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GS029 – Die Geschichte der Drachen - Vom Schutzwesen zum Teufel

Rom, im Jahr 1664. Athanasius Kircher – Pionier der Mikroskopie, Entzifferer von Hieroglyphen, einer der berühmtesten Köpfe seiner Zeit – arbeitet an seinem Werk über die unterirdische Welt. Darin behandelt er Drachen als reale Tiere, die in Höhlen nisten. Er sammelt Augenzeugenberichte, darunter einen vom Pilatus in der Innerschweiz. Kircher war kein Spinner. Er war Wissenschaftler. Und er glaubte an Drachen – weil sein gesamtes Wissenssystem es ihm nahelegte.

Diese Folge spannt einen Bogen über 4.600 Jahre und fragt nicht, ob Drachen „wirklich" existierten, sondern was Menschen über sie glaubten, warum sie es glaubten – und was das über ihre Welt verrät.

Wir beginnen beim ältesten Drachen der Schriftgeschichte, einem wohlwollenden Vergleich in einer sumerischen Tempelhymne um 2600 v. Chr., und verfolgen, wie aus dem mesopotamischen Schutzwesen Mušḫuššu über Marduks Kampf gegen Tiamat, den biblischen Leviathan und schliesslich die Offenbarung des Johannes der personifizierte Teufel wurde. Wir sehen, wie der Heilige Georg zum Drachentöter wurde (und warum dieser Kampf erst Jahrhunderte nach seinem Tod erfunden wurde), wie Bestiarien Drachen als reale Geschöpfe verzeichneten, wie Gelehrte wie Gessner und Aldrovandi getäuscht wurden – Aldrovandis berühmter „Drache von Bologna" entpuppte sich als Bastelei aus Kröte, Ringelnatter und Fisch – und wie ein eiszeitlicher Wollnashorn-Schädel in Klagenfurt zur Vorlage für die erste paläontologische Rekonstruktion der Geschichte wurde. Zum Schluss blicken wir über Europa hinaus: zum chinesischen Glücksdrachen, zum indischen Vritra, zu Quetzalcoatl und Jörmungandr – und fragen, warum so viele Kulturen Drachen erfanden.

Viel Spass beim zuhören:

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