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Neu anfangen. Wohnen nach Gewalt geht anders.

Redaktion free.fem.minds Magazin

Wohnen nach Gewalt ist anders. Für Frauen, die eine Gewaltbeziehung verlassen haben, ist das erste eigene Zuhause danach mehr als nur eine Anzahl von Räumen. Es ist eine Festung, ein Hafen. Und ein Nervensystemzustand. Manche Frauen haben Jahre bis Jahrzehnte mit ihrem Täter gewohnt, andere nur wenige Monate. Doch alle kennen das beklemmende Gefühl, zuhause auf Eierschalen zu laufen. Zu lauschen und hinzufühlen, wie die Stimmung ist und wann es kippt.

Für Frauen ist Wohnen nach Gewalt Schutzraum, Selbstbestimmung, Freiheit, Würde. Für Alleinerziehende mit Kindern ist es zudem eine Herausforderung. Oft sind bezahlbare Wohnungen klein, haben zu wenig Zimmer und die übliche Aufteilung für Mama-Papa-Kind fällt aus. Wohnen nach Gewalt stellt neue Anforderungen und alleinerziehendes Wohnen bringt nochmal ganz neue Bedürfnisse mit sich. Es wird Zeit, dass wir Raumlösungen, Raumnutzung und die Art, wie wir gemeinsam leben wollen, ganz neu denken.

Für Mama-Kinder-Familien, die zur Ruhe kommen müssen, gelten ganz eigene Regeln in Sachen Wohnen und Einrichten. Hier kommen die zehn besten Tipps für einen gelassenen Neustart und funktionale, stressfreie Einrichtungslösungen.

  • Familienbett – ein Nest für alle

Wohnzimmer, mehrere Kinderzimmer und ein Schlafzimmer? Vielen Alleinerziehenden machen Wohnungsmarkt und Mietpreise hier einen Strich durch die Rechnung. Ein-Elternteil-Familien müssen sich oft für räumliche Kompromisse entscheiden und stehen dann vor der Frage, wie sich die Räume sinnvoll aufteilen lassen. Was sich für viele Single Moms, die gerne bedürfnisorientiert erziehen, bewährt hat, ist die Idee, ein gemeinsames Schlafzimmer zu teilen und die anderen Räume nach ihrer Nutzung aufzuteilen. Das funktioniert für viele alleinerziehende Mütter mit kleinen und sogar größeren Kindern für eine Zeit erstaunlich gut, denn alle bekommen ausreichend Schlaf. Viele Kinder schlafen durch Neuanfang, Trauma, Ängste unruhig und werden nachts mehrmals wach. Schlafen alle gemeinsam bei Mama, stellt sich mehr Ruhe ein, denn alle Nervensysteme sind sicher. Was ungewohnt wirkt, ist in anderen Kulturen ganz normal. Die erste Zeit alleine mit Kindern ist von Müdigkeit, tiefer Erschöpfung und jeder Menge neuer Routinen geprägt. Die Umstellung kostet Energie und viele Mütter erzählen, dass sie abends zur Einschlafbegleitung oft sprichwörtlich mit wegschlummern. Das Familienbett nimmt den Stress raus und sorgt für genug beruhigten Schlaf für alle.

  • Multifunktionstisch planen

Für jedes Kind einen eigenen Schreibtisch für Hausaufgaben im Zimmer, weil man das so macht? Das muss nicht unbedingt sein. Viele Familien setzen auf einen großen Familientisch, der multifunktional von allen Familienmitgliedern genutzt wird. Hier wird nicht nur gegessen, sondern auch gelernt, Schularbeiten erledigt und gearbeitet. Der Tisch sollte so groß sein, dass drei bis vier Personen sich wirklich mit ihrem Material ausbreiten können. Je größer, desto besser. Homeoffice, Lernen, Basteln und Malen klappt altersübergreifend erstaunlich gut nebeneinander. Für viele Kinder wirkt das parallele Arbeiten zudem beruhigend und hilft ihnen, den Fokus länger zu zu halten. Eins ist wichtig: Sind Arbeit und Hausaufgaben abgeschlossen, folgt direkt ein Ordnungs-Setup. Nach den Mahlzeiten wird ebenfalls direkt abgeräumt. So nimmt der Tisch immer einsatzbereit eine zentrale, multifunktionale Rolle ein und spart Platz im Kinderzimmer und ersetzt je nach Anspruch sogar ein kleines Büro.

