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Frauenstreik! Was wir wollen.


ENOUGH! 9. März 2026.
Globaler Frauenstreik.
10 Gründe, warum wir streiken

Redaktion free.fem.minds MAGAZIN | Tina Steiger

Frauenrechte sind in Gefahr wie nie zuvor. Grundrechte, die als unverrückbar galten, verlieren sich im Rechtsruck. Weltweit beobachten Frauen mit Entsetzen, was ihnen genommen wird.
Am 9. März 2026 gehen Frauen weltweit beim größten
Globalen Frauenstreik unter dem Motto ENOUGH! auf die Straßen.
Wer kann, die streikt, solange es noch geht. Aber wofür eigentlich genau? 10 Punkte, um die es geht.

1. Sichtbarkeit

#ohneunsstehtallesstill. Unter diesem Hashtag sind in mehr als 80 deutschen Städten Streiks und Aktionen für den 9. März angemeldet. Die Initiative Töchterkollektiv hatte zum Streik geladen, bundesweite Ortsgruppen sind das Ergebnis. Deutschlandweit sind Menschen dazu aufgerufen, nicht zu arbeiten, Care niederzulegen, sich nicht zu kümmern. Das Ziel: die Rolle von Frauen und queeren Personen sichtbar machen. Ein Land ohne Frauen, das realisierte Island am 24. Oktober 1975. Einen Tag lang brachten die Isländerinnen alles zum Erliegen und zeigten, ohne uns Frauen geht es nicht. Nach dem Stillstand kam Bewegung in das Land. Heute gilt Island weltweit als Vorbild für Gleichberechtigung. Der 9. März in Deutschland, das könnte ein Tag werden mit geschlossenen Geschäften, leeren Büros, Frauen, die Männer mit der Betreuung sitzen lassen. Wer kann, geht streiken. Doch die Krux: Meist sind es Frauen, die nicht streiken können. Die auf Jobs angewiesen sind, die Kinder versorgen müssen, die ohnehin schon nicht wissen, wie sie den Tag managen sollen. Die bundesweiten Organisator:innen rechnen dennoch mit einem der größten Streiks in der Geschichte des Landes.

2. Wirtschaftliche Gleichstellung

Frauen verdienen weniger, arbeiten häufig in schlechter bezahlten Berufen, baden bei Scheidung, Kinderbetreuung oder Rentenpunkten die Folgen finanziell meist langfristig alleine aus. Wer sagt, wir brauchen keinen Feminismus, hat Frauen noch nicht aufs Konto geschaut. Der Ruf nach Individualisierung, also Frauen zu ETF-Expertinnen und Anlagestrateginnen machen zu wollen, verkennt das Problem im Kern. Frauen sind strukturell benachteiligt, in den Finanzen dann werden die Folgen spürbar. Wer vorsorgt, tut sich dennoch einen Gefallen. Doch allen muss klar sein: Weibliche Armut ist kein individuelles Versagen, sondern mangelnde Verantwortungsübernahme des Staates gegenüber seinen Frauen.

3. Gewalt gegen Frauen

LeSuBiA ist Lagebild sein Vater, wenn man so will. Gewalt gegen Frauen übersteigt in der Realität jede Vorstellung. Die Dunkelfeldstudie des BKA beweist, nur ein Bruchteil wird überhaupt angezeigt, verfolgt, je bekannt. Frauen und FLINTA in Deutschland erleben Gewalt. Quer durch alle Mileus, Berufsgruppen, Beziehungsformen. Und fast immer sind die Täter Männer. Gewalt ist ein Männerproblem. Und doch scheint es, als würden sich nur Frauen für den Wandel einsetzen. Fast jeden Tag ein Femizid und die Brennpunkte dazu vermissen nicht nur Betroffene. Die Fußfessel soll jetzt nach Möglichkeit alles lösen – oder bitteschön so aussehen. Dumm nur, dass sich Expert:innen von dieser Gießkannen-Symptombekämpfung zurecht wenig versprechen. Was fehlt, ist ein flächendeckendes Verständnis für Gewaltformen, für Männervorrechte und das Bekenntnis, all das anpacken zu wollen nach spanischem Vorbild. Gestreikt wird für die Opfer im Dunkeln, für die Toten, für die, die bis zur Umsetzung eines Rechtsanspruchs auf Schutzplätze 2032 noch sterben werden. Gestreikt wird auch für überhaupt ausreichend Schutzplätze und wegen Politikversagen.

4. Rechtssicherheit

Frauen werden vergewaltigt. Die Täter erhalten milde Urteile auf Bewährung, damit den Jungens die Zukunft nicht verbaut wird. Gegen Frauen herrscht Misstrauen und Misogynie. Männer profitieren im Rechtssystem von der Unschuldsvermutung und Vorschusslorbeeren für zukünftige Läuterungen. Wer in der Sauna nackt fotografiert wird, darf sich nicht beschweren und wem beim Joggen auf den Arsch gefilmt wird, der ist halt bittesehr auch selber schuld. Frauen wie Yanni Gentsch rüttelten 2025 am Status Quo der deutschen Ignoranz beim Thema Frauenrechte und traten neue Debatten los. Der Wandel rollt an. Doch noch immer erleben Frauen eine Justiz, die Täter hofiert und Frauen missachtet. Frauen fordern Gleichstellung – vor dem Gesetz und das real in der Praxis. Ausbaufähig ist für den deutschen Zustand aktuell stark untertrieben.

