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Kuba-Brief Nr. 64 | Juni 2026

Kuba-Brief Nr. 64

Berlin, 10. Juni 2026


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kuba-Interessierte,

erst gibt es mehrere Wochen keinen Kuba-Brief, nun gleich zwei innerhalb weniger Tage. In der kurzen Zeit sind weitere unschöne Nachrichten hinzugekommen: Zahlungen mit Visa und Mastercard sind deshalb bis auf Weiteres auf der Insel nicht mehr möglich – der bisherige Zahlungsabwickler zieht sich aufgrund des US-Drucks zurück. Nach der spanischen Hotelkette Iberostar haben auch die Hotelkonzerne Meliā, Blue Diamond und Archipielago International ihr Kuba-Geschäft reduziert oder ganz auf Eis gelegt. Zudem belegte Washington den kubanischen Präsidenten und dessen Frau, sowie zwei Familienangehörige von Ex-Präsident Raúl Castro und mehrere kubanische Institutionen, darunter das Institut für Völkerfreundschaft ICAP, mit Sanktionen.

Angesichts der Repression aus Washington und den immer heftigeren Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen in Kuba fragen sich viele: Wie geht es weiter mit Kuba? Darauf habe auch ich keine Antwort; für die Rosa Luxemburg Stiftung habe ich aber eine Analyse zum Stand der Dinge aufgeschrieben. Angesichts einer sich immer aggressiver gebärenden US-Administration, die zu keinerlei Kompromissen bereit scheint, ist mein Ausblick alles andere als zuversichtlich. Hoffentlich täusche ich mich.

Schreiben Sie mir! Ich freue mich über Rückmeldungen, Anregungen und Kritik.

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(Foto: Centro Mises)

US-Präsident Donald Trump hat wiederholt von einer „Übernahme“ der Insel gesprochen und unverblümt mit dem Einsatz des US-Militärs gedroht. Sobald er mit dem Iran „fertig“ sei, komme Kuba „als Nächstes“ dran.

Die kürzlich veröffentlichte Anklageerhebung gegen Raúl Castro bedeutet eine außerordentliche Eskalation der Kampagne gegen Kuba. Zum einen ist sie eine politische Geste Trumps gegenüber der sehr konservativen kubanisch-amerikanischen Gemeinde im Süden Floridas, zum anderen eine ernste Drohung an die kubanische Führung. Sie verschafft Trump gegenüber dem Kongress eine rechtliche Grundlage für ein ähnliches Vorgehen wie in Venezuela. Mit einer Anklage gegen Nicolás Maduro wegen Drogenschmuggels hatte Washington den Einsatz des US-Militärs in Caracas und die Entführung des venezolanischen Präsidenten Anfang Januar gerechtfertigt.

Zum Weiterlesen:

Die Strangulation Kubas (RLS) (Si apre in una nuova finestra)

05.06.2026 Washington eskaliert den Druck auf Havanna. Kann die Insel durchhalten?

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Visa und Mastercard stoppen wegen US-Sanktionen Zahlungen auf Kuba. Seit dem 6. Juni sind keine Visa- und Mastercard-Transaktionen auf Kuba mehr möglich. Angesichts der zuletzt deutlich verschärften Sanktionen der Vereinigten Staaten habe der ausländische Partner, der zuvor Kreditkartentransaktionen für Kuba abgewickelt hat, entschieden, seine Aktivitäten einzuschränken, teilte die kubanische Zentralbank Anfang Juni mit. „Aufgrund dieser Entscheidung ist es Kuba nicht mehr möglich, Einnahmen aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen über international etablierte Karten wie VISA und MASTERCARD zu erzielen“, hieß es in der Mitteilung der Zentralbank (Si apre in una nuova finestra). Devisenzahlungen sind künftig nur noch bar, mit nationalen Prepaid-Karten wie Clásica und Tropical, sowie mit Kreditkarten von Mir aus Russland und von UnionPay aus China möglich.

Kreditkartentransaktionen wurden bisher von einer ausländischen Bank und dem kubanischen Finanzdienstleister Fincimex abgewickelt. Fincimex gehört zu der von Washington sanktionierten Militärholding GAE S.A.. Mit einer am 1. Mai unterzeichneten Präsidialverordnung hat US-Präsident Donald Trump das Sanktionsregime gegen die kubanische Regierung und auf der Insel tätige ausländische Unternehmen v (Si apre in una nuova finestra)erschärft. Washington droht allen Personen und Unternehmen, die mit der kubanischen Regierung Geschäfte machen, mit dem vollständigen Einfrieren ihrer Vermögenswerte in den USA. Das hat dazu geführt, dass zahlreiche ausländische Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu Kuba abgebrochen haben.


Hotelketten reduzieren ihr Kuba-Geschäft. Die spanischen Hotelkonzerne Iberostar und Meliā trennen sich aufgrund der neuesten US-Sanktionen von mehreren Hotels auf Kuba; die Hotelketten Blue Diamond aus Kanada und Archipielago International aus Indonesien, die unter anderem das Grand Aston in Havanna betrieb, stellen ihr Kuba-Geschäft ganz ein. Das ist ein schwerer Schlag für Kubas Wirtschaft und die ohnehin stark angeschlagene Tourismusbranche.