  • Marie Kondo für den Neustart

Marie Kondo ist die Koryphäe, wenn es um aufgeräumtes Wohnen geht. Ihre Tipps sind, wie sie selbst sagt, lebensverändernd. Und tatsächlich: Aufräumen kann mehr als nur Ordnung in der Wohnung schaffen. Für viele ist Reinigen und Aufräumen Seelenarbeit, die tiefer greift, heilt und den Kopf befreit. Für den Neuanfang nach Gewalt und dann noch alleine mit Kindern gilt das ganz Besonders. Ordnen nach Kondo muss nicht aufwendig sein. Einer ihrer wertvollsten Tipps lautet: Alles hat seinen Platz und sollte nach dem Benutzen wieder dorthin zurück geräumt werden. So kann sich gar nicht erst Chaos ansammeln und das Aufräumen geht schnell und stressfrei. Ein weiterer Tipp ist etwas spiritueller. Kondo regt an, unseren Besitz bewusst wertzuschätzen. Wir sollten uns nur mit Dingen umgeben, die wir wirklich lieben und die dann auch täglich nutzen. Das gute Geschirr für Feiertage oder die hübschen Tischsets im Schrank nur für Besuch machen aus dieser Sicht tatsächlich keinen Sinn. Ab jetzt gilt: Was wir lieben, wollen wir sehen! Alles wird auch im Alltag benutzt. Der besondere Anlass? Sind wir selbst. Der Rest? Wird aussortiert. Natürlich auch nach Kondo. Mehr zur KonMarie-Methode unter www.konmari.com (Si apre in una nuova finestra)

  • In die Höhe denken

Zu wenig Platz für Stauraum? Sobald wir in die Höhe denken, ergeben sich ganz neue Lösungen. Lange Bücherregale über den Türen und unterhalb und entlang der Decke sorgen für erstaunlich viel Platz im Raum. Auf Schränke passt oft noch eine Einheit (Ikea-Besta) bis zur Decke oder Deckelkisten haben Platz. Grundsätzlich gilt: beim Stauraum lieber klotzen als kleckern, denn auch Vorräte, Reservegrößen der Kinderkleidung, Kram und Erinnerungen suchen einen Platz. Wer kann, baut bis zu Decke. Je einheitlicher Schrank und Aufbau gestaltet sind, desto ruhiger wirkt der Raum.

  • Krimskrams-Truhen und fahrende Helfer

Den Unterschied zwischen unaufgeräumt und aufgeräumt macht oft die Anzahl der Dinge, die wir im Raum auf einen Blick wahrnehmen. Wer Kinder hat weiß, das können je nach ausgekippter Spielzeugkiste auch gerne mal 100 Teile auf einmal sein. Darunter Stofftiere, Autos, Bücher, Spiele und Malsachen. Und alles muss am Ende des Tages woanders hin. Muss nicht, denn Clevere schaffen sich für Spieleecken einfach eine oder zwei richtig große Truhen aus Holz, Antik oder aus dem Möbelhaus an, wo alles entspannt hineingelegt werden kann, ohne Aufräum-Tetris zu spielen. Zur Erinnerung: Wir haben alle keine Lust auf Chaos, aber auch zu wenig Zeit zum Aufräumen. Truhen sind der Game-Changer und reduzieren das Durcheinander fürs Auge ganz schnell auf eine Sache, die auch noch richtig hübsch und als Sitzfläche funktional sein kann.

Ein anderer Geheimtipp für smarte Ordnungshelfer sind Servierwagen. Je nach Thema bestückt, funktionieren sie als Ablage für alle Mal-und Bastelsachen, Schulmaterial, Home-Office-Unterlagen, Stricksachen oder klassisch am Esstisch für tägliche Essentials in Reichweite. Oft sind sie so schmal und wendig, dass sie sich unauffällig in einer Ecke parken lassen und ersetzen dabei dennoch gleich mehrere Fächer in einem Schrank.

  • Aus den Augen…

Noch ein Tipp zum Verschwinden lassen, sind Türen. Selbst für einfache Regale lassen sich häufig günstig passende Türen nachrüsten. Wer bestehende Möbel bestücken möchte, findet oft auf Kleinanzeigen passende Lösungen. Türen an Regalen entspannen fühlbar, denn manchmal müssen wir Dinge behalten und möchten sie dennoch in Summe nicht ständig sehen. Einfach Tür zu und der Raum strahlt Ruhe und Ordnung aus. Beides unverzichtbar im Chaoszustand Neustart.

