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Mindhunter / Staffel 1-2 (2017)

Die FBI-Agenten Bill Tench und Holden Ford sowie die Wissenschaftlerin Dr. Wendy Carr sind neuen Aufklärungsmethoden gegenüber aufgeschlossen und beginnen in den späten 1970er-Jahren mit der Befragung von verurteilten und im Gefängnis sitzenden "Serienmördern". Doch selbst dieser Begriff existiert noch nicht und so müssen die drei mit ihrer Abteilung "Verhaltensforschung" in mühsamer Interviewarbeit die Vorgehensweisen und psychologischen Profile der Täter analysieren, um daraus Rückschlüsse auf das Verhalten zukünftiger und aktueller Fälle zu ziehen. Das moderne Profiling ist geboren.

Joe Penhalls Serie über die Geschichte der ersten FBI-Profiler stammt aus dem Jahr 2017 und lief bis 2019. David Fincher führte bei insgesamt sieben Folgen Regie. In den Hauptrollen sehen wir Jonathan Groff als Holden, Holt McCallany als Bill und Anna Torv als Wendy. Schauspielerisch stechen aber vor allem Cameron Britton als Edmund Kemper und Damon Herriman als Charles Manson hervor. Die Rolle des Holden ist dem realen FBI-Fallanalytiker John E. Douglas nachempfunden, während die Figur des Bill nach dessen Kollege Robert Ressler gestaltet ist. Für die Rolle der Wendy stand Ann Wolbert Burgess, eine beratende Professorin vom Boston College, Pate. Die Darstellungen der in der ersten Staffel befragten Serienmörder orientiert sich in Optik und Verhalten an den gleichnamigen realen Serienmördern Edmund Kemper, Jerry Brudos und Richard Speck. Auch die Dialoge in den Befragungsszenen basieren auf echten Interviews, die damals geführt wurden.

Mindhunter ist eine kluge Krimi-Serie mit vielen prominenten Serienkillern, wie Edmund Kemper, David "Son of Sam" Berkowitz, Dennis "BTK" Rader und natürlich Charles Manson, dem einzigen Serienmörder, der keiner war. Es gibt hier wenig Action, dennoch ist die Handlung spannend erzählt. Es geht um Psychologie, Geschlechterbilder und die Hintergründe und Entwicklungsgeschichten der Serienkiller.

Die True Crime-Serie zeigt den wahren Ursprung des Serienmordphänomens sehr eindringlich und schonungslos: die US-amerikanische Gesellschaft mit ihrer patriarchal-christlich-konservativen und auf Gleichförmigkeit angelegten Mentalität. Das zeigt sich z.B. an der Reaktion von Debbie, Holdens Freundin, die als liberale Soziologiestudentin oft nur den Kopf über den verklemmten Agenten schütteln kann, oder in Wendys Kampf gegen den aggressiven Sexismus der männlichen FBI-Führungsriege. Auch das traditionelle Kernfamilienleben von Bill und seiner Frau Nancy könnte mit Leichtigkeit einen potentiellen Täter hervorbringen. Das Ganze gipfelt jedoch im Interview mit Charles Manson in der zweiten Staffel. Für mich ist das eine der besten Manson-Darstellungen der Filmgeschichte. Der Sektenführer rechnet mit der US-amerikanischen Spießergesellschaft ab und bringt es auf den Punkt: alle Serienmörder sind die Kinder dieser Gesellschaft, geboren aus sexual- und lebensfeindlicher Moral, kapitalistischer Verwertungslogik und repressiver Erziehung.

Obwohl die Serie nach der zweiten Staffel und mit einem offenen Ende abgesetzt wurde, ist - dem Erfolg von Monster: Die Geschichte von Ed Gein (2025) sei Dank - doch wieder eine dritte Staffel im Gespräch. Ich bin gespannt.

https://www.imdb.com/de/title/tt5290382/ (Si apre in una nuova finestra)
Argomento Serie