“Ich mach oben.” Drei Worte, die dazu führen, dass ich meine Aufmerksamkeit von einem Teil des Bildschirms abziehe, mich auf einen anderen konzentriere und darauf vertraue, dass meine Koop-Partnerin das Spiel am Laufen hält.
In den letzten Wochen bin ich gemeinsam mit besagter Partnerin wieder sehr tief ins gemeinsame Spielen von Cook, Serve, Delicious! 2!! gefallen. In diesem Kochspiel arbeitet man für unterschiedliche Restaurantketten und jagt Bestleistungen, indem man die Bestellungen der Kund*innen bearbeitet, bevor diese unruhig werden, und die Gerichte genau nach Wunsch kocht. Gerade in den schwierigen Levels wird das extrem hektisch. Denn nicht nur kommen immer wieder neue Bestellungen rein – auf der linken Seite des Bildschirms von oben nach unten angeordnet – zwischen denen man außerdem noch Wartungs- und Reinigungsarbeiten durch simple Tastenkombinationen simulieren muss, es gibt dazu auch noch sogenannte Holding Stations; Warmhaltestationen, die am oberen Bildschirmrand von links nach rechts angeordnet sind. In jeder davon können je nach Level unterschiedliche Gerichte bereitgehalten werden. Manche davon muss man in den Warmhaltestationen vorrätig halten, etwa Haferbrei, andere kann man dort vorbereiten, zum Beispiel Burger-Buletten, wieder andere Beilagen wie Salate oder gekochte Eier gelten als optional, erhöhen aber die Zeit, bis Kunden ungeduldig werden. Abzuwägen, wie man die jeweils vorhandene Anzahl an Stationen nutzt, ist also extrem wichtig, und das stetige Nachfüllen darf im Trubel des Gerichtekochens nicht untergehen, sonst findet man sich ganz schnell in einer Spirale aus unzufrieden abrauschenden Kund*innen wieder.

Auftritt Kommunikation. Denn irgendwann fiel mir auf, dass meine Partnerin und ich ganz unbewusst ein gemeinsames Vokabular aufgebaut hatten. Wer “oben” macht, kümmert sich um die Holding Stations. “Oben” wird zum Fachbegriff, er hat genau eine spezifische Bedeutung, die dem jeweils anderen exakt das vermittelt, was der Sprecher damit meinte.
Auch im Anzeigen mit dem Cursor schlagen sich, geradezu Zeichensprache-artige, Verständigungsmechanismen nieder. Schiebe ich meinen Cursor nach unten, gebe ich damit zu verstehen, dass ich ihr die oberen Gerichte überlasse. Denn man kann zwar gemeinsam mit dem Cursor auf denselben Gerichten ruhen, auch und vor allem wenn diese gerade kochen, doch klickt man zu früh oder hält sich für den Cursor des anderen, gibt man schnell ein schlechtes Gericht heraus. Meist halten wir unsere Cursor also jeweils einen Slot entfernt vom anderen: Sie auf der eins, ich auf der drei et cetera. Darüber haben wir nie geredet, es hat sich einfach so aus den Möglichkeiten, die uns das Spiel gibt, und den Anforderungen, die es an uns stellt, ergeben. Dabei ist Cook, Serve, Delicious! 2!! nicht so restriktiv in den Kommunikationsmöglichkeiten, die es uns gibt, wie beispielsweise Elden Ring: Nightreign, schließlich sitzen wir nebeneinander auf der Couch und könnten uns detailliert besprechen. Doch das bewusste Stresslevel, das das Spiel aufbaut, hindert uns daran und zwingt uns, mit kurzen Codewörtern und den visuellen Codes der Spieloberfläche effizient zu arbeiten. So entsteht ganz von selbst eine neue Fachsprache, nur für uns zwei. – Pascal
Neueste Beiträge auf Language at Play
Ganz frisch erschienen ist unser neuester Gastbeitrag von Katja Politt zu ihrem sympathisch gamifizierten Syntax-Seminar Syntagma (Si apre in una nuova finestra). Es schafft eine Fantasy-Welt mit Tu-hu-tor*innen und Konstitu-Enten, die es einem leichter macht, auch etwas trockenere Zusammenhänge leichter zu lernen und zu behalten.
Apropos Nightreign: Als kleinen Teaser könnt ihr euch bereits auf einen Text zu Kommunikationsmöglichkeiten im neuesten FromSoftware-Multiplayertitel freuen.
Und habt ihr mitbekommen, dass wir unseren Call zu Kartenspielen und Spielkarten bis zum 01. September verlängert haben? Es kamen zwar bereits einige tolle Einreichungen rein, aber mit der gamescom im Blick und Pascals kürzlichem Aufkauf eines Spielemediums (Si apre in una nuova finestra) im Nacken haben wir uns und euch ein wenig mehr Zeit gegönnt. Also reicht gerne noch ein!
Termine
Auf languageatplay.de (Si apre in una nuova finestra) findet ihr stets eine Übersicht (Si apre in una nuova finestra) über die aktuellsten Calls und Game-Studies-Veranstaltungen. Hier einige der kommenden Highlights:
Vom 12. bis 14. September finden in Wetzlar die Tage der Phantastik zum Thema Jenseits von Elbisch – Konstruierte Sprachen in Phantastischen Welten (Si apre in una nuova finestra) statt.
Fundstücke
Falls ihr eure Terminhinweise oder Fundstücke in Zukunft hier sehen oder einen Gastartikel über euer Wunschthema schreiben möchtet, könnt ihr uns diese per E-Mail (Si apre in una nuova finestra) oder Social Media (Si apre in una nuova finestra) zukommen lassen.
In Donkey Kong Bananza wurde schon vor Veröffentlichung eine “secret in-game language” (Si apre in una nuova finestra) entdeckt. Auch wenn es wieder mehr eine secret in-game Schrift ist, ist die versteckte Nachricht darin doch unterhaltsam.
Magic Data Science (@mtgds.bsky.social (Si apre in una nuova finestra)) zeigt einen Graph, der die Entwicklung von Flavor-Texten in Magic: The Gathering-Expansions (Si apre in una nuova finestra) nachzeichnet. Flavor-Texte sind solche Texten, die nicht zwingend notwendig für die Funktion der Karten sind, aber der Spielwelt einen gewissen ‘Geschmack’ verleihen.
@alexstrook.bsky.social (Si apre in una nuova finestra) entdeckt ein auffälliges LLM-Muster in begeisterten Kommentare zu Darksiders 4 (Si apre in una nuova finestra).