Redaktion free.fem.minds MAGAZIN | Tina Steiger

THEMEN-SPECIAL
Betroffenenbeirat
Gewalt gegen Frauen –
Warum gerade jetzt
die Zeit reif dafür ist
Ein Update als Special zu
den Betroffenenbeiräten
in Deutschland 2026
Seit 2024 setzt sich Romy Stangl für die Einrichtung eines Betroffenenbeirats, sowohl auf Länder-, als auch auf Bundesebene ein, um gewaltbetroffenen Frauen eine Stimme zur Teilhabe an politischen Entscheidungen zu ermöglichen. Was lange nur ein Anstoß war, hat in ersten Bundesländern nun Gestalt angenommen. Das reicht noch nicht, denn jetzt muss eine flächendeckende Umsetzung erfolgen.
free.fem.minds Magazin hat mit der Menschenrechtsaktivistin und Vorstandsfrau bei One Billion Rising München e.V. über deutsche Betroffenenbeiräte gesprochen – und neu gegründete Beiräte zu ihrer Arbeit befragt.
„Die“ und „wir“. Diese Sichtweise stellt, vereinfacht formuliert, das größte Problem für von Gewalt betroffene Frauen im Land dar. „Wir“, das sind die Verantwortlichen im Land, „die“, das sind gewaltbetroffene Frauen, Beratende und NGOs, die täglich mit ihnen arbeiten. Dazwischen klafft eine Kluft, die mit Klischees, Vorurteilen, dem Verweis auf bestehende Strukturen und stark vereinfachter Bildung zu Gewalt gegen Frauen angefüllt ist. Zwei Seiten, die nicht die gleiche Sprache sprechen und nicht dieselben Dinge sehen.
Romy Stangl hat sich als ehemals Betroffene von häuslicher Gewalt und Partnerschaftsgewalt schon vor Jahren aufgemacht, diese Kluft mit Aufklärung und aktivistischer Arbeit zu überwinden. „Die Menschen, die es betrifft, an einen Tisch zu setzen“, wie sie es formuliert. 2024 rief sie eine Petition ins Leben, die sich für einen Betroffenenbeirat auf Bundes- und Länderebene einsetzt.
„Wir müssen einen Weg finden, unsere Wahrheit zu vermitteln“, sagt sie als Begründung für ihre intensive Petitionsarbeit. Gemeint ist damit, dass von Gewalt betroffene Frauen eine Lebensrealität erleben, die sich nur sehr eingeschränkt in politischen Entscheidungen widerspiegelt. Zum Teil führen die Maßnahmen völlig an den tatsächlichen Herausforderungen und Hilfebedarfen der Betroffenen vorbei, zum Teil würden sie wie Pflaster auf bestehende Probleme geklebt. Darunter entzünden sich die Krisen unbehandelt weiter.
Ein Beispiel, das gewaltbetroffene Frauen mit Kindern immer wieder nennen, ist der Lösungsansatz über Frauenhausplätze. Bei derzeit fehlenden 14.000 Unterkünften für Frauen und weiteren 36.000 Plätzen für mitbetroffene Kinder, vermittelt die Politik die Einrichtung dieser Plätze gerne als Allheilmittel für das Problem geschlechtsspezifischer Gewaltbetroffenheit im Land. Die Frauen sehen das anders. Keine Frage, diese Notunterkünfte und Frauenhausplätze im Land muss es geben. Nur löst dies das Problem für Betroffene nicht. Es sichert das bloße Überleben der Frauen. Das Bare minimum sozusagen. Für alles, das danach kommt, ist mit der Finanzierung von Frauenhäusern allein noch nicht gesorgt. Für viele Frauen kommt eine Flucht mit größeren Kindern, Haustieren, Hab und Gut schlicht nicht infrage. Sie sind es meist, für die Hilfen und praktische Lösungen fehlen. Sie plädieren für konsequentere Wegweisungen, Täterhäuser oder auch zügige Sozialleistungen, die den Frauen helfen, die Belastungssituation abzufangen. Doch diese Perspektiven fehlen in der Umsetzung bisher.
Ein weiteres Beispiel der ideologischen Umsetzung von Gewaltschutz stellt aus der Sicht vieler Betroffener und Expert:innengruppen die Einführung der elektronischen Fußfessel dar. Sie sei ein Instrument, das an der Spitze des Gewalteisbergs, den Femiziden, ansetze. Doch Gewalt beginnt weit darunter. Bei Bedrohungen, Erniedrigungen, Zwangskontrolle, finanzieller und psychischer Gewalt, noch lange vor dem ersten Schlag. Kritiker:innen bemängeln, dass die Maßnahme in keinster Weise in ein Gesamtkonzept geschlechtsspezifischer Gewalt eingebettet ist und damit lediglich eine plakative Wirkung erzielt. Die Frauen dagegen wünschen sich Mittel, die früher greifen und einen Maßnahmenplan, der aufeinander aufbaut, statt ganz oben anzusetzen, um an Länder wie Spanien aufzuschließen.
Um genau diese Kluft auf PR-Gewaltschutz und tatsächlich ankommender Hilfe zu überwinden, braucht es die Beteiligung von Betroffenen. Davon ist Petentin Romy Stangl zusammen mit Betroffenen und weit über 100.000 Unterstützenden in Deutschland überzeugt. Die Petition der Münchnerin wird darüber hinaus im Bayerischen Landtag durch einen Dringlichkeitsantrag der SPD-Landtagsfraktion Bayern unterstützt. Das Problem Gewalt gegen Frauen sei umfassend bekannt, heißt es darin. Jetzt müssten umgehende Maßnahmen erfolgen. Den Plan dazu reicht Romy Stangl 2024 mit ein. Auf die Umsetzung der einzelnen Komponenten zum Schutz von Frauen vor Gewalt warten Betroffene nicht nur in Bayern bis heute. Wir haben mit Romy Stangl über die Bedeutung von Betroffenenbeiräten für eine praktische Gewaltschutzarbeit, die tatsächlich bei den Frauen ankommt, gesprochen.
free.fem.minds: 2024 haben Sie eine Petition für einen Betroffenenbeirat Häusliche Gewalt auf Bundesebene gestartet. Was war Ihr Ziel hinter dieser Initiative?
