atem beweisen.
Sind Anleihen das neue Wundermittel?
Steigende Zinsen klingen erst einmal nach einem Comeback für Unternehmens- oder Staatsanleihen. Doch Vorsicht vor der Renditefalle: Seriöse Anleihen können eine hohe Inflationsrate meist nicht kompensieren. Findest Du eine Anleihe, die eine sehr hohe Verzinsung verspricht, kaufst Du Dir damit ein massives Ausfallrisiko ein. Hohe Renditen bedeuten in der Regel auch eine mangelhafte Bonität des Schuldners.
Um alle Details, weitere Beispiele und die genauen Zusammenhänge zu verstehen, hör jetzt in die komplette Episode rein.
In der Folge erfährst Du:
Zinswende & Marktpsychologie: Warum die Unsicherheit zögerlicher Notenbanken für die Märkte schädlicher ist als ein beherzter, wenn auch schmerzhafter Zinsschritt.
Die Rezessions-Diät: Wie der wirtschaftliche Reinigungsprozess funktioniert und warum er langfristig gesündere und widerstandsfähigere Unternehmensstrukturen schafft.
Überlebensstrategie für Einzelaktien: Welche drei konkreten Kriterien (Pricing Power, niedrige Kosten, geringer Investitionsbedarf) krisenfeste Unternehmen in Inflationszeiten zwingend erfüllen müssen.
Das Anleihen-Dilemma: Warum sich eine hohe Bonität und ein echter Inflationsausgleich bei Anleihen im Marktumfeld von 2022 gegenseitig ausschließen.
Konkrete Handlungsempfehlungen: Warum stoisches Nachkaufen bei breit gestreuten ETFs – trotz möglicher Seitwärtsbewegungen – aktuell die nervenschonendste Strategie ist.
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