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Im Keller (2014)

Österreich ist ein ganz besonderes Land mit ganz besonderen Leuten. Und kein Ort ist wohl typischer für Österreich, als der Keller. Wir sehen Sportgerte, Waschmaschinen, Spielzeugeisenbahnlandschaften, Organgenhaut, stumpfsinnig dreinblickende Punks - Menschen in deprimierenden Stillleben aufgereiht, kahle Wände und fahle Gesichter. Bürgerliche Tristesse, wie sie nicht grauenvoller sein kann. Ulrich Seidl zeigt uns die Proberäume, Partykeller und Folterkammern der Alpenrepublik, und immer wieder Tierkadaver, Schusswaffen und dunkle Holzschränke. Wir erleben eine cringe Puppenliebe, rassistische Sprüche im Kellerschießstand, ein Musikvereinstreffen im Nazidevotionalienraum und BDSM-Spiele im Kellerdungeon. Der Keller scheint ein Kompensationsraum zu sein, in dem der Spießer sein kann, wie er ist, ein Refugium konservativer Männlichkeit.

Ulrich Seidl nimmt uns mal wieder mit in eine ausnehmend groteske Welt namens österreichisches Kleinbürgertum. Im Keller ist eine typische Seidl-Dokumentation aus dem Jahre 2014, bei der man hässlichen Menschen bei ihrer obskuren Freizeitgestaltung zuschaut. Das ist verstörend und vermittelt ein abgründiges Gefühl, was 90 Prozent aller Horrorfilme nicht schaffen, denn nichts ist gruseliger als die Realität. Leider gehen viele zusätzliche Informationen im bräsigen Dialektgemurmel unter, aber, wie immer in Seidl-Filmen, sprechen die Bilder für sich. Für Fans des Obskuren ist der Film ein Muss.

https://www.imdb.com/de/title/tt3962828/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Film