Quanto sta la Juve?
Einer der häufigsten Sätze in den Bars Italiens.
In all seinen Abwandlungen, natürlich.
Jahrzehntelang.
Wie steht’s bei Juventus Turin? Wie bei Inter Mailand, wie beim AC Milan, beim AS Rom, bei einer der anderen Männerfußballmannschaften der ersten Profiliga Serie A, an die Millionen Menschen in Italien ihr Herz verloren haben?
Immer wieder gestellt haben sie diese Frage, beim Eintritt in die Bar, den Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens in Italien (Si apre in una nuova finestra).
Sonntäglicher Spaziergang auf der Piazza, nach der Messe, nach dem Mittagessen.
Ach da ist doch Antonio, ein Gruß an den Cousin mit Frau und Kindern, Küsschen rechts, Küsschen links, come state, tutto a posto?
Kurzes Schwätzchen, weiterschlendern.
Noch ein Ciao caro an den Kollegen dort drüben, dann rechts ‘rüber zur Stammbar, wo der Fernseher läuft.
Quanto sta?
Und dann hängen bleiben an der Übertragung des Spiels.
Platz nehmen an einem der Stühle, die der Chef der Bar aufgereiht hat, mi porti un Crodino? Porca miseria, der Rechtsaußen hat aber einen schwachen Tag erwischt, Kopfschütteln, das wird heute nichts mehr.
Zurück auf die Piazza, zurück nach Hause, auf das Sofa fallen lassen, Fernseher an, 90° minuto (Si apre in una nuova finestra) auf Rai Uno.
In den 1990ern und 2000ern haben Millionen Menschen in Italien so oder so ähnlich ihre Sonntagnachmittage und -abende verbracht.
Klar, es gab die hunderttausenden, die ins Stadion gefahren sind, diejenigen, die Sonntagsschichten arbeiten mussten oder unterwegs waren und die Spiele nur im Radio hören konnten.
Und ja: Natürlich war auch in Italien immer schon vielen Menschen Fußball schlicht egal.
Aber wirklich vorbeigekommen ist im italienischen Alltag daran eben kaum jemand. Der Fußball, so wirkmächtig, dass sich rund um ihn die einflussreichsten Männer des Landes tummelten (Si apre in una nuova finestra).
Sonntag, 15 Uhr, Anpfiff.
La domenica è del pallone, der Sonntag gehört dem Fußball.
Jahrzehntelang ist das so gewesen in Italien.