Romy Stangl: Mein Ziel mit der Petition war und ist es, eine zentrale strukturelle Lücke im Gewaltschutz zu schließen: die fehlende verbindliche Einbindung von Betroffenen in politische Entscheidungsprozesse.
Ich habe selbst häusliche Gewalt erlebt – und ich weiß, wie schwer es ist, im bestehenden System wirklich gehört zu werden. Diese Erfahrung teilen viele Betroffene. Gleichzeitig sehen wir, dass Maßnahmen, Gesetze, Aktionspläne gegen geschlechtsspezifische Gewalt im sozialen Nahraum ohne die systematische Beteiligung derjenigen entwickelt werden, die diese Gewalt erlebt haben.
Genau hier setzt meine Petition an.
Dabei ist entscheidend, auf welchen Grundlagen Betroffenenbeteiligung gestaltet wird. Die Konzepte von Empowerment und Partizipation sind dabei zentral.
Die Partizipation der Betroffenen bedeutet deren aktives gezieltes Mitwirken und deren Teilhabe im und am Prozess. Ich bin der festen Überzeugung, dass dadurch Entscheidungsprozesse an Kompetenzen gewinnen – insbesondere die des Erfahrungswissen und Fachwissen. Betroffene sind Menschen mit Erfahrungs- und Fachwissen, also Expert:innen in eigener Sache. In dieser Debatte muss berücksichtigt werden, dass die Betroffenen von Gewalt und die Expert:innen im Hilfesystem häufig künstlich voneinander getrennt werden, in ein „ihr“ und „wir, obwohl bekannt ist, dass mindestens ein Drittel der Expert:innen auch Gewalterfahrungen gemacht haben.
Empowerment wiederum bedeutet, dass Menschen die Möglichkeit und die Rahmenbedingungen erhalten, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Es sollte ein klares Ziel auf Bundes- und Landesebene sein, Bedingungen zu schaffen, die diese Selbstermächtigung fördern.
Ein sehr wichtiges Praxisbeispiel ist Bremen: Dort wurde mit dem Betroffenenbeirat zur Umsetzung der Istanbul-Konvention erstmals eine strukturierte Beteiligung von Betroffenen etabliert. Der Beirat bringt die Perspektiven von Betroffenen direkt in politische Prozesse ein, berät Verwaltung und Politik und wirkt an der Weiterentwicklung von Maßnahmen mit.
Bremen versteht die Einbindung von Betroffenenexpertise ausdrücklich als Qualitätsmerkmal – weil fundierte Erkenntnisse aus Erfahrung ein Schlüssel für wirksamere Prävention, Schutz und Unterstützung sind.
Ich will erreichen, dass solche Strukturen nicht punktuell bleiben, sondern verbindlich auf Bundes- und Bundesländerebene verankert werden. Dass Beteiligung auf Augenhöhe stattfindet.
Dass Betroffenenexpertise als Mehrfachkompetenz anerkannt wird – nicht als Stigma, sondern als Ausdruck erlebten Unrechts.
Denn nur wenn wir Beteiligungsstrukturen schaffen, Sichtbarkeit erhöhen und die Perspektiven von Betroffenen systematisch einbeziehen, können Maßnahmen wirksamer, bedarfsgerechter und nachhaltig gestaltet werden.
Mein Ziel war – und ist – eine Politik, die nicht nur über Betroffene spricht, sondern mit Ihnen und gemeinsam mit ihnen Lösungen entwickelt im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt im sozialen Nahraum.
free.fem.minds: Die Petition reiht sich ein in Ihr großes Engagement für Betroffene von Gewalt. Können Sie diesen Einsatz der vergangenen Jahre beschreiben?
Romy Stangl: Mein Engagement hat sich über viele Jahre entwickelt – und es ist eng mit meiner eigenen Geschichte von widerfahrener Gewalt im sozialen Nahraum verbunden.
Ein entscheidender Wendepunkt war für mich das Jahr 2018, als ich beim One Billion Rising Day in München erstmals öffentlich über meine eigenen Gewalterfahrungen gesprochen habe. Dieses Brechen des Schweigens hat nicht nur für mich viel verändert, sondern mir auch gezeigt, wie viele Betroffene ähnliche Erfahrungen machen und wie groß der Bedarf ist, darüber zu sprechen und Strukturen zu verändern. Ich habe in diesem Moment verstanden, wie viel Kraft darin liegt, sichtbar zu werden, und wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen teilen, aber nicht gehört werden. Das war für mich ein sehr persönlicher Schritt – aber gleichzeitig auch der Beginn meines politischen und gesellschaftlichen Engagements.
Seitdem hat sich mein Engagement stetig weiterentwickelt und verbreitert. Ein zentraler Baustein ist meine ehrenamtliche Arbeit bei One Billion Rising München e.V.. Dort geht es nicht nur um einzelne Aktionen, sondern um kontinuierliche Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit. Wir bringen das Thema Gewalt gegen Frauen in die Öffentlichkeit, schaffen Räume für Austausch und setzen Impulse, um gesellschaftliche Haltungen zu verändern.
Darüber hinaus habe ich früh begonnen, mich auch im Bereich Prävention zu engagieren – unter anderem durch Projekte an Schulen. Mir war und ist wichtig, junge Menschen zu erreichen, bevor Gewalt entsteht, und früh ein Bewusstsein für Grenzen, Respekt und Gleichberechtigung zu schaffen.
