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Bauernproteste: Das Hakenkreuz im Heuhaufen finden

Warum die Linke nicht auf die rechtsextreme Agenda hereinfallen sollte

02.01.2024

Dieser Beitrag wurde zuerst am 2. Januar 2024 auf Substack (Si apre in una nuova finestra) veröffentlicht und am 15. August 2025 auf Steady republiziert.

Heuballen im Vordergrund auf einem gedroschenen Weizenfeld. Im Hintergrund faserige weiße Wolken in einem blauen Himmel. Die Sonne rechts oben wirft Strahlen. Links oben grüne Zweige eines Baumes. Einer der Heuballen ist kein Heuballen sondern ein Anstecker der NSDAP mit einem vom anderen Heuballen verdeckten Hakenkreuz.

Linke stehen klassischerweise eigentlich hinter den Arbeiter:innen. Bei den Bauernprotesten lässt sich jedoch ein beunruhigender Trend in sozialen Medien beobachten. Weshalb wir mit der pauschalen Abwertung der Proteste die AfD unterstützen und wieso es dennoch sinnvoll ist Kritik zu üben an rechter Vereinnahmung und einer Partei die sich trotz der Ablehnung von Subventionen plötzlich als Freund der Landwirtschaft geriert. Ein Kommentar.

Die AfD sprach früher bereits (Si apre in una nuova finestra) von einem „Wutwinter“ und einem „heißen Herbst“. Damals ging es noch um Demonstrationen gegen die Pandemie und das Recht der Ukraine zur Selbstverteidigung. Aktuell überträgt man dieses Vorgehen auf die Bauernproteste. Eine geplante Demonstration am 8. Januar wird zum „Generalstreik“ umgedeutet.

Dahinter steckt eine Strategie. „Die Bauernproteste symbolisierten für Rechtsextreme den Widerstand aus dem „Volk“, das sich gegen die „Elite“ stelle“, so Pia Lamberty vom Center for Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) gegenüber (Si apre in una nuova finestra) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Deutsche Bauernverband (DBV) grenzte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach von solchen Vereinnahmungen ab. So auch bei den neuerlichen Protesten, bei denen unter anderem Galgen für die Ampel-Regierung auftauchten.

Deutscher Bauernverband auf X: Demonstrieren? Ja. Aber wir stehen für friedlichen und demokratischen Protest! In aller Deutlichkeit distanzieren wir uns von extremen Randgruppen, die unsere Aktionswoche kapern wollen. Nicht mit uns!

Darunter das Bild eines Textes, in dem sich der Bauernverband von der Vereinnahmung der Aktionswoche durch extreme Randgruppen und Spinner, wie sie schreibt. Weiter heißt es, dass man für entschiedenen, aber friedlichen und demokratischen Protest stehe. Im Hintergrund ein Bild des Brandenburger Tors in Berlin.

Die Linke lässt sich ausdribbeln

Anstatt sich grundsätzlich hinter den Landwirt:innen zu positionieren geht die Strategie der Rechten auf. Teile der Linken lassen sich von der Strategie spalten und stehen dem Protest nicht nur kritisch – was grundsätzlich nichts Schlechtes ist – sondern mehr als ablehnend gegenüber.

Rechtsextremen spielt dabei die Macht der Bilder in die Hände und der psychologische Effekt der Negativitätsverzerrung (Si apre in una nuova finestra). Etwa als ein Traktorfahrer die Verletzung einer Einsatzkraft in Kauf nahm.

Der Account Gegen die AfD auf X am 29. Dezember 2023: Die Rechtsextremisten der #FreieSachsen nutzten den Angriff mit Traktor auf Einsatzkräfte, das Umfahren einer Sperrung und verletzte Beamten, um gegen das System zu hetzen. Antidemokraten am Werk! #Siegen #Bauerndemo

Getaggt werden Bauernverband, Renate Künast und Martina Renner.

Oder auch wenn in sozialen Netzwerken Propaganda aus dem Umfeld der AfD in den Timelines auftaucht, so wie etwa hier.