Die spanische Hotelgruppe Meliā gab am 3. Juni bekannt, dass sie die Verwaltung und Vermarktung von 15 seiner 35 Hotels auf Kuba mit sofortiger Wirkung einstellen werde, und verwies dabei auf die sich verschlechternden rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Hotels wurden über die portugiesische Tochtergesellschaft Ilha Bela - Gestão E Turismo gemeinsam mit Gaviota, einer Tochtergesellschaft der von den USA sanktionierten Militärholding GAE S.A., betrieben. In einer behördlichen Meldung erklärte Meliā, der Rückzug sei auf „eine Kombination unvorhergesehener Umstände“ zurückzuführen, die außerhalb der Kontrolle von Ilha Bela lägen und die Rentabilität, Rechtmäßigkeit und Sicherheit der Fortführung des Betriebs erheblich beeinträchtigt hätten. Kuba ist gemessen an der Anzahl der Hotels einer der größten Märkte von Meliā. Das Unternehmen erklärte, die meisten Hotels seien bereits geschlossen oder inaktiv. Ilha Bela arbeite nun an einem geordneten Rückzug aus den Immobilien und ergreife Maßnahmen, um Lieferanten und Kunden auf dem Laufenden zu halten, hieß es.

Zuvor hatte bereits Iberostar bekannt gemacht, die Vermarktung von zwölf seiner 18 Hotels auf Kuba einzustellen (siehe Kuba-Brief Nr. 63 (Si apre in una nuova finestra)) und dabei auf „die globalen regulatorischen Rahmenbedingungen“ verwiesen. Auch hier dürfte die Zusammenarbeit mit Gaviota der Grund für den Rückzug sein.


Air Europa fliegt weiter nach Kuba. Die spanische Fluggesellschaft Air Europa wird weiterhin drei Flüge pro Woche zwischen Madrid und Havanna anbieten. Das bestätigte die Airline gegenüber der spanischen Onlinezeitung Okdiario (Si apre in una nuova finestra): „Wir behalten unsere drei bestehenden Flugverbindungen bei, prüfen die Situation jedoch derzeit.“ Andere spanische Fluggesellschaften wie Iberia und World2Fly hatten zuletzt ihre Verbindungen nach Kuba eingestellt.


US-Sanktionen gegen den kubanischen Präsidenten und weitere Funktionsträger. Das US-Außenministerium hat am 4. Juni weitere Sanktionen (Si apre in una nuova finestra) gegen den kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel sowie vier weitere Personen und fünf Organisationen, darunter Díaz-Canels Ehefrau Lis Cuesta Peraza, deren Sohn, sowie zwei Mitglieder der Familie Castro und das kubanische Verteidigungsministerium verhängt. Sanktioniert wurden laut einer Liste des US-Finanzministeriums (Si apre in una nuova finestra) auch Alejandro Castro Espín, Sohn des ehemaligen Präsidenten Raúl Castro, dessen Sohn Raúl Alejandro Castro Calis, Enkel des früheren Staatschefs, sowie das kubanische Institut für Völkerfreundschaft (ICAP), die zum ICAP gehörende Reiseagentur Amistur, die Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) und MINERA LA VICTORIA S.A., ein kubanisches Joint Venture im Goldbergbau, das von dem in Australien ansässigen Unternehmen Antilles Gold Ltd und dem kubanischen Staatsunternehmen Geominera S.A. gegründet wurde. Die Sanktionen beinhalten ein Verbot von Finanz- und Handelsgeschäften von US-Bürgern und Unternehmen mit den benannten Personen und Organisationen; ihre Vermögenswerte im Zuständigkeitsbereich der USA werden eingefroren.


Fábrica de Arte Cubano schließt vorübergehend. Die schwere Wirtschafts- und Energiekrise, die durch die von den USA verhängte Ölblockade verschärft wird, zwingt eine der bedeutendsten Kulturinstitutionen der Insel zu einer Pause: Die Fábrica de Arte Cubano (FAC) gab am 6. Juni in einer in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Erklärung die vorübergehende Einstellung ihres regulären Betriebs bekannt. Zuletzt öffnete die 2014 gegründete und heute wohl international bekannteste Kultureinrichtung der Insel bereits nur noch an zwei statt wie üblich vier Tagen in der Woche. „Wir sind gezwungen, eine Pause einzulegen“, erklärte das Team der FAC nun und betonte, dass die Entscheidung der Notwendigkeit geschuldet sei, sich neu zu organisieren, um die Qualität des Angebots aufrechtzuerhalten. Zugleich stellte die FAC klar, dass sie für besondere Veranstaltungen punktuell öffnen wird. Die Nachricht löste eine Welle von betroffenen Reaktionen in den sozialen Netzwerken aus.

Die vorübergehende Schließung der FAC erfolgt vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten, von denen Kuba betroffen ist. Die US-Ölblockade hat zu stundenlangen Stromausfällen und zum Einbruch der Tourismuszahlen auf der Insel geführt. Das wiederum hat direkte Auswirkungen auf die FAC. Das Team der Fábrica betont jedoch, dass es sich um eine vorübergehende Schließung handelt: „Wir verpflichten uns, so bald wie möglich zum regulären Programm zurückzukehren, denn wir glauben fest an die Kraft der Kunst, uns in schwierigen Zeiten zu vereinen und zu unterstützen.“

Termine

  • 26. August 2026, 18 Uhr | Swiss-Cuban Summer Soirée 2026 Charity and Networking Event (Restaurant „Die Giesserei“, Zürich)

Die Swiss-Cuban Chamber of Commerce and Industry lädt zu einem sommerlichen Abend mit Networking, spannenden Begegnungen, Musik, kulinarischen Höhepunkten und einer großen Charity-Tombola in entspannter Atmosphäre ein. Wie in den vergangenen Jahren geht der gesamte Erlös der Tombola an das Kinderhilfsprojekt Camaquito, das in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum feiert. Der Hauptpreis wird von Air Europa gesponsert: Zwei Langstrecken-Flugtickets nach Wahl.


Ansprechpartner:

Andreas Knobloch
+49 176 62115961 (WhatsApp/Signal)
MEZ -6h
andreas.knobloch@yahoo.de (Si apre in una nuova finestra)