Parallel dazu habe ich mein Wirken als Speakerin, Autorin und Impulsgeberin weiter ausgebaut. Ich bringe das Thema geschlechtsspezifische Gewalt im sozialen Nahraum aktiv in gesellschaftliche und politische Diskurse ein – in Vorträgen, Veranstaltungen, Medienformaten und Kampagnen und ich bin an Buchprojekten zum Thema beteiligt und bin Mitinitiatorin der Buchprojekts „UNERHÖRT – Frauen reden über häusliche Gewalt“. Dabei geht es mir immer darum, die Perspektive von Betroffenen sichtbar zu machen und strukturelle Defizite klar zu benennen.
Was sich durch all die Jahre zieht, ist ein roter Faden:
Ich wollte nie nur Aufmerksamkeit schaffen – sondern Veränderung anstoßen. Und genau daraus ist auch meine Petition in 2023 und darauf aufbauend meine aktuelle Petition entstanden.
Sie sind für mich der nächste konsequente Schritt; der Übergang von Aufklärung und Sichtbarkeit hin zu struktureller Verankerung von Betroffenenperspektiven.
Denn nachhaltige Veränderung beginnt dort, wo die Erfahrungen und Perspektiven Betroffener ernst genommen werden – und in konkrete Entscheidungen einfließen, um Schutz und Unterstützung endlich grundlegend zu verbessern.
free.fem.minds: Welcher persönliche Bezug verbindet Sie mit dem Thema Gewalt gegen Frauen?
Romy Stangl: Mein persönlicher Bezug zu diesem Thema ist sehr unmittelbar. Ich habe selbst Gewalt im sozialen Nahraum erlebt – in meiner Kindheit und später auch in einer Partnerschaft und ich habe strukturelle Gewalt (am Familiengericht) erfahren.
Das macht was mit einem. Es verändert den Blick auf sich selbst, auf Beziehungen und auf die Welt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Zuhause kein sicherer Ort ist. Wenn Angst Teil des Alltags wird. Und wenn man lange nicht weiß, wie man da wieder herauskommt. Diese Erfahrungen haben mich geprägt – und sie haben auch meinen Weg bestimmt. Lange Zeit war das etwas, worüber ich nicht gesprochen habe. Wie viele Betroffene habe ich geschwiegen, versucht zu funktionieren, weiterzumachen. Aber irgendwann kam der Punkt, an dem mir klar wurde, dass Schweigen nichts verändert – weder für mich noch für andere. Dieses Schweigen schützt nicht – es hält Strukturen aufrecht.
Als ich begonnen habe, über meine Erfahrungen zu sprechen, habe ich gemerkt, wie viele Menschen ähnliche Geschichten haben – und wie oft diese Geschichten unsichtbar bleiben. Das war für mich der Moment, in dem aus meiner persönlichen Erfahrung
auch eine gesellschaftliche Verantwortung geworden ist.
Heute verbinde ich mit diesem Thema nicht nur meine eigene Geschichte, sondern auch das Wissen, dass geschlechtsspezifische Gewalt im sozialen Nahraum Gewalt kein individuelles Problem ist, sondern ein strukturelles. Und genau deshalb ist mein persönlicher Bezug heute auch mein Antrieb:
Ich möchte dazu beitragen, dass Betroffene nicht mehr allein sind und dass sich die Bedingungen so verändern, dass Gewalt früh erkannt, verhindert und wirksam bekämpft wird; indem Betroffene gehört werden, geschützt werden und sich die Strukturen endlich so verändern, dass sie ihnen wirklich gerecht werden.
free.fem.minds: Gibt es Vorbilder im Ausland für die Arbeit eines Betroffenenbeirats?
Romy Stangl: Ja, es gibt durchaus Vorbilder im internationalen Kontext – und das ist für die Diskussion in Deutschland sehr wichtig. Ein zentrales Beispiel sind sogenannte Survivor Advisory Boards oder Survivor Councils, die in verschiedenen Ländern und internationalen Organisationen bereits etabliert sind – unter anderem in Australien, den USA, Kanada, Großbritannien sowie in internationalen Zusammenschlüssen mit Beteiligung von Ländern wie Kolumbien, Nepal oder Uganda. Diese Gremien haben genau die Funktion, die ich auch mit meiner Petition anstoße: Sie bringen die Perspektiven von Betroffenen systematisch in politische Prozesse ein.
So gibt es beispielsweise auf internationaler Ebene Survivor Councils, die Regierungen und Organisationen beraten und sicherstellen, dass Maßnahmen gegen Gewalt auf Grundlage von Erfahrungswissen entwickelt werden. Diese Gremien schaffen eine Plattform, auf der Betroffene ihre Expertise bündeln und gemeinsam Einfluss auf Politik und Gesetzgebung nehmen
Auch in Europa sehen wir solche Ansätze:
In Großbritannien etwa arbeitet eine Survivor Advisory Group daran, die Perspektiven von Betroffenen direkt in Gesetzgebungs- und Politikprozesse einzubringen.
Ein weiteres wichtiges Beispiel ist – auch wenn es thematisch anders gelagert ist – der Betroffenenrat bei der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland. Dieses Gremium zeigt sehr deutlich, wie wirkungsvoll es sein kann, wenn Betroffene als politisches Beratungsgremium strukturell eingebunden sind.
Was all diese Beispiele verbindet, ist ein gemeinsamer Grundsatz:
Politik wird besser, wenn sie die Perspektiven derjenigen einbezieht, die Gewalt erlebt haben.
Und genau das wird auch international zunehmend als Standard verstanden. Survivor Councils gelten dort nicht mehr als „Nice-to-have“, sondern als wesentlicher Bestandteil wirksamer Gewaltprävention und -bekämpfung.
„Für mich ist deshalb klar:
Deutschland ist hier nicht Vorreiter,
sondern hat Nachholbedarf.“
Wir haben mit Bremen ein sehr gutes Beispiel im eigenen Land.
