Hallo und herzlich Willkommen zur zehnten Ausgabe „Mediapreneur“.
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Wenn ich recherchiere, was es über unabhängiges Publizieren und Mediapreneurship zu wissen gibt, stoße ich immer wieder auf dasselbe Problem: Fast alle belastbaren Daten kommen aus den USA. Was in Leipzig, Wien oder Zürich wirklich passiert – das wissen wir nicht.
Noch nicht. Kerstin Hasse und Gabriella Alvarez-Hummel von The Creator Press (Si apre in una nuova finestra) wollen das ändern – 🗳️ mit der ersten großen Umfrage zum Creator-Journalismus im DACH-Raum (Si apre in una nuova finestra). Ich bitte dich, sie auszufüllen.
Und hier ist, warum mir das so wichtig ist.
Es gibt Daten – es sind nur nicht unsere
Ich grabe mich leidenschaftlich gerne durch Studien, Reports und Plattformdaten, denn ich brauche sie für meine Arbeit als Mediapreneur und Stratege. In ihnen suche nach Antworten auf die Fragen:
Wo entwickelt sich der Markt hin?
Welche Trends lassen sich ablesen?
Bin ich noch auf dem richtigen Pfad?
Die Antworten bestimmen meine Media-Entscheidungen maßgeblich.
Und sie sind da! Die relevanten Erkenntnisse, die mich innehalten lassen. Die mich ALLES hinterfragen lassen. Doch dann ertönt jedes Mal ein leises „Mhh, warte mal“ im Hinterkopf. 🤔
Denn fast alle Erhebungen stammen aus internationalen Studien, betrachten nur die USA oder untersuchen ein Segment, das uns zwar betrifft, aber für einen viel breiteren Anwendungskreis erhoben wurde (SEO, Social Media, Abos… für viele relevant).
Die Insights können wahr sein – für uns, hier, in diesem Markt. Aber sie müssen es nicht.
Lass mich das an drei Beispielen zeigen:
Der Kuchen wird größer. Für die meisten bleibt weniger übrig.
AHA: Der Median-Verdienst von Creator:innen ist zwischen 2023 und 2025 von 3.500 auf 3.000 Dollar gesunken – während der Gesamtmarkt auf über 200 Milliarden Dollar gewachsen ist. Die oberen 10 % kassieren mittlerweile 62 % aller Werbeeinnahmen, ein Drittel davon geht allein an die Top-1%. (Quelle: Archive (Si apre in una nuova finestra))
Wer mit „Creator Economy“ wirbt, beschreibt den Zustand von ein paar Tausend Menschen weltweit – nicht von Millionen.
MHH: Aber was ist ein „Creator“? Überwiegend Instagram-Influencer:innen, YouTube-Kanäle, TikTok-Accounts – deren Erfolg in US-Dollar, auf US-Plattformen, mit US-Werbebudgets gemessen wird.
Anekdotisch glaube ich zwar, dass die Kernaussage auch auf den DACH-Raum zutrifft, aber genau weiß ich es nicht. Für die Podcast-Charts trifft es auf jeden Fall zu – warum dann nicht auch für die Werbeerlöse? Klingt schlüssig.
Autsch: Drei Viertel der Nichtzahlenden zahlen NIE.
AHA: 71 % der Menschen, die aktuell nicht für journalistische Inhalte zahlen, lassen sich durch kein Angebotsformat überzeugen. Nicht durch günstigere Preise, nicht durch bessere Produkte, nicht durch flexiblere Modelle (Quelle: Reuters Digital News Report 2025 (Si apre in una nuova finestra)). Ein struktureller Teil unseres Publikums ist dauerhaft raus.
Und hier kommt das eigentliche DACH-Paradox: 84 % der deutschen Haushalte haben mindestens ein kostenpflichtiges Medienabo. Im Schnitt sogar sieben. Aber 76 % davon fließen in Video-Streaming, 55 % in Audio – und nur 24 % in Journalismus (Quelle: Score Media (Si apre in una nuova finestra)). Zahlungsbereitschaft existiert also grundsätzlich.
MHH: Die Reuters-Studie misst „journalistische Inhalte“ – aber was darunter fällt, sind mehrheitlich etablierte Nachrichtenmarken. Spiegel. Süddeutsche. NYT. Gilt die Kaufzurückhaltung in der Bevölkerung genauso für einen spezialisierten Nischen-Newsletter über Klimapolitik? Für eine Podcast-Community, in der man die Hosts persönlich kennt? Das wäre eine ganz andere Frage – und niemand hat sie bisher gestellt.
Google-Traffic bricht uns weg.
AHA: Der organische Suchtraffic zu Nachrichtenseiten ist global um 33 % gesunken – in einem Jahr (Quelle: Search Engine Land (Si apre in una nuova finestra)). Einzelne Publisher verloren bereits jegliche Sichtbarkeit in Suchmaschinen.
