Nach fünfzehn Jahren Gefängnis wegen Raubes wird der gewalttätige Anker entlassen und sucht sogleich seinen Bruder Manfred auf, der als einziger weiß, wo das erbeutete Geld vom damaligen Raubüberfall versteckt ist. Doch Manfreds Kindheitstrauma, ausgelöst durch die Misshandlungen des Vaters, lässt ihn an dissoziativer Identitätsstörung leiden. Er lebt mit seiner überforderten Schwester Freja in einer Sozialwohnung und hält sich für John Lennon. An den Verbleib des Geldes kann er sich nur sehr düster erinnern. Gemeinsam begeben sich die Brüder in ihrem Elternhaus auf die Suche nach dem Geld, doch vorher müssen sie ihre Kindheit aufarbeiten und die Beatles wieder vereinen.
Therapie für Wikinger ist eine dänische Komödie von Anders Thomas Jensen, der mir von Dänische Delikatessen (2003) und Adams Äpfel (2005) noch in bester Erinnerung ist. Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas als die Brüder Manfred und Anker spielen die Hauptrollen. In weiteren Rollen sehen wir u.a. Lars Ranthe und Nicolas Bro, die bereits in vielen bekannten dänischen Filmen mitspielten, sowie Lars Brygmann, den ich aus der deutsch-dänischen Serie Die Affäre Cum-Ex (2025) kenne, und Bodil Jørgensen aus der dritten Staffel von Hospital der Geister (2022).
In seinem sechsten Spielfilm, für den er auch das Drehbuch schrieb, ist sich Anders Thomas Jensen als Meister der schwarzen Komödie treu geblieben. Und auch inhaltlich greift der Regisseur wieder die Themen Traumata, Verlusterfahrungen sowie Behinderung auf und macht sie zu Gegenständen des schwarzen Humors. Durch den Bruch mit politisch korrekten Gesellschaftsnormen sowie die Darstellung der Familie als Gewaltraum und Ursprung der psychischen Konstitution rückt Jensen seine psychisch kranken Figuren in die Mitte der Gesellschaft. Auf diese Weise vermittelt Jensen ein utopisches Bild von Inklusion; die "Normalen" sind auch verrückt.
Therapie für Wikinger ist eine gut gemachte schwarze Komödie mit hervorragenden Schauspielern, einer irrwitzig komischen und teils traurigen Handlung sowie einigen krassen Gewaltdarstellungen. Wem Anders Thomas Jensens Vorgängerfilme gefallen haben, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.
https://www.imdb.com/de/title/tt27817389/ (Si apre in una nuova finestra)