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Diese E-Mail kann dich nicht töten

Manchmal reicht eine harmlose E-Mail, um mein Fass zum Überlaufen zu bringen. Dann schalte ich komplett auf Alarm, obwohl der Inhalt vielleicht gar nicht so schlimm war. Warum reagiere ich manchmal wie ein aufgescheuchtes Huhn, statt gelassen durchs Leben zu schippern?

Darüber habe ich letzte Woche auf einer Bühne gesprochen. Ganz frei und ganz pur. Ohne Präsentation oder Moderationskarten.

Das war aufregend. So aufregend, dass ich mich live auf der Bühne für ein paar Momente runterbringen musste. Weil ich mich wieder kurz fühlte wie ein aufgescheuchtes Huhn.

Passte aber ganz gut zum Thema.

Ich hatte der re:publica schließlich Regulationsübungen zum Mitmachen versprochen. Und was eignet sich besser zum Vorführen als ein Moment, in dem man selbst gerade leicht zittrig auf den Beinen steht? Aber sieh selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=9ovtvZ-RL9o (Si apre in una nuova finestra)

Was mich in dem Augenblick am meisten beruhigt hat: das Wissen, dass ich nicht allein damit bin. Dass alle checken, dass Auf-der-Bühne-Stehen krass ist. Dass wir generell alle mit fast all unseren aktuellen Problemen in einem Boot sitzen. Digitale Kommunikation + Weltlage = Daueralarm. Das spüren wir alle.

Der Stress entsteht oft nicht nur durch den Inhalt selbst, sondern auch durch den Zustand, aus dem wir reagieren: angespannt, überreizt, im Alarmmodus.

Manchmal ist das auch total angemessen! Ein gesundes Nervensystem bewegt sich ständig. Problematisch wird es eher, wenn wir komplett in den Autopilot kippen. Von diesen Zuständen hat man wahrscheinlich schon mal gehört:

🔥 Fight
🔥 Flight
🔥 Freeze
🔥 Shutdown

Oder etwas griffiger:

❤️‍🔥 doomscrollen, obwohl wir längst ins Bett wollen
❤️‍🔥 „noch schnell“ eine Mail beantworten
❤️‍🔥 sofort in die Defensive gehen
❤️‍🔥 innerlich komplett dichtmachen
❤️‍🔥 funktionieren, obwohl man gar nicht mehr richtig da ist

Meine Notiz an mich selbst in Vorbereitung auf den Vortrag

Der berühmte Säbelzahntiger ist längst digital.

Ich habe in dem Vortrag auch darüber gesprochen, dass ich viele Jahre dachte, ich hätte als Führunsgkraft meinen Sh*t together, obwohl ich meinen Körper kaum noch wahrgenommen habe.

Ich hatte Panikattacken, Reizdarm, habe mich mit Arbeit, Alkohol, Zigaretten oder Essen reguliert und mich gleichzeitig für relativ reflektiert gehalten, weil ich ja schon brav meine Glaubenssätze analysiert hatte.

Ich habe oft nicht gemerkt, dass meine Schultern den ganzen Tag angespannt waren. Oder dass ich aufs Klo musste. Oder dass ich seit Stunden die Luft angehalten habe. In diesem Beitrag (Si apre in una nuova finestra) hatte ich schon mal ausführlicher darüber geschrieben.

Bin ich jetzt der geläuterte systemische Coach, der sein Leben vollständig im Griff hat? Ja! Buche jetzt deine Sitzung! Auf Allergarkeinsten! Aber ich habe mir Wissen drauf geschafft, das mir und vielen meiner Klient*innen wertvolle Einsichten (und auch ein bisschen Erleichterung im Leben) gebracht hat. Du kannst also trotzdem besten Gewissens jetzt deine Sitzung buchen (Si apre in una nuova finestra).

So, wo waren wir? Ach ja!

Im Vortrag zeige ich ein paar sehr einfache Übungen gegen digitalen Dauerstress, erkläre Fight, Flight, Freeze und Shutdown anhand typischer Internet-Situationen und rede darüber, warum der ganze Regulationshype gleichzeitig verständlich und auch ein bisschen gaga ist.

Vielleicht ist ja etwas dabei, das dein Gehirn mit den 47 offenen Tabs kurz ein bisschen entlastet.

So sieht eine Person aus, die sich gerade live auf der Bühne selbst reguliert

Alles Liebe! (atmet beruhigend auf Schhhhh aus)
Deine Katrin

Das hier war die 53. Ausgabe von HEISE SCHEISE. Nach meinem Vortrag kam völlig unerwartet eine alte Kollegin auf mich zu und umarmte mich. Ich war vor 10 Jahren ihr Teamlead gewesen – genau in der Phase, auf die ich im Vortrag referenziert habe. Ein schöner Moment.