Wenn wir Kultur angreifen, greifen wir auch unsere Demokratie an. Kultur schafft Räume für Austausch, für Vielfalt, für unterschiedliche Perspektiven. Alles Dinge, die eine demokratische Gesellschaft ausmachen und zusammenhalten.
Umso aufmerksamer verfolge ich die aktuellen Entwicklungen auf bundespolitischer Ebene. Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer steht immer wieder in der Kritik, weil Entscheidungen getroffen werden, die in der Kulturszene für Verunsicherung sorgen. Ich sehe in seinem Vorgehen eine Gefahr für unsere Demokratie. Warum mich das beschäftigt und weshalb es sich lohnt, genauer hinzuschauen, darum geht es in diesem Beitrag. Viel Spaß beim Lesen!
Freiheit und Verantwortung
Kultur bewegt sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Verantwortung. Der Freiheit, sich auszudrücken, zu hinterfragen, auch unbequem zu sein. Und der Verantwortung, diese Freiheit zu schützen und Räume zu erhalten, in denen sie gelebt werden kann. Im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle darüber geschrieben, warum Kultur ein Fundament unserer Demokratie (Si apre in una nuova finestra) ist: weil sie Begegnung schafft, Vielfalt sichtbar macht und Räume öffnet, in denen Austausch möglich ist. Diese Gedanken sind für mich bis heute aktuell, vielleicht sogar aktueller denn je. Denn Kultur ist nicht nur etwas, das „einfach da ist“. Sie ist darauf angewiesen, dass man sie schützt, fördert und ernst nimmt. Gerade deshalb beschäftigen mich Entwicklungen, bei denen kulturelle Arbeit in Frage gestellt wird oder Entscheidungen getroffen werden, die ihre Bedeutung infrage zu stellen scheinen.

Aktuell zeigt sich das unter anderem in der Diskussion um den Deutschen Buchhandlungspreis, bei dem drei Buchhandlungen entgegen der Empfehlung einer unabhängigen Jury nicht berücksichtigt wurden. Solche Entscheidungen wirken auf den ersten Blick vielleicht wie Einzelfälle. Doch sie berühren eine größere Frage: Welche Rolle messen wir Kultur und insbesondere den vielen engagierten Akteurinnen und Akteuren vor Ort eigentlich zu? Warum darf ein Einzelner entscheiden, was in seinen Augen “richtige” Kultur ist und förderfähig und was nicht? Weimer greift in unabhängige Prozesse ein, trifft politische Entscheidungen und greift damit die Freiheit der Kultur an.
Widerspruch von Kultusministern
Gleichzeitig ist aber auch zu sehen, dass diese Entwicklung nicht unwidersprochen bleibt. Neben den Stimmen aus der Kultur selbst haben sich auch mehrere Kulturpolitikerinnen und -politiker kritisch geäußert, darunter auch der hessische Kulturminister Timo Gremmels. Gemeinsam mit weiteren Stimmen hat er deutlich gemacht, wie sensibel der Umgang mit Kunst- und Meinungsfreiheit ist und wie wichtig es ist, diese zu schützen. Genau in diesem Spannungsfeld zeigt sich, wie verletzlich kulturelle Strukturen sein können. Entscheidungen, die in diese Freiheit eingreifen oder sie infrage stellen, berühren immer auch die Verantwortung, die wir als Gesellschaft für unsere kulturellen Räume tragen.
Buchhandlungen sind weit mehr als Orte des Verkaufs. Sie sind Treffpunkte, Orte des Austauschs, Vermittler von Geschichten und Perspektiven. Gerade unabhängige Buchhandlungen tragen dazu bei, dass Vielfalt sichtbar bleibt und unterschiedliche Stimmen Gehör finden. Wenn solche Orte an Wertschätzung verlieren, betrifft das nicht nur die Kultur selbst, sondern auch das demokratische Miteinander.
Zum Schluss
Ich merke immer wieder, wie sehr Kultur davon lebt, dass Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und Räume schaffen, oft im Kleinen, oft ehrenamtlich, oft ohne große Aufmerksamkeit. Diese Arbeit verdient nicht nur Anerkennung, sondern auch verlässliche Unterstützung. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, sich noch einmal bewusst zu machen, was Kultur für uns bedeutet: nicht als abstrakter Begriff, sondern ganz konkret vor Ort in Vereinen, auf Bühnen, in Museen, in Buchhandlungen.
Denn Kultur braucht beides: Freiheit und Verantwortung. Die Freiheit, sich zu entfalten und die Verantwortung, sie zu schützen. Daher müssen wir widersprechen, wenn Kultur angegriffen wird. Müssen uns für die Freiheit der Kultur einsetzen und dürfen uns nicht einschränken lassen durch einzelne politische Stimmen.
Damit wünsche ich Euch ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal,
Liebe Grüße
Eure Heike

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