Aber wir brauchen diese Form der strukturierten Beteiligung flächendeckend – und können dabei von internationalen Erfahrungen lernen. Denn die Erkenntnis ist überall dieselbe:
Wenn Betroffene systematisch beteiligt werden, entstehen bessere, passgenauere und wirksamere Lösungen.
free.fem.minds: Sie haben es bereits angesprochen. In einigen Bundesländern konnten Betroffenenbeiräte bereits ihre Arbeit aufnehmen. Ein positives Signal für die Einrichtung eines bundesweiten Beirats. Wie ordnen Sie das ein?
Wie zuversichtlich sind Sie?
Romy Stangl: Ich ordne diese Entwicklungen ganz klar als ein sehr wichtiges und ermutigendes Signal ein. Dass in einzelnen Bundesländern und auf verschiedenen Ebenen Betroffenenbeiräte eingerichtet oder auf den Weg gebracht werden, zeigt:
Die Erkenntnis setzt sich langsam durch, dass Betroffenenperspektiven unverzichtbar sind – nicht als Ergänzung, sondern als Bestandteil guter Politik. Wir sehen das aktuell sehr konkret: Mit der Einberufung eines Betroffenenbeirates zur Begleitung des Landesaktionsplanes zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Bundesland Berlin wird ein wichtiger Schritt auf Landesebene gegangen.
Und mit dem deutschlandweit ersten Betroffenenbeirat zur Umsetzung der Istanbul-Konvention auf kommunaler Ebene in Münster wird deutlich, dass diese Beteiligung auch auf lokaler Ebene verankert werden kann und politisch gewollt ist. Für mich sind das keine Einzelfälle mehr – sondern erste Bausteine einer strukturellen Entwicklung.
Und genau deshalb bin ich auch vorsichtig zuversichtlich. Zuversichtlich, weil wir sehen, dass sich etwas bewegt. Dass politische Entscheidungen getroffen werden.
Und dass das Thema Betroffenenbeteiligung zunehmend ernst genommen wird. Aber gleichzeitig auch realistisch:
Wir stehen noch am Anfang. Viele dieser Strukturen sind regional begrenzt, oft projektbezogen und noch nicht verbindlich genug verankert. Es fehlt bislang eine flächendeckende, bundesweit koordinierte Lösung.
Und genau hier setzt meine Forderung an. Ich bin überzeugt: Diese ersten Entwicklungen sind ein wichtiger Schritt – aber sie müssen jetzt konsequent weitergedacht werden. Denn das Ziel darf nicht sein, einzelne gute Beispiele zu haben,
sondern eine verlässliche Struktur in ganz Deutschland. Und meine Zuversicht speist sich genau daraus: Wir sehen, dass es funktioniert – jetzt geht es darum, daraus verbindliche Politik zu machen.
free.fem.minds: Wo steht der Antrag aktuell und wie geht es weiter? Welche Resonanz aus der Politik gibt es für Ihr Vorhaben?
Romy Stangl: Der Antrag aufgrund meiner Petition auf Bundesebene 2024 ist parlamentarisch behandelt worden – und das ist ein wichtiger Schritt. Der Petitionsausschuss des Deutsche Bundestages hat beschlossen, meine Petition an die Bundesregierung, konkret an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, weiterzuleiten und sie den Landesvolksvertretungen zuzuleiten, soweit sie die Beteiligung von Betroffenen im Rahmen der Umsetzung der Istanbul-Konvention betrifft.
Das bedeutet: Das Anliegen ist politisch angekommen und wird auf Bundes- wie auch auf Bundesländerebene als relevant für die Umsetzung der Istanbul-Konvention anerkannt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Einbindung von Betroffenen bereits als wichtiger Bestandteil in bestehenden Prozessen gesehen wird – insbesondere im Rahmen der Weiterentwicklung von Strukturen und Strategien.
„Für mich ist das ein ambivalentes,
aber insgesamt positives Signal.“
Einerseits zeigt die Entscheidung, dass das Thema ernst genommen wird und Eingang in politische Beratungen findet. Auch die Unterstützung aus der Politik hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Besonders hervorheben möchte ich hier Ariane Fäscher, ehem. MdB, die mich und mein Anliegen sehr engagiert unterstützt hat und dazu beigetragen hat, dass die Petition diese Aufmerksamkeit und Behandlung im Petitionsausschuss des Bundestages erfahren hat.
„Gleichzeitig ist klar:
Wir sind noch nicht am Ziel.“
Ein eigenständiger, verbindlicher Betroffenenrat auf Bundesebene ist bisher nicht beschlossen worden. Stattdessen wird die Beteiligung von Betroffenen in bestehende Strukturen eingeordnet und weitergedacht.
Deshalb sehe ich den aktuellen Stand als Zwischenschritt.
Die Resonanz aus der Politik ist insgesamt wachsend – das Thema wird gesehen, diskutiert und zunehmend als notwendig anerkannt. Aber es braucht jetzt den nächsten Schritt: von der Anerkennung hin zur verbindlichen strukturellen Verankerung. Und genau hier geht es weiter. Für mich bedeutet das: dranbleiben, weiter in den Dialog gehen, politische Bündnisse stärken und das Thema weiterhin sichtbar machen. Denn die entscheidende Frage ist jetzt nicht mehr, ob Betroffenenbeteiligung wichtig ist – sondern wie verbindlich und flächendeckend sie umgesetzt wird.
free.fem.minds: Inwiefern würden Betroffene von einem Beirat profitieren? Wie genau käme diese Arbeit bei den Frauen an?
Romy Stangl: Ich glaube, der wichtigste Punkt ist: Betroffenenbeiräte auf Bundes- und Bundesländerebene verändern etwas sehr Grundsätzliches. Sie geben Betroffenen und Überlebenden die Gewissheit, nicht allein zu sein und gehört zu werden.
