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8 Was bleibt von Luther & Calvin? Maja Göpel…

Lesezeit: ca. 10 Minuten
Für alle, die sich fragen: Was bleibt vom Christentum, wenn wir wirklich rausgehen aus der alten Phase? Antwort: Mehr, als man denkt – aber ganz anders als bisher, halt eben: Theologie for runaways… (Theologie für Weitüberdenhorizontläufer:innen). -

  • Jetzt 35 Min. hören oder einfach nur lesen?

Luther, Calvin, Bregman & Co. – Was bleibt vom Christentum in der Metamoderne?

Willkommen zu einer weiteren Folge von „Humor am Rande des Erdbeerfelds“ – dem Podcast, in dem wir uns mit Witz, Tiefgang und einer Prise Theologie aus dem alten Christentumsparadigma ins verheißungsvolle Neuland des Transchristentums aufmachen. Diesmal nehmen Ann-Christin Reuter (Prädikantin und Erdbeerfeld-Philosophin) und Helge Seekamp (Ruhe-geprägter Theologe mit Calvin- und Luther-Background) euch mit auf eine Reise durch 1700 Jahre Kirchengeschichte – und fragen: Was davon taugt noch für die Zukunft? Was darf ins neue Zeitalter der Metamoderne mitkommen – und was kann getrost im Museum der Nach-Konstantinischen Phase bleiben?

Kleine Warnung vorab: Es wird theologisch, aber nicht trocken. Es gibt Luther und Calvin, aber auch Calvin & Maja Göpel. Und es gibt die große Frage: Ist der Mensch eigentlich gut? (Spoiler: Die Antwort ist, wie immer, ambivalent.) 

Was bisher geschah: Mensch, du bist gut – oder?

Nach einer Runde durch die Bestseller der Evolutionsbiologie und Sozialwissenschaften (u.a. Rutger Bregman, Michel & van Schaik) stehen wir vor der Gretchenfrage: Ist der Mensch im Grunde gut? Oder doch eher ein hoffnungsloser Fall – wie Luther und Calvin es vermuten?

Wir rekapitulieren: 

  • Luther – der depressive Mönch, für den der Mensch immer Sünder bleibt und Gnade von außen braucht.

  • Calvin – der humanistisch gebildete Jurist, der immerhin an Transformation glaubt, aber auch an göttliche Erwählung (und an eine gewisse Disziplin).

  • Bregman & Co. – die Evolutionsoptimisten, die sagen: Der Mensch ist kooperativ, wenn die Strukturen stimmen!

  • Michel & van Schaik – die uns zeigen, wie viel von unserer „zweiten Natur“ (Kultur, Besitz, Institutionen) eigentlich auf Schieflagen und Fehlkopplungen beruht.

 

Humor am Rande der Dogmatik: Lutheraner im schwarzen Loch, Calvinisten im Burnout

Mit einem Augenzwinkern nehmen wir die beiden großen Player der Reformation auseinander:

  • Lutheraner: Meister der radikalen Ehrlichkeit („Ich bin halt Sünder, kann nix machen…“), aber auch Spezialisten für depressive Grundstimmung, die er manchmal aggressiv auslebt, wenn er apokalyptisch predigt :-)

  • Calvinisten: Hoffnung auf Veränderung, aber mit der Gefahr, im Leistungsdruck und Moralismus zu landen („Du musst dich halt mehr anstrengen, sonst bist – aka: „wirkst”– du nicht erwählt!“).

Beide haben ihre Stärken: 

  • Luther bringt die Ehrlichkeit über menschliche Grenzen ein und ist anschlussfähig an heutige Traumata (und ist damit erstaunlich modern, Stichwort: Tiefenpsychologie, Trauma, Unbewusstes).

  • Calvin bringt die Hoffnung auf Veränderung und die menschliche Fähigkeit zur Transformation mit ins Bild (heutige Stichworte: neuronale Plastizität, Coaching, positive Psychologie).

Aber beide haben auch ihre Schwächen: 

  • Luther(aber) lassen wenig Raum für Optimismus und Entwicklung. Krieche täglich in die Taufe, sag ich nur!

  • Calvin(ismus) kann schnell zur Burnout-Maschine werden, wenn Transformation zum Beweis-Zwang von Segen wird.

 

Metamoderne Theologie: Die liegende Acht als neues Glaubensbekenntnis

Wir schlagen vor: 

  • Radikale Ehrlichkeit (Luther) trifft auf Transformationskraft (Calvin).

  • Die liegende Acht (∞) als Symbol für Ambivalenzfähigkeit: Wir pendeln zwischen Grenzen und Möglichkeiten, zwischen Annahme und Veränderung.

  • Wir nehmen Abschied von der alten, nach-konstantinischen Kirche (Grüße an Klaus Peter Jörns!) und bauen uns eine Theologie, die Trauma, Grenzen, aber auch Hoffnung und Wandel ernst nimmt.

Sünde? – Systemische Fehlkopplung, nicht individuelles Totalversagen. WICHtiG (wird in meinem kommenden Buch “Lachen gegen die Metakrise praktisch ausgeführt).
Gnade? – Resilienz- und Transformationsressource, die auch in uns selbst wohnt (nicht nur von außen kommt).
Heiligung? – Kulturelle Entwicklungsfähigkeit: Wir können als Gesellschaft und Individuen wirklich etwas verändern – wenn wir die Strukturen mitdenken.

 

Fazit: Was nehmen wir mit ins Transchristentum?

  • Die radikale Ehrlichkeit, dass es Grenzen und Wunden gibt (Luther).

  • Die Hoffnung auf Veränderung, die in Gemeinschaft und neuen Strukturen möglich ist (Calvin, Bregman, Michel & van Schaik).

  • Die Bereitschaft, Ambivalenz auszuhalten und die „liegende Acht“ zu leben.

  • Die Einsicht, dass es nicht nur um individuelle, sondern auch um strukturelle Transformation geht – und dass wir die großen Themen (Patriarchat, Klima, Wirtschaft) mutig anpacken müssen.

 

Zum Weiterhören:
Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich das Lied „Allein deine Gnade genügt“ (Si apre in una nuova finestra) nochmal mit metamoderner Brille anhören – und sich fragen: Ist das noch Luther, schon Calvin oder vielleicht sogar Transchristentum?

https://youtu.be/fivL0HZjnb8?si=Axyk6Ea9iS_QfuUR (Si apre in una nuova finestra)

In diesem Sinne:
Wir predigen weiter, bis auch die letzte Erdbeere verstanden hat, dass der Mensch im Grunde gut ist – und dass da noch was geht.
Adele & Tschüssi!

Argomento Theologie

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