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Quills - Macht der Besessenheit (2000)

Wegen seiner blasphemischen und befreienden Literatur verbringt der Marquis de Sade seine letzten Lebensjahre in Charenton, einer Irrenanstalt, die liebevoll von Abbe de Coulmier geleitet wird. Doch weil die Magd Madeleine immer wieder de Sades Geschichten aus der Anstalt schmuggelt, so dass diese als Bücher verlegt werden können und Verbreitung finden, wird Napoleon auf die Werke aufmerksam, der in ihnen eine revolutionäre Gefahr sieht. Also schickt der kleine Kaiser einen Mann der Wissenschaft, den Arzt Dr. Royer-Collard, einen brutalen Menschenschinder, nach Charenton, um den Marquis zum Schweigen zu bringen. Das löst ein absolutes Chaos voller verstörender Perversionen und exzessiver Taten aus, denn der Marquis de Sade lässt sich nicht so leicht vom Schreiben abbringen.

Quills - Macht der Besessenheit von Philip Kaufman stammt aus dem Jahr 2000 und basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Doug Wright, der auch das Drehbuch schrieb. Der opulent inszenierte Film ist prominent besetzt mit Geoffrey Rush, der den Marquis ganz großartig spielt, Joaquin Phoenix als Abbe de Coulmier, Michael Caine als Dr. Royer-Collard und Kate Winslet in der Rolle der geilen Magd Madeleine.

Der Historienfilm besticht nicht durch seine historische Genauigkeit, denn de Sade schrieb "Justine oder vom Missgeschick der Tugend" nicht in Charenton, sondern während seiner Gefangenschaft in der Bastille. Dafür ist er aber eine fantastisch erzählte Liebeserklärung an die Literatur und ihre befreiende Wirkung. So ein Werk wäre in den heutigen Zeiten nicht mehr denkbar. Und das nicht nur, weil Geoffrey Rush auf die Bibel spuckt, sondern weil der Zeitgeist viel zu prüde ist, um für so eine Produktion entsprechende Geldquellen zu finden. Die Gründe dafür hat Viola Löffler in der interessanten Dokumentation Prüdes Hollywood - Laster, Lust und Leidenschaft im Film (2025), die kürzlich auf Arte lief, detailliert erörtert. Es hat mit der Macht von evangelikalen Gruppen in den USA, der Übersättigung durch Pornographie im Internet und einem moralisierenden Kunstbegriff zu tun. Wie passend, dass da der Marquis im Film folgendes sagt: "Ich habe die Welt nicht erschaffen, ich dokumentiere sie nur." Ein toller Film aus freieren Tagen Hollywoods und der Welt.

https://www.imdb.com/de/title/tt0180073/ (Si apre in una nuova finestra)

Argomento Film