Sie schaffen Räume, in denen Erfahrungen und Perspektiven Betroffener nicht nur erzählt, sondern systematisch und nicht nur punktuell in Entscheidungen einbezogen werden. Das bedeutet: Es wird nicht länger nur über Betroffene gesprochen; sondern mit ihnen.
Ich weiß aus eigener Erfahrung – und aus dem Austausch mit vielen Betroffenen und Überlebenden –, wie es sich anfühlt, nach erlebter Gewalt durch ein System zu gehen, das oft nicht versteht, was man wirklich braucht. Man muss sich immer wieder erklären, rechtfertigen und kämpfen – und hat trotzdem häufig das Gefühl, nicht wirklich anzukommen, keine Gerechtigkeit zu erfahren und strukturell nichts verändern zu können.
Betroffenenbeiräte setzen genau hier an. Sie verändern etwas sehr Grundsätzliches: Sie geben Betroffenen und Überlebenden eine Stimme – und die Möglichkeit, wirklich mitzuwirken. Denn aus Forschung und Praxis ist bekannt: Wenn Betroffene systematisch und nicht nur punktuell beteiligt werden, fließen ihre Erfahrungen und Bedürfnisse direkt in Gesetze und Maßnahmen zum Schutz, zur Prävention, Unterstützung und Intervention ein – und genau dadurch werden diese wirksamer.
Und das hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Lebensrealitäten von gewaltbetroffenen Frauen. Gleichzeitig hat die Partizipation von Betroffenen in Entscheidungsprozessen eine starke innere Wirkung. Wenn Betroffene erleben, dass ihre Erfahrungen und Perspektiven zählen, und dass sie etwas bewirken können, entsteht daraus etwas sehr Kraftvolles: Selbstwirksamkeit. Wir sind dann nicht mehr nur diejenigen, denen Gewalt widerfahren ist – sondern diejenigen, die aktiv Veränderung mitgestalten.
free.fem.minds: Was wünschen Sie sich persönlich zu Ihrem Vorhaben Betroffenenbeirat Häusliche Gewalt für 2026?
Romy Stangl: Für 2026 wünsche ich mir vor allem, dass wir einen echten Schritt weiter gehen – weg von einzelnen Initiativen hin zu einer verbindlichen strukturellen Beteiligung von Betroffenen auf Bundesländer- und Bundesebene. Ich wünsche mir, dass Betroffenenräte auf Bundesländer- und Bundesebene nicht mehr nur diskutiert werden, sondern tatsächlich berufen werden – und dass es selbstverständlich ist, dass Betroffene auf Augenhöhe in politische und strukturelle, Entscheidungen mit ihrer „Expertise“ einbezogen werden.
Genau darum geht es auch in meiner
neu gestarteten Petition auf Innn.it (Si apre in una nuova finestra) die auf meiner Petition aus 2023/2024 aufbaut: (https://innn.it/staerktunserestimmen (Si apre in una nuova finestra))
Mein Wunsch ist deshalb nicht nur politisch, sondern auch sehr persönlich: Dass Betroffene nicht mehr das Gefühl haben, kämpfen zu müssen, um überhaupt gehört zu werden. Dass ihre Erfahrungen nicht länger übergangen werden. Und dass sie erleben, dass sie ihre Perspektiven einbringen können um tatsächlich etwas verändern. Ich wünsche mir, dass wir dahin kommen, dass es selbstverständlich wird, mit Betroffenen zu sprechen – nicht über sie.
Aber vor allem wünsche ich mir, dass Betroffene spüren:
Ihre Stimme zählt. Ihre Erfahrung hat Gewicht. Und sie sind nicht allein. Wenn wir das in den kommenden Jahren erreichen,
dann wäre das für mich nicht nur ein politischer Erfolg –
sondern ein echter Fortschritt für alle, die von Gewalt betroffen sind.
free.fem.minds: Wie kann Ihr Antrag für einen Betroffenenbeirat auf Bundesebene weiterhin unterstützt werden?
Romy Stangl: Mein Anliegen kann auf mehreren Ebenen unterstützt werden – und jede einzelne ist wichtig.
Ganz konkret:
Indem Menschen meine Petition „Stärkt unsere Stimmen“ unterzeichnen und teilen. Denn jede Unterschrift erhöht den politischen Druck und macht sichtbar, dass Betroffenen-beteiligung kein Nischenthema ist, sondern ein gesellschaftliches Anliegen. Aber Unterstützung geht darüber hinaus.
Ich wünsche mir, dass Menschen anfangen, über das Thema zu sprechen – im eigenen Umfeld, in der Öffentlichkeit, in der Politik. Denn Veränderung beginnt oft genau dort:
wo nicht mehr geschwiegen wird.Auch Fachkräfte, Organisationen und Initiativen können viel beitragen, indem sie Betroffenenperspektiven aktiv einbeziehen und sich klar für strukturelle Beteiligung aussprechen.
Und natürlich braucht es auch politische Unterstützung:
Abgeordnete, Entscheidungsträger*innen
die das Anliegen aufgreifen, weitertragen
und konkrete Schritte zur Umsetzung von Betroffenenräten und Bundesländer- und Bundesebene auf den Weg bringen.
Für mich ist aber vielleicht der wichtigste Punkt:
Solidarität.
Dass wir als Gesellschaft deutlich machen:
Gewalt im sozialen Nahraum geht uns alle an –
und die Stimmen von Betroffenen müssen gehört werden.
Denn je mehr Menschen sich anschließen, desto schwerer wird es, dieses Thema zu übersehen. Und genau darum geht es: gemeinsam dafür zu sorgen, dass aus Stimmen Veränderung wird.