  • Die Regeln selber machen

Gewohnte Einrichtungsregeln haben uns gelehrt, wie wir zu wohnen haben. Diese Regeln dürfen wir ganz neu denken, denn die machen Alleinerziehende ab jetzt selbst. So wird das Sofa oft instinktiv an der Wand platziert. Und nimmt damit die größte Stellfläche etwa für zusätzliche Schränke weg. Das darf anders sein. Wird etwa die Couch mit dem Rücken zum Raum und weg von der Wand platziert, ergeben sich ganz neue Planungsmöglichkeiten. Wem das zu wild erscheint, der greift auf einen Trick von Interior-Designern zurück: XXL-Teppiche, die optisch eine Einheit kreieren. Sofa, Couchtisch und alles, das den Part im Raum ergänzt, sollte auf dem großen Teppich Platz finden. Sofort entsteht ein sehr beruhigter und durchdachter Eindruck, der ganz neue Einrichtungslösungen zulässt. An den Rücken des Sofas kann so etwa eine passende Kommode ergänzt werden und hier entsteht vielleicht ein angedeuteter Zusatz-Raum als Spielebereich oder als Bewegungsecke – morgens für Mamas Gewichte oder die Yogamatte und Nachmittags für den Nachwuchs mit Hüpfmatratze, Stapelsteinen oder Balancier-Bord. Wohlfühlen kommt vor Wohnregel. Auch der große Familientisch hat plötzlich Platz, wo vorher keiner war. Gemütlich und gestylt aussehen, darf es auch.

  • 10 Dinge auf einmal

Eine Idee aus der Energielehre besagt, dass wir 21 Dinge im Raum bewegen sollen, damit die Energie neu fließen kann. Für Alleinerziehende mit Kind praktikabel sind zehn. Ein Zimmer wirkt zu wild, zu voll, zu unaufgeräumt? Der Trick ist, jetzt in unter einer Viertelstunde zehn Dinge aus dem Blickfeld zu räumen oder zu ordnen. Mit einem festen Platz und geplantem Stauraum geht das tatsächlich so schnell. Das Ergebnis ist rein funktional ein aufgeräumtes und psychologisch tatsächlich der Eindruck, hier wieder durchatmen zu können. Als tägliche Aufräum-Routine lässt sich so mit wenig Aufwand das ganze Zuhause in Ordnung bringen. Eine Methode, die auch Kindern als Challenge Spaß macht.

  • Inseln kreieren

Teppiche, wie im Beispiel vorhin, können den Eindruck vom Raum im Raum erzeugen. Das klappt aber auch noch mit anderen Tools aus der Einrichtungstrickkiste. So lassen Wandfarben Räume in unterschiedliche Funktionsbereiche unterteilen, ohne dass Raumteiler oder Umbauten nötig sind. Die Idee: jeder Bereich bekommt seine eigene Farbe oder ein Bereich wird mit einer Farbe vom Rest des Raums abgehoben. Diese optische Akzentuierung funktioniert erstaunlich gut und schafft Spannung und Struktur in Räumen, die ohne schnell nach Möbellager aussehen würden, weil die Einteilung fehlt.

Auch Licht kann das. Licht sollte nach Bereichen, Nutzung und damit Funktion eingesetzt werden. Rund ums Sofa gemütliches, niedrig platziertes Beistelllicht, dimmbares Deckenlicht am Esstisch und funktionale Ausleuchtung auf unterschiedlichen Höhen. Während eine Leuchte für alles Unruhe betont, kreieren kleine Lichtinseln optisch abgegrenzte Bereiche und die zugehörige Stimmung.

  • Dimensionen verändern

In vielen Familienwohnzimmern ist das XXL-Sofa ein Muss. In der kleineren Wohnung wirkt das Ding plötzlich jedoch wie ein Monstrum. Wer kann, sollte beim Kauf neuer und gebrauchter Möbel auf Maße achten, die zu den neuen Räumen passen. Statt Sofalandschaft eignen sich ein Sessel und ein Dreisitzer oder zusätzliche Poufs besser. Statt flächigem Couchtisch sorgen zwei oder drei kleine Beistelltische für Luftigkeit und Flexibilität. Der Anspruch ist, dass sich die Möbel dem Alltag anpassen, nicht umgekehrt. Basics wie Familientisch, -bett und Stauraumschränke dürfen dagegen größer ausfallen. Dafür muss der Rest etwas mehr Platz machen. Die Bedürfnisse, Musts und jeweiligen Kriterien entscheidet jede Familie für sich. Kleinere Einzelmöbel haben den Vorteil, dass sie deutlich mehr Flexibilität bieten, wenn neue Lösungen benötigt werden. Die Skandinavier machen es vor und setzen oft auf kleinere oder filigranere Sofas, Sessel und Co. und erzeugen so minimalistische und leichte Interieurs.

Service:

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Argomento So will ich leben

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