5. Solidarität

Niemand weiß was kommt. Vielleicht lässt sich so das globale Gefühl von Frauen zusammenfassen. Wer hätte für möglich gehalten, wie Frauen in den USA nun für Abtreibungen bestraft werden oder dass eine deutsche Regierung 2026 achselzuckend mit einem Regime kooperiert, das Frauen legal auspeitschen lässt. Frauen leiden weltweit. Sie leiden nicht, weil die Natur es so will. Sie leiden, weil Männer ihnen rund um den Globus unvorstellbare Grausamkeiten antun. Kleine Egos, die Frauen misshandeln und sich aufwerten. Mal sind die Gründe politisch, dann wieder religiös oder, wie in den Epstein-Akten, billig kapitalistisch. Männer haben Frauen zur Ware erklärt, zum Instrument, zum Wegwerfprodukt. Wer am 9. März auf die Straße geht, tut das nicht nur für Care-Gaps und faire Löhne, sondern für die Frauen, die weltweit unter patriarchaler Gewalt leiden und sterben.

6. Sichtbarkeit für Mehrfachdiskriminierung

Werden Frauen diskriminiert, so erfolgt das meist auf mehr als einer Ebene. Alte Frauen, die als zu verbraucht gelten für Filmrollen, für soziale Akzeptanz oder jüngere Partner. Migrantische Frauen, die als zu schwierig gelten für deutsche Vermieter oder gutbürgerlichen Kundenkontakt. Behinderte Frauen, die sich gefälligst zusammenreißen und funktionieren sollen, wenn sie schon Frauen sind. Flüchtlingsfrauen. Frauen mit Sprachbarrieren. Queere Frauen. Mehrfachmütter. Gewaltbetroffene Frauen. Transfrauen, Alleinerziehende… Es erscheint fast unmöglich, als Frau nicht nur einfach, meist aber sogar mehrfach diskriminiert zu sein. Außer, man ist weiß, reich, verheiratet und mit der korrekten Anzahl korrekter Kinder ohne Scheidung gesegnet. Christlich versteht sich. Dann geht es gerade so als Frau. Für alle anderen streiken alle anderen am 9. März.

7. Gewalt in Geschlechter-Gaps

In jedem Gap versteckt sich Gewalt. Klingt dramatisch? Ist es auch. Der Care-Gap ist nicht nur ein bisschen mehr Mental Load und Frauenteilzeit, sondern steht auch für Nachteile bei der Rente und Einkommensverluste im Job. Der Gender Lifetime Earnings Gap verweist auf fast ein halbes Einkommen Lebenslohnlücke im Lauf eines Frauenlebens im Vergleich zu Männern. Mehr Stunden Arbeit für alle, das bedeutet weniger Zeit für Fortbildung, weniger finanzielle Vorsorge, Gesundheitsvorsorge, weniger Unabhängigkeit. Unabhängigkeit ist das Stichwort, denn fehlende finanzielle Freiheit bezahlen Frauen meist mit Ausweglosigkeit bei Gewalt. Wer kein eigenes Geld hat, kann nicht sicher gehen. Und wer sich unentgeltlich kümmert, hat meist kein eigenes Geld. Ein Teufelskreis, den es zu benennen gilt.

8. Sexismus-Awareness

Die Witze von Onkel Fritz sind sexistisch, die Sprüche vom Fahrlehrer auch. Der Abi-Lehrer baggert ungeniert Schülerinnen an und für Ablehnen der plumpen Anmache gibt’s im Nachtleben aggressive Reaktionen. Sexismus ist kein Naturgesetz und sexistische Männer sind angezählt. Frauen, die das Männern lautstark mitteilen, gelten als unangenehme, verklemmte Feministinnen, die nichts vom Flirten verstehen. Nicht nur Incels ahnen, dass sie diesen Wandel nicht mitmachen werden. Die Male Loneliness Epidemic ist in Wahrheit die Natur, die Frauen jetzt aktiv bei der Selektion unterstützt. Alle wissen, es reicht.

9. Patriarchats-Stopp

Es funktioniert nicht mehr. Frauen kaufen die Storys von den braven Frauen und den zugehörigen Regeln immer weniger und einigen sind sie gänzlich egal. Frauen pfeifen darauf, Good Girls zu sein und verzichten einfach auf Normen, Traditionen – und sogar Männer. Koreas Frauen gehen so weit, einfach nicht mehr zu daten. Aus Protest gegen Männer und Männlichkeitsnormen. Cat Lady Protest – es könnte schlechter sein. Wenn Frauen das Heiraten und die Familiengründung verweigern, gerät das Patriarchat in Stress und droht trotzig mit harten Strafen, notfalls im Fegefeuer. Oder finanziellen Anreizen wie in Russland pro Kind. Oder beidem. Einige sehen im Gegendruck patriarchaler Systeme und streng-konservativer Ordnungen auf Frauenrechte ein letztes Aufbäumen einer alten Welt. Am 9. März gebären Frauen einen tanzenden Stern.

10. Wut

Männer können von Glück sprechen, wenn Frauen nur Gleichberechtigung fordern und nicht Rache. In vielen FLINTAs schwelt blanke Wut auf strukturelle Fallen, Sexismus, Gewalt, Frauenarmut, politisches Wegsehen und gesellschaftliches Beschwichtigen. Viele politischen Proteste der Vergangenheit wurden global erst dann gehört, wenn Frauen eskalierten. Wenn sie Schaufensterscheiben einschlugen und Gebäude in Brand steckten, wie feministisiche Vorkämpferinnen in der Geschichte der Frauenrechte. Brave Mädchen kommen in den Himmel. Böse Mädchen kommen überallhin. 2026 wollen Frauen (sicher) überall sein. Der Himmel kann warten.

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