Aktuelle Beiräte im Überblick
Während ein Beirat auf Bundesebene noch auf sich warten lässt, gehen erste Länder bereits los. In diesen Bundesländern konstituieren sich bereits Beiräte oder haben ihre Arbeit aufgenommen:
BERLIN
Ein Betroffenenbeirat zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Berlin befindet sich derzeit im Aufbau. Die Berliner Initiative hierzu stützt sich auf das Abgeordnetenhaus, um die rund 134 Maßnahmen des Landesaktionsplanes zur Umsetzung der Istanbul-Konvention aus der direkten Perspektive von Betroffenen zu begleiten, zu bewerten und zu optimieren. Berlin hat Menschen, „die etwas tun, gemeinsam mit Betroffenen an den runden Tisch gebracht“, sagt Romy Stangl. Ein praktisches Plus für handlungsfähige Beiräte, wie sie es sich von allen künftigen bundesweit verspricht.
SACHSEN
Einzelne Fachverbände beschäftigen sich in Sachsen schon seit Jahren mit der Problematik geschlechtsspezifischer Gewalt. Nun soll auch hier ein eigener Betroffenenbeirat folgen. Die Initiative steht noch am Anfang, doch erste Schritte für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Sachsen sind damit auf Länderebene auf dem Weg.
BREMEN
Bremen sagt im Rahmen des Landesaktionsplanes schon länger deutlich NEIN und hat mit dem Bremer Betroffenenbeirat Istanbul-Konvention (B*BIK) bereits ein wirksames Instrument und eine tatkräftige Weichenstellung für von Gewalt Betroffene an den Start gebracht. Unter dem Motto „Bremen sagt Nein“ gibt Bremens Beirat Betroffenen seit 2025 eine starke Stimme. „Die Mitglieder, die in den verantwortlichen Bereichen zum Teil direkt handlungsfähig sind, setzen sich ein gegen Gewalt gegen Frauen*: Sie beraten die Verwaltung zu besseren Schutz- und Hilfeangeboten. Denn Gewalt ist keine Privatsache, sie geht uns alle an. Sie informieren und sensibilisieren. Denn Gewalt ist niemals die Schuld der Betroffenen: die Scham muss die Seite wechseln“, schreibt der Beirat auf seiner Website. Ein kraftvolles und entlastendes Signal für Betroffene. Viele von ihnen haben keine Ressourcen (mehr), um alleine weiterzukämpfen. Die Arbeit des Beirats sorgt für Sichtbarkeit und praktisch dafür, dass Verantwortliche in Bremen umfassend aufgeklärt werden und in der Lage sind, den Anforderungen Gewaltbetroffener richtig zu begegnen. Weitere Informationen zur Arbeit des
Betroffenenbeirats in Bremen unter www.bremen-sagt-nein.de
MÜNSTER
Auch in Münster nimmt ein Betroffenenbeirat seine Arbeit auf und befindet sich aktuell in der Phase des Aufbaus. Wir haben in Münster mit der wichtigsten Betroffenenfürsprache-Gruppe, dem Münsteraner Mamas e.V., über die Chancen und die Notwendigkeit des Betroffenenbeirats vor Ort gesprochen. Gründerin und Vorständin Katha hat uns erzählt, welche Bedeutung der Beirat für von Gewalt betroffene Frauen und die aktive Gewaltschutzarbeit in Münster hat.
Münsteraner Mamas e.V. Unsere Arbeit konzentriert sich auf institutionelle Gewalt im Kontext von Familiengerichten, Jugendämtern und Familienberatungsstellen. Viele Mütter berichten, dass sie nach erlebter psychischer, physischer, sexueller und/oder finanzieller Gewalt auch in institutionellen Kontexten belastende oder retraumatisierende Erfahrungen machen. Schutzbedarfe würden häufig nicht ausreichend berücksichtigt, Gewalterfahrungen relativiert oder Betroffene erneut unter Druck gesetzt.
free.fem.minds: Was genau macht hierzu einen Betroffenenbeirat notwendig?
Münsteraner Mamas e.V.: Gewaltbetroffene Frauen verfügen über wichtige Erfahrungs- und Handlungsexpertise, die in politischen und institutionellen Prozessen bislang zu wenig einbezogen wird. Betroffene wissen aus eigener Erfahrung, welche Maßnahmen schützen, welche versagen und welche Strukturen sowie problematische Denkweisen Gewalt fortsetzen können.
Ein Betroffenenbeirat kann dazu beitragen, diese Erfahrungen sichtbar zu machen und in konkrete politische Handlungsempfehlungen zu überführen. Aus unserer Sicht ist echte Beteiligung von Betroffenen eine zentrale Voraussetzung für wirksamen Gewaltschutz.
free.fem.minds: Wie verlief der Prozess von der Idee hin zu ersten aktiven Maßnahmen zur Gründung eines Beirats?
Münsteraner Mamas e.V.: Die Idee eines kommunalen Betroffenenbeirats entstand aus unserer bundesweiten Vernetzung und dem Austausch mit bestehenden politischen Initiativen. Impulse kamen unter anderem von der Aktivistin Romy Stangl und den Debatten um einen Landesbetroffenenbeirat zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Berliner Abgeordnetenhaus.
In Gesprächen mit Kommunalpolitiker:innen wurde die Idee positiv aufgenommen und weitergetragen. Parallel haben wir als Initiative „Münsteraner Mamas“ – wir waren damals noch kein eingetragener Verein – in Vorträgen und Gesprächen immer wieder auf die Situation gewaltbetroffener Frauen und institutionelle Gewalt aufmerksam gemacht.
free.fem.minds: Wo steht der Einberufungsprozess des Beirats aktuell?
Münsteraner Mamas e.V.: Der Betroffenenbeirat wurde Anfang Juli 2025 durch den Münsteraner Stadtrat beschlossen. Die weitere Umsetzung liegt nach unserem Kenntnisstand bei der Gleichstellungsstelle der Stadtverwaltung. In die organisatorischen Prozesse sind wir aktuell nicht eingebunden.