MHH: Betroffen sind vor allem große Nachrichtenwebsites, die über SEO Traffic aufgebaut haben – Buzzfeed-ähnliche-Publikationen, Magazine, Aggregatoren. Aber wie viele Mediapreneure haben SEO überhaupt als primären Kanal genutzt? Wer kann mit der Veröffentlichungsfrequenz von großen Medienhäusern überhaupt mithalten, um bei Google hoch gerankt zu werden?
Und waren der direkte Aufbau einer Newsletter-Liste und einer Podcast-Audience bei uns nicht schon immer das vorrangige Modell – weshalb uns dieser Einbruch weniger hart als angenommen getroffen haben könnte?
Ich weiß es nicht. Und das ist der Punkt.
Wir arbeiten mit Annahmen
Die Absurdität, die mich bei meinen Recherchen am meisten beschäftigt: Wir haben Zahlen. Viele davon sind faszinierend. Einige sind alarmierend. Und fast alle liefern echte Denkimpulse.
Aber in dem Moment, in dem ich sie auf unsere Situation anwenden will – auf deutschsprachige Creator-Journalist:innen, auf Indie-Publisher mit 500 bis 5.000 Abonnent:innen, auf Menschen, die aus ihrer Stimme heraus ein nachhaltiges Media-Business aufbauen wollen – bleiben reine Annahmen zurück.
Annahmen, die wahr sein können. Aber es nicht sein müssen.
Top-verdienende Creator:innen nutzen im Schnitt sieben oder mehr Einnahmequellen, Low-Earner stehen bei zwei (Quelle: Creator Spotlight (Si apre in una nuova finestra)). Gilt das hier genauso? Welche Einnahmequellen funktionieren im DACH-Raum überhaupt – und welche scheitern an Zahlungsinfrastruktur, Kulturunterschieden, Marktgröße?
Ich weiß es nicht. Noch nicht.
Was bleibt, ist meine ureigene Gewissheit, die keiner weiteren Erhebung bedarf: Tiefe der Verbindung schlägt Breite der Reichweite – auf jedem Kanal, unter jeder Bedingung.
Signale dafür sind…
Wer schreibt zurück und sucht deine Nähe?
Wer empfiehlt aktiv weiter?
Wer zahlt, weil er oder sie es will und nicht „gerade zufällig im Feed“ war?
Das sind die Menschen, auf die es ankommt. Und genau deshalb brauchen wir endlich Daten über uns selbst – nicht über den US-Markt.
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Warum das jetzt zählt
Gabriella Alvarez-Hummel (Si apre in una nuova finestra) hat mir erzählt, wie The Creator Press entstanden ist:
„Kerstin und ich haben beide ungefähr gleichzeitig unsere Newsletter gestartet und merkten schnell: Wir teilen dieselben Struggles. Aus diesem Austausch ist die Idee entstanden, einen Verein für Creator-Journalist:innen im DACH-Raum zu gründen. Aber dann kam die nächste Frage: Was soll dieser Verein eigentlich konkret anbieten? Die Daten, um das zu beantworten, fehlten. Also haben wir beschlossen, sie selbst zu sammeln.“
Genau das. Wenn wir Klarheit wollen, müssen wir sie selbst herstellen.
Ihre Umfrage fragt nach finanzieller Situation, Arbeitsmodellen, mentaler Gesundheit, kreativer Freiheit und dem Verhältnis zu Medienhäusern. Gefördert durch die Stiftung Mercator Schweiz, geplante Veröffentlichung im Juni 2026.
Sieben Minuten, anonym. Let’s go!
Es ist der dringend benötigte Anfang. Ein realistischer Blick in eine unrealistische Branche. Wie geil ist es eigentlich, dass wir zu dieser Zeit mit diesen Möglichkeiten wirksam werden können?
Und jetzt bin ich neugierig auf dich: Was wäre für dich der wichtigste Datenpunkt, der deine Strategie schon heute maßgeblich beeinflusst? Was würdest du am liebsten mit Gewissheit wissen – über dich, über den Markt, über andere?
Für mich steht nach diesem kleinen Exkurs jedenfalls fest: Ich baue lieber weiter für zehn Menschen, die antworten, als für tausend, die nur scrollen.
Wir lesen uns
David
🎒 Mediapreneur ist Ambassador der Berliner Mitgliedschafts-Plattform Steady. Wenn du dich über unseren Affiliate-Link anmeldest (Si apre in una nuova finestra), können wir dir eine 60-minütige, individuelle Beratung zu deiner Community-Finanzierung anbieten. Für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. Du sparst sogar die Steady-Provisionen in den ersten drei Monaten nach Launch.
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