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Weibliche Perspektiven auf der Affordable Art Fair Berlin – Jurena Muñoz Lagunas zeigt STRONG WOMEN

Redaktion free.fem.minds MAGAZIN | Interview: Tina Steiger

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Jurena Muñoz Lagunas zeigt ihre Kollektion STRONG WOMEN in der ATM Gallery Berlin.

Vom 16. bis 19. April findet die Kunstmesse Affordable Art Fair Berlin statt. Zum dritten Mal kehrt die Messe für zeitgenössische Kunst und neue Künstler:innen in die Hauptstadt zurück. Rund 450 ausstellende Künstler:innen und über 65 Galerien aus dem In- und Ausland präsentieren frische Contemporary Art. Einen Schwerpunkt setzen auch in diesem Jahr Künstlerinnen und Galerien mit feministischen Kollektionen und faszinierenden Arbeiten, die Frauen in den Mittelpunkt stellen.

Jurena Muñoz Lagunas ist eine der ausstellenden Künstlerinnen auf der diesjährigen Affordable Art Fair. Jurena „JUMU“ Munoz ist in Berlin zuhause. In ihrer Kunst verbindet sie ihre peruanisch chilenischen Wurzeln mit anderen kulturellen, humanistischen Strömungen. Ihre Werke erzählen Geschichten von Stärke, Natur, Verbindung, Kultur – und immer wieder Frauen.

free.fem.minds MAGAZIN: Liebe Frau Lagunas, Kunst, Frauen, Spiritualität und Natur sind in Ihren Werken vereint. Wie kommt es zu dieser Gewichtung?

Jurena Muñoz Lagunas: Diese Themen sind nicht zufällig entstanden, sie sind Teil meiner eigenen Geschichte. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, mit Wurzeln in Peru und Chile, und meine Arbeit ist stark von Fragen nach Identität, Migration und Territorium geprägt. In vielen Kosmovisionen aus Abya Yala existiert keine Trennung zwischen Mensch, Natur und Spiritualität. Diese Verbundenheit interessiert mich sehr. Meine Kunst ist ein Versuch, diese Beziehungen sichtbar zu machen und gleichzeitig Erinnerungen, Körperwissen und weibliche Perspektiven wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

free.fem.minds MAGAZIN: Woher stammt diese Faszination für diese Themen und wie beeinflussen sie einander in Ihrer Kunst?

Jurena Muñoz Lagunas: Meine Faszination entsteht aus Begegnungen mit Landschaften, Gemeinschaften und kulturellen Praktiken. Besonders während meiner Aufenthalte in verschiedenen Regionen von Abya Yala habe ich erfahren, wie eng Spiritualität, Natur und kollektives Wissen miteinander verwoben sind. Diese Perspektiven haben meine künstlerische Sprache stark geprägt. In meinen Arbeiten erscheinen Figuren oft nicht als isolierte Individuen, sondern als Teil eines lebendigen Geflechts aus Territorium, Erinnerung und spiritueller Präsenz.

free.fem.minds MAGAZIN: Strong Women ist der Titel unter dem diese faszinierenden Bilder zusammengefasst sind. Was ist neben ihrer Stärke die Essenz dieser dargestellten Frauen?

Jurena Muñoz Lagunas: Neben Stärke interessiert mich vor allem ihre Verbindung zu Intuition, Erinnerung und innerem Wissen. Die Frauen in meinen Bildern tragen eine ruhige, aber kraftvolle Präsenz. Sie sind Hüterinnen von Geschichten, von Körperwissen und von Beziehungen zur Natur. Ihre Stärke liegt nicht nur im Widerstand, sondern auch in ihrer Fähigkeit zu transformieren, zu heilen und Räume für neues Leben zu öffnen.

 

free.fem.minds MAGAZIN: Gibt es eine Art roten Faden der alle starken Frauen in Ihrer Kunst vereint? Und was macht starke Frauen in unserer Welt aus, gerade vor dem sich ausbreitenden Antifeminismus?

Jurena Muñoz Lagunas: Der rote Faden ist für mich Selbstermächtigung und Verbundenheit. Starke Frauen schaffen Räume, in denen Erinnerung, Solidarität und Wissen weitergegeben werden können. In einer Zeit, in der patriarchale und antifeministische Strukturen wieder lauter werden, sehe ich es als wichtig an, weibliche Perspektiven sichtbar zu machen und alternative Formen von Stärke zu zeigen. Stärke kann auch in Fürsorge, Gemeinschaft und spiritueller Verbindung liegen.

free.fem.minds MAGAZIN: Welche Botschaft wünschen Sie mit Ihrer Kunst an Frauen zu übermitteln?

Jurena Muñoz Lagunas: Meine Kunst möchte Frauen daran erinnern, dass ihre Intuition, ihre Körper und ihre Geschichten wertvoll sind. Dass Wissen nicht nur in Büchern existiert, sondern auch im Körper, in Ritualen und in der Beziehung zur Natur.

Während eines Projekts in Jordanien hatte ich die Möglichkeit, ein Wandbild mit dem arabischen Titel „Anti Qawiya“ (أنتِ قوية) zu malen, was „Du bist stark“ oder „Du bist kraftvoll“ bedeutet. Die Figur zeigt eine Frau, die einen Krug mit Wasser trägt, ein Symbol für Ausdauer, Fürsorge und Verbindung zum Leben.