Aus unserer Sicht wird entscheidend sein, dass institutionelle Gewalt als Teil der Diskussion ernst genommen wird. Ohne eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden institutionellen Anteilen an Gewalt gegen Frauen kann nachhaltiger Gewaltschutz nur schwer bzw. nur eingeschränkt gelingen.
free.fem.minds: Welche Stellen wurden in die Entwicklung einbezogen und welche Rolle spielte der Münsteraner Mamas e.V. hier?
Münsteraner Mamas e.V.: Unsere Rolle bestand vor allem darin, institutionelle Gewalt – insbesondere im Zusammenhang mit familiengerichtlichen Strukturen und konkret dem Jugendamt Münster – öffentlich sichtbar zu machen und in politische Gespräche einzubringen.
Im Austausch mit Ratsparteien sowie im Rahmen von Vorträgen haben wir wiederholt auf die Notwendigkeit eines Betroffenenbeirats hingewiesen. Welche Gespräche diesbezüglich von Seiten der Politik im Hintergrund mit der Stadtverwaltung geführt wurden, ist uns nicht bekannt.
free.fem.minds: Was ist die Zielsetzung des Beirats in Münster?
Münsteraner Mamas e.V.: Der Betroffenenbeirat soll unterschiedliche Formen von Gewalt gegen Frauen sichtbar machen und Betroffenen eine politische Stimme geben. Besonders wichtig ist aus unserer Sicht die Einbeziehung von Frauen, die in politischen und institutionellen Prozessen bislang wenig Gehör finden – etwa Frauen mit Migrationsgeschichte, Sprachbarrieren, Behinderung, ohne Aufenthaltsstatus, in finanzieller Abhängigkeit oder fehlender sozialer Unterstützung.
Uns ist bewusst, dass wir als Münsteraner Mamas e.V. durch den Bildungshintergrund einiger unserer Mitglieder in gewisser Hinsicht „privilegiert“ sind und dadurch leichter Öffentlichkeit herstellen können als viele andere Betroffene. Umso wichtiger ist es, dass ein Betroffenenbeirat vielfältige Perspektiven einbezieht und insbesondere marginalisierten Frauen Raum gibt.
free.fem.minds: Was erhoffen sich betroffene Frauen, mit denen der Verein im direkten Austausch ist, in Münster von der Arbeit des Beirats?
Münsteraner Mamas e.V.: Wir möchten für die Frauen auf unterschiedliche Gewaltformen aufmerksam machen – und explizit auch auf institutionelle Gewalt.
Aus unserer Sicht darf Gewalt nicht ausschließlich als individuelles Problem einzelner Täter verstanden werden. Auch gesellschaftliche und institutionelle Strukturen tragen dazu bei, Gewaltverhältnisse aufrechtzuerhalten oder (unbeabsichtigt) zu verstärken.
Viele betroffene Mütter erleben, dass männliche Gewalt relativiert, Schutzbedarfe nicht ernst genommen oder stattdessen Mütter problematisiert werden. Gleichzeitig wird der Kontakt zum Vater teilweise höher gewichtet, als der Schutz von Frauen und Kindern.

Ein aktueller Aufruf für starke Stimmen gegen Gewalt
Stärkt die Stimmen von Betroffenen geschlechtsspezifischer Gewalt im sozialen Nahraum: Berufung von Betroffenenräten JETZT auf Bundesländer- und Bundesebene
Über weitere Informationen zu dieser aktuellen, wichtigen Petition informiert ein eigener Beitrag. Zu allen Artikeln im Magazin geht es hier:
Die Petition von Romy Stangl 2026 ist als Direktlink hier erreichbar:
SERVICE-EXTRA
– HILFESTELLEN
FÜR BETROFFENE
Hier finden finden Interessierte
und Betroffene weitere Informationen
Romy Stangl hat für uns die folgenden umfassenden Adressen zusammengetragen. „Diese Anlaufstellen sind aus meiner Sicht mit die wichtigsten zum Thema Gewalt, weil sie bundesweit gelten, niedrigschwellig sind und oft direkt an regionale Hilfen weitervermitteln“:
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen – 116 016
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist 24/7 anonym und kostenfrei erreichbar und richtet sich an Betroffene, Angehörige, Freund*innen und Fachkräfte. Die Beratung ist barrierefrei, auch in Deutscher Gebärdensprache, und telefonisch in 18 Fremdsprachen möglich. Praktischer Hinweis: Auf älteren Landes- oder Portal-Seiten taucht zum Teil noch die frühere Schreibweise 08000 116 016 auf; maßgeblich ist heute die Kurznummer 116 016. Website: https://www.hilfetelefon.de/ (Si apre in una nuova finestra)
Hilfetelefon Gewalt an Männern – 0800 123 99 00
Für Männer, die Gewalt erlebt haben oder erleben – auch bei häuslicher Gewalt, sexualisierter Gewalt, Stalking, Mobbing, Gewalt in der Kindheit. Erreichbar Montag bis Donnerstag 8–20 Uhr, Freitag 8–15 Uhr; dazu gibt es Online-Beratung und Informationen in Gebärdensprache. Das Angebot richtet sich auch an Unterstützende und Fachkräfte.
Website: https://www.maennerhilfetelefon.de/ (Si apre in una nuova finestra)
Hilfe-Info.de
Das Bundesportal des Justizbereichs bündelt Informationen zu Opferrechten, Beratungsstellen, Entschädigung, psychosozialer Prozessbegleitung und Unterstützung in Bund und Ländern. Wenn man noch nicht genau weiß, wonach man sucht, ist das ein guter Orientierungseinstieg.
Website: https://www.hilfe-info.de/ (Si apre in una nuova finestra)
ODABS
Die Online-Datenbank für Betroffene von Straftaten hilft bei der Suche nach Beratungsstellen, psychosozialer Prozessbegleitung, vertraulicher Beweissicherung und Traumaambulanzen. Sie ist mehrsprachig angelegt und verweist auch auf die zentralen Hilfetelefone.