Mein Account auf X. Ich schreibe: Kurzer Hinweis dazu mit Dank an @frl_anni. Das Bild zirkuliert bereits seit mind. 23 Dezember. Die erste Nutzung die ich derzeit finde war durch einen Kreisverband der AfD. Es war also da bereits in diesem Umfeld unterwegs. Genauer Ursprung unklar. Hinweise gerne an mich.

Unter dem Tweet habe ich das Bild angehangen und mit einem roten Kreuz durchstrichen. Es handelt sich um ein KI-Bild, auf dem eine lange Reihe von Traktoren, am Rand gesäumt von einer großen Menschenmenge die diese anfeuert auf einer Landstraße und teilweise auch den Feldern fährt. Im Hintergrund blauer Himmel mit Wolken und ein Schornstein. Ein paar vereinzelte Häuser in der Ferne und überall wehen Deutschlandflaggen. Auf dem Bild steht: 8. Januar 2024. Der Tag der Wende! Deutschland steht auf!

Nach dem Wort Wende ist ein Sternchen gesetzt. Unter dem Bild wird erklärt, dass man mit Wende die Ampelabschaltung meint.

Desinformation aus dem linken Spektrum ist nichts Neues. Angesichts des Erstarkens der AfD sollte es aber enorm beunruhigen, wenn nun auch dort Desinformationen zunehmen. So mehrfach in der vergangenen Woche beobachtet, als es um ein Dokument aus dem Rechnungsausschuss des Bundestags ging.

Beitrag von mir auf X. Ich schreibe: Da dieses Schriftstück mittlerweile ein Eigenleben entwickelt hat, hier ein kurzer Thread zur Einordnung. Vorab: Ich bin kein Experte für diesen Ausschauss. Grain of salt. Anmerkungen gerne in die DruKos.

Es handelt sich um einen längeren Thread, in dem ich das Schriftstück einordne, der hier aber nicht abgebildet ist.

Warum liegt da Stroh und wie demaskieren wir Rechte?

Ein Grund für die starke negative Fokussierung auf die Proteste könnte auch aus der Erfahrung der Pandemie stammen. Die Coronaproteste könnten hierbei eine Rolle spielen. Dabei wäre es wichtig sich hier die Unterschiede noch einmal zu verdeutlichen.

Teilnehmer:innen der „Querdenken“-Proteste stammten eher aus der Mittelschicht, waren „eher älter und akademisch gebildet“, so das Ergebnis eines Forschungsprojekts (Si apre in una nuova finestra) von Oliver Nachtwey und Robert Schäfer an der Universität Basel. Die Bauernproteste haben zudem einen Anlass, der nicht so stark zeitlich entgrenzt ist wie die Pandemie. Wichtiger, so schreibt es Alexander Roth für den Zeitungsverlag Waiblingen (Si apre in una nuova finestra): „Die Bauernproteste gehen auf den Deutschen Bauernverband zurück, einen großen Interessenverband der Bauern. Sie sind nicht von Rechtsextremisten initiiert.

Die Demaskierung von Rechten wird der Linken erst dann gelingen, wenn sie die grundsätzliche Legitimität der Proteste von Arbeiter:innen wieder anerkennt und sich gleichzeitig wieder selbst in die Lage versetzt dies von der ebenfalls legitimen Kritik an rechten Umtrieben zu trennen. Erst dann lassen wir uns als Gesellschaft nicht mehr trennen und suchen nicht mehr allein nur nach dem Hakenkreuz im Heuhaufen.

Dass die AfD, die im eigenen Grundsatzprogramm (Si apre in una nuova finestra) Subventionen jeder Art eigentlich ablehnt, nun plötzlich ihr Herz für die Landwirtschaft entdeckt, ist Teil ihrer Strategie. Darüber sollten sich alle Demokrat:innen im Klaren sein. Egal ob links oder rechts.

Titelbild: Foto mit Heuballen via Pixabay.com (Si apre in una nuova finestra). Parteiabzeichen der NSDAP via Wikimedia (Si apre in una nuova finestra), CC BY-SA 3.0 DEED (Si apre in una nuova finestra).

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