Es war sehr bewegend zu sehen, wie Frauen und besonders junge Mädchen darauf reagiert haben. Viele fühlten sich angesprochen und gesehen. Ich hoffe, dass solche Bilder kleine Impulse geben können, damit Frauen ihre eigene Stärke erkennen.

 

free.fem.minds MAGAZIN: Was können Männer von Ihren Bildern lernen?

Jurena Muñoz Lagunas: Vielleicht, dass Stärke viele Formen hat. Viele meiner Figuren verkörpern eine ruhige, tiefe Kraft, die nicht auf Dominanz basiert, sondern auf Verbindung und Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass diese Qualitäten in unserer Welt dringend gebraucht werden.

free.fem.minds MAGAZIN: Welchen Stellenwert haben der Schamanismus und auch Spiritualität in Ihrer Kunst und für Frauen?

Jurena Muñoz Lagunas: In meiner Arbeit verstehe ich Spiritualität nicht als etwas Exotisches oder Folkloristisches, sondern als eine Form von Beziehung zum Territorium, zum Körper und zu kollektiven Erinnerungen. Viele spirituelle Wissenssysteme aus Abya Yala wurden über Jahrhunderte kolonial marginalisiert, romantisiert oder unsichtbar gemacht. Mich interessiert vielmehr, wie dieses Wissen weiterhin in Gemeinschaften, Ritualen und alltäglichen Praktiken weiterlebt.

Ein Beispiel dafür ist das Volk der Mapuche in Chile und im südlichen Territorium der Anden. Dort haben Frauen in vielen spirituellen Strukturen eine zentrale Rolle. Die Machi, meist Frauen, sind spirituelle Autoritäten und Hüterinnen eines tiefen Wissens über Heilung, Natur und kosmische Beziehungen. Ihr Wort wird in den Gemeinschaften respektiert, weil sie eine Verbindung zu einem sehr alten kollektiven Wissen tragen.

Meine Arbeiten versuchen nicht, diese Rituale direkt darzustellen oder zu reproduzieren. Vielmehr eröffnen sie symbolische Räume, in denen sich Beziehungen zwischen Körper, Natur, Erinnerung und spirituellen Ebenen wieder imaginieren lassen. Kunst wird für mich zu einem Ort, an dem verdrängte Wissensformen, Intuition und kollektive Erinnerung sichtbar werden können. 

free.fem.minds MAGAZIN: Was inspiriert Sie – als Frau und in der Kunst?

Jurena Muñoz Lagunas: Mich inspirieren Landschaften, Pflanzen, Textilien, Rituale und Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Territorien. Auch meine eigene Migrationserfahrung prägt meine Arbeit stark. Als Künstlerin mit peruanisch chilenischen Wurzeln, aufgewachsen in Europa, bewege ich mich zwischen verschiedenen kulturellen Realitäten. Diese Zwischenräume beeinflussen meine Bildsprache sehr.

Meine Bilder entstehen oft aus einer Mischung aus Erinnerung, Beobachtung und Intuition. Mich interessiert besonders, wie Kunst zu einem Raum werden kann, in dem persönliche Geschichten, kollektive Erinnerungen und spirituelle Vorstellungen miteinander in Dialog treten.

Gleichzeitig verstehe ich meine Arbeit auch als eine Form von Resistencia. Indem ich Figuren, Landschaften und kulturelle Symbole aus den Territorien von Abya Yala sichtbar mache, versuche ich Räume für Stimmen, Geschichten und Perspektiven zu öffnen, die lange marginalisiert wurden.

Kunst kann so auch ein Ort sein, an dem Diversität, Migrationserfahrungen und die Schönheit verschiedener Kulturen sichtbar und wertgeschätzt werden.

Anmerkung der Redaktion:

Abya Yala

bedeutet in der Sprache der Guna im heutigen Panama und Kolumbien soviel wie „Land in voller Blüte“ oder auch „Land des Lebens“. Die Bezeichnung setzt einen kritischen Kontrapunkt zum eurozentrisch geprägten Begriff Amerikas. Im Gegensatz zur europäisch-amerikanischen Vorstellung gilt das Land aus der Sicht indigener Gruppen über Grenzen hinweg als untrennbar mit seinen Menschen verbunden. Die Bezeichnung Abya Yala steht heute in ganz Lateinamerika für eine politische und historische Gegenperspektive einer europäischen Zuordnung. Der Begriff manifestiert eine Gegenbewegung zur Kolonialisierung der Sprache.

Jurena Muñoz Lagunas
STRONG WOMEN

ATM Gallery Berlin
Lützowstraße 6
10785 Berlin

ATM Gallery Berlin (Si apre in una nuova finestra)

FEMINIST FOCUS BERLIN
zur AFFORDABLE ART FAIR

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Affordable Art Fair Berlin. 16. bis 19. April 2026. Über 100 Künstler:innen. Mehr als 65 deutsche und internationale Galerien. Informationen und Tickets über den Link erhältlich.

Argomento Fabelhafte Frauen

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