Website: https://www.odabs.org/ (Si apre in una nuova finestra)
Frauenhauskoordinierung und
Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser
Für die Suche nach Schutzunterkünften sind die bundesweiten Suchangebote besonders wichtig: die Frauenhaus- und Fachberatungsstellensuche von Frauenhauskoordinierung sowie die bundesweite Frauenhaus-Suche der ZIF. Beide helfen, passende Frauenhäuser oder Beratungsstellen nach Ort, Umkreis und Bedarf zu finden; die ZIF-Suche ist mehrsprachig.
Websites: https://www.frauenhauskoordinierung.de/ (Si apre in una nuova finestra)
bff Frauen gegen Gewalt – Hilfe vor Ort
Für Fachberatungsstellen und Frauennotrufe ist die „Hilfe vor Ort“-Suche des bff sehr wertvoll. Dort kann nach Themen und Schwerpunkten gefiltert werden – etwa häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt, Gewalt im Kontext von Flucht und Migration oder Gewalt gegen Lesben bzw. trans* und nicht-binäre Personen.
Website: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/ (Si apre in una nuova finestra)
WEISSER RING – Opfer-Telefon 116 006
Bundesweit, kostenfrei und anonym, 7 Tage die Woche von
7 bis 22 Uhr. Der WEISSE RING bietet außerdem Online-Beratung und ein flächendeckendes Netz an Außenstellen vor Ort. Gerade wenn man nach einer Straftat allgemeine Opferhilfe, menschlichen Beistand und Lotsenfunktion braucht, ist das eine sehr gute Adresse.
Website: https://www.weisser-ring.de (Si apre in una nuova finestra)
Die Nummer gegen Kummer – 116 111
Bei der Nummer gegen Kummer unter unter der Telefonnummer 116 111 können sich Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen kostenlos und anonym beraten lassen.
Website: https://www.nummergegenkummer.de/ (Si apre in una nuova finestra)
Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530
Wenn es um sexualisierte Gewalt in Kindheit oder Jugend geht, ist das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530 die bundesweite Fachanlaufstelle; dazu gehört ein Hilfe-Portal mit eigener Datenbank und Online-Beratung.
Website: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/hilfe-telefon (Si apre in una nuova finestra)
Hilfe für Queere / LSBTIQ-Betroffene*
Eine einzige bundesweite 24/7-Spezial-Hotline nur für queerfeindliche Gewalt gibt es nicht in derselben Form wie 116 016. In der Praxis sind deshalb drei Wege besonders hilfreich: die allgemeinen Hotlines, die bff-Hilfe-vor-Ort-Suche mit passenden Filtern und – bei Diskriminierung wegen sexueller Identität – die Antidiskriminierungsstelle des Bundes,
Website: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/ (Si apre in una nuova finestra)
Zudem verlinken einzelne Länder spezielle LSBTIQ*-Hilfen direkt, etwa Bayern unter Telefon: 0800 00 112 03 von Dienstag bis Donnerst von 10 Uhr bis 12 Uhr mehr Infos sind auf der der Website zu finden: https://strong-community.de/ (Si apre in una nuova finestra)
Hilfe für Betroffene mit Migrationshintergrund
und geflüchtete Betroffene
Die wichtigste Anlaufstelle ist auch hier das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, weil dort rund um die Uhr Hilfe in 18 Sprachen möglich ist. Für Orientierung im Alltag und beim Finden lokaler Hilfen kann zusätzlich die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer über das BAMF bzw. die Website https://www.mbeon.de/ (Si apre in una nuova finestra) hilfreich sein. Wer eine Fachstelle sucht, kann beim bff gezielt nach „Gewalt im Kontext von Flucht und Migration“ Hilfs- und Beratungsangebote filtern.
Menschen mit Behinderung und barrierearme Zugänge
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen bietet Beratung in Deutscher Gebärdensprache, Relay-Zugang und Informationen in leichter Sprache.
Suse-hilft.de (Si apre in una nuova finestra) ist ein Angebot von „Suse − sicher und selbstbestimmt − Im Recht.“ Dies ist ein Projekt des bff: Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.
Frauen und Mädchen mit Behinderungen erleben oft Gewalt. Hier finden Sie Fachleute und Hilfe in ganz Deutschland. Wenn Sie Gewalt erlebt haben oder sich schützen wollen. Hier gibt es auch viele Infos in schwerer und Leichter Sprache und in DGS.
Website: https://www.suse-hilft.de/de/ (Si apre in una nuova finestra)
Bei akuter Gefahr
Polizei: 110
Rettungsdienst / medizinischer Notfall: 112
Bei akuter Gewalt, Bedrohung, Verletzungen oder wenn Kinder in Gefahr sind, nicht warten.
Für Bayern möchte ich ein Angebot besonders hervorheben, weil es sehr gut strukturiert ist (Romy Stangl)
https://www.bayern-gegen-gewalt.de/ (Si apre in una nuova finestra)„Dieses Portal ist ein sehr wichtiger Schritt, weil es wie ein digitaler Lotse funktioniert: Es bündelt Hilfsangebote im gesamten Bundesland Es zeigt schnell passende Beratungsstellen und Schutzangebote Und es erleichtert den Zugang – gerade dann, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll“, erklärt Romy Stangl und weiter:
„Ich möchte Betroffen auf diesem Weg etwas mitgeben: Vertraut euch an, da ist nichts für das ihr euch schämen müsst. Der einzige Mensch, der sich schämen muss und zur Verantwortung gezogen werden sollte, ist der Mensch, der euch das antut oder angetan hat. Keiner hat das Recht euch seelisch oder körperlich zu verletzen, euch einzuschüchtern, zu kontrollieren oder klein zu machen. Die Scham muss die Seite wechseln!“