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Ein Ort der Erinnerung

Liebe Kulturinteressierte,

manchmal ist Kultur laut, imposant und bunt. Und manchmal ist sie ruhig, still und dennoch beeindruckend. Zum Tag des offenen Denkmals habe ich die Synagoge in Hadamar besucht. Ein Raum, der Stille in sich trägt und auch die Frage aufwarf, wie wir heute mit diesem Erbe umgehen. Viele Spaß beim Lesen!

Synagogen sind mehr als Gotteshäuser. Sie sind steinerne Zeugen einer langen Tradition, Erinnerungsorte an das Leben und Wirken jüdischer Gemeinden, aber auch an Brüche und Verluste. Mit der Auseinandersetzung der Geschichte kommen auch Fragen auf. Wie gehen wir heute mit diesem Erbe um? Welche Bedeutung haben solche Orte für uns, auch dann, wenn sie nicht mehr von einer aktiven Gemeinde genutzt werden?

In dieser Ausgabe möchte ich euch mitnehmen. Denn Kultur lebt nicht nur in Festen und Feiern, sondern auch in der stillen Begegnung mit unserer Geschichte.

Synagoge in Hadamar

Geht man die Nonnengasse entlang hoch zum Herzenberg, befindet sich linker Hand ein wenig zurückgesetzt die ehemalige Synagoge in Hadamar. Sie gehört neben dem Schloss und der Gedenkstätte zu den drei Denkmälern in der Fürstenstadt. Sie ist nach Osten Richtung Jerusalem ausgerichtet. Die Fenster und die Eingangstür sind noch original. Neben gotischen Elementen finden sich auch maurische Elemente, da zwei jüdische Familien von der Iberischen Halbinsel stammten.

Die Synagoge in Hadamar ist eine der wenigen Synagogen in Hessen, die noch erhalten sind. Von 1839 bis 1841 wurde sie in Hadamar erbaut. Davor gab es bereits zwei weitere Synagogen in der Fürstenstadt, die heute nicht mehr sichtbar sind. Die Synagoge wurde bis zu ihrer Zerstörung am 09./10.November 1938 als sakraler Ort genutzt. In der Reichsprogromnacht wurde die Synagoge angezündet, doch die Nachbarschaft löschte den Brand. Daraufhin kamen die NS-Truppen mit der Hitlerjugend am nächsten Tag wieder und zerstörten den Innenraum der Synagoge komplett.

Zum Ende des NS-Zeit war angedacht, in dem Gebäude ein Heimatmuseum einzurichten. Von diesen Bemühungen zeugt noch die Skulptur vor der Synagoge, welche keine Verbindung zu dem Gebäude und seiner Geschichte hat. 1948 kam die in den Besitz der Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) in New York, der “erbenloses Vermögen” übertragen wurde. 1953 wurde das Gebäude an die Künstlerfamilie von Ernst Moritz Engert verkauft, der dieses viele Jahre als Atelier nutzte. 1980 erwarb die Stadt das Gebäude, welches zahlreiche Schäden aufwies. Es fanden Restaurationsarbeiten statt und 1982 wurde sie als Gedenk- und Erinnerungsstätte eröffnet. Doch aktuell passiert nicht viel. Die Empore kann nicht begangen werden, da sie baufällig ist und in den Mauern befindet sich Feuchtigkeit, der Putz bröckelt ab. Touristisch Interessierte können die Synagoge besuchen und es finden auch immer wieder schulische wie auch außerschulische Bildungsveranstaltungen statt.

Ende 2021 war die Synagoge Thema in der Stadtpolitik. Bündnis90/ Die Grünen Hadamar beantragten 22.000 Euro für Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen. Die CDU hingegen sah keine Schädigungen in der Bausubstanz und bezeichneten den Zustand als “würdig”. Die Mehrheit der Stadtverordneten sahen keine Notwendigkeit für erneute Sanierungen und Neugestaltungen. Nach diesem Vorstoß wurde es ruhig um das Gebäude und wie weiter damit umgehen. Sie wird ab und zu geöffnet, wie jetzt zum Tag des offenen Denkmals, aber mehr passiert gerade nicht. Es gibt jedoch Stimmen in Hadamar, die sich wünschen, dass in der Synagoge ein Museum eingerichtet wird, welches Einblicke in die jüdische Geschichte im Westerwald gibt.

Diese stille Begegnung erinnerte mich an meine Ausflüge in die Natur der letzten Zeit. Auch dort sind es oft die leisen Eindrücke, die am stärksten wirken: das Spiel des Lichts zwischen Blättern, das Summen von Insekten, eine Blüte am Wegesrand. Natur und Kultur haben dabei etwas Gemeinsames. Beide fordern uns auf, hinzuschauen, uns einzulassen und den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Ich verabschiede mich in ein Wochenende mitten im Wald, um die Stille zu suchen.

Euch ein schönes Wochenende,
Eure Heike

Über mich:

Ich bin jahrelang als freie Journalistin im Landkreis Limburg-Weilburg unterwegs gewesen und habe ein besonderes Interesse am Ehrenamt und der Kultur. In Teilzeit bin ich beim DRK-Kreisverband Limburg für die Öffentlichkeitsarbeit angestellt. Neben dem Kulturnewsletter schreibe ich noch einen touristischen Blog zu den Sehenswürdigkeiten im Landkreis (Si apre in una nuova finestra).

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